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Grimoire: Die berühmtesten Zauberbücher der Geschichte — und wie ein eigenes entsteht

Dieser Artikel zeigt dir, was ein Grimoire historisch wirklich war, welche Handschriften und Drucke die europäische Magiegeschichte geprägt haben und wie ein eigenes Ritualbuch sinnvoll aufgebaut wird. Er liefert dir keine Anleitungen aus historischen Schadenzauber-Texten und keine Versprechen darüber, was ein handgeschriebenes Buch bewirken soll.

Ein altes ledergebundenes Buch mit glattem Einband liegt aufgeschlagen auf einer dunklen Steinfläche, daneben eine schwarze Rabenfeder und eine brennende Kerze vor dunkelgrüner Wand.

Dieser Artikel zeigt dir, was ein Grimoire historisch wirklich war, welche Handschriften und Drucke die europäische Magiegeschichte geprägt haben und wie ein eigenes Ritualbuch sinnvoll aufgebaut wird. Er liefert dir keine Anleitungen aus historischen Schadenzauber-Texten und keine Versprechen darüber, was ein handgeschriebenes Buch bewirken soll.

Schnellantwort

Ein Grimoire ist ein historisches Handbuch der Ritualmagie — eine Sammlung von Arbeitsanweisungen zu Vorbereitung, Zeitfenstern, Materialien und Anrufungen, nicht ein Buch mit Geheimwissen. Der Begriff stammt vom altfranzösischen Wort für Grammatik. Zu den wichtigsten europäischen Beispielen zählen die griechischen Zauberpapyri, die Clavicula-Salomonis-Handschriften und das Münchner Handbuch der dämonischen Magie, das als Codex latinus monacensis 849 in der Bayerischen Staatsbibliothek liegt. Im deutschsprachigen Raum prägte vor allem Das sechste und siebente Buch Mosis das Bild vom Zauberbuch; die Zuschreibung an Moses ist erfunden. Wichtig zur Einordnung: Historische Grimoires sind Quellen zur Kulturgeschichte, keine überprüften Anleitungen — ihre Wirkversprechen sind wissenschaftlich nicht belegt, und viele überlieferte Rezepte enthalten giftige Substanzen.

Einordnung
Belegt

Das Münchner Handbuch der dämonischen Magie ist als Codex latinus monacensis 849 in der Bayerischen Staatsbibliothek katalogisiert und stammt aus dem 15. Jahrhundert

Quelle/Tradition: Handschriftenkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek; Edition Kieckhefer 1998

Belegt

Die bis heute nachgedruckte Fassung des Sechsten und Siebten Buchs Mosis erschien 1849 im Verlag Scheible in Stuttgart, das Werk wurde 1956 in der Bundesrepublik verboten

Quelle/Tradition: Bibliografische Nachweise; dokumentierte Verlags- und Rechtsgeschichte

Überliefert

Die griechischen Zauberpapyri aus dem römischen Ägypten enthalten Anrufungen, Amulettanweisungen und Traumorakel

Quelle/Tradition: Papyri Graecae Magicae, Edition Preisendanz

Überliefert

Die Clavicula-Salomonis-Handschriften wurden König Salomo zugeschrieben, stammen jedoch frühestens aus dem Spätmittelalter

Quelle/Tradition: Handschriftenüberlieferung des 16. bis 18. Jahrhunderts

Überliefert

Der überwiegende Teil der Operationen im Münchner Handbuch ist divinatorisch ausgerichtet und dient dem Erlangen von Wissen

Quelle/Tradition: Inhaltsanalyse der Handschrift bei Kieckhefer

Gelebte Praxis

Viele Praktizierende führen heute ein persönliches Ritualbuch als Arbeitsjournal mit Protokollteil

Quelle/Tradition: Verbreitete zeitgenössische Praxis seit der modernen Hexenbewegung

Nicht belegt

Ein handgeschriebenes Buch oder eine überlieferte Formel verstärkt die Wirksamkeit eines Rituals oder beeinflusst Gesundheit und Ereignisse

Quelle/Tradition: Kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Was ein Grimoire überhaupt ist — und was nicht

Das Wort Grimoire stammt aus dem Altfranzösischen und ist mit grammaire verwandt, der Grammatik. Das ist kein Zufall. In einer Zeit, in der Lesen und Schreiben eine Minderheitenfähigkeit waren, galt jedes lateinische Buch als schwer durchschaubar — und ein Buch, das sich mit Geistern, Planeten und Beschwörungen befasste, erst recht. Aus der Grammatik wurde das Zauberbuch.

Ein Grimoire ist im Kern ein Handbuch. Kein Erbauungsbuch, kein philosophischer Traktat, sondern eine Sammlung von Arbeitsanweisungen: Wie stelle ich ein Amulett her, an welchem Tag, mit welcher Anrufung, in welcher Reinheit. Wer historische Grimoires zum ersten Mal liest, ist meist überrascht, wie trocken und wie technisch sie klingen. Sie lesen sich wie Werkstattbücher, nicht wie Poesie.

Und noch etwas ist wichtig: Ein Grimoire ist kein einheitliches Genre. Zwischen einem gelehrten lateinischen Beschwörungshandbuch aus dem 15. Jahrhundert und einem Groschenheft mit Hausmitteln aus dem 19. Jahrhundert liegen Welten — auch wenn beide heute im selben Regal stehen.

Die Wurzeln: Zauberpapyri und der Schlüssel Salomons

Die ältesten europäisch überlieferten Texte dieser Art sind die sogenannten griechischen Zauberpapyri — eine Sammlung von Papyri aus dem griechisch-römischen Ägypten, entstanden etwa zwischen dem 2. Jahrhundert vor und dem 5. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung. Sie enthalten Anrufungen, Traumorakel, Amulettanweisungen, Liebeszauber und Schutzformeln. Karl Preisendanz hat sie im 20. Jahrhundert erstmals systematisch ediert. Wer sie liest, findet dort bereits alles, was später zum Standard wird: Namensreihen, Reinigungsvorschriften, Zeitfenster, Materialien.

Der berühmteste Strang der späteren Tradition trägt den Namen eines biblischen Königs: der Clavicula Salomonis, der Schlüssel Salomons. Salomo galt seit der Antike als Beherrscher der Geister — eine Zuschreibung, die aus jüdischen und christlichen Legenden stammt, nicht aus dem biblischen Text selbst. Unter diesem Titel zirkulierten vom 16. bis ins 18. Jahrhundert zahlreiche Handschriften in Latein, Italienisch, Französisch, später auch auf Deutsch. Sie enthalten Pentakel, Planetenzuordnungen, Gottesnamen und detaillierte Vorbereitungsvorschriften.

Entscheidend für das Verständnis: Diese Bücher wurden Salomo zugeschrieben. Sie stammen nicht von ihm. Die Zuschreibung war ein Autoritätsargument — so wie später Moses.

Das Münchner Handbuch: ein Zauberbuch aus dem 15. Jahrhundert

Wer wissen will, wie spätmittelalterliche Ritualmagie tatsächlich aussah, kommt an einer Handschrift nicht vorbei: dem Münchner Handbuch der dämonischen Magie, katalogisiert als Codex latinus monacensis 849 in der Bayerischen Staatsbibliothek. Der lateinische Text stammt aus dem 15. Jahrhundert und trägt den nüchternen Titel Liber incantationum, exorcismorum et fascinationum variarum.

Der Historiker Richard Kieckhefer hat die Handschrift 1998 unter dem Titel Forbidden Rites ediert und kommentiert. Was er darin fand, ist aufschlussreich: Die Mehrzahl der beschriebenen Operationen ist divinatorisch — es geht ums Erfahren, nicht ums Schaden. Neunzehn der Experimente dienen dem Erlangen von Wissen. Andere zielen auf sehr weltliche Anliegen: gestohlenes Gut wiederfinden, einen Dieb überführen. Typisch sind das Schauen in eine spiegelnde Fläche und der Einsatz eines Kindes als Medium.

Das ist der historische Befund, und er widerspricht dem Klischee. Die Bücher, vor denen die Obrigkeit sich fürchtete, waren zu großen Teilen Handbücher zur Informationsbeschaffung.

Die deutschen Volksgrimoires: Mosis, Romanus, Höllenzwang

Im deutschsprachigen Raum hat ein Werk die Vorstellung vom Zauberbuch geprägt wie kein zweites: Das sechste und siebente Buch Mosis. Der Titel taucht erstmals 1734 bei Peter Hammer in Köln auf. Die Fassung, die bis heute nachgedruckt wird, erschien 1849 im Verlag von Johann Scheible in Stuttgart, mit erweiterten Neuauflagen 1851 und 1853.

Der Inhalt ist ein Konglomerat: Beschwörungsformeln, volksalchemistische Rezepte, Siegel, Hausmittel. Die Zuschreibung an Moses ist frei erfunden und folgt derselben Logik wie bei Salomo — Moses hatte in der biblischen Erzählung die ägyptischen Zauberer besiegt, also musste er über besondere Mittel verfügen. In ländlichen Gegenden hielt sich hartnäckig die Vorstellung, wer das Buch besitze, könne zaubern, Schätze heben oder sich unsichtbar machen.

Häufig mitgebunden war das Romanusbüchlein, eine Sammlung von Segen und Abwehrformeln, die vor allem im bäuerlichen Alltag Anwendung fand. Unter dem Sammelbegriff Höllenzwang wiederum liefen Texte, die Faust zugeschrieben wurden — auch das eine Legendenzuschreibung ohne historische Grundlage.

Bemerkenswert ist das juristische Nachspiel: In der Bundesrepublik wurde das Sechste und Siebente Buch Mosis 1956 verboten, der Verleger Ferdinand Masuch wurde wegen Betrugs verurteilt. Das Zauberbuch endete vor Gericht — nicht als Ketzerei, sondern als Verbraucherschutzfall.

Was in einem Grimoire wirklich steht: die typischen Bausteine

So unterschiedlich die Texte sind, ihre Bauteile wiederholen sich erstaunlich konstant. Wer die Struktur kennt, liest jedes historische Grimoire schneller.

  • Vorbereitung des Praktizierenden. Fasten, Waschungen, saubere Kleidung, oft mehrere Tage. Der größte Teil vieler Anleitungen entfällt auf diesen Abschnitt.
  • Zeitfenster. Wochentag, Mondphase, Planetenstunde. Zeit ist in diesen Texten kein Beiwerk, sondern Bedingung.
  • Der Raum. Ein abgegrenzter Bereich, meist ein gezogener Kreis, mit Namen und Zeichen an den Rändern.
  • Werkzeuge und Materialien. Messer, Kerzen, Räucherwerk, Pergament, Tinte — oft mit genauen Herstellungsvorschriften für jedes einzelne Stück.
  • Die Anrufung. Lange Namensreihen, häufig hebräische, griechische und lateinische Gottesnamen nebeneinander.
  • Der Abschluss. Entlassung, Auflösung des Kreises, Aufbewahrung des Ergebnisses.

Was in historischen Grimoires so gut wie nie steht: eine Erklärung, warum das Ganze funktionieren soll. Die Theorie stand in anderen Büchern. Das Grimoire war die Werkstattseite.

Vom Grimoire zum Buch der Schatten

Die moderne Hexenkunst hat aus dieser Tradition etwas Eigenes gemacht. Das Buch der Schatten, wie es in der Wicca-Bewegung seit der Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet wird, unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt vom historischen Grimoire: Es ist persönlich.

Das historische Zauberbuch war ein Handbuch mit Autoritätsanspruch — abgeschrieben, weitergegeben, unverändert kopiert. Das Buch der Schatten ist ein Arbeitsjournal: Man trägt ein, was man selbst getan hat, was gewirkt hat, was nicht. Aus der Kopie wurde das Protokoll.

Diese Verschiebung ist historisch jung, sie ist praktisch klug, und sie ist der Grund, warum ein eigenes Buch heute überhaupt Sinn ergibt. Wer nur abschreibt, sammelt Fremdmaterial. Wer protokolliert, baut Erfahrungswissen auf.

Ein eigenes Ritualbuch anlegen: ein Aufbau, der trägt

Es gibt keine verbindliche Form. Es gibt aber eine Gliederung, die sich in der Praxis bewährt hat, weil sie das Wiederfinden erleichtert — und genau daran scheitern die meisten Ritualbücher nach einem halben Jahr.

  1. Vorne: dein Rahmen. Zwei, drei Seiten. Womit arbeitest du, womit nicht. Was ist dir wichtig. Klingt banal, ist der Teil, den du in drei Jahren am dankbarsten liest.
  2. Teil eins: Grundlagen. Korrespondenzen, Zeitfenster, Materialien. Das Nachschlagewerk.
  3. Teil zwei: Abläufe. Rituale und Übungen in klarer Schrittfolge. Ein Ablauf pro Doppelseite, damit rechts Platz für Notizen bleibt.
  4. Teil drei: Protokoll. Datum, Mondphase, Anliegen, Ablauf, Beobachtung, Rückblick nach vier Wochen. Dieser Teil ist der wertvollste und wird am häufigsten weggelassen.
  5. Hinten: Index. Fünf leere Seiten, die du beim Schreiben mitpflegst.

Zum Material: Ein gebundenes Buch zwingt zur Chronologie, ein Ringbuch erlaubt Umsortieren. Beides hat gute Gründe. Wichtiger als die Ausstattung ist, dass du es tatsächlich aufschlägst. Ein schönes Buch, das unberührt bleibt, ist ein Dekorationsgegenstand.

Die Grenze: wo historische Texte heute nicht mehr taugen

Historische Grimoires sind Quellen. Sie sind keine Gebrauchsanweisungen für das Jahr 2026. Drei Gründe:

Erstens die Rezepte. Volksmagische Sammlungen enthalten Anweisungen mit Quecksilber, Blei, giftigen Pflanzen und Substanzen, die man heute nicht in die Hand nimmt. Das ist kein moralischer Einwand, sondern ein toxikologischer.

Zweitens die Zwangslogik. Ein erheblicher Teil der Beschwörungsliteratur zielt darauf, den Willen einer anderen Person zu brechen — in Liebesangelegenheiten wie in Streitfällen. Diese Texte sind kulturhistorisch aufschlussreich und ethisch nicht übertragbar. Wir stellen sie dar, wir geben sie nicht als Anleitung weiter.

Drittens der Anspruch. Historische Grimoires versprechen Wirkungen, für die es keinen Nachweis gibt. Das entwertet sie als Quelle nicht. Es verbietet nur, sie als Belege zu behandeln.

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Stimmen aus der Praxis

„Ich habe drei Jahre lang schöne Zitate abgeschrieben und mich gewundert, warum das Buch sich tot anfühlt. Seit ich hinter jedes Ritual das Datum und eine ehrliche Notiz setze, ist es das einzige Buch, das ich wirklich benutze." — Nadine, 41

„Als Historikerin war der Blick ins Münchner Handbuch ernüchternd und faszinierend zugleich. Da steht nicht, was die Legende erzählt. Da steht: fasten, warten, in die Schale schauen." — Beatrix, 58

„Mein Großvater hatte ein Sechstes und Siebtes Buch Mosis im Schrank, und niemand durfte es anfassen. Heute weiß ich, dass es ein Nachdruck von 1953 war. Der Respekt davor war trotzdem echt — und darüber lohnt es sich nachzudenken." — Timo, 36

Was wir nicht versprechen

Wir versprechen nicht, dass ein handgeschriebenes Buch Rituale wirksamer macht. Wir versprechen nicht, dass historische Formeln funktionieren, weil sie alt sind. Wir versprechen nicht, dass ein Grimoire Schutz bietet, Krankheiten beeinflusst oder Ereignisse steuert. Und wir geben keine Anleitungen aus Texten weiter, die auf Zwang oder Schaden zielen — auch dann nicht, wenn sie historisch belegt sind. Bei gesundheitlichen Fragen ersetzt nichts davon ärztlichen Rat.

Praktisch: so gehst du damit um

Einordnung der Autorin dieser Redaktion, getrennt von den Fakten oben.

Meine Erfahrung nach zwanzig Jahren mit diesen Texten: Die Ehrfurcht vor dem alten Buch ist meist größer als sein Nutzen. Wer ein historisches Grimoire aufschlägt und erwartet, ein Geheimnis zu finden, findet Fastenvorschriften. Das ist die eigentliche Lehre — die Arbeit lag nie im Text, sie lag in der Vorbereitung.

Wenn du ein eigenes Buch beginnst, würde ich dir raten: Fang klein an. Ein Ablauf, den du wirklich gehst, drei Zeilen Beobachtung danach. Das schlägt jedes kunstvoll gestaltete Buch mit siebzig abgeschriebenen Korrespondenztabellen. Und lass eine Seite frei für das, was schiefgegangen ist. Diese Seite wird die lehrreichste.

Häufige Fragen

Ist ein Grimoire dasselbe wie ein Buch der Schatten?

Nein. Ein Grimoire ist historisch ein Handbuch mit Autoritätsanspruch, das weitgehend unverändert abgeschrieben und weitergegeben wurde. Das Buch der Schatten ist eine moderne Form aus der Wicca-Tradition und funktioniert als persönliches Arbeitsjournal: Man trägt eigene Praxis, Beobachtungen und Ergebnisse ein.

Welches historische Grimoire eignet sich zum Einstieg?

Zum Lesen und Verstehen eignet sich eine kommentierte wissenschaftliche Ausgabe deutlich besser als ein unkommentierter Nachdruck. Richard Kieckhefers Edition des Münchner Handbuchs ordnet den Text historisch ein, statt ihn als Gebrauchsanweisung zu präsentieren. Populäre Nachdrucke ohne Kommentar führen eher in die Irre.

Muss ein Ritualbuch handgeschrieben sein?

Es gibt keine Vorschrift dazu. In der Praxis führt Handschrift dazu, dass man langsamer schreibt und weniger unreflektiert kopiert — das ist der eigentliche Vorteil. Ob eine handgeschriebene Formel anders wirkt als eine gedruckte, ist nicht nachweisbar.

Ist das Sechste und Siebte Buch Mosis in Deutschland verboten?

Das Werk wurde 1956 in der Bundesrepublik verboten; der damalige Verleger wurde wegen Betrugs verurteilt. Heute sind Ausgaben im Handel und in Bibliotheken zugänglich. Wer sich für die Rechtslage einer konkreten Ausgabe interessiert, sollte juristischen Rat einholen — wir erteilen keinen.

Stammen die Bücher wirklich von Salomo und Moses?

Nein. Beide Zuschreibungen sind Autoritätsstrategien späterer Zeiten. Die Clavicula-Salomonis-Handschriften stammen frühestens aus dem Spätmittelalter, die Mosis-Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Das mindert ihren Quellenwert nicht — es verschiebt nur, wofür sie Quelle sind.

Wie hältst du dein Ritualbuch privat?

Ganz praktisch: Ein Buch ohne Namen auf dem Einband, an einem Ort, den du bewusst gewählt hast. Wer sensible Einträge führt, kann Datum und Kürzel statt Klarnamen verwenden. Das ist keine Geheimniskrämerei, sondern schlicht die Voraussetzung dafür, dass du ehrlich schreibst.

Quellen & Weiterlesen

  • Richard Kieckhefer: Forbidden Rites. A Necromancer's Manual of the Fifteenth Century, 1998 — Edition und Kommentar zu Clm 849.
  • Bayerische Staatsbibliothek München, Katalogeintrag Codex latinus monacensis 849.
  • Karl Preisendanz (Hg.): Papyri Graecae Magicae. Die griechischen Zauberpapyri.
  • Johann Scheible (Verlag), Stuttgart 1849: Das sechste und siebente Buch Mosis, mit Neuauflagen 1851 und 1853.
  • Richard Kieckhefer: Magic in the Middle Ages — Überblick zur mittelalterlichen Magiegeschichte.

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