Okkultes & verborgenes Wissen

Das Sechste und Siebte Buch Mosis: Was wirklich im berüchtigtsten Zauberbuch des deutschen Sprachraums steht

Kein Buch hat im deutschen Sprachraum einen so schlechten Ruf wie dieses. Man soll es nicht besitzen, nicht verschenken, nicht verbrennen. Dieser Text schaut trotzdem hinein — und verfolgt zurück, woher das Sechste und Siebte Buch Mosis kommt, was tatsächlich darin steht und an welcher Stelle aus altem Wissen ein Verlagsprodukt wurde.

Alter Lederband mit Messingschließen, rotem Wachssiegel und Bronzeschale im Kerzenlicht

Kein Buch hat im deutschen Sprachraum einen so schlechten Ruf wie dieses. Man soll es nicht besitzen, nicht verschenken, nicht verbrennen. Wer hineinsieht, heißt es, wird es nicht mehr los. Dieser Text schaut trotzdem hinein — und verfolgt zurück, woher das Sechste und Siebte Buch Mosis kommt, was tatsächlich darin steht und an welcher Stelle aus altem Wissen ein Verlagsprodukt wurde.

Schnellantwort

Das Sechste und Siebte Buch Mosis ist ein Zauberbuch, das vorgibt, das aus der Bibel entfernte Geheimwissen des Mose zu enthalten. Die maßgebliche Fassung erschien 1849 beim Stuttgarter Antiquar und Verleger Johann Scheible unter dem Titel „Mosis magische Geisterkunst, das Geheimniß aller Geheimnisse“, mit dem Zusatz, sie folge einer alten Handschrift — welche das sein soll, wird nie genannt. Inhaltlich besteht das Buch aus Siegeln für Planetengeister, Texten um die Gottesnamen (Semiphoras und Schemhamphoras), Geisterzitationen und praktischen Rezepten; die hebräisch anmutenden Zeichenfolgen sind über weite Strecken verstümmelt oder frei gebildet. Über deutsche Auswanderer gelangte es nach Pennsylvania und von dort in das afroamerikanische Hoodoo. Die Grenze: Für eine Wirkung der Siegel auf äußere Ereignisse gibt es keinen Nachweis, und der berühmte Fluch des Buches gehört zur Überlieferung, nicht zum Gegenstand.

Einordnung
Belegt

Die maßgebliche Fassung erschien 1849 bei Johann Scheible in Stuttgart, mit erweiterten Auflagen 1851 und 1853; der Druck ist digitalisiert frei zugänglich.

Quelle/Tradition: Titelaufnahmen und Digitalisate, u. a. Internet Archive und Deutsche Digitale Bibliothek

Belegt

Scheible gab zwischen 1845 und 1849 das zwölfbändige Sammelwerk „Das Kloster“ heraus, in dessen Umfeld die Ausgabe entstand.

Quelle/Tradition: Bibliografische Nachweise zu Scheibles Verlagsprogramm

Belegt

Bereits 1797 wurde ein „6. et 7. Liber Mosis“ für zehn Reichstaler im Allgemeinen litterarischen Anzeiger angeboten; handschriftliche Fassungen kursierten also vor dem Druck.

Quelle/Tradition: Anzeige im Allgemeinen litterarischen Anzeiger, 1797

Belegt

Die hebräisch anmutenden Zeichenfolgen der Siegel sind über weite Strecken verstümmelt, phonetisch nachgeschrieben oder frei gebildet und nicht sinnvoll lesbar.

Quelle/Tradition: Sprachlicher Befund am Druck; religionswissenschaftliche Literatur zu Grimoires

Überliefert

Die Angabe, der Text folge „wort- und bildgetreu einer alten Handschrift“, ist eine Verlagsbehauptung ohne benannte Vorlage.

Quelle/Tradition: Titelblatt der Ausgabe von 1849; keine Provenienzangabe

Überliefert

Im deutschsprachigen Volksglauben heißt es, das Buch lasse sich nicht verbrennen, nicht verschenken und nur unter Preis weitergeben.

Quelle/Tradition: Erzählmotiv rund um Höllenzwang und verbotene Bücher, breit dokumentiert

Gelebte Praxis

In Pennsylvania wurde das Buch neben Hohmans „Der lange verborgene Freund“ zu einem Grundtext der Braucherei und ging von dort in das afroamerikanische Hoodoo über.

Quelle/Tradition: Praxis der Braucherei und des Rootwork in Nordamerika

Überliefert

Dass de Laurences Publikationen in Jamaika auf einer Einfuhrverbotsliste standen, wird häufig berichtet, ist aber schwer nachprüfbar.

Quelle/Tradition: Wiederkehrende Angabe in der Literatur ohne leicht zugänglichen Primärbeleg

Nicht belegt

Dass das Nachzeichnen der Siegel auf äußere Ereignisse, Gesundheit oder Finanzen wirkt, ist nicht belegt.

Quelle/Tradition: Kein Wirksamkeitsnachweis; Beschwerden gehören in ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Warum es ein sechstes und siebtes Buch überhaupt geben soll

Die Bibel kennt fünf Bücher Mose. Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium — damit ist die Tora vollständig, und daran hat nie jemand ernsthaft gezweifelt.

Genau darin liegt der Reiz. Ein sechstes und ein siebtes Buch behauptet nicht, ein weiteres Kapitel zu sein. Es behauptet, das Kapitel zu sein, das man herausgenommen hat. Der Verkaufsgedanke ist immer derselbe und in jeder Auflage nachlesbar: Hier steht das geheime Wissen des Mose, das aus der Heiligen Schrift entfernt wurde, weil es zu mächtig war.

Das ist eine der wirksamsten Erzählungen überhaupt, weil sie sich nicht widerlegen lässt. Ein Text, der von sich sagt, er sei unterdrückt worden, macht sein Fehlen in allen seriösen Quellen zum Beweis seiner Echtheit.

Mose als Magier: die antike Wurzel

Die Vorstellung, dieser Mann sei ein Magier gewesen, ist nicht im 19. Jahrhundert entstanden. Sie ist fast zweitausend Jahre alt.

In der griechisch-römischen Antike galt Mose in bestimmten Kreisen als ägyptisch geschulter Zauberer — jemand, der am Hof des Pharao gelernt hatte, was ein Priester dort eben lernte. Er verwandelt einen Stab in eine Schlange, teilt ein Meer, schlägt Wasser aus einem Felsen. In einer Welt, in der Wunder und Magie keine getrennten Kategorien waren, war das ein Lebenslauf.

Diese Zuschreibung ist auch schriftlich fassbar. In den griechischen Zauberpapyri aus dem römischen Ägypten steht ein Text, den die Forschung als „Achtes Buch Mose“ führt. Er stammt aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert und hat inhaltlich nichts mit dem zu tun, was seit 1849 in Deutschland verkauft wird — aber er zeigt, wie alt die Idee ist, dass unter dem Namen Mose Zauberwissen zirkuliert.

Wer also fragt, ob an dem Motiv etwas Altes dran ist, bekommt eine überraschende Antwort: Am Motiv ja. Am Buch nein.

Stuttgart 1849: der Druck, der alles auslöste

Die Fassung, die heute jeder meint, wenn er vom Sechsten und Siebten Buch Mosis spricht, hat einen Ort, ein Datum und einen Namen.

Johann Scheible war Antiquar und Verleger in Stuttgart. Zwischen 1845 und 1849 brachte er ein zwölfbändiges Sammelwerk namens Das Kloster heraus — eine Materialsammlung aus Zauberbüchern, Volksbüchern, Aberglauben, Sagen und Schwänken, die heute zu den wichtigsten Quellenbeständen für die deutsche Volksüberlieferung gehört. Parallel gab er eine Bibliothek der Zauber-, Geheimniss- und Offenbarungsbücher heraus.

1849 erschien darin: Das sechste und siebente Buch Mosis, das ist: Mosis magische Geisterkunst, das Geheimniß aller Geheimnisse — mit dem Zusatz, der Text sei „wort- und bildgetreu nach einer alten Handschrift“ wiedergegeben. Auflagen von 1851 und 1853 folgten, jeweils erweitert. Seither ist das Buch praktisch nie aus dem Handel verschwunden.

Der Zusatz mit der alten Handschrift ist die entscheidende Stelle. Welche Handschrift, aus welcher Zeit, aus welchem Bestand — das steht nirgends. Was sich zeigen lässt: Bereits 1797 wurde im Allgemeinen litterarischen Anzeiger ein „6. et 7. Liber Mosis“ für zehn Reichstaler angeboten. Handschriftliche Zauberrezeptbücher unter dem Namen Mose kursierten also mindestens ein halbes Jahrhundert früher. Scheible hat nicht erfunden, er hat gebündelt, ergänzt und gedruckt — und damit aus einer Handschriftentradition für wenige ein Massenprodukt gemacht.

Was tatsächlich drinsteht

Wer das Buch aufschlägt, findet weniger Erzählung, als der Ruf vermuten lässt, und deutlich mehr Grafik.

Den Kern bilden Siegel: kreisrunde oder rechteckige Figuren, die den Geistern der Planeten zugeordnet werden, umgeben von Buchstabenreihen in einer Schrift, die hebräisch aussehen soll. Zu jedem Siegel gehört eine Angabe, wofür es gut sein soll und wie es anzufertigen ist — häufig auf Jungfernpergament, zu einer bestimmten Stunde, mit einer bestimmten Tinte.

Dazu kommen Semiphoras und Schemhamphoras, Textblöcke um die Gottesnamen und ihre angebliche Wirkung, sowie Geisterzitationen: Anrufungen, Bannformeln, Anweisungen zum Kreis. Und schließlich eine Schicht praktischer Rezepte, wie man sie aus dem Hausväterschrifttum kennt — gegen Feuer, gegen Diebstahl, für Glück im Handel.

Sprachlich ist vieles davon nicht das, was es zu sein vorgibt. Die hebräisch anmutenden Zeichenfolgen sind über weite Strecken verstümmelt, phonetisch nachgeschrieben oder frei erfunden. Wer Hebräisch kann, liest an vielen Stellen schlicht nichts. Das ist kein Detail für Spezialisten, sondern der Kern der Sache: Ein Text, der seine Autorität aus dem Alter und aus der Sprache bezieht, hält an genau diesen zwei Punkten nicht.

Strukturell ähnelt das Ganze den Schlüsseln Salomos, und es steht in derselben Linie wie die übrigen Grimoires der frühen Neuzeit: Siegel, Namen, Hierarchien, Bedingungen.

Der Ruf: was der Volksglaube daraus machte

Kaum ein Buch hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz so viele Geschichten um sich versammelt.

Man solle es nicht kaufen. Habe man es doch, dürfe man es nicht verbrennen — es käme zurück. Verschenken gehe nicht, verkaufen nur unter Preis. Manche Fassung sagt, es müsse an einem fließenden Wasser vergraben werden, andere, es müsse durch drei Hände gehen. Wer darin lese, ohne es zu können, rufe etwas, das er nicht wieder wegbekomme.

Solche Erzählungen sind gut dokumentiert — als Erzählungen. Sie gehören zu einem festen Motivbestand, der sich um verbotene Bücher legt und der im deutschsprachigen Raum vor allem am Stichwort Höllenzwang hängt. Belegt ist damit die Verbreitung des Motivs, nicht seine Ursache.

Interessant ist die Funktion. Ein Buch, das nicht loszuwerden ist, ist ein Buch, das man ernst nimmt. Der Fluch ist Teil der Werbung — nicht unbedingt geplant, aber wirksam. Auch das kennt man aus anderen Ecken der Überlieferung, etwa bei der Alraune, die man angeblich nur unter Lebensgefahr ernten kann.

Die zweite Karriere: von Pennsylvania in die Karibik

Die eigentliche Wirkungsgeschichte spielt nicht in Deutschland. Sie spielt in Amerika.

Deutsche Auswanderer brachten das Buch nach Pennsylvania, wo es neben Johann Georg Hohmans Der lange verborgene Freund von 1820 zu einem Grundtext der Braucherei wurde — jener deutschstämmigen Heil- und Segenspraxis, die im Englischen als Powwow bekannt ist. Von dort wanderte es weiter: In das afroamerikanische Hoodoo, in die Praxis der Rootworker, in die Regale der Botánicas.

Einen entscheidenden Schub gab der Chicagoer Verleger L. W. de Laurence, der 1910 eine englische Ausgabe herausbrachte und sie über den Versandhandel in großer Zahl vertrieb — bis in die Karibik. Dass de Laurences Publikationen in Jamaika später auf einer Einfuhrverbotsliste standen, wird häufig berichtet; nachprüfbar zugänglich ist diese Angabe kaum, sie sollte also mit Vorsicht weitergereicht werden.

Festhalten lässt sich der größere Bogen: Ein Stuttgarter Antiquar bündelt 1849 Handschriftenmaterial unklarer Herkunft, und hundert Jahre später ist daraus ein Standardwerk magischer Praxis auf zwei Kontinenten geworden, in denen es ursprünglich nichts zu suchen hatte. Das ist Buchgeschichte, nicht Geistergeschichte — und mindestens genauso bemerkenswert.

Was daran alt ist — und was Verlagsarbeit

Wer sortieren will, kann drei Schichten trennen.

Uralt ist die Figur: Mose als Magier, seit der Antike. Alt ist das Material: Siegelmagie, Planetengeister, Gottesnamen, Kreiszeremonien — Bausteine, die aus spätantiker, jüdischer und frühneuzeitlicher Überlieferung stammen und die man in ähnlicher Form in vielen Grimoires findet. Vergleichbar alt sind auch echte deutschsprachige Zeugnisse magischer Sprache, etwa die Merseburger Zaubersprüche aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert.

Neu ist das Buch. Die konkrete Zusammenstellung, die Reihenfolge, die Abbildungen, der Titel, die Behauptung der unterdrückten Offenbarung — das ist Arbeit des 18. und 19. Jahrhunderts und in weiten Teilen die eines Verlegers, der wusste, was sich verkauft.

Diese Unterscheidung nimmt dem Buch nichts. Sie stellt es nur an den richtigen Platz: als eindrucksvolles Dokument dafür, wie Menschen sich Zugang zu Macht vorgestellt haben — und nicht als Fund aus einem verschlossenen Tempel.

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Vier Fragen — ehrlich beantwortet

Kein Orakel. Nur eine Frage danach, was dich an diesem Buch eigentlich festhält.

Stimmen aus der Praxis

„Bei meiner Großmutter im Waldviertel stand es hinter anderen Büchern, mit dem Rücken zur Wand. Angefasst hat es niemand. Als sie starb, hat mein Onkel es vergraben, weil man es angeblich nicht verbrennen darf. Ich habe später eine Ausgabe in der Bibliothek gelesen und war fast enttäuscht — es sind Siegel und Rezepte, kein Abgrund.“
— Archivarin, 51, Raum Krems

„In meinem Laden fragen zwei, drei Leute im Jahr danach. Ich verkaufe es nicht, aber ich rede mit ihnen. Fast immer stellt sich heraus, dass es um eine ganz konkrete Sache geht — ein Nachbarschaftsstreit, eine Trennung, eine Krankheit in der Familie. Das Buch ist nur der Griff, nach dem man greift, wenn man nicht weiterweiß.“
— Buchhändlerin, 44, Raum Leipzig

„Ich habe die Siegel als Student abgezeichnet, um Hebräisch zu üben. Das war der Moment, in dem es für mich gekippt ist: Man kann es nicht lesen. Nicht, weil es zu geheim wäre, sondern weil da an vielen Stellen nichts steht. Seitdem interessiert mich das Buch als Druckerzeugnis mehr als als Zauberbuch.“
— Religionswissenschaftler, 38, Raum Basel

Was wir nicht versprechen

Wir sagen dir nicht, dass die Siegel funktionieren. Es gibt keinen Nachweis dafür, dass das Nachzeichnen einer Figur aus diesem Buch irgendeine Wirkung auf äußere Ereignisse hat. Was Menschen dabei erleben, spielt sich im Bereich von Aufmerksamkeit, Erwartung und ritueller Konzentration ab — und das ist etwas anderes als eine Ursache.

Wir sagen dir auch nicht, dass es gefährlich ist. Der Fluch gehört zur Überlieferung des Buches, nicht zu seinem Einband. Wer es besitzt, liest oder weitergibt, tut nichts, wovor gewarnt werden müsste.

Wir behaupten nicht, es sei alt. Der Titel ist alt, das Motiv ist antik, die Bausteine sind frühneuzeitlich — der Text in der Form, in der er verkauft wird, ist ein Erzeugnis des 19. Jahrhunderts. Wer etwas anderes schreibt, hat es nicht geprüft oder verkauft es dir.

Und wir versprechen keine Wirkung auf Gesundheit, Geld oder Beziehungen. Wenn du körperliche Beschwerden hast, gehören sie in ärztliche Abklärung; wenn dich etwas seelisch belastet, in psychotherapeutische. Ein Ritual kann daneben stehen. Es tritt nicht an die Stelle.

Praktisch: so gehst du damit um

Lies es als Quelle, nicht als Anleitung. Das Buch ist online und in Bibliotheken frei zugänglich, unter anderem als Digitalisat des Drucks von 1849. Wer wissen will, was drinsteht, muss niemanden fragen und nichts kaufen.

Prüfe jede Ausgabe auf ihre Herkunft. Es gibt Nachdrucke, Bearbeitungen, gekürzte und stark erweiterte Fassungen. Wenn eine Ausgabe nicht sagt, welchen Druck sie wiedergibt, sagt sie das Wichtigste nicht.

Nimm die Warngeschichten ernst — als Geschichten. Sie erzählen etwas über den Umgang mit verbotenem Wissen im deutschsprachigen Raum. Sie erzählen nichts über den Gegenstand in deinem Regal.

Trenne Neugier von Anliegen. Wenn du das Buch aufschlägst, weil dich Buchgeschichte interessiert, ist alles gut. Wenn du es aufschlägst, weil dich seit Monaten eine Sache umtreibt, dann ist die Sache das Thema — und die gehört an einen Ort, wo mit ihr gearbeitet wird.

Fang klein an, wenn du praktisch arbeiten willst. Ein sauber gehaltener Platz, eine klare Absicht, eine Handlung, die du wiederholen kannst. Das trägt weiter als eine Figur, deren Zeichen niemand mehr entziffert.

Häufige Fragen

Was ist das Sechste und Siebte Buch Mosis?

Ein Zauberbuch, das vorgibt, das aus der Bibel entfernte Geheimwissen des Mose zu enthalten. Die maßgebliche Fassung erschien 1849 beim Stuttgarter Antiquar Johann Scheible unter dem Titel „Das sechste und siebente Buch Mosis, das ist: Mosis magische Geisterkunst, das Geheimniß aller Geheimnisse“. Inhaltlich besteht es vor allem aus Siegeln für Planetengeister, Texten um die Gottesnamen (Semiphoras und Schemhamphoras), Geisterzitationen und praktischen Rezepten.

Ist das Buch wirklich uralt?

Nicht in dieser Form. Die Vorstellung von Mose als Magier reicht in die Antike zurück, und die Bausteine — Siegel, Planetengeister, Gottesnamen — stammen aus spätantiker und frühneuzeitlicher Überlieferung. Der Text selbst geht auf handschriftliche Zauberrezeptbücher des 18. Jahrhunderts zurück; ein „6. et 7. Liber Mosis“ wurde 1797 im Allgemeinen litterarischen Anzeiger angeboten. Die verbreitete Fassung ist die gedruckte Zusammenstellung von 1849.

Stimmt es, dass man das Buch nicht besitzen darf?

Das ist Volksglaube, kein Verbot. Erzählungen, wonach man es nicht verbrennen, nicht verschenken oder nur unter Preis weitergeben dürfe, sind im deutschsprachigen Raum weit verbreitet und gehören zu einem festen Motivbestand rund um verbotene Bücher. Belegt ist die Verbreitung dieser Erzählungen, nicht ihr Anlass. Das Buch ist frei erhältlich und als Digitalisat online zugänglich.

Sind die hebräischen Zeichen im Buch echt?

Über weite Strecken nicht. Die hebräisch anmutenden Zeichenfolgen sind vielfach verstümmelt, phonetisch nachgeschrieben oder frei gebildet, sodass sie sich nicht sinnvoll lesen lassen. Das ist ein wichtiger Punkt, weil der Text seine Autorität gerade aus Alter und Sprache bezieht.

Wie kam das Buch nach Amerika?

Über deutsche Auswanderer nach Pennsylvania, wo es neben Johann Georg Hohmans „Der lange verborgene Freund“ (1820) zu einem Grundtext der Braucherei wurde. Von dort ging es in das afroamerikanische Hoodoo und die Praxis der Rootworker über. Der Chicagoer Verleger L. W. de Laurence brachte 1910 eine englische Ausgabe heraus und vertrieb sie über den Versandhandel bis in die Karibik.

Wo kann ich den Text im Original lesen?

Der Druck von 1849 ist digitalisiert und über Bibliotheksportale wie das Internet Archive und die Deutsche Digitale Bibliothek frei zugänglich. Beim Vergleich von Ausgaben lohnt es sich, immer zuerst zu prüfen, welchen Druck eine Ausgabe wiedergibt — Nachdrucke weichen teils erheblich voneinander ab.

Quellen & Weiterlesen

  • Johann Scheible (Hrsg.): Das sechste und siebente Buch Mosis, das ist: Mosis magische Geisterkunst, das Geheimniß aller Geheimnisse. Wort- und bildgetreu nach einer alten Handschrift. Stuttgart 1849, erschienen in der Bibliothek der Zauber-, Geheimniss- und Offenbarungsbücher. Erweiterte Auflagen 1851 und 1853. Digitalisat u. a. im Internet Archive und in der Deutschen Digitalen Bibliothek.
  • Johann Scheible (Hrsg.): Das Kloster. Weltlich und geistlich. 12 Bände, Stuttgart 1845–1849 — Sammelwerk aus Zauberbüchern, Volksbüchern, Sagen und Aberglaubensmaterial, in dessen Umfeld die Ausgabe von 1849 entstand.
  • Zum Vorlauf: Angebot eines „6. et 7. Liber Mosis“ für zehn Reichstaler im Allgemeinen litterarischen Anzeiger, 1797 — Beleg dafür, dass handschriftliche Fassungen deutlich vor dem Druck kursierten.
  • Zu Mose als Magier in der Antike: Die griechischen Zauberpapyri aus dem römischen Ägypten enthalten einen als „Achtes Buch Mose“ geführten Text (PGM XIII), 2./3. Jahrhundert.
  • Johann Georg Hohman: Der lange verborgene Freund, Reading (Pennsylvania) 1820 — Grundtext der deutschstämmigen Braucherei in Nordamerika, häufig gemeinsam mit dem Sechsten und Siebten Buch Mosis überliefert.
  • L. W. de Laurence (1868–1936), Chicago: englische Ausgabe The Sixth and Seventh Books of Moses, 1910, verbreitet über den Versandhandel bis in die Karibik.
  • Weiterlesen im Magazin: Die griechischen Zauberpapyri · Die Schlüssel Salomos · Grimoire: die berühmtesten Zauberbücher · Merseburger Zaubersprüche
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