Okkultes & verborgenes Wissen

Die DMT-Studie von Rick Strassman: 60 Freiwillige, ein Klinikbett in Albuquerque — und die Frage, ob das Gehirn DMT selbst herstellt

Albuquerque, Anfang der 1990er-Jahre. Ein Freiwilliger liegt im Klinikbett, eine Infusion läuft dreißig Sekunden, und niemand im Raum weiß, ob es Salzlösung ist oder DMT. Was folgt, sind fünf Jahre Forschung, Berichte von Wesen — und eine Hypothese über die Zirbeldrüse, die bis heute Millionen Menschen beschäftigt. Im Februar 2026 kam eine Messung, die sie in Frage stellt.

Ein Proband liegt mit geschlossenen Augen im Klinikbett, am Unterarm eine Infusion, am Oberarm eine Blutdruckmanschette; über seinem Gesicht schweben leuchtende geometrische Lichtmuster, im Fenster dahinter Wüstenberge zur blauen Stunde

Albuquerque, Anfang der 1990er-Jahre, Universitätsklinik von New Mexico. Im General Clinical Research Center, einer Station für Studien am Menschen, liegt ein Freiwilliger im Bett. Am Arm steckt ein Zugang, an der anderen Seite eine Blutdruckmanschette. Neben ihm sitzen zwei Menschen: eine Studienschwester und der Psychiater Rick Strassman. Dreißig Sekunden läuft die Infusion, dann spült Kochsalzlösung die Leitung nach. Was in der Spritze ist, weiß der Mann an diesem Tag nicht. Es kann eine Salzlösung sein. Es kann eine von vier Stufen einer Substanz sein, die seit zwanzig Jahren kein amerikanischer Forscher einem Menschen legal geben durfte: N,N-Dimethyltryptamin, kurz DMT.

Schnellantwort

Der Psychiater Rick Strassman gab von 1990 bis 1995 an der University of New Mexico knapp 60 Freiwilligen rund 400-mal DMT, in den ersten neuen staatlich genehmigten Psychedelika-Studien der USA seit über zwanzig Jahren. Die Wirkung erreichte nach ein bis zwei Minuten ihren Höhepunkt und klang nach etwa 30 Minuten ab; viele Probanden berichteten von Wesen oder einer „anderen Intelligenz". Seine Vermutung, die Zirbeldrüse schütte DMT bei Geburt und Tod aus, ist beim Menschen nie gemessen worden. Bei Ratten widersprechen sich die Messungen: 2019 fand ein Labor DMT in der Hirnrinde, auch ohne Zirbeldrüse, 2026 ein anderes gar keins.

Einordnung
Belegt

Rick Strassman führte von 1990 bis 1995 an der University of New Mexico in Albuquerque staatlich genehmigte Studien mit DMT durch, die ersten neuen Psychedelika-Studien in den USA seit über zwanzig Jahren. Nach eigenen Angaben erhielten knapp 60 Freiwillige rund 400 Gaben; die Genehmigung dauerte 21 Monate.

Belegt

In der ersten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie (11 Freiwillige, vier Dosisstufen, Archives of General Psychiatry 1994) erreichte die Wirkung nach ein bis zwei Minuten ihren Höhepunkt und war nach etwa 30 Minuten weitgehend abgeklungen. Blutdruck, Puls und Stresshormone stiegen, der Melatoninspiegel blieb unverändert.

Belegt

Viele Probanden beschrieben eine „andere Intelligenz“ oder Wesen; die Berichte sind im Wortlaut veröffentlicht. 2020 schilderten 2.561 Befragte der Johns Hopkins University ähnliche Begegnungen, 69 Prozent berichteten von einer Botschaft. Belegt sind die Berichte, nicht ihr Inhalt.

Belegt

Bei Ratten wurde DMT 2013 in Flüssigkeit aus der Zirbeldrüse und 2019 in der Sehrinde nachgewiesen, dort auch bei Tieren ohne Zirbeldrüse. Eine Studie aus Odense und Zürich fand im Februar 2026 dagegen kein körpereigenes DMT im Rattenhirn. Die Messungen widersprechen sich.

Belegt

Im Labor erzeugt DMT Erlebnisse, die auf einem Nahtod-Fragebogen echten Nahtoderfahrungen stark ähneln (Imperial College 2018, 13 Personen). Das zeigt eine Ähnlichkeit, keine Ursache.

Überliefert

DMT-haltige Schnupfpulver wie Cohoba wurden in Südamerika und der Karibik in religiösen Zeremonien verwendet; die Zirbeldrüse gilt seit Descartes als Sitz der Seele und in esoterischen Lehren als drittes Auge.

Nicht belegt

Dass die menschliche Zirbeldrüse bei Geburt, im Traum, im Sterben oder am 49. Tag nach der Empfängnis DMT in wirksamer Menge ausschüttet. Strassman bezeichnete das selbst als unbewiesene Hypothese; beim Menschen wurde es nie gemessen.

Nicht belegt

Dass die unter DMT erlebten Wesen unabhängig vom Gehirn existieren.

Nicht belegt

Dass DMT eine wirksame Therapie ist. Es gibt eine erste kleine Phase-IIa-Studie zu Depression (34 Personen, Nature Medicine 2026), aber keine Zulassung; in Deutschland ist DMT ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Jede Heilaussage ist nicht belegt.

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Mehrere Probanden werden später denselben Vergleich wählen: ein Güterzug. Noch bevor die Infusion ganz durchgelaufen ist, rollt etwas durch Körper und Kopf. Nach neunzig bis hundertzwanzig Sekunden ist die Wirkung auf dem Höhepunkt. Nach dreißig Minuten ist sie fast vorbei. Dazwischen liegt, so berichten es viele, ein anderer Ort. Einer der Männer wird der Schwester, die ihm danach von einem eigenen Traum erzählt, widersprechen: Was sie beschreibe, sei ein Traum gewesen. Das hier sei wirklich.

Diese Studie ist die Aktenseite eines Mythos. Sie hat das Buch „DMT: The Spirit Molecule" hervorgebracht, einen Film, Tausende Forenbeiträge über die Zirbeldrüse und „Wesen" jenseits des Vorhangs. Wir erzählen sie so, wie sie in den Fachzeitschriften steht. Mit dem, was gemessen wurde, mit dem, was nur berichtet wurde, und mit einer Messung aus dem Februar 2026, die eine der schönsten Hypothesen der Bewusstseinsforschung gerade in Frage stellt.

Budapest 1956: Der Mann, dem Sandoz kein LSD schicken wollte

Die Geschichte beginnt nicht in New Mexico, sondern in Budapest, bei einem Chemiker und Psychiater namens Stephen Szára. 1955 hat er Aldous Huxleys „Die Pforten der Wahrnehmung" gelesen und Meskalin im Selbstversuch genommen. Er will mit LSD weiterforschen und schreibt an Sandoz in Basel, den Hersteller. Die Antwort, so erinnert er sich fünfzig Jahre später: Man bedaure, man könne ihm kein LSD schicken.

Szára sucht einen anderen Weg. In der Novemberausgabe 1955 des Journal of the American Chemical Society findet er einen Aufsatz über „Cohoba", ein Schnupfpulver, das indigene Gemeinschaften in Südamerika und der Karibik in religiösen Zeremonien verwendeten. Die Chemiker hatten darin DMT und Bufotenin nachgewiesen, wussten aber nicht, ob DMT überhaupt wirkt. Szára beschließt, genau das zu prüfen. Ein früherer Laborkollege hilft ihm, die Substanz herzustellen. Nach Prüfung durch die Ethikkommission seines Instituts testen er und drei Kollegen sie an rund dreißig Freiwilligen.

Im Sommer 1956, kurz vor dem Ungarn-Aufstand, schickt Szára eine kurze Mitteilung an die Schweizer Zeitschrift Experientia. Der vollständige Bericht erscheint 1958, und zwar auf Deutsch, in einer Basler Fachzeitschrift: „Dimethyltryptamin: ein neues Psychoticum". Das Auffälligste, schreibt Szára rückblickend, sei die Zeitstruktur gewesen: Die Wirkung setzte nach wenigen Minuten ein und dauerte nur kurz. DMT war damit eine Substanz, deren ganze Wirkung sich innerhalb einer Stunde beobachten ließ.

Es kam anders. In den 1960er-Jahren wurde DMT in den USA noch an Gefangenen mit LSD verglichen, dann schloss sich das Fenster. Szára fasste es 2007 in einem Satz zusammen: DMT habe „schwierige erste 50 Jahre in der medizinischen Forschung" gehabt, vor allem aus rechtlichen Gründen, weil Behörden in den USA und die Weltgesundheitsorganisation es als Missbrauchsdroge einstuften. In Deutschland steht N,N-Dimethyltryptamin bis heute in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes: nicht verkehrsfähig, also weder verschreibbar noch handelbar.

Der Zeitstrahl

November 1955 — Chemiker weisen DMT in „Cohoba" nach, einem zeremoniellen Schnupfpulver aus Südamerika und der Karibik.
Sommer 1956 — Stephen Szára meldet aus Budapest die Wirkung von DMT an die Zeitschrift Experientia.
1958 — Der vollständige Bericht erscheint auf Deutsch: „Dimethyltryptamin: ein neues Psychoticum".
1990 — Nach 21 Monaten Genehmigungsweg beginnt Rick Strassman in Albuquerque die erste neue US-Psychedelikastudie seit über zwanzig Jahren.
Februar 1994 — Zwei Aufsätze in den Archives of General Psychiatry: elf Freiwillige, doppelblind, gegen Placebo.
1995 — Ende der Studien: rund 400 Gaben an knapp 60 Freiwillige.
2001 — Das Buch „DMT: The Spirit Molecule" macht die Zirbeldrüsen-Hypothese populär.
2013 — DMT wird erstmals in Flüssigkeit aus der Zirbeldrüse von Ratten nachgewiesen.
Juni 2019 — Michigan misst DMT in der Sehrinde von Ratten, auch bei Tieren ohne Zirbeldrüse.
Februar 2026 — Odense und Zürich finden kein körpereigenes DMT im Rattenhirn; Nature Medicine veröffentlicht die erste Depressionsstudie mit DMT.

Ein Psychiater, der die Zirbeldrüse verstehen wollte

Rick Strassman kommt über einen Umweg zu DMT. Er studiert in Stanford Biologie, wird am Albert Einstein College of Medicine in New York Arzt und schließt 1981 seine Facharztausbildung in Psychiatrie an der University of California in Davis ab, ausgezeichnet als bester Absolvent seines Jahrgangs. An der University of New Mexico erforscht er zunächst nicht Psychedelika, sondern Melatonin, das Hormon der Zirbeldrüse. Seine Arbeitsgruppe beschreibt, so steht es in seiner Biografie, die erste bekannte Funktion des Melatonins beim Menschen. Nebenher übt er seit Jahren Zen und leitet eine Meditationsgruppe.

Die Zirbeldrüse ist ein erbsengroßes Organ tief im Gehirn, und kaum ein Organ trägt so viel Geschichte. Descartes hielt sie für den Sitz der Seele, spätere esoterische Lehren machten sie zum „dritten Auge". Strassman ist davon nicht unberührt. Im Winter 1991/92 schreibt er in einem Bericht für die Psychedelik-Forschungsvereinigung MAPS, er sei fasziniert gewesen von der möglichen Rolle der Zirbeldrüse bei ungewöhnlichen Bewusstseinszuständen. Die Hypothese, sie könne solche Zustände biologisch vermitteln, habe großen Reiz auf ihn ausgeübt, und er habe es für möglich gehalten, dass sie Verbindungen wie DMT herstellt.

Warum ausgerechnet DMT? Die Substanz kommt in vielen Pflanzen vor und in Spuren auch im menschlichen Körper; man hatte sie im Blut, im Urin und in der Rückenmarksflüssigkeit gefunden. Wenn der Körper selbst ein Psychedelikum bildet, so der Gedanke, dann könnte es an den großen Übergängen des Lebens beteiligt sein: bei Träumen, bei Psychosen, bei der Geburt, beim Sterben. Um das je prüfen zu können, braucht man zuerst etwas Grundlegenderes: Daten darüber, was DMT im Menschen überhaupt tut. Die gab es praktisch nicht.

21 Monate Behördenweg

Ende der 1980er-Jahre beantragt Strassman die Studie. In seinem MAPS-Bericht beschreibt er, wie lange es bis zur Erlaubnis dauert: 21 Monate. Die ersten 18 Monate vergehen allein damit, eine Quelle für die Substanz zu finden, die für Menschen zugelassen werden kann. Die letzten drei Monate braucht es, bis gesichert ist, dass das Präparat die Vorgaben der US-Arzneimittelbehörde FDA erfüllt. Dazu kommen die Erlaubnis der Drogenbehörde DEA und die Kommissionen der Universität. Das Geld kommt vom National Institute on Drug Abuse, einer staatlichen Gesundheitsbehörde, und von einer Stiftung für Schizophrenieforschung.

1990 ist es so weit. Strassmans eigene Biografie nennt es die erste neue, staatlich genehmigte klinische Forschung mit Psychedelika in den USA seit über zwanzig Jahren. Das ist kein Werbesatz, sondern die nüchterne Lage: Seit Anfang der 1970er-Jahre hatte kein Labor im Land mehr einen Menschen mit einer dieser Substanzen behandeln dürfen. Wer 1990 einen Antrag stellte, betrat also nicht nur wissenschaftliches, sondern auch politisches Neuland, mitten in der Hochphase des amerikanischen „Kriegs gegen die Drogen".

Strassman wählt DMT mit Bedacht. Seine Begründung steht in der Studie selbst: kurze Wirkdauer, eine bekannte klinische Sicherheit aus den älteren Studien und, damals, kaum verbreiteter Missbrauch. Eine Substanz, die nach einer halben Stunde abgeklungen ist, lässt sich im Klinikbett unter Aufsicht untersuchen. Mit LSD, das einen ganzen Tag wirkt, wäre das kaum möglich gewesen.

Zwölf Freiwillige, vier Stufen, ein Placebo

Die erste Studie ist klein und streng. Zwölf Freiwillige, alle mit Erfahrung mit Psychedelika, angeworben über Mundpropaganda. Wer eine aktuelle psychische Erkrankung, eine laufende körperliche Krankheit oder eine Dauermedikation hat, wird ausgeschlossen. Einer der zwölf muss die Studie auf halbem Weg abbrechen, weil bei ihm unter mehreren Belastungen eine Depression wiederkehrt; er wird behandelt. Übrig bleiben elf Menschen, eine Frau und zehn Männer.

Jeder bekommt zunächst zwei Gaben offen, also mit Wissen, was er erhält. Danach beginnt der eigentliche Versuch: doppelblind, gegen Placebo, in zufälliger Reihenfolge, vier Dosisstufen, mindestens eine Woche Abstand zwischen den Terminen. Gemessen wird fast alles, was sich an einem liegenden Menschen messen lässt: Blutdruck, Puls, Pupillenweite, Körpertemperatur, dazu Stresshormone und Botenstoffe im Blut. Die Ergebnisse erscheinen im Februar 1994 in zwei Aufsätzen in den Archives of General Psychiatry, einer der angesehensten psychiatrischen Fachzeitschriften.

Der Körper reagiert deutlich. Blutdruck, Herzschlag, Pupillen und Temperatur steigen mit der Dosis, ebenso Beta-Endorphin, Cortisol, Prolaktin und das Stresshormon ACTH. In seinem MAPS-Bericht erwähnt Strassman einen weiteren Probanden, der ausgeschlossen werden musste, weil sein Blutdruck schon bei der niedrigen Dosis zu stark anstieg. Und ein Detail geht in der Aufregung um die Visionen fast unter, obwohl es für den Mann, der die Zirbeldrüse verstehen wollte, bemerkenswert ist: Der Melatoninspiegel, also das Hormon genau dieser Drüse, bleibt unverändert.

Aus Interviews mit neunzehn erfahrenen Konsumenten entwickelt das Team außerdem ein neues Messinstrument, die Hallucinogen Rating Scale. Mit ihr lassen sich die Dosisstufen besser unterscheiden als mit allen Körperwerten. Man kann das als technisches Detail lesen. Es ist aber der Kern dessen, was diese Studie hinterlassen hat: einen Fragebogen, der bis heute in der Forschung benutzt wird, und die Erkenntnis, dass sich das Erleben genauer messen lässt als der Puls.

Was sie sahen: ein Vogel, eine Wüste, Wesen

Der zweite Aufsatz von 1994 ist ungewöhnlich für eine psychiatrische Fachzeitschrift. Er zitiert seitenweise, was die Probanden nach den Sitzungen erzählt haben. Strassman und die Schwester hatten sich entschieden, während der kurzen Wirkung nicht zu fragen, sondern erst danach ausführlich zu sprechen. So sind die Sätze erhalten, im Wortlaut, mit Seitenzahl.

Da sind Bilder: „ein fantastischer Vogel", „ein Baum des Lebens und der Erkenntnis", „ein Ballsaal mit Kristalllüstern", DNA-Doppelspiralen, Tunnel, Treppen. Farben, die zehn- bis hundertmal gesättigter gewesen seien als im Alltag. „Wie das Blau eines Wüstenhimmels", sagt einer, „aber auf einem anderen Planeten." Viele verlieren das Gefühl für ihren Körper. „Ich hatte keinen Körper mehr", „Ich dachte, ich sei gestorben", „Mein Körper löste sich auf; ich war reines Bewusstsein" — solche Sätze nennen die Autoren typisch.

Und da ist etwas, womit ein Psychiater 1990 kaum rechnen konnte. Viele Probanden sprechen von einer „anderen Intelligenz". Sie sei „supra-intelligent", aber „emotional unbeteiligt" gewesen. „Sie waren sich meiner bewusst, aber nicht sonderlich besorgt", sagt einer, „wie ein Vater, der in den Laufstall auf sein einjähriges Kind schaut." Ein anderer beschreibt „Elfen", vier an der Zahl, neben einer Straße, schelmisch und launisch. Sie hätten die Szene völlig beherrscht, „es war ihr Gebiet", und ihm Tafeln mit unfassbar schönen, wirbelnden geometrischen Mustern gezeigt. Mehrere berichten, sie seien gezwungen worden, bestimmte Dinge anzusehen: „Sieh dir das an, sieh dir jenes an, pass auf!"

„What you are describing was a dream. This is real. It's totally unexpected, quite constant, and objective."

„Was Sie beschreiben, war ein Traum. Das hier ist wirklich. Es ist völlig unerwartet, ziemlich beständig und objektiv." (Übersetzung der Redaktion)

Ein Proband zu einer Studienschwester nach einer doppelblinden Sitzung, zitiert in: Strassman, Qualls, Uhlenhuth, Kellner, Archives of General Psychiatry 51 (1994), S. 98–108

Wichtig ist, was die Studie nicht verschweigt. Der Aufsatz nennt auch die dunkle Seite. Einer beschreibt, wie der Raum ihn plötzlich bedrohte: Die Wandfarben seien „bösartig" gewesen, die Uhr habe richtig ausgesehen und doch unheimlich, „wie ein New-Age-Horrorfilm". Fast alle erleben bei der höchsten Stufe einen nahezu vollständigen Kontrollverlust. „Ich bin froh, dass ihr beide neben mir wart", sagt einer. „Ich weiß nicht, was ich allein in diesem Zustand getan hätte." Manche verbringen Teile späterer Sitzungen damit, frühere zu verarbeiten. Und: Die erste, offene hohe Gabe war meist angstbesetzter als die spätere im Doppelblindteil. Die Autoren erklären das mit Vertrautheit. Wer den Zustand einmal durchlebt hatte, wusste, dass er ihn übersteht, und vertraute dem Team mehr. Erwartung und Umgebung formen das Erleben mit. Diese Beobachtung taucht dreißig Jahre später in Basel wieder auf.

Ob die Wesen irgendwo existieren, beantwortet der Aufsatz nicht, und er versucht es auch nicht. Er dokumentiert, dass Menschen sie erlebt haben, und wie sie sie beschrieben. Genau hier verläuft die Linie, die man bei diesem Thema nicht verwischen sollte: Die Berichte sind belegt. Ihr Inhalt ist es nicht.

Fünf Jahre, rund 60 Menschen, rund 400 Gaben — und ein Ende

Auf die erste Studie folgen weitere. In einer zweiten prüft das Team, ob der Körper sich an DMT gewöhnt, wenn es am selben Tag mehrmals gegeben wird. Dreizehn erfahrene Freiwillige nehmen teil, wieder doppelblind gegen Placebo. Das Ergebnis, 1996 in Biological Psychiatry veröffentlicht, überrascht: Das Erleben schwächt sich nicht ab, weder im Interview noch auf der Skala. Die Hormonantwort und der Puls dagegen schon. Der Körper gewöhnt sich, der Geist nicht. Weitere Protokolle untersuchen, welche Rezeptoren die Wirkung tragen, in kleinerem Umfang wird auch Psilocybin getestet.

Zusammengerechnet ergeben die fünf Jahre die Zahlen, die heute in jedem Text über Strassman stehen und die er selbst so angibt: rund 400 Gaben an knapp 60 Freiwillige zwischen 1990 und 1995. Dann ist Schluss. Auf seiner eigenen Seite zu dem Buch, das später daraus entsteht, steht dazu ein einziger Satz: Probleme innerhalb und außerhalb des Forschungsumfelds hätten 1995 zum Ende der Studien geführt. Mehr erklärt er dort nicht, und mehr wollen wir hier auch nicht hineinlesen. 2022 sagt er in einem Interview schlicht: „Ich habe meine Arbeit zu DMT 1995 beendet."

2001 erscheint „DMT: The Spirit Molecule". Das Buch verbindet die Studie mit den Sitzungsberichten und mit Strassmans Deutungen, und diese Deutungen gehen weit. Er spekuliert, die Zirbeldrüse könne bei der Geburt, beim Sterben und in Nahtodzuständen DMT ausschütten, und eine erste Ausschüttung am 49. Tag nach der Empfängnis markiere den Eintritt des Geistes in den Embryo. Die Zahl entlehnt er der tibetisch-buddhistischen Überlieferung, nach der der Übergang zwischen Tod und Wiedergeburt 49 Tage dauert. Er selbst nennt das im Buch Hypothesen, die „nicht bewiesen" seien. 2010 erscheint der gleichnamige Film. Aus einer Studie mit elf Menschen im ersten Protokoll wird ein popkulturelles Motiv: die „Geistmolekül-Drüse".

Strassman hat versucht, das wieder einzufangen. Im Juni 2010 schreibt er einen Nachtrag zu einem Artikel des Drogen-Informationsarchivs Erowid. Er habe sich in seinem Buch bemüht, zwischen dem Bekannten und seinen Vermutungen zu unterscheiden, aber es sei erstaunlich, wie wirkungslos diese Bemühungen gewesen seien. So viele Menschen schrieben ihm, als seien seine Vermutungen Tatsachen. Und dann, ganz deutlich: „Wir wissen nicht, ob DMT in der Zirbeldrüse hergestellt wird." Menschen, denen die Drüse wegen eines Tumors entfernt wurde, lebten ziemlich normal weiter. Er setzt seine Hoffnung auf neue, empfindlichere Messmethoden. Die sollten kommen.

Sehenswert: Danny Jones spricht ausführlich mit Rick Strassman über die Studie, ihre Genehmigung und seine späteren Deutungen. Das Gespräch ist die Selbstdarstellung des Forschers; die Faktenlage dazu steht in diesem Artikel.

Die Zirbeldrüse unter dem Massenspektrometer

2013 veröffentlicht ein Team um den Chemiker Steven Barker von der Louisiana State University eine neue Messmethode. Unter den Autoren: Jimo Borjigin aus Michigan und Rick Strassman. Sie spülen per Mikrodialyse die Zirbeldrüse von Ratten mit einer künstlichen Hirnflüssigkeit und untersuchen, was darin ankommt. Zum ersten Mal, schreiben sie, lasse sich DMT in dieser Flüssigkeit aus der Zirbeldrüse nachweisen. Wie viel, sagt der Aufsatz nicht. Die Methode ist qualitativ: Sie zeigt, dass etwas da ist, nicht wie viel.

Für viele war das der Beweis. Der Pharmakologe David Nichols, einer der bekanntesten Psychedelik-Chemiker der USA, rechnet 2018 dagegen. Die Zirbeldrüse eines Erwachsenen wiegt weniger als 0,2 Gramm, schreibt er im Journal of Psychopharmacology. Ihre Hauptaufgabe sei es, täglich etwa 30 Mikrogramm Melatonin herzustellen. Dass winzige Mengen DMT im Gehirn nachgewiesen wurden, sei klar, aber sie reichten nicht aus, um psychoaktiv zu wirken. Sein Aufsatz trägt den Untertitel: „Fakten und Mythos trennen".

Ein Jahr später kommt die Antwort aus Michigan, und sie ist überraschender, als beide Seiten erwartet hatten. Das Team um Jimo Borjigin misst im Juni 2019 in Scientific Reports DMT direkt in der Sehrinde von Ratten, in Konzentrationen im Bereich bekannter Botenstoffe wie Serotonin. Nach einem künstlich ausgelösten Herzstillstand steigt der Wert deutlich. Und dann der Satz, der Strassmans ursprüngliche Idee still beerdigt: Bei Ratten, denen die Zirbeldrüse entfernt worden war, lagen die Werte nicht niedriger, eher etwas höher. DMT im Gehirn, ja, aber offenbar nicht aus der Zirbeldrüse. Ob die gemessenen Mengen die Wirkung eines Psychedelikums hervorrufen können, sei unbekannt, schreiben die Autoren selbst.

Dann, im Februar 2026, eine Arbeit aus Odense und Zürich. Mikael Palner, Paul Cumming und Kolleginnen suchen in Neuropharmacology nach genau diesem körpereigenen DMT-Vorrat im Rattenhirn, mit einer empfindlichen Nachweismethode und unter Bedingungen, unter denen sich vorhandenes DMT hätte anreichern müssen. Das Ergebnis: unter der Nachweisgrenze. „Wir fanden keinen Hinweis auf natürlich vorkommendes DMT im Gehirn erwachsener Ratten", sagt Palner, „selbst als wir seinen Abbau hemmten." Der Titel der Arbeit lässt keinen Spielraum: DMT werde in den Serotonin-Nervenendigungen des Rattenhirns weder gebildet noch gespeichert.

Bildet das Gehirn DMT? Vier Messungen seit 2013 Schema mit vier Befunden: 2013 Nachweis in Zirbeldrüsen-Flüssigkeit von Ratten, 2018 Einwand von Nichols, 2019 Nachweis in der Sehrinde von Ratten auch ohne Zirbeldrüse, 2026 kein Nachweis in Odense und Zürich. Beim lebenden Menschen nie gemessen. Bildet das Gehirn DMT? 2013 · Baton Rouge / Michigan DMT in Flüssigkeit aus der Zirbeldrüse von Ratten nachgewiesen, ohne Menge Nachweis 2018 · David Nichols (Rechnung) Drüse unter 0,2 Gramm: Mengen zu gering für psychoaktive Wirkung Einwand 2019 · Ann Arbor (Michigan) DMT in der Sehrinde, ähnlich Serotonin; ohne Zirbeldrüse nicht weniger Nachweis 2026 · Odense / Zürich kein körpereigenes DMT nachweisbar, auch bei gehemmtem Abbau kein Nachweis Beim lebenden Menschen: nie gemessen.
Vier Messungen, drei Labore, ein Streit: Was zur Frage „Bildet das Gehirn DMT?" bisher tatsächlich gemessen wurde. Alle Befunde stammen aus Tierversuchen; beim lebenden Menschen wurde DMT in der Zirbeldrüse nie gemessen. Grafik der Redaktion nach den genannten Veröffentlichungen.

Zwei Labore, zwei Befunde, die sich nicht vertragen. Das ist kein Grund, einem von beiden Betrug zu unterstellen; Messungen im Nanomolbereich sind heikel, Methoden und Hirnregionen unterscheiden sich. Aber es ist ein Grund, vorsichtig zu sein mit Sätzen, die im Netz tausendfach stehen: „Die Zirbeldrüse schüttet beim Sterben DMT aus." Für den Menschen hat das niemand gemessen. Für die Ratte ist die Zirbeldrüse als Quelle unwahrscheinlich geworden, und ob es überhaupt einen nennenswerten körpereigenen Vorrat gibt, ist seit Februar 2026 offener als zuvor. Strassman hat 2010 geschrieben: „Wir wissen es noch nicht." Sechzehn Jahre später ist das immer noch der ehrlichste Satz zum Thema.

Modell eines menschlichen Gehirns im Längsschnitt auf dunklem Stein, in der Mitte leuchtet die kleine Zirbeldrüse bernsteinfarben, links brennt eine Kerze vor dunkelgrüner Wand
Die Zirbeldrüse liegt tief in der Mitte des Gehirns und wiegt beim Erwachsenen weniger als 0,2 Gramm. Dass sie DMT in wirksamer Menge ausschüttet, ist eine Hypothese, keine Messung. Darstellung, kein anatomisches Präparat.

Die Wesen, 2.561-mal befragt

Was in Albuquerque in Einzelsätzen aufgeschrieben wurde, hat die Johns Hopkins University 2020 in großer Zahl erhoben. Ein Team um Alan Davis und Roland Griffiths befragte online 2.561 Menschen nach ihrer eindrücklichsten Begegnung mit einem „Wesen" unter DMT. Die häufigsten Bezeichnungen: Wesen, Führer, Geist, Außerirdischer, Helfer. 41 Prozent berichteten Angst während der Begegnung, die stärksten Gefühle aber waren Liebe, Güte und Freude. 69 Prozent gaben an, eine Botschaft erhalten zu haben, 19 Prozent eine Vorhersage über die Zukunft. Mehr als die Hälfte derer, die sich vorher als Atheisten bezeichnet hatten, taten das danach nicht mehr.

Die meisten Befragten hielten das Wesen für bewusst, intelligent und wohlwollend, und für real, nur in einer anderen Dimension der Wirklichkeit. Das ist ein Befund über Menschen, nicht über Dimensionen. Die Befragten hatten sich selbst gemeldet, sie beschrieben eine Erinnerung, und wer eine gleichgültige Erfahrung gemacht hat, füllt selten einen langen Fragebogen dazu aus. Die Forscher selbst betonen etwas anderes: Die Berichte ähneln auffällig Begegnungen ohne Substanz, wie sie aus religiösen Kontexten, aus Entführungserzählungen und aus Nahtoderfahrungen bekannt sind.

Diese Parallele hatte das Imperial College London 2018 im Labor geprüft. Dreizehn Gesunde bekamen DMT und an einem anderen Tag ein Placebo und füllten danach einen etablierten Fragebogen für Nahtoderfahrungen aus. Unter DMT stiegen die Werte deutlich, und das Profil ähnelte in fast allen Merkmalen dem von Menschen, die tatsächlich eine Nahtoderfahrung gemacht hatten. Wie weit die echte Nahtodforschung inzwischen ist, haben wir in unserer Recherche zu Nahtoderfahrung und der AWARE-II-Studie aufgeschrieben. Ähnlichkeit auf einem Fragebogen ist allerdings keine Ursache. Dass DMT die Nahtoderfahrung „erklärt", hat keine dieser Studien gezeigt — dazu müsste man es im sterbenden Menschen messen, und das ist nie geschehen.

Zurück in der Klinik: London, Basel, 2026

Dreißig Jahre nach Albuquerque ist DMT wieder dort, wo Strassman es hinbringen wollte: im Klinikbett, unter Aufsicht, mit Messgeräten. 2023 zeigt das Imperial College mit gleichzeitigem EEG und funktioneller Kernspintomografie an zwanzig Freiwilligen, wie sich die Verbindungen im Gehirn unter DMT verändern. Die Netzwerke, die sonst getrennt arbeiten, kommunizieren plötzlich über ihre Grenzen hinweg, am stärksten in den stammesgeschichtlich jüngsten Regionen der Hirnrinde. „Die fortschrittlichste Ansicht des psychedelischen Zustands, die es bisher gibt", nennt Studienleiter Christopher Timmermann das.

In Basel, also im deutschsprachigen Raum, untersucht die Gruppe um den Pharmakologen Matthias Liechti am Universitätsspital seit Jahren, wie sich DMT in der Vene verhält. 2023 zeigt sie an 27 Gesunden, dass eine Dauerinfusion das Erleben über längere Zeit stabil hält und nach dem Abschalten innerhalb von etwa einer Viertelstunde abklingt. Im März 2026 folgt eine Arbeit, die direkt an Albuquerque anschließt. Dieselben Stufen, einmal doppelblind in zufälliger Reihenfolge, einmal offen und schrittweise gesteigert: Die offene Variante wurde deutlich besser vertragen, und bei gleicher Stufe schätzten die Teilnehmenden die Wirkung als weniger intensiv ein. Die Autoren schreiben, das zeige den Einfluss von Verblindung und Erwartung auf das Erleben. Es ist, mit moderner Statistik, dieselbe Beobachtung, die Strassmans Team 1994 an der ersten, angstvollen Sitzung gemacht hatte.

Und im Februar 2026 erscheint in Nature Medicine die erste placebokontrollierte Studie mit DMT bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Depression. 34 Teilnehmende, Phase IIa, eine Gabe unter psychotherapeutischer Begleitung. Nach zwei Wochen sanken die Depressionswerte in der DMT-Gruppe stärker als unter Placebo, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Das ist ein ernst zu nehmendes Ergebnis, und es ist klein. Die Studienleitung selbst mahnt, frühe Ergebnisse immer mit Vorsicht zu lesen, und das Unternehmen verfolgt die Substanz in dieser Form nicht weiter. Eine zugelassene Behandlung gibt es nicht, in Deutschland ist DMT außerhalb genehmigter Forschung nicht verkehrsfähig. Wer mit einer Depression kämpft, findet Hilfe bei Hausärztin, Psychotherapeut oder Klinik — nicht in einem Magazinartikel.

Sehenswert: Im kurzen Ausschnitt erklärt Strassman, warum er selbst kein DMT nimmt — ein nüchterner Gegenpol zu vielen Erzählungen über die Substanz.

Behauptung, Quelle, Stand

Um DMT kreisen im Netz vor allem Sätze, die bestimmter klingen, als die Forschung es erlaubt. Hier die häufigsten, jeweils mit der Quelle, auf die sie sich stützen, und dem, was davon heute trägt.

Behauptung Quelle Stand
Die Zirbeldrüse schüttet bei Geburt und Tod DMT aus. Strassman, Buch 2001, ausdrücklich als Hypothese NICHT_BELEGT — beim Menschen nie gemessen
Das Säugetier­gehirn bildet DMT selbst. Barker u. a. 2013, Dean u. a. 2019 dafür; Palner u. a. 2026 dagegen bei Ratten umstritten, beim Menschen offen
Die Zirbeldrüse ist die Quelle. Dean u. a. 2019: ohne Drüse nicht weniger DMT; Nichols 2018 spricht dagegen
Viele erleben unter DMT „Wesen". Strassman 1994; Davis u. a. 2020 (2.561 Befragte) BELEGT als Bericht
Diese Wesen existieren unabhängig vom Gehirn. Deutung vieler Befragter NICHT_BELEGT
DMT ähnelt der Nahtod­erfahrung. Timmermann u. a. 2018, 13 Personen, Fragebogen Ähnlichkeit belegt, Ursache nicht
DMT hilft gegen Depression. Erritzoe u. a. 2026, Phase IIa, 34 Personen NICHT_BELEGT als Therapie; erste kleine Studie
Stand: September 2026. „Belegt als Bericht" heißt: Es ist dokumentiert, dass Menschen das erlebt und so beschrieben haben — nicht, dass der Inhalt des Erlebens der Wirklichkeit entspricht.

Was belegt ist — und was nicht

BELEGT: Rick Strassman führte 1990 bis 1995 an der University of New Mexico staatlich genehmigte Studien mit DMT durch, mit knapp 60 Freiwilligen und rund 400 Gaben. Wirkungseintritt, Höhepunkt nach ein bis zwei Minuten, Abklingen nach etwa 30 Minuten und die Körperreaktionen sind publiziert.

BELEGT: Viele Probanden berichteten von einer „anderen Intelligenz" oder von Wesen. Die Berichte sind im Wortlaut veröffentlicht; 2020 beschrieben 2.561 Befragte ähnliche Begegnungen.

BELEGT: Bei Ratten wurde DMT in Zirbeldrüsen-Flüssigkeit (2013) und in der Hirnrinde (2019) nachgewiesen. Eine Studie aus Odense und Zürich fand im Februar 2026 kein körpereigenes DMT. Die Messungen widersprechen sich.

UEBERLIEFERT: DMT-haltige Schnupfpulver wie Cohoba wurden in Südamerika und der Karibik in religiösen Zeremonien verwendet. Die Zirbeldrüse gilt seit Descartes als „Sitz der Seele" und in esoterischen Lehren als „drittes Auge".

NICHT_BELEGT: Dass die menschliche Zirbeldrüse bei Geburt, im Traum, im Sterben oder am 49. Tag nach der Empfängnis DMT in wirksamer Menge ausschüttet. Strassman selbst schrieb 2010: „Wir wissen es noch nicht."

NICHT_BELEGT: Dass die erlebten Wesen unabhängig vom Gehirn existieren, und dass DMT eine erwiesene Therapie wäre. Jede Heilaussage gehört in diese Zeile.

Die offene Frage

Rick Strassman wollte 1990 zwei Dinge wissen. Was DMT im Menschen tut, und ob der Mensch es selbst herstellt. Die erste Frage hat seine Studie beantwortet, so gründlich, dass Forschende in London und Basel dreißig Jahre später an seine Zahlen anknüpfen und seine Beobachtungen bestätigen. Die zweite Frage ist offen geblieben, und sie ist in den letzten sieben Jahren nicht kleiner geworden, sondern schärfer. Ein Labor misst DMT im Rattenhirn in Mengen wie Serotonin, ein anderes findet gar nichts. Die Zirbeldrüse, von der alles ausging, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Und was in einem sterbenden Menschen geschieht, hat noch niemand gemessen.

Bleibt die Frage, die in Albuquerque niemand beantworten konnte und die keine Messung je beantworten wird: warum so viele Menschen, die sich nicht kennen, unter derselben Substanz auf dasselbe stoßen — auf Intelligenzen, die sie ansehen, ihnen etwas zeigen, sie nicht wichtig nehmen. Man kann das Gehirn nennen. Man kann es eine andere Wirklichkeit nennen. Wir erfinden hier keine Antwort. Wir zeigen dir, wo das Rätsel wirklich anfängt: nicht in der Zirbeldrüse, sondern in der Lücke zwischen dem, was ein Mensch mit absoluter Gewissheit erlebt, und dem, was ein Messgerät davon erfassen kann. Einer von Strassmans Probanden hat diese Lücke 1994 in einem Satz beschrieben: „Es war so fremd. Du versuchst sofort, etwas Vertrautes damit zu verbinden, aber es geht nicht."

Cover des E-Books DMT und Changa: Erfahrung, Forschung, Integration von Leif Daniel Schmidt

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DMT & Changa — Erfahrung, Forschung, Integration

34 Seiten PDF, die Bericht und Befund trennen wie dieser Artikel: Begriffe, Studien, Risiken, Reflexionsblätter. Ohne Herstellungs-, Dosierungs- oder Konsumanleitung, auch ohne eigene Erfahrung lesbar.

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Was das Gehirn tut, wenn das Herz stillsteht — und warum beide Lager dieselbe Studie zitieren: Nahtoderfahrung und die AWARE-II-Studie.

Und wer die Begriffe sauber auseinanderhalten will, bevor er weiterliest: DMT, 5-MeO-DMT und Changa — was die Begriffe wirklich bezeichnen.

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Häufige Fragen

Was war die DMT-Studie von Rick Strassman?

Der Psychiater Rick Strassman untersuchte von 1990 bis 1995 an der University of New Mexico in Albuquerque die Wirkung von DMT auf Menschen. Es war die erste neue, staatlich genehmigte Psychedelika-Forschung in den USA seit über zwanzig Jahren. Nach seinen eigenen Angaben erhielten knapp 60 Freiwillige insgesamt rund 400 Gaben. Die ersten Ergebnisse erschienen 1994 in den Archives of General Psychiatry.

Hat Strassman bewiesen, dass die Zirbeldrüse DMT herstellt?

Nein. Das war seine Hypothese, die er im Buch „DMT: The Spirit Molecule" (2001) selbst als unbewiesen bezeichnete. 2010 schrieb er: „Wir wissen nicht, ob DMT in der Zirbeldrüse hergestellt wird." Bei Ratten wurde DMT 2013 in Flüssigkeit aus der Zirbeldrüse nachgewiesen, 2019 aber bei Tieren ohne Zirbeldrüse nicht in geringerer Menge gemessen. Beim Menschen wurde es in der Zirbeldrüse nie gemessen.

Bildet das menschliche Gehirn selbst DMT?

Das ist offen. Ein Team aus Michigan fand 2019 in der Hirnrinde von Ratten DMT in Konzentrationen ähnlich wie Serotonin. Ein Team aus Odense und Zürich konnte im Februar 2026 dagegen kein körpereigenes DMT im Rattenhirn nachweisen. Für den Menschen fehlen vergleichbare Messungen im Gehirn.

Was haben die Probanden in Albuquerque erlebt?

Die veröffentlichten Berichte beschreiben intensive Bilder und Farben, den Verlust des Körpergefühls und bei vielen den Eindruck einer „anderen Intelligenz" oder von Wesen. Es gab auch Angst, Kontrollverlust und verstörende Momente. Belegt ist, dass die Probanden das so erlebt und beschrieben haben, nicht, dass diese Wesen unabhängig vom Gehirn existieren.

Ist DMT in Deutschland erlaubt?

Nein. N,N-Dimethyltryptamin steht in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes und ist damit nicht verkehrsfähig: Es darf weder verschrieben noch gehandelt werden. Forschung ist nur mit einer Ausnahmeerlaubnis der Bundesbehörden möglich. Dieser Artikel beschreibt Forschung und Geschichte und ist keine Ermutigung zum Konsum.

Wird DMT heute als Medikament erforscht?

Ja, in kleinen klinischen Studien. Im Februar 2026 erschien in Nature Medicine eine placebokontrollierte Phase-IIa-Studie mit 34 Menschen mit Depression, in der die Werte nach zwei Wochen stärker sanken als unter Placebo. Eine zugelassene Behandlung gibt es nicht, und eine Heilwirkung ist nicht belegt. Wer Hilfe braucht, wendet sich an Ärztin, Psychotherapeut oder Klinik.

Quellen & Weiterlesen

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt Forschung und Geschichte. Er enthält bewusst keine Angaben zu Dosierung, Beschaffung, Zubereitung oder Kombination und ist keine Ermutigung zum Konsum. DMT ist in Deutschland ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Probandenzitate und Aussagen von Forschenden sind aus dem Englischen von der Redaktion übersetzt; der englische Wortlaut steht in den verlinkten Quellen. Titelbild und Zirbeldrüsen-Darstellung sind generierte Illustrationen, keine Fotos; Personen darauf sind nicht real.

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