Die Schlüssel Salomos: Was wirklich im berühmtesten Grimoire Europas steht
Dieser Artikel sagt dir, was die Clavicula Salomonis tatsächlich ist, aus welchen Handschriften wir sie kennen, warum sie einem König zugeschrieben wird, der sie nicht geschrieben hat, was in ihren zwei Büchern steht, was es mit den Pentakeln auf sich hat — und warum sie regelmäßig mit einem ganz anderen Buch verwechselt wird. Er macht das Buch nicht kleiner, als es ist. Aber auch nicht älter.
Dieser Artikel sagt dir, was die Clavicula Salomonis tatsächlich ist, aus welchen Handschriften wir sie kennen, warum sie einem König zugeschrieben wird, der sie nicht geschrieben hat, was in ihren zwei Büchern steht, was es mit den Pentakeln auf sich hat — und warum sie regelmäßig mit einem ganz anderen Buch verwechselt wird. Er macht das Buch nicht kleiner, als es ist. Aber auch nicht älter.
Inhalt
Die Clavicula Salomonis — „Schlüssel Salomos“ — ist das einflussreichste Zauberbuch der europäischen Neuzeit: eine Anleitung für rituelle Magie mit Planetenzeiten, Reinigungsvorschriften, Kreisarbeit, Werkzeugweihe und runden Planetensiegeln, den Pentakeln. Die ältesten erhaltenen Textzeugen sind griechische Handschriften des 15. Jahrhunderts; die lateinischen und italienischen Fassungen stammen überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Zuschreibung an König Salomo ist pseudepigraphisch — sie beruft sich auf einen Ruf, den bereits Flavius Josephus im ersten Jahrhundert bezeugt, nicht auf eine Autorschaft. Fast die gesamte moderne Rezeption geht auf die englische Ausgabe zurück, die S. L. MacGregor Mathers 1889 aus sieben Handschriften zusammenstellte. Die Grenze: Es gibt keine authentische oder vollständige Fassung, jede Handschrift ist zugleich Bearbeitung — und für eine Wirkung der beschriebenen Verfahren auf äußere Ereignisse gibt es keinen Nachweis.
Die Clavicula Salomonis ist ein Grimoire in zwei Büchern: Das erste behandelt Planetenzeiten, Reinigung, Kreis und die sogenannten Experimente, das zweite die Herstellung und Weihe der Ritualwerkzeuge.
Quelle/Tradition: Aufbau des Textes, an allen gängigen Ausgaben nachprüfbar
Die ältesten erhaltenen Textzeugen sind griechische Handschriften des 15. Jahrhunderts (Hygromanteia); die lateinischen, italienischen und französischen Fassungen stammen überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Quelle/Tradition: Handschriftenbefund; Datierung der erhaltenen Codices
S. L. MacGregor Mathers stellte 1889 aus sieben Handschriften des British Museum eine englische Ausgabe zusammen, die bis heute die Grundlage nahezu der gesamten modernen Rezeption bildet; sie enthält 44 Pentakel für die sieben klassischen Planeten.
Quelle/Tradition: S. L. MacGregor Mathers (Hrsg.), The Key of Solomon the King, London 1889
Flavius Josephus berichtet im ersten Jahrhundert, Salomo habe Beschwörungs- und Heilformeln hinterlassen, und beschreibt deren Anwendung durch den Exorzisten Eleazar.
Quelle/Tradition: Flavius Josephus, Jüdische Altertümer 8,2
Dass König Salomo Verfasser des Buches sei, ist eine pseudepigraphische Zuschreibung; die Tradition eines salomonischen Geisterwissens ist alt, das Werk selbst ist es nicht.
Quelle/Tradition: Literarische Konvention der Pseudepigraphie; Überlieferungslage vom Testament Salomos bis zur Clavicula
Werkzeugkanon, Kreisarbeit und Weihelogik der Clavicula wurden über die Ausgabe von Mathers und den Hermetischen Orden der Goldenen Dämmerung in die moderne Zeremonialmagie und später in die Wicca-Praxis übernommen und werden dort bis heute gelebt.
Quelle/Tradition: Gelebte Praxis in zeremonialmagischen und hexischen Kreisen im DACH-Raum
Dass Pentakel, Kreise oder Anrufungen der Clavicula äußere Ereignisse herbeiführen — Gunst, Auffinden von Verborgenem, Unsichtbarkeit — ist nicht belegt; die vorgeschriebenen mehrtägigen Fastenzeiten sind historische Vorschrift und keine gesundheitliche Empfehlung.
Quelle/Tradition: Kein Wirksamkeitsnachweis; Fasten gehört bei Vorerkrankungen ärztlich begleitet
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Was die Schlüssel Salomos sind
Die Clavicula Salomonis — auf Deutsch meist „Schlüssel Salomos“, wörtlich eher „Schlüsselchen“ — ist das einflussreichste Zauberbuch der europäischen Neuzeit. Kein anderes Grimoire hat so viele Abschriften, so viele Übersetzungen und so viele Nachahmer hervorgebracht.
Was es ist, lässt sich nüchtern sagen: eine Betriebsanleitung für rituelle Magie. Sie erklärt, wann man arbeitet (nach Planetentagen und Planetenstunden), wie man sich vorbereitet (Fasten, Waschung, neue Kleidung, mehrtägige Enthaltsamkeit), welche Werkzeuge man braucht und wie man sie weiht, wie ein Kreis gezogen wird — und welche Formeln man in ihm spricht.
Was es nicht ist: ein antikes Buch. Und schon gar keines aus dem zehnten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.
Warum das Buch Salomo zugeschrieben wird
Die Zuschreibung an König Salomo ist Pseudepigraphie — eine literarische Praxis, die in der Antike üblich und keineswegs als Betrug gemeint war: Ein Text stellt sich unter die Autorität einer Gründerfigur.
Der Ruf Salomos als Herr über die Geister ist dabei tatsächlich alt. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung in den Jüdischen Altertümern, Salomo habe Beschwörungsformeln zur Heilung und Verfahren zur Austreibung von Dämonen hinterlassen; er beschreibt sogar einen zeitgenössischen Exorzisten namens Eleazar, der sie anwendete. Das ist eine echte, datierbare Quelle — allerdings über den Ruf Salomos, nicht über unser Buch.
Zwischen Josephus und der Clavicula liegt das griechische Testament Salomos, in dem Salomo mit einem Ring, den ihm der Erzengel Michael bringt, Dämonen zwingt, am Tempelbau mitzuarbeiten. Seine Datierung ist umstritten und schwankt in der Forschung zwischen dem ersten und dem fünften Jahrhundert. Von dort führt eine lange, verzweigte Linie über byzantinische Texte in die lateinische Handschriftenkultur.
Kurz: Die Tradition ist alt. Das Buch ist es nicht.
Die Handschriften — was tatsächlich überliefert ist
Die ältesten erhaltenen Textzeugen sind griechisch und stammen aus dem 15. Jahrhundert; sie laufen unter dem Namen Hygromanteia oder „Magische Abhandlung Salomos“ und stehen der Clavicula inhaltlich sehr nahe. Die lateinischen, italienischen und französischen Handschriften, aus denen der westliche Text bekannt ist, gehören überwiegend ins 16. und 17. Jahrhundert.
Ein Detail, das viel über den Umgang mit solchen Büchern verrät: Es gibt keine „richtige“ Fassung. Jede Abschrift ist zugleich eine Bearbeitung. Kapitel fehlen, wandern, verdoppeln sich; Namen werden umgeschrieben, Zeichen falsch kopiert und dann jahrhundertelang falsch weitergegeben. Wer von der Clavicula spricht, spricht in Wahrheit von einer Familie verwandter Texte.
Die Fassung, die heute fast alle meinen, ist eine einzige: Der britische Okkultist Samuel Liddell MacGregor Mathers stellte 1889 aus sieben Handschriften des British Museum eine englische Ausgabe zusammen. Sie ist keine kritische Edition im philologischen Sinn — Mathers wählte aus, glättete und ließ weg, was ihm zu sehr nach schwarzer Magie roch. Trotzdem ist sie die Grundlage praktisch aller modernen Rezeption.
Was in den beiden Büchern steht
Der Text zerfällt in zwei sehr unterschiedliche Teile.
Das erste Buch ist das operative. Es behandelt die Zeiten — welcher Wochentag welchem Planeten gehört, wie die Planetenstunden gezählt werden, welche Mondphase welche Arbeit trägt. Dann die Vorbereitung des Magiers: Reinigung, Fasten, Gebet, Enthaltsamkeit über mehrere Tage. Dann den Kreis, die Anrufungen — und die sogenannten Experimente: Arbeiten für Gunst und Liebe, für das Auffinden von Verborgenem, gegen Diebstahl, für Unsichtbarkeit.
Es lohnt, das ohne Scheu zu lesen: Die Anliegen sind erstaunlich alltäglich. Wer im 16. Jahrhundert zu diesem Buch griff, wollte selten das Universum verstehen. Er wollte wissen, wer das Silber gestohlen hat, ob die Heirat zustande kommt, und ob er beim Grundherrn Gehör findet.
Das zweite Buch ist das handwerkliche. Es beschreibt die Werkzeuge und ihre Weihe: das Messer mit schwarzem und das mit weißem Griff, Schwert, Stab und Rute, den Stichel zum Gravieren, Seide zum Einschlagen, Tinte, Feder, „jungfräuliches“ Pergament, Räucherwerk, Wasser und Ysop, das Licht. Für jedes Stück gibt es eine Herstellungsvorschrift, eine Zeit und ein Gebet.
Dieser zweite Teil ist der historisch folgenreichste. Wer heute in einem modernen Hexenzirkel ein schwarzgriffiges Ritualmesser sieht, sieht eine Linie, die sich über die Ausgabe von Mathers bis in diese Kapitel zurückverfolgen lässt.
Die Pentakel — und was sie wirklich sind
Das bekannteste Element der Clavicula sind die Pentakel: kreisrunde Siegel, jeweils einem der sieben klassischen Planeten zugeordnet. In der Ausgabe von Mathers sind es 44 Stück — sieben für Saturn, sieben für Jupiter, sieben für Mars, sieben für die Sonne, fünf für Venus, fünf für Merkur und sechs für den Mond. In anderen Handschriften weichen Zahl und Zeichnung ab; auch hier gibt es kein Original.
Wichtig für das Verständnis: Ein Pentakel im Sinne dieses Buches ist kein Pentagramm. Das Wort meint hier schlicht eine Scheibe, ein Siegel. Was darauf steht, ist in aller Regel eine Kombination aus hebräischen Gottesnamen, Engelnamen und einem Psalmvers, angeordnet in Ringen um ein zentrales Zeichen.
Und daraus folgt der Punkt, den die meisten populären Darstellungen unterschlagen: Die Clavicula ist ein zutiefst frommes Buch. Ihre Autorität bezieht sie nicht aus dem Bruch mit der Religion, sondern aus deren Innerstem — aus den Namen Gottes. Wer sie für ein antichristliches Werk hält, hat sie nicht gelesen.
Genau diese Struktur — Gottesnamen, Engelhierarchien, planetare Zuordnung — verbindet sie mit der späteren henochischen Magie John Dees und mit dem System, das der Hermetische Orden der Goldenen Dämmerung daraus baute.
Nicht verwechseln: Clavicula, Lemegeton und Goetia
Der häufigste Irrtum überhaupt. Es sind zwei verschiedene Bücher.
- Clavicula Salomonis — „Schlüssel Salomos“. Handschriften ab dem 15. Jahrhundert. Planetenmagie, Pentakel, Werkzeugweihe. Engel- und gottesnamenzentriert.
- Lemegeton — „Kleiner Schlüssel Salomos“, eine Kompilation des 17. Jahrhunderts aus fünf eigenständigen Teilen. Ihr erster Teil ist die Ars Goetia mit dem berühmten Verzeichnis von 72 Geistern samt Siegeln und Rangbezeichnungen.
Wer also „Schlüssel Salomos“ sagt und die 72 Dämonen meint, meint das andere Buch. Beide Titel stehen in derselben Tradition, aber sie sind weder identisch noch gleich alt — und die Verwechslung ist der Grund, warum die Clavicula einen Ruf hat, der ihrem Inhalt kaum entspricht.
Wer sehen will, wie eine Zaubertext-Sammlung aussieht, die tatsächlich antik ist, findet sie in den griechischen Zauberpapyri — dort liegt die Praxis vor, aus der die spätere Buchtradition schöpft.
Wie das Buch weiterwirkte
Bücher, die Salomo zugeschrieben wurden, standen seit dem 13. Jahrhundert unter kirchlicher Kritik und Verurteilung — was ihre Verbreitung erkennbar nicht gebremst, sondern eher befeuert hat. Verbotene Bücher werden abgeschrieben.
Die eigentliche Karriere begann jedoch erst mit Mathers. Über die Goldene Dämmerung ging der Werkzeugkanon, der Kreis und die Logik der Weihe in die moderne Zeremonialmagie über; von dort weiter in die Wicca-Bewegung der 1950er Jahre und schließlich in die Alltagsästhetik heutiger Hexenpraxis. Vieles, was heute als „uralt“ vermarktet wird, lässt sich präzise auf eine englische Ausgabe von 1889 zurückführen.
Das ist kein Argument gegen die Praxis. Es ist ein Argument gegen falsche Datierungen.
Quiz: Was suchst du in einem Grimoire?
Was suchst du eigentlich, wenn du zu so einem Buch greifst?
Vier Fragen. Am Ende eine ehrliche Einordnung — und ein Vorschlag für den nächsten Schritt.
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Stimmen aus der Praxis
„Ich habe zwei Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass ich nicht ein altes Buch nachbaue, sondern eine englische Ausgabe von 1889 nachbaue. Das hat meiner Arbeit nichts genommen. Es hat mir nur die Ehrfurcht vor der falschen Sache genommen.“
— Antiquar, 58, Leipzig
„Was mich an der Clavicula bis heute überrascht: wie viel gebetet wird. Ich hatte ein finsteres Buch erwartet und ein frommes gefunden.“
— Religionswissenschaftlerin, 41, Bern
„Ich habe die Werkzeugkapitel gelesen und danach mein Messer nicht gekauft, sondern selbst gemacht. Das war der eigentliche Unterschied — nicht die Formel, sondern die Wochen davor.“
— Tischler, 36, Graz
Was wir nicht versprechen
Wir behaupten nicht, dass König Salomo dieses Buch geschrieben hat. Die Zuschreibung ist ein literarisches Verfahren; die ältesten erhaltenen Handschriften sind rund zweieinhalbtausend Jahre jünger als die Person, auf die sie sich berufen.
Wir behaupten nicht, dass es eine authentische oder vollständige Fassung gibt. Jede Handschrift ist zugleich Bearbeitung, und die verbreitetste Ausgabe ist eine Auswahl eines Herausgebers des 19. Jahrhunderts.
Wir versprechen nicht, dass Pentakel, Kreise oder Anrufungen Ereignisse in der Welt herbeiführen. Dafür gibt es keinen Nachweis. Was sich beschreiben lässt, ist etwas anderes: Solche Verfahren bündeln Aufmerksamkeit, geben einem Anliegen Form und einen Anfang — und das ist nicht nichts, aber es ist auch nicht dasselbe.
Wir versprechen nicht, dass rituelle Arbeit gesundheitliche, rechtliche oder finanzielle Probleme löst. Das gehört in fachliche Hände. Und die in der Clavicula vorgeschriebenen Fastenzeiten sind historische Vorschriften, keine Empfehlung — wer gesundheitlich vorbelastet ist, fastet nicht auf Anweisung eines Grimoires.
Praktisch: so gehst du damit um
Lies die Ausgabe, die du wirklich hast. Prüfe zuerst, auf welchen Handschriften deine Fassung beruht und wer sie herausgegeben hat. Bei diesem Buch ist die Editionsgeschichte kein Vorspann, sondern der halbe Inhalt.
Trenne Clavicula und Goetia. Wenn in deinem Band 72 Geister mit Rangbezeichnungen stehen, hältst du das Lemegeton in der Hand — ein anderes Werk aus einem anderen Jahrhundert.
Nimm den zweiten Teil ernster als den ersten. Die Werkzeugkapitel sind der praktisch tragfähige Teil. Ein Gegenstand, den du selbst hergestellt und über Wochen begleitet hast, trägt eine Praxis besser als jede Formel.
Fang nicht mit dem Größten an. Die Vorbereitungsvorschriften sind kein Zierrat, sondern der eigentliche Aufwand. Wer sie überspringt und trotzdem das Ergebnis erwartet, hat das Buch missverstanden.
Sicherheit bleibt Sicherheit. Offene Flammen auf feuerfester Unterlage, Abstand zu Papier und Textil, nie unbeaufsichtigt. Räucherwerk sparsam und bei geöffnetem Fenster.
Häufige Fragen zu den Schlüsseln Salomos
Wie alt ist die Clavicula Salomonis wirklich?
Die ältesten erhaltenen Textzeugen sind griechische Handschriften des 15. Jahrhunderts; die lateinischen, italienischen und französischen Fassungen stammen überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Tradition, Salomo magisches Wissen zuzuschreiben, ist deutlich älter und reicht mindestens bis Flavius Josephus im ersten Jahrhundert zurück — das Buch selbst aber nicht.
Ist der Schlüssel Salomos dasselbe wie die Goetia?
Nein. Die Ars Goetia mit den 72 Geistern ist der erste Teil des Lemegeton, des „Kleinen Schlüssels Salomos“ — einer Kompilation des 17. Jahrhunderts. Die Clavicula Salomonis ist ein eigenständiges, älteres Werk über Planetenmagie, Pentakel und Werkzeugweihe. Die Verwechslung ist häufig und prägt den Ruf des Buches bis heute.
Was sind die Pentakel der Clavicula?
Runde Siegel, die den sieben klassischen Planeten zugeordnet sind — in der Ausgabe von Mathers 44 Stück. Sie tragen meist hebräische Gottes- und Engelnamen sowie Psalmverse. „Pentakel“ meint hier eine Scheibe, kein Pentagramm. Anzahl und Zeichnung unterscheiden sich von Handschrift zu Handschrift.
Ist das Buch schwarze Magie?
Dem Inhalt nach nicht. Die Clavicula arbeitet durchgehend mit Gottesnamen, Engelanrufungen, Gebet und Psalmen und setzt lange Reinigungs- und Fastenzeiten voraus. Kirchliche Autoritäten haben salomonische Bücher dennoch seit dem 13. Jahrhundert verurteilt — das sagt mehr über den Streit um Zuständigkeit als über den Charakter des Textes.
Warum ist die Ausgabe von Mathers so wichtig?
Weil fast die gesamte moderne Rezeption auf ihr beruht. Samuel Liddell MacGregor Mathers stellte 1889 aus sieben Handschriften des British Museum eine englische Fassung zusammen, glättete Widersprüche und ließ Teile weg. Über den Hermetischen Orden der Goldenen Dämmerung ging sie in die Zeremonialmagie und später in die Wicca-Bewegung über.
Kann ich als Anfängerin mit der Clavicula arbeiten?
Sie eignet sich schlecht als Einstieg. Der Text setzt Kenntnisse voraus, die er nicht vermittelt — Planetenstunden, Weihe, Kreisarbeit, Abschluss — und seine Vorbereitungsvorschriften sind aufwendig. Sinnvoller ist, mit einer einzelnen, klar umrissenen Praxis zu beginnen und die Struktur daran zu lernen.
Quellen & Weiterlesen
- Flavius Josephus, Jüdische Altertümer 8,2 — zur Überlieferung von Salomos Beschwörungsformeln und zum Exorzisten Eleazar.
- Testament Salomos, griechischer Text; Datierung in der Forschung zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert umstritten.
- Griechische Hygromanteia / „Magische Abhandlung Salomos“, Handschriften ab dem 15. Jahrhundert.
- S. L. MacGregor Mathers (Hrsg.), The Key of Solomon the King (Clavicula Salomonis), London 1889 — zusammengestellt aus sieben Handschriften des British Museum.
- Zum Lemegeton und zur Ars Goetia als eigenständiger Kompilation des 17. Jahrhunderts mit 72 Geistern.
- Zur kirchlichen Verurteilung salomonischer Bücher seit dem 13. Jahrhundert.
- Weiterlesen im Magazin: Die griechischen Zauberpapyri · Henochische Magie: John Dee · Der Hermetische Orden der Goldenen Dämmerung
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