Hausgeist, Kobold und Heinzelmännchen: was die Überlieferung wirklich erzählt
Es gibt eine Figur, die in ganz Europa dieselbe Rolle spielt und in jedem Land anders heißt: der Geist, der im Haus wohnt, für das Haus arbeitet und dafür eine Schale hingestellt bekommt. Dieser Artikel zeigt, was die Quellen über ihn wirklich hergeben, wo die Überlieferung anfängt zu erzählen — und warum ein geschenktes Hemd ihn überall gleichermaßen vertreibt.
Es gibt eine Figur, die in ganz Europa dieselbe Rolle spielt und in jedem Land anders heißt: der Geist, der im Haus wohnt, für das Haus arbeitet und dafür eine Schale hingestellt bekommt. Dieser Artikel zeigt, was die Quellen über ihn wirklich hergeben, wo die Überlieferung anfängt zu erzählen — und warum ein geschenktes Hemd ihn überall gleichermaßen vertreibt.
Inhalt
Ein Hausgeist ist in der europäischen Überlieferung ein Wesen, das an ein Gebäude gebunden ist, nachts für den Haushalt arbeitet und dafür einen kleinen Anteil am Essen bekommt — Milch, Brei, Brot, in Skandinavien zu Weihnachten Grütze mit Butter. Das deutsche Wort Kobold ist als mittelhochdeutsch kobolt seit dem 13. Jahrhundert belegt und bedeutet vermutlich so viel wie „Hauswalter“; dieselbe Figur heißt in Skandinavien Nisse oder Tomte, in der Slawia Domowoi, in Schottland Brownie und im römischen Haus Lar familiaris. Quer durch Europa läuft dabei ein Motiv: Wer dem Hausgeist Kleidung schenkt, verliert ihn. Die Grenze ist klar — belegbar sind Alter, Verbreitung und Motive dieser Erzählungen sowie im römischen Fall der archäologisch erhaltene Hauskult, nicht die Existenz solcher Wesen oder eine Wirkung der Gaben auf Glück, Ordnung oder Sicherheit eines Haushalts. Bei ungeklärten Vorgängen im Haus gehören zuerst Feuchtigkeit, Schimmel, Zugluft und Kohlenmonoxid geprüft.
Mittelhochdeutsch kobolt ist seit dem 13. Jahrhundert belegt; die Sprachwissenschaft liest es als Kompositum aus kobe (Verschlag, Stall) und hold beziehungsweise walten, also etwa Hauswalter.
Quelle/Tradition: Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm, Artikel Kobold; etymologische Wörterbücher des Deutschen
Die Kölner Heinzelmännchen-Sage wird 1826 bei Ernst Weyden zuerst schriftlich fassbar, 1836 von August Kopisch als Ballade popularisiert; 1899 wurde in Köln der Heinzelmännchenbrunnen errichtet. Das verwandte Märchen Die Wichtelmänner steht seit 1812 als Nr. 39 in den Kinder- und Hausmärchen.
Quelle/Tradition: Weyden 1826; Kopisch 1836; Grimm, KHM Nr. 39; Stadtgeschichte Köln
Das chemische Element Kobalt ist nach dem Kobold benannt, weil Bergleute das unverhüttbare, giftige Dämpfe freisetzende Erz dem Hausgeist zuschrieben; Georg Brandt isolierte es 1735.
Quelle/Tradition: Wissenschaftsgeschichte zur Isolierung des Kobalts durch Georg Brandt, 1735
Die römische Hausreligion um den Lar familiaris ist archäologisch belegt: In Pompeji und Herculaneum sind zahlreiche Lararien mit Nischen, Wandmalereien und Resten von Speise-, Wein- und Räucheropfern erhalten.
Quelle/Tradition: Archäologische Befunde in Pompeji und Herculaneum
Dass der Hausgeist einen kleinen Anteil am Essen bekommt — Milch, Brei, Brot, regional Bier, in Skandinavien die Weihnachtsgrütze mit Butter — und dass diese Gabe hingestellt statt überreicht wird, gehört zum festen Bestand der europäischen Überlieferung.
Quelle/Tradition: Volkskundliche Sagensammlungen zu Kobold, Nisse, Tomte, Domowoi und Brownie
Das Motiv, dass ein Hausgeist nach dem Geschenk von Kleidung für immer verschwindet, ist quer durch Europa überliefert und wird in der Erzählforschung als eigener Wandersagentyp geführt — unter anderem bei den Brüdern Grimm, beim schottischen Brownie und 1584 bei Reginald Scot.
Quelle/Tradition: Grimm, KHM 39; Reginald Scot, The Discoverie of Witchcraft, 1584; Verzeichnisse europäischer Wandersagen
Einen festen Platz im Haus einzurichten, einen kleinen Anteil hinzustellen und beim Einzug laut anzusprechen, dass hier nun gewohnt wird, ist heute gelebte Praxis in Haushalts- und Schwellenritualen.
Quelle/Tradition: Gegenwärtige Ritualpraxis in Haus- und Schwellenarbeit
Dass Hausgeister existieren oder dass eine hingestellte Gabe Glück, Ordnung oder Sicherheit eines Haushalts beeinflusst, ist nicht belegt.
Quelle/Tradition: Kein empirischer Nachweis; Wirkung liegt allenfalls in der eigenen Aufmerksamkeit
Eine Wirkung von Räucherwerk auf Gesundheit, Stimmung oder Energie ist nicht belegt; Rauch belastet die Raumluft, und ungeklärte Beschwerden in Räumen gehören bauphysikalisch und messtechnisch geprüft.
Quelle/Tradition: Kein Wirksamkeitsnachweis; Hinweise zu Innenraumluft und Verbrennungsprodukten
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Was ein Hausgeist in der Überlieferung ist
Der Hausgeist gehört zu dem, was die Erzählforschung die niedere Mythologie nennt: nicht Gott, nicht Dämon, sondern ein Wesen der Schwelle. Er ist an ein Gebäude gebunden, nicht an eine Landschaft und nicht an einen Kult. Er zieht mit dem Hof mit, nicht mit den Menschen. Und er verhält sich nach Regeln, die in keiner Theologie stehen, sondern in der Hausordnung: Er arbeitet nachts, er will nicht gesehen werden, er bekommt seinen Anteil, und er nimmt Kränkungen persönlich.
Auffällig ist, wie gleichförmig dieses Bild über Sprachgrenzen hinweg auftritt. Der deutsche Kobold, der skandinavische Nisse oder Tomte, der russische Domowoi, der schottische Brownie, der römische Lar familiaris — sie unterscheiden sich in Gestalt, Kleidung und Namen, aber sie teilen dieselbe Ökonomie: Arbeit gegen Anteil, Diskretion gegen Duldung. Das ist kein Beweis für ein gemeinsames Urwesen. Es ist eher der Hinweis darauf, dass Menschen, die unter einem Dach leben und arbeiten, immer wieder dieselben Erzählungen über dieses Dach entwickeln.
Kobold: was das Wort verrät
Das deutsche Wort ist älter, als die meisten vermuten. Mittelhochdeutsch kobolt ist seit dem 13. Jahrhundert belegt und bezeichnet einen übermütigen, mal freundlichen, mal tückischen Hausgeist. Die Sprachwissenschaft liest es als verdunkeltes Kompositum: Der erste Teil gehört wahrscheinlich zu kobe — Verschlag, Stall, Kammer. Der zweite Teil führt entweder zu hold im alten Sinn von zugeneigt, gewogen (dieselbe Wurzel, die in Unhold und in Frau Holle steckt) oder zu walten. Im zweiten Fall bedeutet der Name schlicht: der, der über das Haus waltet. Der Hauswalter.
Das ist keine Nebensächlichkeit. Der Name sagt, dass dieses Wesen nicht als Spuk gedacht war, sondern als Zuständigkeit. Wer den Kobold als kleinen Poltergeist liest, liest ihn modern. Die Überlieferung sieht in ihm eher einen unsichtbaren Teil des Personals.
Eine Spur des Wortes ist bis heute im Periodensystem zu finden. Sächsische Bergleute stießen auf ein silbriges Erz, das beim Verhütten kein Metall hergab und giftige Dämpfe freisetzte — sie machten den Kobold dafür verantwortlich, der ihnen das gute Erz vertauscht habe. Als Georg Brandt das Element 1735 isolierte, blieb ihm der Name: Kobalt. Ein Hausgeist, der es in die Chemie geschafft hat.
Die Heinzelmännchen von Köln — eine junge Sage mit alten Wurzeln
Die bekannteste deutsche Hausgeister-Erzählung ist zugleich die am besten datierbare. Die Kölner Sage von den Heinzelmännchen, die nachts die Arbeit der Handwerker erledigen, wird 1826 zuerst schriftlich fassbar, bei dem Kölner Schriftsteller Ernst Weyden. Berühmt wurde sie erst zehn Jahre später: August Kopisch goss sie 1836 in eine Ballade, die bis heute jedes Kind kennt — obwohl Kopisch selbst nie in Köln war. 1899 bekam er dafür einen Brunnen: den Heinzelmännchenbrunnen in der Altstadt.
Der Kern der Erzählung ist älter als ihre Kölner Fassung. Die Brüder Grimm hatten schon 1812 unter der Nummer 39 die Wichtelmänner aufgenommen, deren erste Geschichte vom Schuster erzählt, dem nachts die Schuhe fertiggenäht werden. Und Jacob Grimm ordnete die ganze Familie dieser Wesen 1835 in der Deutschen Mythologie systematisch ein. Die Heinzelmännchen sind also weniger eine uralte Kölner Besonderheit als eine lokale Ausprägung eines europäischen Erzählstoffs — mit einer sehr gut dokumentierten Karriere im 19. Jahrhundert.
Milch, Brei und ein Löffel: die Gabe
Nirgends ist die Überlieferung so einheitlich wie beim Essen. Der Hausgeist bekommt einen Anteil, und dieser Anteil ist bescheiden, warm und ungewürzt: eine Schale Milch, ein Napf Brei, ein Stück Brot, in manchen Gegenden Bier. In Skandinavien ist es zu Weihnachten die Grütze mit einem Klecks Butter obenauf — und die Geschichten erzählen mit sichtlichem Vergnügen, was passiert, wenn die Butter vergessen wird.
Zwei Regeln durchziehen fast alle Fassungen. Erstens: Die Gabe ist kein Lohn, sondern ein Anteil. Man bezahlt den Hausgeist nicht, man lässt ihn mitessen. Zweitens: Die Gabe wird hingestellt und nicht überreicht. Man legt sie an einen festen Ort — hinter den Ofen, auf die Schwelle, in eine Ecke der Kammer — und geht.
Wer heute damit arbeitet, sollte den praktischen Teil mitdenken: Milchschalen in Wohnungen ziehen Ameisen an, und die Überlieferung ist an dieser Stelle nicht empfindlich. In vielen Regionen wurde die Gabe am nächsten Morgen dem Tier oder dem Feuer gegeben, nicht dem Menschen.
Das Hemd, das alles beendet
Es gibt ein Motiv, das quer durch Europa läuft und immer gleich ausgeht: Wer dem Hausgeist Kleidung schenkt, verliert ihn. Bei den Grimms zieht das Schusterehepaar aus Dankbarkeit für die Wichtelmänner Hemdchen und Schuhe zurecht — und die Männchen tanzen singend hinaus und kommen nie wieder. In Schottland verschwindet der Brownie, sobald ihm ein Anzug hingelegt wird. Reginald Scot beschreibt schon 1584 in seiner Discoverie of Witchcraft den englischen Robin Goodfellow, der für eine Schale Rahm die Arbeit tut und für einen neuen Rock verschwindet. Die Erzählforschung führt diesen Stoff als eigenen Wandersagentyp — er ist zu geschlossen und zu weit verbreitet, um Zufall zu sein.
Warum das Kleid? Die Deutungen gehen auseinander, und keine ist bewiesen. Eine plausible Lesart: Kleidung macht sichtbar. Ein Wesen, dessen ganze Existenz auf Ungesehenheit beruht, kann kein Gewand tragen. Eine zweite: Kleidung ist Lohn, und Lohn beendet ein Verhältnis, das gerade nicht auf Bezahlung beruhte. Der Hausgeist wird durch die Gabe vom Mitglied zum Bediensteten — und geht.
Beide Lesarten sagen dasselbe über die Erzählung: Sie handelt nicht von Magie, sondern von Zugehörigkeit. Und davon, wie leicht man sie durch gut gemeinte Großzügigkeit zerstört.
Verwandte in ganz Europa
Der Nisse beziehungsweise Tomte in Norwegen, Dänemark und Schweden ist an den Hof gebunden, nicht an die Familie. Er gilt als klein, grau, mit roter Mütze, und er ist ausgesprochen empfindlich gegenüber schlechter Tierhaltung — mehrere Sagentypen erzählen von Nissen, die den Bauern strafen, weil das Vieh vernachlässigt wurde.
Der Domowoi der ostslawischen Überlieferung wohnt hinter oder unter dem Ofen. Beim Umzug wurde er in manchen Gegenden ausdrücklich eingeladen mitzukommen — mit Kohle aus dem alten Herd oder mit einer förmlichen Ansprache an den Ofen.
Der römische Lar familiaris ist die am besten belegte Variante überhaupt, weil sie archäologisch fassbar ist: Die Hausheiligtümer, die Lararien, sind in Pompeji und Herculaneum in großer Zahl erhalten, samt Nischen, Wandmalereien und Resten von Speise-, Wein- und Räucheropfern. Hier ist der Hausgeist keine Sage, sondern dokumentierte häusliche Religion.
Und auf See heißt er Klabautermann — an das Schiff gebunden statt an das Haus, ansonsten mit denselben Regeln: Er arbeitet mit, er zeigt sich nicht gern, und wenn er das Schiff verlässt, ist das kein gutes Zeichen. Wer solchen Wesen weiter nachgehen will, findet den größeren Rahmen in unserem Text über Naturgeister und Elementarwesen.
Warum die Überlieferung immer vom Herd erzählt
Fällt einem etwas auf, wenn man die Fassungen nebeneinanderlegt, dann dies: Der Hausgeist sitzt fast nie im Wohnraum. Er sitzt hinter dem Ofen, im Stall, auf dem Dachboden, unter der Schwelle. Also genau dort, wo ein Haus verletzlich ist — wo Feuer brennt, wo Tiere stehen, wo etwas hereinkommt.
Das ist die nüchternste und zugleich schönste Deutung dieser Erzählungen: Sie personifizieren die Aufmerksamkeit, die ein Haus verlangt. Wer den Ofen gut hält, das Vieh nicht vernachlässigt, die Schwelle sauber lässt und nachts noch einmal nachsieht, dem geht es besser als dem, der es nicht tut. Die Sage macht daraus ein Gegenüber, dem man Rechenschaft schuldet. Das ist keine schlechte Erfindung — sie funktioniert.
Quiz: Welche Hausgeist-Erzählung gehört zu deinem Zuhause?
Vier Fragen zu deinem Haus
Kein Orakel — ein Anstoß, welcher Strang der Überlieferung dir am nächsten liegt.
Wenn du an der Schwelle arbeiten willst
Die Hausgeist-Überlieferung kennt zwei Handgriffe: den Anteil und den Rauch. Für den zweiten hat sich in Europa ein Harz durchgesetzt, das genau an Türen, Fenstern und Übergängen verwendet wurde.
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Aus dem Tempel Drachenblut RäucherharzDas rote Harz, das in der europäischen Überlieferung dem Schutz und der Schwelle zugeordnet wird — dunkel, harzig, mit einem Rest Süße. Auf Kohle oder Sieb, sparsam dosiert: ein einziger Splitter reicht für einen Türrahmen. Wer die Hausgeist-Praxis nicht bei der Milchschale enden lassen will, fängt hier an. 15 € Drachenblut ansehen |
Wer den ganzen Ablauf für Wohnung und Haus sauber aufgeschrieben haben will, findet ihn im Ritual-Handbuch Räuchern & Reinigen. Und wer bei den mildesten Kräutern anfangen möchte, nimmt die Purify Räuchermischung.
Stimmen aus der Praxis
„Bei uns auf dem Hof stand das Schälchen für den Nisse jedes Jahr an Heiligabend auf dem Stallgang, mit Butter obendrauf. Mein Großvater hat nie gesagt, dass er daran glaubt. Er hat gesagt: Man macht das. Ich merke inzwischen, dass das zwei verschiedene Sätze sind — und dass der zweite hält.“
— Landwirtin, 52, Raum Flensburg
„Ich habe nach dem Umzug etwas gemacht, was ich beim Domowoi gelesen hatte: laut in die Wohnung gesprochen, dass jetzt hier gewohnt wird. Es hat nichts Übersinnliches bewirkt. Es hat bewirkt, dass ich seitdem anders durch diese Räume gehe.“
— Übersetzerin, 38, Raum Leipzig
„In meinen Kursen kommt die Kleider-Geschichte immer am besten an. Ich glaube, weil jeder sie kennt: Man will sich erkenntlich zeigen, und genau damit macht man etwas kaputt, das vorher selbstverständlich war.“
— Erzählerin und Kursleiterin, 61, Raum Innsbruck
Was wir nicht versprechen
Wir behaupten nicht, dass Hausgeister existieren. Es gibt keinen Nachweis für Wesen dieser Art, und es gibt keinen Nachweis dafür, dass eine hingestellte Schale das Glück, die Ordnung oder die Sicherheit eines Haushalts verändert. Was sich belegen lässt, ist die Erzählung: ihr Alter, ihre Verbreitung, ihre Motive.
Wir versprechen dir auch keine Wirkung von Räucherwerk auf Gesundheit, Stimmung oder Energie. Räuchern ist Brauch und Praxis, kein Heilverfahren. Rauch belastet die Raumluft — lüfte gründlich, halte Abstand, wenn im Haushalt Menschen mit Atemwegserkrankungen leben, Kleinkinder oder Tiere, und lass niemals Glut unbeaufsichtigt.
Und wir versprechen dir nicht, dass ein Haus, in dem etwas nicht stimmt, ein Geisterproblem hat. Wenn du seltsame Geräusche, Gerüche oder Kopfschmerzen in bestimmten Räumen bemerkst, gehören zuerst Handwerk und Messtechnik dazu: Feuchtigkeit, Schimmel, Zugluft, Kohlenmonoxid. Die Überlieferung selbst hat das übrigens nie anders gesehen — sie hat immer zuerst nach dem Ofen geschaut.
Praktisch: so gehst du damit um
Erst der Ort, dann die Handlung. Such einen festen Platz, der zum Haus gehört und nicht zur Dekoration: eine Ecke bei Herd oder Sicherungskasten, ein Sims an der Wohnungstür. Ein Hausgeist-Platz, der auf dem Wohnzimmerregal steht, ist ein Andenken.
Der Anteil bleibt klein. Ein Löffel, kein Teller. Und er wird hingestellt, nicht überreicht — die Überlieferung ist da erstaunlich einig.
Räum die Gabe am nächsten Tag ab. Alles andere ist in einer Wohnung eine Ameisenstraße. Der Kompost, der Vogel oder das Feuer sind die traditionellen Wege.
Schenk kein Hemd. Das ist scherzhaft gemeint und ernst zugleich: Widersteh dem Drang, aus einer schlichten Gewohnheit ein Projekt mit Altar, Namen und Zeremoniell zu machen. Der Reiz dieser Praxis liegt in ihrer Beiläufigkeit.
Trenn Erzählung und Behauptung. Du kannst eine Schale hinstellen, ohne an irgendetwas zu glauben. Genau so haben es die meisten Generationen vor dir gehalten.
Wenn du über die Gabe hinaus mit Rauch arbeiten willst, findest du die Grundlagen bei Drachenblut räuchern; wer eine ganze Wohnung durchgehen möchte, liest vorher unseren Text zur energetischen Hausreinigung.
Häufige Fragen
Was ist ein Hausgeist genau?
In der europäischen Überlieferung ein Wesen, das an ein Gebäude gebunden ist, nachts für den Haushalt arbeitet und dafür einen kleinen Anteil am Essen bekommt. Er gehört zur sogenannten niederen Mythologie — nicht Gott, nicht Dämon, sondern eine Art unsichtbares Hauspersonal mit eigenen Regeln: Er zeigt sich nicht gern, er zieht mit dem Hof mit statt mit den Menschen, und er nimmt Kränkungen übel.
Woher kommt das Wort Kobold?
Mittelhochdeutsch kobolt ist seit dem 13. Jahrhundert belegt. Sprachwissenschaftlich gilt es als verdunkeltes Kompositum: erster Teil wohl zu kobe (Verschlag, Stall, Kammer), zweiter Teil entweder zu hold im alten Sinn von gewogen oder zu walten — dann bedeutet der Name „Hauswalter“. Vom Kobold hat auch das Metall Kobalt seinen Namen, das Georg Brandt 1735 isolierte.
Sind die Heinzelmännchen eine uralte Kölner Sage?
Der Stoff ist alt, die Kölner Fassung ist jung. Schriftlich fassbar wird sie 1826 bei Ernst Weyden; berühmt machte sie August Kopisch 1836 mit seiner Ballade, obwohl er selbst nie in Köln war. 1899 wurde ihm zu Ehren der Heinzelmännchenbrunnen errichtet. Das verwandte Märchen der Brüder Grimm, Die Wichtelmänner, steht seit 1812 als Nummer 39 in den Kinder- und Hausmärchen.
Warum verschwindet der Hausgeist, wenn man ihm Kleidung schenkt?
Das Motiv zieht sich durch ganz Europa und wird in der Erzählforschung als eigener Wandersagentyp geführt — bei den Grimms, beim schottischen Brownie und schon 1584 bei Reginald Scot. Warum, sagt keine Quelle sicher. Zwei plausible Lesarten: Kleidung macht sichtbar, und ein Wesen der Ungesehenheit erträgt das nicht. Oder Kleidung ist Lohn — und Lohn verwandelt einen Anteil in ein Dienstverhältnis.
Was stellt man einem Hausgeist hin?
Überliefert ist Schlichtes und Warmes: Milch, Brei, Brot, regional auch Bier — in Skandinavien zu Weihnachten die Grütze mit Butter. Zwei Regeln kehren fast überall wieder: Die Gabe ist ein Anteil, kein Lohn, und sie wird an einem festen Ort hingestellt statt überreicht. In der Wohnung räumt man sie am nächsten Tag ab und gibt sie dem Kompost oder dem Feuer.
Gibt es Hausgeister wirklich?
Dafür gibt es keinen Nachweis, und dieser Artikel behauptet es auch nicht. Belegbar ist die Erzählung — ihr Alter, ihre Verbreitung, ihre Motive — und im römischen Fall sogar der Kult: Die Lararien in Pompeji und Herculaneum sind archäologisch erhalten. Wenn in einem Haus etwas Ungeklärtes vorgeht, gehören zuerst Feuchtigkeit, Schimmel, Zugluft und Kohlenmonoxid geprüft.
Quellen & Weiterlesen
- Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm, Artikel „Kobold“, sowie etymologische Wörterbücher des Deutschen zu mhd. kobolt (Erstbelege 13. Jahrhundert).
- Jacob Grimm: Deutsche Mythologie (1835), Abschnitte zu Hausgeistern und verwandten Wesen.
- Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen, Nr. 39 Die Wichtelmänner (ab 1812).
- Ernst Weyden (1826) als erste schriftliche Fassung der Kölner Heinzelmännchen-Sage; August Kopisch: Die Heinzelmännchen zu Köln (1836); Heinzelmännchenbrunnen, Köln, errichtet 1899.
- Reginald Scot: The Discoverie of Witchcraft (1584), Passagen zu Robin Goodfellow.
- Zur Benennung des Elements: Georg Brandt, Isolierung des Kobalts 1735.
- Zur römischen Hausreligion: erhaltene Lararien in Pompeji und Herculaneum; archäologische Befunde zu Speise-, Wein- und Räucheropfern.
- Weiterlesen im Magazin: Naturgeister & Elementarwesen · Drachenblut räuchern · Energetische Hausreinigung
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