Wissenschaft & Bewusstsein

Zwei Meditationsstudien vom 23. September: Weniger Stress in Melbourne, kein Effekt auf die Selbsteinschätzung in München

Zwei Meditationsstudien vom 23. September: In Melbourne sank der Stress über sechs Monate, in München änderte Achtsamkeit die Selbsteinschätzung nicht.

Heller Raum mit Meditationskissen vor einem Fenster mit Herbstbäumen, daneben ein Tisch mit Laptop und Klemmbrett – KI-Illustration

Stand: 25. September 2026, 07:25 Uhr

Schnellantwort

Am 23. September erschienen zwei Meditationsstudien mit gegensätzlichen Ergebnissen. In einer randomisierten Studie der RMIT University mit 129 Uni-Beschäftigten senkte Transzendentale Meditation den empfundenen Stress über sechs Monate mit mittlerer Effektstärke (g = −0,52). Eine vorab registrierte Studie der LMU München mit 82 Teilnehmenden fand nach 31 Tagen Achtsamkeitstraining keinen Effekt auf die Metakognition beim Entscheiden.

Einordnung
Belegt

Transzendentale Meditation senkte in einer randomisierten, offenen Studie mit 129 Uni-Beschäftigten den empfundenen Stress über sechs Monate gegenüber üblichen Gesundheitsangeboten (Hedges g = −0,52).

Quelle/Tradition: Khanal u. a., Journal of Affective Disorders, online 23.09.2026, DOI 10.1016/j.jad.2026.122555

Belegt

31 Tage Online-Achtsamkeitstraining veränderten Metakognition und Entscheidungen bei 82 Gesunden gegenüber einem aktiven Kontrolltraining nicht; Bayes-Faktoren sprechen für die Nullhypothese.

Quelle/Tradition: Le Houcq Corbi, Koch, Soutschek, Consciousness and Cognition, online 23.09.2026, DOI 10.1016/j.concog.2026.104134

Belegt

Die Melbourner Studie hatte keine aktive Vergleichsgruppe; die Autoren fordern selbst strengere Studien.

Quelle/Tradition: Khanal u. a. 2026, Schlussfolgerung

Gelebte Praxis

Meditation als Übung, dem eigenen Geist ohne Urteil zuzusehen, nicht als Leistungstraining.

Quelle/Tradition: Kontemplative Traditionen

Nicht belegt

Meditation heilt Krankheiten oder ersetzt ärztliche Behandlung.

Quelle/Tradition: Im Artikel ausdrücklich als nicht belegt gekennzeichnet

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Zwei Forschungsteams haben am 23. September neue Studien zur Meditation veröffentlicht – und sie kommen zu Ergebnissen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. In Melbourne senkte Transzendentale Meditation bei Universitätsbeschäftigten über sechs Monate den empfundenen Stress. In München veränderte ein Monat Achtsamkeitstraining die Selbsteinschätzung beim Entscheiden überhaupt nicht.

Melbourne: Weniger Stress nach sechs Monaten

Die Studie aus Australien erschien am 23. September online im Journal of Affective Disorders. Das Team um Mahesh Kumar Khanal und Barbora de Courten von der RMIT University teilte 129 Beschäftigte einer australischen Universität per Los in zwei Gruppen. 65 lernten in einem fünftägigen Kurs Transzendentale Meditation und übten danach selbst weiter. 64 behielten die üblichen Gesundheitsangebote ihrer Hochschule.

Nach sechs Monaten lag der empfundene Stress in der Meditationsgruppe signifikant niedriger. Die Autoren beziffern den Unterschied mit einer Effektstärke von 0,52, nach gängiger Faustregel ein mittlerer Effekt. Auch Angst- und Depressionssymptome, Burnout, Schlafqualität und Lebensqualität verbesserten sich. Wer zweimal täglich meditierte, profitierte in einer ergänzenden Auswertung stärker. Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Die Forschenden benennen selbst die Grenzen: Die Teilnehmenden wussten, in welcher Gruppe sie waren, und die Vergleichsgruppe bekam kein gleichwertiges Alternativprogramm. Nötig seien nun Studien mit aktiver Vergleichsgruppe und längerer Beobachtung.

München: Kein Effekt auf die Selbsteinschätzung

Am selben Tag erschien in Consciousness and Cognition eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München mit Beteiligung der TU München. Z. Le Houcq Corbi, K. Koch und Alexander Soutschek prüften eine verbreitete Annahme: Achtsamkeit schärfe die Metakognition, also die Fähigkeit, die Güte der eigenen Entscheidungen richtig einzuschätzen.

82 gesunde Teilnehmende absolvierten 31 Tage lang ein Online-Training von rund 15 Minuten täglich. Die eine Hälfte übte Achtsamkeit, die andere bekam ein Gesundheitsprogramm zu Schlaf, Stressbewältigung und Ernährung. Vorher und nachher mussten alle wählen, ob sie lieber einen kleineren Geldbetrag sofort oder einen größeren später wollten, und angeben, wie sicher sie sich dabei waren.

Das Ergebnis ist eindeutig negativ. Weder die Entscheidungen noch die Sicherheit noch die Metakognition veränderten sich durch das Achtsamkeitstraining. Die statistische Auswertung spricht sogar aktiv dafür, dass es keinen Effekt gibt. Die Studie war vorab registriert und ist frei zugänglich.

Wie lange beobachtet wurde 0 1 Mon. 3 Mon. 6 Mon. Melbourne · Transzendentale Meditation · n = 129 München · Achtsamkeit online · n = 82 31 Tage = Messzeitpunkt Wie groß der Unterschied war Effektstärke gegenüber der Kontrollgruppe klein0,2 mittel0,5 groß0,8 0 Melbourne, Stress: 0,52 München, Metakognition: kein Unterschied Bayes-Faktoren sprechen für „kein Effekt“ Faustregel nach Cohen: 0,2 klein · 0,5 mittel · 0,8 groß
Oben: Laufzeit und Messzeitpunkte beider Studien. Unten: Die Melbourner Studie beziffert den Effekt auf den empfundenen Stress mit Hedges g = −0,52 (hier als Betrag dargestellt). Die Münchner Studie fand beim Entscheiden keinen Unterschied zwischen Achtsamkeits- und Kontrolltraining. Eigene Darstellung nach Khanal u. a. (2026) und Le Houcq Corbi u. a. (2026).

Die beiden Studien im Vergleich

Melbourne München
Journal Journal of Affective Disorders Consciousness and Cognition
Online 23.09.2026 23.09.2026
Teilnehmende 129 Uni-Beschäftigte 82 Gesunde
Methode Transzendentale Meditation, 5 Tage Kurs, dann eigene Praxis Achtsamkeit online, 31 Tage, rund 15 Minuten täglich
Vergleich übliche Gesundheitsangebote der Uni (passiv) Gesundheitsprogramm zu Schlaf, Stress, Ernährung (aktiv)
Gemessen empfundener Stress, Angst, Depressionssymptome, Schlaf, Burnout Selbsteinschätzung bei Geldentscheidungen
Ergebnis Stress deutlich gesenkt, auch die übrigen Werte besser kein Effekt, vorab registriert

Angaben aus den Zusammenfassungen und dem Methodenteil der beiden Veröffentlichungen, abgerufen am 25.09.2026.

Warum beide Ergebnisse zusammenpassen

Die Studien widersprechen sich nicht, sie messen Verschiedenes. Melbourne fragt, wie gestresst sich Menschen fühlen, und zwar über sechs Monate. München prüft im Labor eine sehr spezielle Denkleistung nach einem Monat. Dass Meditation das Befinden verbessert, aber nicht jede kognitive Fähigkeit mitverändert, ist kein Widerspruch.

Wichtig ist der Unterschied im Vergleich: In Melbourne trat Meditation gegen „nichts Neues“ an, in München gegen ein anderes Programm mit ähnlichem Zeitaufwand. Je strenger die Vergleichsgruppe, desto kleiner fallen Effekte in der Forschung meist aus. Genau diesen strengeren Test fordern die Melbourner Autoren nun selbst.

Einordnung: Was das spirituell bedeutet

Du kennst vielleicht die großen Versprechen, die rund um Meditation kursieren: klarer denken, besser entscheiden, alles im Griff. Die beiden Studien vom Mittwoch holen das auf den Boden. Was sich messen lässt, ist bescheidener und dafür greifbarer: Wer regelmäßig sitzt, fühlt sich nach Monaten oft weniger getrieben.

In vielen Überlieferungen war das nie anders gemeint. Meditation galt dort nicht als Leistungstraining für den Verstand, sondern als Übung, dem eigenen Geist ohne Urteil zuzusehen. Dass ein Monat Achtsamkeit nicht zu besseren Geldentscheidungen führt, nimmt der Praxis nichts – es nimmt ihr nur einen Anspruch, den sie nie erheben musste.

Zur Abgrenzung: Die Studienergebnisse sind belegt, mit ihren Grenzen. Die Deutung von Meditation als Weg der Selbstbeobachtung ist Überlieferung und gelebte Praxis. Dass Meditation Krankheiten heilt oder ärztliche Behandlung ersetzt, ist nicht belegt.

Was du jetzt tun kannst

  • Regelmäßigkeit vor Länge. In Melbourne hing der Nutzen mit dem täglichen Üben zusammen. Ein fester Platz im Tag trägt mehr als eine lange Sitzung ab und zu.
  • Einen realistischen Zeitraum wählen. Die Stresswerte wurden nach drei und sechs Monaten gemessen. Gib deiner Praxis eine Saison, bevor du urteilst.
  • Erwartungen aufschreiben. Notiere, was du dir von der Meditation versprichst – und prüfe nach vier Wochen, was davon eingetreten ist und was nicht.
  • Die Originale lesen. Die Münchner Studie ist frei zugänglich, die Melbourner Zusammenfassung steht bei PubMed.
  • Bei Beschwerden ärztlich abklären. Anhaltender Stress, Schlafprobleme oder depressive Symptome gehören in fachliche Hände. Meditation kann begleiten, nicht ersetzen.
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Quellen

  • Khanal MK, Karimi L, Saunders P, Nguyen K, Lee K, Hallam KT, de Courten B: Effects of transcendental meditation on mental health and work productivity among university staff in Australia: A randomised controlled trial. Journal of Affective Disorders, online 23.09.2026. DOI 10.1016/j.jad.2026.122555 · PubMed 42778032
  • Le Houcq Corbi Z, Koch K, Soutschek A: No evidence for mindfulness intervention effects on metacognition in value-based decisions. Consciousness and Cognition 145, online 23.09.2026, CC BY 4.0. DOI 10.1016/j.concog.2026.104134 · PubMed 42777609

Veröffentlichungsdaten geprüft über PubMed und Crossref am 25.09.2026. Titelbild: KI-generierte Illustration (Higgsfield).

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