Astronomie & Himmel

Beteigeuze wird wieder dunkler: Astronomen erwarten um November ein neues Minimum wie 2019/2020

Beteigeuze ist seit August von 0,5 auf 0,95 mag gefallen. Forscher sehen das Muster der Großen Verdunkelung 2019/2020 und erwarten ein Minimum im November.

Sternbild Orion über einer frostigen Hügellandschaft bei Nacht, links oben leuchtet der rötlich-orange Stern Beteigeuze – KI-Illustration, keine echte Aufnahme

Stand: 16. Oktober 2026, 07:30 Uhr

Schnellantwort

Der rote Überriese Beteigeuze im Orion ist zwischen August und Oktober 2026 von etwa 0,5 auf 0,95 Größenklassen gefallen. Ein Team um Daniel Jadlovský (Masaryk-Universität Brno) und das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam sieht in seiner Atmosphäre das Muster der Großen Verdunkelung 2019/2020 und hält ein Minimum um November 2026 für möglich; eine Supernova kündigt sich laut Fachleuten nicht an.

Einordnung
Belegt

Beteigeuze fiel zwischen August und Oktober 2026 von V ≈ 0,5 auf V ≈ 0,95 mag; am 20. September lag der Geschwindigkeitsunterschied der Atmosphärenschichten bei rund −5,5 km/s.

Quelle/Tradition: ATel #18097, 08.10.2026; Spektrum.de, 15.10.2026

Belegt

Ein neues Helligkeitsminimum um November 2026 ist eine Prognose des Forschungsteams, keine Messung.

Quelle/Tradition: ATel #18097, 08.10.2026

Überliefert

Ptolemäus ordnete den Schultersternen des Orion die Natur von Mars und Merkur zu.

Quelle/Tradition: Ptolemäus, Tetrabiblos I, 9

Gelebte Praxis

Die Verdunkelung als Einladung, im Herbst eine eigene Last bewusst abzugeben.

Quelle/Tradition: Deutung der Redaktion

Nicht belegt

Die Verdunkelung eines Sterns löst Ereignisse oder Schicksale auf der Erde aus.

Quelle/Tradition: Im Artikel ausdrücklich als nicht belegt gekennzeichnet

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Der rote Überriese Beteigeuze, der rötliche Schulterstern links oben im Orion, ist seit August deutlich lichtschwächer geworden: von etwa 0,5 auf 0,95 Größenklassen. Ein Forschungsteam aus Brno, Potsdam und weiteren Instituten sieht in seiner Atmosphäre dasselbe Muster wie vor der „Großen Verdunkelung“ 2019/2020 und hält ein neues Minimum um November 2026 für möglich. Eine Supernova kündigt sich damit nach Einschätzung der Fachleute nicht an.

Die Meldung

Die Beobachtung stammt aus einem Bericht im Astronomer’s Telegram, dem Schnellmeldedienst der Fachastronomie. Erstautor ist Daniel Jadlovský von der Masaryk-Universität in Brno, beteiligt sind unter anderem Thomas Granzer und Michael Weber vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam sowie Andrea Dupree vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (ATel #18097, 8. Oktober 2026). Am Donnerstag griff Spektrum der Wissenschaft die Meldung auf und sprach vom stärksten Helligkeitsabfall seit mehr als sechs Jahren.

Laut dem Bericht fiel die Helligkeit zwischen August und Oktober 2026 von V ≈ 0,5 auf V ≈ 0,95 mag. Die Messungen stammen von Amateur- und Profi-Beobachtungen, die bei der Vereinigung AAVSO gesammelt werden. Nach einer Rechnung der Redaktion bedeutet der Unterschied, dass der Stern derzeit rund ein Drittel weniger Licht zu uns schickt als im Sommer.

Bemerkenswerter als die Helligkeit ist, was in der Sternatmosphäre passiert. Das Roboterteleskop STELLA auf Teneriffa beobachtet Beteigeuze seit 2008 fast jede Nacht. Seine Spektren zeigen, wie schnell sich verschiedene Gasschichten bewegen. Seit August stürzen die inneren Schichten rasch nach innen, die äußerste Schicht begann zuletzt langsam zu folgen. Am 20. September, dem letzten ausgewerteten Spektrum, betrug der Geschwindigkeitsunterschied zwischen innen und außen rund −5,5 km/s. Einen größeren Wert gab es seit Beginn der Messungen nur ein einziges Mal: während der Großen Verdunkelung.

Wie hell ist Beteigeuze gerade?Größenklassen (mag): je größer die Zahl, desto schwächerBeteigeuze00,51,01,5Aug. 2026Okt. 2026Feb. 2020Große VerdunkelungRigelAldebaranPolluxBellatrix← hellerschwächer →unten: Vergleichssterne
Beteigeuze (oben) im Vergleich mit Nachbarsternen, die du am Himmel selbst findest (unten). Beteigeuze-Werte nach ATel #18097; Rigel und Bellatrix nach Spektrum.de, Aldebaran und Pollux als gerundete Katalogwerte.

Wiederholt sich die Große Verdunkelung?

Zur Erinnerung: Im Winter 2019/2020 sank Beteigeuze bis Februar 2020 auf etwa 1,6 mag und war damit kaum heller als Bellatrix, der schwächere Schulterstern des Orion. Ursache war nach heutigem Stand ein gewaltiger Materieausstoß. Das ausgeworfene Gas kühlte ab, bildete Staub und verdeckte einen Teil der Sternscheibe.

Damals stürzten die inneren Schichten im Oktober 2019 ein, die äußerste folgte im Dezember, also rund zwei Monate später. Genau diese Verzögerung sieht das Team jetzt wieder. Ähnelt der Ablauf dem von damals, bleiben bis zum Helligkeitsminimum nur wenige Wochen, „wahrscheinlich um November 2026“, schreiben die Forschenden. Sicher ist das nicht: Laut Spektrum gibt es bislang keine Anzeichen für einen neuen Gasausstoß.

Merkmal 2019/2020 2026
Innere Schichten stürzen ein ab Oktober 2019 ab August 2026
Äußerste Schicht folgt Dezember 2019 beginnt Ende September
Geschwindigkeits­unterschied ca. −7 km/s (Feb. 2020) ca. −5,5 km/s (20.09.)
Helligkeit Minimum ca. 1,6 mag bisher 0,95 mag
Tiefpunkt Februar 2020 Prognose: um November 2026

Damals und heute im Vergleich. Alle Angaben nach ATel #18097 (Jadlovský et al., 8. Oktober 2026); die Zeile „Tiefpunkt 2026“ ist eine Prognose, keine Messung.

Und die Supernova?

Jedes Mal, wenn Beteigeuze schwächelt, kursiert die Frage nach einer baldigen Explosion. Spektrum hält eine bevorstehende Supernova für sehr unwahrscheinlich, wahrscheinlicher sei ein erneuter Materieausstoß. Und selbst eine Explosion wäre für die Erde ungefährlich, denn der Stern ist rund 600 Lichtjahre entfernt. Wichtig für die Einordnung: Ein Teil der Schwankungen ist normal. Laut ATel lag im Juni 2026 ohnehin das erwartete Minimum einer langen Helligkeitsperiode, die der Stern regelmäßig durchläuft.

Einordnung: Was das spirituell bedeutet

Beteigeuze trägt einen Namen, der durch einen Lesefehler entstand. Er geht auf das arabische „yad al-jauzāʾ“ zurück, die „Hand der Jauzāʾ“, einer Himmelsgestalt der alten Araber. Mittelalterliche Abschreiber machten daraus „Bet-Elgeuze“. In der Astrologie zählt er zu den großen Fixsternen. Ptolemäus ordnete den Schultersternen des Orion im 2. Jahrhundert die Natur von Mars und Merkur zu: Tatkraft, verbunden mit einem wachen Geist. Heute steht Beteigeuze im tropischen Tierkreis bei rund 29 Grad Zwillinge.

Für dich steckt in der Nachricht ein schönes Bild. Ein Stern, der seit Jahrtausenden als Kraftstern gilt, wird nicht schwächer, weil er erlischt. Er wird dunkler, weil er etwas von sich abgibt. Aus dem ausgestoßenen Gas wird Staub, und aus solchem Sternenstaub sind die schweren Elemente in unserem Körper einmal entstanden. Das ist Astrophysik, keine Esoterik.

Wenn du mit dem Jahreskreis lebst, passt der Zeitpunkt: Beteigeuze steigt jetzt in den Herbstnächten auf, während die Natur selbst loslässt. Die mögliche Verdunkelung im November ist eine Einladung, eine eigene Last bewusst abzugeben. Zur Abgrenzung: Belegt sind die Messwerte. Die astrologische Bedeutung ist Überlieferung. Dass die Verdunkelung eines Sterns Ereignisse auf der Erde auslöst, ist nicht belegt.

Was du jetzt tun kannst

  • Selbst nachsehen. In der Mitte Deutschlands geht Beteigeuze derzeit gegen 23 Uhr im Osten auf und steht gegen halb sechs morgens hoch im Süden. Mitte November ist er schon ab etwa 20 Uhr zu sehen (Berechnung der Redaktion für 51° Nord).
  • Vergleichen statt schätzen. Halte Beteigeuze neben Aldebaran, das rötliche Auge des Stiers rechts oberhalb des Orion. Sind beide gleich hell, liegt Beteigeuze bei etwa 0,9 mag. Wird er schwächer als Aldebaran, setzt sich der Abfall fort.
  • Mitmessen. Das Team bittet ausdrücklich um weitere Beobachtungen. Freiwillige Helligkeitsschätzungen nimmt die AAVSO entgegen, eine Anleitung findest du auf deren Website.
  • Ein Sternentagebuch führen. Notiere jede klare Nacht Datum, Uhrzeit und deinen Eindruck. Schreib dazu einen Satz, was du in diesem Herbst loslassen willst.
  • Den Orion doppelt nutzen. In der Nacht zum 22. Oktober strahlen aus derselben Himmelsgegend die Sternschnuppen der Orioniden. Alles dazu in unserem Beitrag zu den Orioniden 2026.
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Quellen

  • D. Jadlovský, T. Granzer, M. Weber, K. Kravchenko, A. Dupree, M. Montargès, L. Molnár: „Extreme Velocity Gradients in the Atmosphere of Betelgeuse: Is Another Dimming Event Imminent?“, The Astronomer’s Telegram #18097, 8. Oktober 2026, 18:50 UT. astronomerstelegram.org
  • Simon Misof, Spektrum der Wissenschaft: „Auffälligkeit im Sternbild Orion: Beteigeuze verliert erneut an Helligkeit“, 15. Oktober 2026. spektrum.de
  • AAVSO (American Association of Variable Star Observers), Lichtkurvendaten zu Alpha Orionis, zitiert nach ATel #18097. aavso.org
  • Claudius Ptolemäus, Tetrabiblos I, 9 (Natur der Fixsterne), Überlieferung.

Abgerufen am 16.10.2026 zwischen 05:15 und 05:40 UTC. Lichtmengen-Vergleich und Auf- und Untergangszeiten sind Berechnungen der Redaktion aus den genannten Werten. Titelbild: KI-generierte Illustration (Higgsfield), keine echte Aufnahme.

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