Messer fällt runter, Messer schenken: Bedeutung im Aberglauben und woher sie kommt
Ein Messer fällt, und jemand sagt: Jetzt kommt Besuch. Was der Volksglaube über Messer weiß, warum man eine Münze zurückgibt und woher die Regeln stammen.
Ein Messer rutscht dir aus der Hand und klirrt auf den Boden, und irgendjemand am Tisch sagt: „Jetzt kommt Besuch.“ Oder du packst ein schönes Messer aus und hörst: „Gib mir eine Münze dafür, sonst zerschneidet es die Freundschaft.“ Kaum ein Werkzeug trägt so viel Volksglauben wie das Messer. Hier liest du, was die alten Sammlungen dazu aufgezeichnet haben, woher die Regeln stammen und wie du heute mit ihnen umgehen kannst.
Inhalt
Fällt ein Messer herunter, kündigt es nach altem Volksglauben Besuch an, oft einen Mann; im Erzgebirge galt das 1862 vor allem, wenn es im Boden stecken blieb. Ein Messer verschenkt man nach verbreitetem Brauch nur gegen eine kleine Münze, damit es die Freundschaft nicht zerschneidet. Die Schneide legt man nicht nach oben, weil sich sonst die Engel schneiden, so die Sammlungen von Moritz Spiess und Jacob Grimm. Belegt ist der Volksglaube, nicht seine Wirkung.
Moritz Spiess zeichnete 1862 im Obererzgebirge auf: Fällt etwas Spitzes und bleibt im Boden stecken, kommt Besuch.
Quelle/Tradition: Spiess, Aberglauben … des sächsischen Obererzgebirges (1862), Nr. 236
Die Zuordnung Messer = Mann, Gabel = Frau, Löffel = Kind wurde 2019 in einem Volkskunde-Archiv aufgezeichnet.
Quelle/Tradition: USC Digital Folklore Archives, 15.04.2019
Ein Messer mit der Schneide nach oben verletzt die Engel oder schneidet dem Herrgott das Gesicht.
Quelle/Tradition: Spiess 1862 Nr. 378; Grimm, Deutsche Mythologie, Aberglaube Nr. 596
Ein nachts bekreuztes Messer am Bett hält Hexen fern.
Quelle/Tradition: Grimm, Deutsche Mythologie, Aberglaube Nr. 638
Wer ein Messer geschenkt bekommt, gibt eine kleine Münze zurück, damit die Freundschaft heil bleibt.
Quelle/Tradition: Heute verbreiteter Brauch, ohne alte Quelle mit Jahr
Messer werden mit der Schneide nach unten abgelegt, aus Achtsamkeit und alter Gewohnheit.
Quelle/Tradition: Küchen- und Familienpraxis
Ein heruntergefallenes Messer sagt verlässlich einen Besuch voraus.
Quelle/Tradition: Kein Nachweis
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Messer im Aberglauben: Bedeutung in Kürze
Auf einen Blick
Fällt ein Messer herunter, kündigt es nach altem Volksglauben Besuch an, oft einen Mann. Ein Messer verschenkt man nicht ohne eine Münze zurück.
Das Messer ist im Volksglauben ein zweischneidiges Ding: Es kann verletzen und es kann schützen. Die Sammlung von Moritz Spiess aus dem Erzgebirge (1862) und Jacob Grimms Deutsche Mythologie halten fest, dass die Schneide nicht nach oben liegen darf, weil sich sonst die Engel schneiden, und dass ein bekreuztes Messer am Bett die Hexen fernhält.
Messer fällt herunter: Besuch kommt
Die bekannteste Messer-Regel ist zugleich die freundlichste. Moritz Spiess sammelte für eine Schrift der Realschule Annaberg 1862 die Bräuche des sächsischen Obererzgebirges und notierte unter Nummer 236 als allgemein verbreitet: Wenn man etwas Spitziges, ein Messer, eine Gabel oder eine Schere, fallen lässt und es spießt in den Boden ein, so kommt Besuch.
Dieselbe Idee lebt bis heute weiter, oft fein verteilt auf das ganze Besteck. In einer Sammlung der University of Southern California hat 2019 eine Studentin aufgezeichnet, was sie von ihrer Mutter lernte: Fällt eine Gabel, kommt eine Frau, fällt ein Messer, ein Mann, fällt ein Löffel, ein Kind, und wer viel Besteck fallen lässt, bekommt viele Gäste. Ähnliche Zuordnungen kennen viele Familien auch hierzulande.
Die Schneide nach oben
Eine zweite Regel kennen viele aus der Küche ihrer Großeltern: Ein Messer legt man nicht mit der Schneide nach oben hin. Bei Spiess heißt es unter Nummer 378, sonst „schneiden sich die Engel“, und das galt als allgemein bekannt. Jacob Grimm hält in der Sammlung von Aberglauben im Anhang seiner Deutschen Mythologie unter Nummer 596 fest, wer ein Messer mit der Schneide aufwärts legt, schneide dem lieben Herrgott oder den Engeln das Gesicht.
Hinter dem Bild steckt eine einfache Haltung: Die unsichtbare Welt ist nah, sie bewegt sich mit durch den Raum, und was offen und scharf daliegt, kann sie verletzen. Wer das Messer umdreht, macht nichts anderes, als einen Raum für die Unsichtbaren freizuhalten. Spiess ergänzt, dass man aus demselben Grund auch den Rechen nicht mit den Zinken nach oben hinlegt.
Das Messer als Schutz
Dasselbe Messer, das Engel verletzen kann, schützt im Volksglauben vor schädlichen Wesen. Grimm verzeichnet unter Nummer 638: Nimmt man nachts ein bekreuztes Messer zu sich, so kann keine Hexe heran. Und Spiess beschreibt aus Raschau einen Brauch beim Heumachen: Erhebt sich plötzlich ein Wind, der das Heu davonträgt, schrieb man das Hexen oder dem Teufel zu. Die Leute schlugen dann mit ihren Rechen auf das Heu oder warfen mit Messern in die Luft, um den Teufel zu verjagen.
Hier zeigt sich, warum das Messer so stark wirkt: Es ist Eisen, es ist scharf, und es kann eine Grenze ziehen. In der Schutzmagie steht es deshalb bis heute für Abgrenzung. Wer mit Schutzritualen arbeitet, kennt das Prinzip auch von anderen Gegenständen, etwa vom Hufeisen über der Tür oder vom Salz, das man über die Schulter wirft.
Ein Messer schenken und die Münze
Am häufigsten fragen Menschen heute nach einer anderen Regel: Darf man ein Messer verschenken? Der weit verbreitete Glaube sagt, ein geschenktes Messer zerschneide die Freundschaft oder die Liebe. Damit das nicht geschieht, gibt die beschenkte Person eine kleine Münze zurück. So hat sie das Messer gekauft und nicht geschenkt bekommen, und das Band bleibt heil.
Ehrlich gesagt: Für diesen Brauch haben wir in den beiden alten Sammlungen keinen Beleg mit Jahr gefunden. Er ist heute aber weit verbreitet und gehört damit zur gelebten Praxis, die sich von Generation zu Generation weitergibt, auch ohne Buch. Wie er sich heute vollzieht, zeigt die Grafik.
Messer-Orakel: Silvester und Andreasnacht
In den Raunächten und an den Losnächten des Jahres wurde das Messer auch zum Orakel. Spiess notiert aus Annaberg unter Nummer 297: Zu Silvester sticht man tief in ein frisches Brot. Ist das Messer feucht, wenn man es nach einer Weile herauszieht, so wird das Jahr nass; ist es trocken, wird es fruchtbar.
Am Andreasabend, dem Vorabend des 30. November, legten nach Nummer 308 die Mägde in Schneeberg Brot, ein Messer, ein Glas, einen Nagel und einen Riemen auf den Tisch. Einer wurden die Augen verbunden, die Dinge wurden verschoben, und was sie ergriff, verriet den künftigen Mann: das Brot einen Bäcker, das Messer einen Schmied. Wer mehr über die Nächte zwischen den Jahren lesen möchte, findet sie bei den Raunächten 2026/2027.
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Stimmen aus der Praxis
Keine Namen, keine Zitate, sondern Situationen, in denen der Messer-Aberglaube in Gesprächen typischerweise auftaucht:
Am Familientisch
Beim Hochzeitsgeschenk
Beim Abwasch
Was wir nicht versprechen
Ein heruntergefallenes Messer bringt dir nicht sicher Besuch, und ein geschenktes Messer zerstört keine Freundschaft. Die Regeln in diesem Artikel sind Volksglaube, aufgezeichnet von Sammlern wie Grimm und Spiess, und gelebte Praxis von heute. Was sie dir schenken können, ist ein Moment der Aufmerksamkeit: für die Menschen, die du erwartest, und für die Grenzen, die du ziehen willst.
Praktisch: so gehst du damit um
Lass die Regeln für dich arbeiten, statt dich vor ihnen zu fürchten. Fällt ein Messer, nimm es als Anlass, kurz an jemanden zu denken, den du gern wiedersehen würdest. Legst du Messer weg, dreh die Schneide nach unten. Das ist gute Küchenpraxis und ein stilles Zeichen von Achtsamkeit zugleich.
Willst du ein Messer verschenken, leg eine kleine Münze bei und erzähl die Geschichte dazu. Viele finden, dass der Brauch das Geschenk persönlicher macht. Und wenn du dir im Alltag eine klare Grenze wünschst, kannst du das Messer symbolisch nutzen: ein kleines Messer am Bett, wie es Grimms Sammlung beschreibt, als Erinnerung daran, dass du Nein sagen darfst. Mehr über den Schutz deines Zuhauses liest du unter Fluch erkennen und lösen.
Häufige Fragen zum Messer-Aberglauben
Quellen
- Moritz Spiess: Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges. Annaberg 1862, Nr. 236, 297, 308, 363, 378; Text bei Project Gutenberg, eingesehen 02.11.2026.
- Jacob Grimm: Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“, Nr. 596 und 638; Text bei Projekt Gutenberg, eingesehen 02.11.2026.
- USC Digital Folklore Archives: Dropping cutlery brings guests, aufgezeichnet am 15.04.2019, eingesehen 02.11.2026.









