Pinolith: Bedeutung, Herkunft und Pflege des Eisblumensteins
Ein Stein aus den Alpen, benannt nach Pinienkernen: Pinolith verbindet schwarzen Graphit und helle Magnesitkristalle zu einem Muster wie Eisblumen. Seine Geschichte ist ungewöhnlich gut belegt.
Schwarz wie Kohle, durchsetzt von hellen Kristallen, die wie Pinienkerne oder Eisblumen aussehen: Pinolith ist ein Stein, den man nicht vergisst. Er kommt fast nur aus Österreich, sein Name ist 150 Jahre alt, und er wird oft mit Schneeflockenobsidian verwechselt. Hier erfährst du, was Pinolith ist, woher er kommt und wie du ihn pflegst.
Inhalt
Pinolith (Pinolit) ist ein metamorphes Gestein aus Dolomit, Magnesit und Graphit: helle, leistenförmige Magnesitkristalle von meist 5 bis 15 Millimetern liegen in schwarzer Grundmasse. Den Namen schlug J. Rumpf 1873 nach der Ähnlichkeit mit Pinienkernen vor. Klassischer Fundort ist der Sunk bei Hohentauern in der Steiermark. Mit Mohshärte 4 bis 4,5 ist er weich und säureempfindlich; eine Heilwirkung ist nicht belegt.
Pinolith besteht aus Dolomit, Magnesit und Graphit; die hellen Magnesitkristalle sind meist 5 bis 15 Millimeter lang.
Quelle/Tradition: Mineralogische Beschreibung, u. a. Redlich 1907
J. Rumpf schlug am 16. Dezember 1873 den Namen Pinolit vor, nach der Ähnlichkeit mit Pinienkernen.
Quelle/Tradition: Verhandlungen der k. k. Geologischen Reichsanstalt 1873, Nr. 17
Pinolith hat eine Mohshärte von 4 bis 4,5; verkieseltes Material erreicht 6 bis 7.
Quelle/Tradition: Geology.com, Pinolith
Pinolith wurde 1641 für den Wiener Stephansdom bestellt.
Quelle/Tradition: Bericht nach Geology.com, ohne Primärbeleg im Artikel
In der Steinpraxis wird Pinolith als Stein des Gleichgewichts zwischen Hell und Dunkel genutzt.
Quelle/Tradition: Heutige Steinpraxis
Pinolith heilt körperliche oder seelische Beschwerden.
Quelle/Tradition: Keine Studie belegt eine Heilwirkung
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Pinolith in Kürze
Auf einen Blick
Pinolith (auch Pinolit) ist ein metamorphes Gestein aus Dolomit, Magnesit und Graphit: helle, leistenförmige Magnesitkristalle von meist 5 bis 15 Millimetern liegen in einer schwarzen, graphitgefärbten Grundmasse. Den Namen schlug J. Rumpf 1873 vor, nach der Ähnlichkeit der Kristalle mit Pinienkernen. Der bekannteste Fundort ist die Magnesitlagerstätte Sunk bei Hohentauern in der Steiermark. Mit einer Mohshärte von 4 bis 4,5 ist er eher weich und säureempfindlich.
Pinolith gehört zu den Steinen, die erst auf den zweiten Blick ihr Geheimnis zeigen. Von Weitem wirkt eine polierte Platte wie ein schwarzer Grund mit hellem Blumenmuster. Aus der Nähe erkennst du einzelne längliche Kristalle, manche gerade, manche gebogen, manche zu Rosetten gebündelt. Deshalb heißt er im Handel auch „Eisblumenmagnesit“. Fachlich ist er weder ein Edelstein noch ein einzelnes Mineral, sondern ein Gestein, also ein Gemenge mehrerer Minerale.
Woraus Pinolith besteht
Drei Bestandteile machen den Pinolith aus. Der Dolomit bildet zusammen mit Graphit die Grundmasse. Der Graphit, reiner Kohlenstoff, färbt sie tiefschwarz. In dieser Masse sind die Magnesitkristalle gewachsen, weiß bis gelblich-braun und meist leistenförmig. Magnesit ist Magnesiumcarbonat, Dolomit ein Calcium-Magnesium-Carbonat. Beide gehören also zu den Carbonaten, und das hat praktische Folgen: Säure greift sie an, und sie sind weicher als Quarz.
Entstanden ist Pinolith durch Metamorphose, also durch Umwandlung unter Druck und Wärme in der Erdkruste. Fachleute beschreiben ihn als graphitpigmentierten dolomitischen Marmor. Das helle Muster ist kein Einschluss, der nachträglich hineingeraten ist, sondern Teil des Gesteins selbst.
Der Name: Pinienkerne aus der Steiermark
Der Name ist sehr genau datiert. In der Sitzung der k. k. Geologischen Reichsanstalt in Wien am 16. Dezember 1873 schlug J. Rumpf für das Gestein „den kürzeren Namen Pinolit“ vor. Er begründete das mit der Ähnlichkeit der Kristalle mit den Samen der Pinie, Pinus pinea, also mit Pinienkernen. Und er hielt fest, dass man in der Obersteiermark schon vorher von „Pinolistein“ sprach. Der Name war also zuerst im Volksmund, dann in der Wissenschaft.
Die Endung „-lith“ kommt vom griechischen lithos, Stein. Heute findest du beide Schreibungen, Pinolith und Pinolit, im Handel oft auch das englische „Pinolite“.
Fundorte: Sunk, Semmering und Spanien
Pinolith ist selten. Der klassische Fundort ist die Magnesitlagerstätte im Sunk, einer Schlucht in den Rottenmanner Tauern bei Hohentauern in der Steiermark. Schon Rumpf nannte 1873 den Sunk als wichtigsten Ort, dazu Wald in der Steiermark, den Semmering samt dem Tunnel der Semmeringbahn und das Gebiet östlich davon gegen Gloggnitz.
Außerhalb Österreichs ist Pinolith vor allem aus dem Nordosten Spaniens bekannt. Für Sammlerinnen und Sammler im deutschsprachigen Raum ist er damit ein Stein mit ungewöhnlich naher Herkunft: Die meisten Heilsteine kommen aus Brasilien, Madagaskar oder Indien, der Pinolith aus der Obersteiermark.
Auch als Werkstein wurde er genutzt. Berichten zufolge wurde Pinolith 1641 für den Wiener Stephansdom bestellt. Heute wird er vor allem zu Cabochons, Kugeln, Perlen und Trommelsteinen verarbeitet.
Pinolith oder Schneeflockenobsidian?
Die häufigste Verwechslung ist der Schneeflockenobsidian, ebenfalls schwarz mit hellen Flecken. Die beiden haben aber nichts miteinander zu tun. Obsidian ist vulkanisches Glas, das schnell erstarrt ist; die „Schneeflocken“ sind rundliche Ansammlungen von Cristobalit. Pinolith dagegen ist ein umgewandeltes Carbonatgestein mit länglichen Kristallen.
Ein Hinweis aus der Mineralkunde: Es gibt auch verkieselten Pinolith, bei dem Quarz in das Gestein eingedrungen ist. Er kann eine Härte von 6 bis 7 erreichen. Für den Alltag bedeutet das: Frag beim Kauf nach, ob das Stück verkieselt ist, wenn du es als Ring oder Armband tragen willst. Mehr zur Härteskala findest du in unserem Artikel zur Mohshärte.
Selbsttest
Welcher Steintyp bist du?
Drei Fragen zu deinem Umgang mit Steinen.
Bedeutung in der Steinpraxis
Für Pinolith gibt es keine alte Überlieferung wie für Bernstein oder Bergkristall. Er ist ein Stein des 19. und 20. Jahrhunderts, bekannt geworden durch Bergbau und Sammler. Seine Bedeutung in der heutigen Steinpraxis leitet sich vor allem aus dem Bild ab, das er zeigt.
Wer mit Steinen arbeitet, liest den Kontrast aus Schwarz und Hell oft als Bild für Gleichgewicht: Licht, das im Dunklen wächst, Ordnung, die aus Druck entsteht. Manche legen ihn bei der Arbeit mit eigenen Schattenseiten neben sich, andere wählen ihn als Erinnerung an ihre Herkunft aus den Alpen. Das ist gelebte Deutung, keine Eigenschaft des Steins.
Wenn du Pinolith in deine Praxis aufnehmen willst, eignet er sich vor allem als Handschmeichler oder als Stein für die Betrachtung. Leg eine polierte Scheibe vor dich, folge mit dem Blick einer einzelnen hellen Leiste und dann der nächsten. Viele erleben diese Art des Schauens als ruhig und sammelnd, ähnlich wie das Betrachten einer Kerzenflamme. Wichtig ist nur, dass du den Stein danach trocken abwischst und nicht in eine Schale mit anderen, härteren Steinen legst.
Als Geschenk ist Pinolith für Menschen aus Österreich oder mit Bezug zu den Alpen besonders: ein Stück Heimat, das aus dem Gestein der Tauern stammt, und nicht aus einer Mine am anderen Ende der Welt.
Stimmen aus der Praxis
Ich erlaube mir für dieses Gestein den kürzeren Namen „Pinolit“ vorzuschlagen.
Viele, die einen Pinolith-Handschmeichler tragen, beschreiben das Muster als Erinnerung, dass in dunklen Phasen etwas Helles wächst.
Was wir nicht versprechen
Pinolith heilt keine Krankheiten. Die Bedeutungen, die ihm in der Steinpraxis gegeben werden, sind Deutungen. Sie ersetzen keine ärztliche oder therapeutische Behandlung.
Praktisch: Pflege und Kauf
1
Keine Säure
2
Kein Salz
3
Kratzer vermeiden
4
Fundort erfragen
Wenn du einen Stein reinigen willst, ohne ihn zu schädigen, gelten für Pinolith dieselben Regeln wie für Magnesit: trocken, sanft, ohne Säure. Für Anhänger und Broschen ist er gut geeignet, für Ringe, die täglich an Türklinken und Tischkanten stoßen, eher nicht.
Häufige Fragen
Weiterlesen
Quellen
- J. Rumpf: Vortrag in der Sitzung am 16. Dezember 1873, Verhandlungen der k. k. Geologischen Reichsanstalt 1873, Nr. 17.
- Redlich: Die Genesis der Pinolitmagnesite, Siderite und Ankerite der Ostalpen, 1907.
- Geology.com: Pinolith – Gemstone and ornamental stone (Online-Beitrag, abgerufen 03.11.2026).







