Kirlian-Fotografie und Aura-Kamera: Was das Leuchten um Blatt und Fingerspitze wirklich zeigt — von Krasnodar 1939 über das Phantomblatt bis zum Aura-Foto auf der Esoterikmesse
Das erste Aura-Foto meines Lebens habe ich auf einer Esoterikmesse machen lassen, für zwanzig Mark, und ich war hingerissen. Erst Jahre später habe ich die Metallplatten unter meinen Händen verstanden. Dieser Artikel ist für alle, die so ein Foto zu Hause haben oder eines machen lassen wollen — und wissen möchten, was darauf zu sehen ist.
Das erste Aura-Foto meines Lebens habe ich auf einer Esoterikmesse in Hannover machen lassen, für zwanzig Mark, und ich war hingerissen: ein violetter Nebel über meinem Kopf, ein Streifen Orange an der Schulter, und die Frau hinter dem Tisch erklärte mir, was das über meine Seele sage. Erst Jahre später habe ich die Metallplatten unter meinen Händen verstanden, auf die ich meine Handflächen hatte legen müssen. Dieser Artikel ist für alle, die so ein Foto zu Hause haben oder eines machen lassen wollen — und wissen möchten, was darauf zu sehen ist. Die ehrliche Antwort ist weniger mystisch, als die Messe verspricht, und interessanter, als die Skeptiker zugeben.
Inhalt
Kirlian-Fotografie ist Koronaentladungsfotografie: Ein Gegenstand liegt auf Film und wird Hochspannung ausgesetzt, die Luft um ihn herum leuchtet und schwärzt den Film. Semjon und Valentina Kirlian entwickelten das Verfahren ab 1939 in Krasnodar; ähnliche Bilder gab es schon seit Lichtenberg (1777) und Jodko-Narkiewicz (1898). Eine Studie in Science (Pehek u. a., 1976) zeigte, dass die Unterschiede im Bild vor allem von Feuchtigkeit abhängen, dazu von Druck, Spannung und Belichtung. Aura-Kameras auf Messen sind etwas anderes: Sie messen den Hautwiderstand und rechnen ihn in Farben um. Keines der Verfahren macht eine Aura sichtbar oder erkennt Krankheiten.
Semjon und Valentina Kirlian entwickelten ab 1939 in Krasnodar ein Verfahren, bei dem Gegenstände auf Film unter Hochfrequenz-Hochspannung eine sichtbare Koronaentladung erzeugen.
Quelle/Tradition: Kirlian-Patente und Veröffentlichungen der 1950er/60er-Jahre; Ostrander/Schroeder 1970
Elektrografische Bilder dieser Art gab es vor den Kirlians: Lichtenberg-Figuren (1777), Navrátils Begriff Elektrografie (1889), Baraduc (1896) und Jodko-Narkiewicz (1898).
Quelle/Tradition: Lichtenberg, Novi Commentarii Gottingensis 1777; Technikgeschichte der Elektrografie
Unterschiede in Länge, Dichte, Krümmung und Farbe der Kirlian-Strahlen lassen sich überwiegend durch den Feuchtigkeitsgehalt des Objekts erklären.
Quelle/Tradition: Pehek, Kyler, Faust, Science 194 (1976), 263–270
Aura-Kameras nach Guy Coggins messen den Hautwiderstand und ordnen den Werten per Software Farben zu, die um ein normales Porträtfoto gelegt werden.
Quelle/Tradition: Herstellerbeschreibungen der Geräte; technische Analysen
Das Phantomblatt — ein angeschnittenes Blatt erscheint auf dem Foto vollständig — zeige einen feinstofflichen Bauplan.
Quelle/Tradition: Berichte der 1970er-Jahre (Adamenko u. a.); kontrolliert nicht reproduziert, Plattenrückstände als Erklärung
Auf Messen und in Praxen werden Aura-Fotos als Anlass für Gespräch, Deutung und Selbstbefragung genutzt.
Quelle/Tradition: Esoterikmessen und Beratungspraxis seit den 1980er-Jahren
Kirlian-Fotos, Aura-Kameras oder GDV-Geräte machen eine Aura sichtbar und können Krankheiten oder Energieblockaden erkennen.
Quelle/Tradition: Keine kontrollierte Studie belegt eine diagnostische Aussagekraft
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Was Kirlian-Fotografie ist — in einem Satz
Kirlian-Fotografie ist ein Verfahren, bei dem ein Gegenstand auf einen Film oder eine Fotoplatte gelegt und einer hochfrequenten Hochspannung ausgesetzt wird; in der Luft um den Gegenstand entsteht eine Koronaentladung — dasselbe Leuchten, das man an Hochspannungsleitungen bei Nebel oder am Mast eines Segelschiffs als Elmsfeuer sieht —, und diese Entladung schwärzt den Film. Es braucht dafür keine Kamera und kein Objektiv. Heraus kommt ein Bild, auf dem der Umriss eines Blattes, einer Münze oder einer Fingerkuppe von einem Kranz aus feinen, verzweigten Lichtfäden umgeben ist, oft violett, blau oder weiß. Physiker nennen das Verfahren Koronaentladungsfotografie oder Elektrografie. Die Esoterik nennt es seit den 1970er-Jahren den Beweis für die Aura.
Die Geschichte: nicht Kirlian, sondern Lichtenberg, Navrátil und Jodko
Die Kirlians haben das Leuchten nicht erfunden. Schon 1777 streute der Göttinger Physiker Georg Christoph Lichtenberg Harzstaub auf eine elektrisch geladene Platte und sah baumartig verzweigte Muster — die Lichtenberg-Figuren, bis heute der Name für die Blitzspuren, die Hochspannung in Isolierstoffen und auf menschlicher Haut hinterlässt. 1889 prägte der tschechische Forscher Bartoloměj Navrátil das Wort Elektrografie. 1896 machte der französische Arzt Hippolyte Baraduc elektrografische Bilder von Händen und Blättern und glaubte, darin eine Lebenskraft zu sehen. Und 1898 zeigte der polnisch-belarussische Ingenieur Jakub Jodko-Narkiewicz auf einer Ausstellung der Russischen Technischen Gesellschaft Hunderte solcher Aufnahmen — Fingerkuppen mit Strahlenkranz, sechzig Jahre vor Krasnodar.
Semjon Dawidowitsch Kirlian war Elektriker und Amateurerfinder in Krasnodar im Süden Russlands. 1939, so erzählt es die Familienüberlieferung, reparierte er im Krankenhaus ein Gerät für Hochfrequenz-Elektrotherapie und sah, wie zwischen Elektrode und Haut des Patienten ein Leuchten entstand wie in einer Neonröhre. Er legte Film dazwischen, nahm seine eigene Hand, dann Blätter, Münzen, Stoffe. Mit seiner Frau Valentina, einer Lehrerin und Journalistin, baute er das Verfahren über Jahrzehnte aus, meldete Patente an und veröffentlichte ab den 1950er-Jahren in sowjetischen Fachzeitschriften. Das Paar selbst war vorsichtig mit Deutungen; es beschrieb Unterschiede zwischen gesunden und kranken Blättern und hoffte auf eine diagnostische Anwendung. Bekannt wurde das Ganze im Westen erst 1970, als die Amerikanerinnen Sheila Ostrander und Lynn Schroeder in ihrem Bestseller Psychic Discoveries Behind the Iron Curtain (deutsch: PSI — Die wissenschaftliche Erforschung und praktische Nutzung übersinnlicher Kräfte des Geistes und der Seele im Ostblock) von einem sowjetischen Aura-Beweis berichteten. Von da an hieß das Leuchten Kirlian-Aura.
Das Phantomblatt — das berühmteste Kirlian-Foto und warum es nicht hält
Kein Bild hat die Legende so geprägt wie das Phantomblatt. Man schneide die Spitze eines Blattes ab, lege den Rest auf den Film — und auf dem Foto erscheine trotzdem der Umriss des ganzen Blattes, die fehlende Spitze als leuchtender Geist. Für viele war das der Beweis eines feinstofflichen Bauplans, einer Aura, die den Körper überdauert. Zugeschrieben wird der Effekt vor allem dem sowjetischen Forscher Viktor Adamenko und amerikanischen Experimentatoren der 1970er-Jahre.
Das Problem: Der Effekt ließ sich unter kontrollierten Bedingungen nicht zuverlässig wiederholen. Wo er auftrat, fand sich eine banale Erklärung. Das ganze Blatt hatte vor dem Schnitt schon einmal auf derselben Glasplatte gelegen und dort einen Abdruck aus Feuchtigkeit und Pflanzensaft hinterlassen; die Entladung zeichnete diesen Rückstand nach. Wer die Platte zwischen den Aufnahmen gründlich reinigte, bekam kein Phantom. Selbst Thelma Moss, die an der University of California in Los Angeles in den 1970er-Jahren ein parapsychologisches Labor leitete und Kirlian-Fotografie mit großer Sympathie erforschte, berichtete, dass ihr das Phantomblatt nur in wenigen Fällen gelang. Das Labor wurde 1979 geschlossen.
Was die Forschung gemessen hat: Science, 1976
Die entscheidende Arbeit erschien im Oktober 1976 in Science. Ein Team um John O. Pehek von der New York University prüfte systematisch, welche Größen das Bild verändern. Das Ergebnis war eindeutig: Der größte Teil der Unterschiede in Länge, Dichte, Krümmung und Farbe der Leuchtfäden lässt sich durch den Feuchtigkeitsgehalt des Objekts erklären. Wer schwitzt, hat einen anderen Strahlenkranz als jemand mit trockener Haut; ein frisches Blatt leuchtet anders als ein welkes, weil es mehr Wasser enthält. Wurde die Feuchtigkeit kontrolliert — etwa durch eine Trennfolie oder durch Trocknen —, verschwanden die Unterschiede weitgehend. Dazu kommen Druck, Spannung, Frequenz, Belichtungsdauer, Luftfeuchte, Film und sogar die Art, wie fest jemand den Finger aufdrückt.
Das erklärt, warum Kirlian-Fotos von Menschen tatsächlich auf Gefühle zu reagieren scheinen: Wer aufgeregt ist, schwitzt an den Fingerkuppen, und das verändert die Entladung. Das ist keine Aura, aber es ist auch kein Betrug — es ist Physiologie, die sich über einen Umweg auf den Film schreibt. Hautleitfähigkeit ist eine seit über hundert Jahren bekannte Messgröße für Erregung; die Lügendetektoren arbeiten mit genau dieser Größe.
| Einflussgröße | Wirkung auf das Bild | Mit „Aura“ verwechselt als … |
|---|---|---|
| Feuchtigkeit / Schweiß | längere, dichtere, farbigere Strahlen | Stimmung, „Energie“, Gesundheit |
| Anpressdruck | Breite und Geschlossenheit des Kranzes | „Lücken“ in der Aura |
| Spannung und Frequenz | Reichweite und Helligkeit der Entladung | starke oder schwache Ausstrahlung |
| Belichtungszeit und Film | Farbe (violett, blau, weiß, rötlich) | Aurafarben |
| Rückstände auf der Platte | Umrisse von Dingen, die nicht mehr da sind | Phantomblatt |
Die Aura-Kamera auf der Messe — ein ganz anderes Gerät
Das bunte Porträt, das man heute auf Esoterikmessen und in manchen Läden machen lassen kann, ist keine Kirlian-Fotografie. Es entsteht ohne Hochspannung und ohne Koronaentladung. Die bekannteste Bauart geht auf den amerikanischen Ingenieur Guy Coggins zurück, der seit den 1980er-Jahren Aura-Kameras baut. Du legst deine Hände auf zwei Metallplatten mit Sensoren; die messen vor allem den elektrischen Hautwiderstand, manche Geräte auch die Temperatur. Eine Software ordnet den Messwerten nach einer festgelegten Tabelle Farben zu und belichtet sie als Farbwolke um ein ganz normales Porträtfoto — früher auf Polaroid, heute auf dem Bildschirm. Neuere Systeme arbeiten mit Biofeedback-Sensoren an einer Hand und zeigen die Farben live als Video.
Das heißt: Die Farben sind nicht fotografiert, sondern berechnet. Sie spiegeln Messwerte deiner Haut in einem Moment, übersetzt durch eine Farbtabelle, die sich der Hersteller ausgedacht hat. Ein anderer Hersteller, eine andere Tabelle, ein anderes Bild. Das ist kein Vorwurf an die Menschen, die solche Kameras betreiben — viele wissen es selbst nicht genau. Aber es ist die Antwort auf die häufigste Frage: Nein, eine Aura-Kamera sieht nichts, was um deinen Kopf schwebt. Wie Aurafarben in der Deutungstradition gelesen werden, steht in unserem Artikel zu den Aurafarben; dass diese Deutung eine Überlieferung ist, keine Messung, gilt für beide Wege.
GDV, Bio-Well und die moderne Elektrografie
In Russland wurde die Kirlian-Tradition weitergeführt. Der Physiker Konstantin Korotkov in Sankt Petersburg entwickelte seit den 1990er-Jahren die Gas Discharge Visualization (GDV), heute unter Namen wie Bio-Well vermarktet: Die zehn Fingerkuppen werden nacheinander auf eine Glaselektrode gelegt, eine Kamera nimmt die Entladung digital auf, und eine Software rechnet die Bilder über eine Zuordnung von Fingersektoren zu Organen zu einer Grafik der ganzen Person hoch — mit Chakren und Energiewerten. Die Technik ist sauberer als die alten Filmplatten, und es gibt Studien, die Zusammenhänge zwischen Messwerten und Stress oder Hautfeuchte finden. Was es nicht gibt, ist ein Beleg dafür, dass die Organzuordnung stimmt oder dass das Gerät Krankheiten erkennt. Die Zuordnung der Fingersektoren stammt aus der Akupunktur- und Elektroakupunkturtradition, nicht aus einer anatomischen Verbindung.
Warum das Bild trotzdem berührt
Ich schreibe das nicht, um dir dein Foto madig zu machen. Ein Kirlian-Bild ist schön — ein Blatt, das in violettem Feuer steht, eine Fingerkuppe mit einer Krone aus Licht. Es zeigt etwas Reales: dass ein lebendiger, feuchter Körper sich in einem elektrischen Feld anders verhält als ein toter, trockener Gegenstand. Und ein Aura-Porträt kann ein Anlass sein, über dich nachzudenken, wie eine Tarotkarte ein Anlass ist. Die Frage ist nur, was du daraus machst. Wer sein Aura-Foto als Spiegel für eine Stunde Selbstbefragung nimmt, hat etwas gewonnen. Wer daraus eine Diagnose macht, eine Kaufentscheidung für teure Reinigungen oder die Angst, eine „Lücke“ in der Aura zu haben, hat sich ein Messgerät für Schweiß als Orakel verkaufen lassen. Wenn dich die Wahrnehmung des Energiefelds ohne Technik interessiert, findest du im Artikel Aura sehen lernen die Übungen — und die Erklärung, welche Rolle Nachbilder und Kontrast dabei spielen.
Test: Was willst du von einem Aura-Foto?
Wähle, was am ehesten stimmt:

Statt Aura-Foto: ein Moment für dich
Sandelholz Spray
Keine Kamera der Welt fotografiert deine Aura — aber du kannst dir einen Moment schaffen, in dem du dich selbst wahrnimmst. Zwei Sprühstöße Sandelholz in den Raum, bevor du dich hinsetzt, sind ein ehrlicher Anfang: ein Duft als Signal, dass jetzt Zeit für dich ist. Rauchfrei, also auch für Wohnungen mit Rauchmelder.
19,00 € · Rauchfreies Aura-Spray
Stimmen aus der Praxis
Eine Heilpraktikerin, die in den 1990er-Jahren eine Kirlian-Anlage in ihrer Praxis stehen hatte, erzählte mir, sie habe das Gerät verkauft, nachdem sie merkte, dass sich die Bilder ihrer Patienten nach einer Tasse heißem Tee deutlicher veränderten als nach jeder Behandlung. Ein Aussteller, der seit Jahren Aura-Fotos auf Messen macht, sagt offen, er verstehe seine Bilder als Gesprächsanlass: Die Menschen kämen wegen der Farben und blieben wegen der halben Stunde, in der ihnen jemand zuhört. Und eine Leserin schrieb uns, sie habe drei Aura-Fotos an einem Tag an drei Ständen machen lassen und drei völlig verschiedene Farben bekommen — seitdem hängt das schönste davon an ihrem Kühlschrank, als Erinnerung, dass die Deutung bei ihr liegt.
Was wir nicht versprechen
Wir behaupten nicht, dass Kirlian-Fotografie, Aura-Kameras oder GDV-Geräte eine Aura sichtbar machen; die Bilder zeigen eine Koronaentladung oder berechnete Farben aus Hautmesswerten. Wir behaupten nicht, dass eines dieser Verfahren Krankheiten, Organschwächen oder „Energieblockaden“ erkennt — dafür gibt es keinen Beleg, und wer so etwas vermutet, gehört zu einer Ärztin oder einem Arzt. Und wir behaupten nicht, dass ein Aura-Spray deine Aura reinigt; es ist ein Duft, der dir hilft, einen Moment zu markieren.
Praktisch: so gehst du damit um
- Frag, welches Gerät es ist. Hochspannung und Film (Kirlian), Handsensoren und Farbtabelle (Aura-Kamera) oder Fingerkuppen-Scan mit Software (GDV) — das sind drei verschiedene Dinge.
- Mach den Feuchtigkeitstest im Kopf. Wer gerade gelaufen ist, Kaffee getrunken hat oder aufgeregt ist, bekommt andere Bilder. Das ist die Erklärung, nicht die Seele.
- Nimm das Bild als Frage, nicht als Antwort. Schau es an und frag dich, was du darin sehen willst. Das ist die eigentliche Deutungsarbeit, und sie gehört dir.
- Zahl nicht für Angst. Wer dir anhand eines Aura-Fotos „Löcher“, „Anhaftungen“ oder „Blockaden“ bescheinigt und gleich eine teure Behandlung anbietet, verkauft dir die Lösung für ein Problem, das sein Gerät erfunden hat.
- Keine Hochspannung zu Hause. Bastelanleitungen mit Zündspulen und Teslatrafos kursieren im Netz. Die Spannungen sind lebensgefährlich. Schau dir Koronaentladung im Museum an.
Häufige Fragen
Kann man mit Kirlian-Fotografie die Aura fotografieren?
Nein. Kirlian-Fotografie zeigt eine Koronaentladung in der Luft um den Gegenstand, die durch Hochspannung entsteht. Unterschiede im Bild lassen sich vor allem durch Feuchtigkeit, Druck, Spannung und Belichtung erklären (Pehek u. a., Science 1976).
Wer hat die Kirlian-Fotografie erfunden?
Der Name geht auf Semjon und Valentina Kirlian zurück, die das Verfahren ab 1939 in Krasnodar entwickelten. Elektrografische Bilder gab es aber schon vorher: Lichtenberg 1777, Navrátil 1889, Baraduc 1896 und Jodko-Narkiewicz 1898.
Was ist das Phantomblatt?
Ein Kirlian-Bild, auf dem ein angeschnittenes Blatt vollständig erscheint. Der Effekt ließ sich kontrolliert nicht zuverlässig wiederholen; wo er auftrat, erklärten ihn Rückstände des ganzen Blattes auf der Platte.
Wie funktioniert eine Aura-Kamera?
Sensoren unter den Händen messen vor allem den Hautwiderstand; eine Software ordnet den Werten nach einer Herstellertabelle Farben zu und legt sie als Wolke um ein normales Porträtfoto. Die Farben sind berechnet, nicht fotografiert.
Erkennt GDV oder Bio-Well Krankheiten?
Dafür gibt es keinen Beleg. Die Geräte messen Koronaentladungen an den Fingerkuppen; die Zuordnung zu Organen und Chakren stammt aus der Akupunkturtradition, nicht aus nachgewiesenen Zusammenhängen.
Warum sieht mein Aura-Foto jedes Mal anders aus?
Weil Hautfeuchte, Temperatur und Erregung sich ständig ändern und weil jedes Gerät eine eigene Farbtabelle nutzt. Unterschiede zwischen zwei Fotos sagen mehr über den Moment und das Gerät als über dich.
Quellen & Weiterlesen
- John O. Pehek, Harry J. Kyler, David L. Faust, „Image Modulation in Corona Discharge Photography“, Science 194 (1976), S. 263–270.
- Sheila Ostrander, Lynn Schroeder, Psychic Discoveries Behind the Iron Curtain (Prentice-Hall, 1970).
- Thelma Moss, The Probability of the Impossible (Tarcher, 1974).
- Arleen J. Watkins, William S. Bickel, „A Study of the Kirlian Effect“, The Skeptical Inquirer 10/3 (1986).
- Konstantin Korotkov, Human Energy Field: Study with GDV Bioelectrography (Backbone, 2002).
- Georg Christoph Lichtenberg, „De nova methodo naturam ac motum fluidi electrici investigandi“, Novi Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis (1777).
- Im Magazin: Energiefeld Mensch · Aurafarben · Aura sehen lernen · Placebo, Erwartung und Ritual · Spiritismus









