Linke Hand juckt: Bedeutung, rechte Hand, Aberglaube & Geld
Juckt die linke Hand, kommt Geld – so sagt es der alte Volksglaube, und so steht es schon in Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert. Hier liest du, was linke und rechte Hand bedeuten, warum sich die Quellen widersprechen und wann ein Juckreiz einfach nur ein Juckreiz ist.
Inhalt
Nach deutschem Volksglauben bedeutet eine juckende linke Hand, dass Geld hereinkommt; eine juckende rechte Hand, dass Geld hinausgeht oder man bald jemandem die Hand schüttelt – kurz: links nimmt, rechts gibt. Belegt ist die Deutung etwa 1867 in Ludwig Strackerjans Oldenburger Sammlung. Im englischsprachigen Raum gilt oft die rechte Hand als Geldhand, die Regel ist also regional. Der Brauch rät, nicht zu kratzen, sondern die Hand in die Tasche zu stecken. Dass eine juckende Hand tatsächlich Geld ankündigt, ist nicht belegt; anhaltender Juckreiz mit Rötung oder Bläschen gehört ärztlich abgeklärt.
Ludwig Strackerjan verzeichnete 1867 für Oldenburg den Volksglauben, dass eine juckende linke Hand Geldeinnahmen bedeutet.
Quelle/Tradition: Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg, Bd. 1 (1867)
Shakespeare verwendet in Julius Caesar (IV,3) die juckende Handfläche als Bild für Geldgier.
Quelle/Tradition: Shakespeare, Julius Caesar IV,3
Im englischsprachigen Raum gilt oft die rechte statt der linken Hand als Geldhand.
Quelle/Tradition: Regionaler Volksglaube
Gegen das Wegkratzen des Glücks wird die juckende Hand in die Tasche gesteckt oder an Holz gerieben.
Quelle/Tradition: Volksbrauch, regional verschieden
In heutigen Energiepraktiken gilt die linke Hand als empfangend, die rechte als gebend.
Quelle/Tradition: Verbreitete Ritual- und Energiepraxis
Eine juckende Hand kündigt tatsächlich Geld oder Verluste an.
Quelle/Tradition: Kein Nachweis
Anhaltender Juckreiz ist ein spirituelles Zeichen und muss nicht ärztlich abgeklärt werden.
Quelle/Tradition: Kein Nachweis; anhaltender Juckreiz gehört ärztlich abgeklärt
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Juckt die linke Hand, kommt Geld – so sagt es der alte Volksglaube, und so steht es schon in Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert. Hier liest du, was linke und rechte Hand bedeuten, warum sich die Quellen widersprechen, was andere juckende Stellen sagen sollen – und wann ein Juckreiz einfach nur ein Juckreiz ist.
Auf einen Blick
Linke Hand juckt: Nach deutschem Volksglauben kommt Geld herein.
Rechte Hand juckt: Geld geht hinaus – oder du schüttelst bald jemandem die Hand.
Aber: Im englischsprachigen Raum ist es oft genau umgekehrt. Die Regel ist regional, nicht universal.
Der Brauch: nicht kratzen, sondern die Hand in die Tasche stecken – „damit das Geld bleibt“.
Die Grenze: Juckt es tagelang, mit Rötung oder Bläschen, gehört die Hand zur Ärztin, nicht zur Deutung.
Linke Hand juckt: was der Volksglaube sagt
Kaum ein Körperzeichen ist im deutschen Sprachraum so bekannt wie dieses: Juckt die linke Hand, bekommst du Geld. Der Satz wird bis heute am Küchentisch weitergegeben, meist halb im Scherz, halb in der Hoffnung, dass doch etwas dran ist. Er ist alt. Der Oldenburger Volkskundler Ludwig Strackerjan verzeichnete ihn 1867 in seiner Sammlung Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg in knappen Worten: Juckt einem die linke Hand, so nimmt man Geld ein.
Die Logik dahinter ist einfach und sehr menschlich. Die Hand ist das Werkzeug, mit dem wir geben und nehmen. Ein Kribbeln in der Handfläche fühlt sich an wie eine Vorahnung, als würde die Hand schon spüren, was sie bald halten wird. Aus diesem Gefühl ist ein Zeichen geworden – eines von vielen sogenannten Körperzeichen, mit denen Menschen seit Jahrhunderten versuchen, Unvorhersehbares ein wenig vorhersehbarer zu machen.
Und die rechte Hand?
Das Gegenstück kennt der Volksglaube ebenfalls. Juckt die rechte Hand, geht Geld hinaus – eine Rechnung, eine Ausgabe, eine unerwartete Zahlung. In anderen Gegenden bedeutet die juckende Rechte etwas Freundlicheres: Du wirst bald jemandem die Hand schütteln, einen Besuch empfangen oder einen alten Bekannten wiedersehen. Beides passt zum Bild: Die rechte Hand ist in unserer Kultur die Hand, die gibt, grüßt und unterschreibt.
Zusammengefasst ergibt das die bekannte Faustregel: Links nimmt, rechts gibt. Sie ist eingängig, und genau deshalb hat sie sich gehalten.
Warum sich die Quellen widersprechen
Wer im Internet nachliest, stößt schnell auf das Gegenteil: Die rechte Hand bringe Geld, die linke koste welches. Das ist kein Fehler, sondern ein Hinweis darauf, wie Aberglaube funktioniert. Im englischsprachigen Raum, in Teilen Osteuropas und in manchen indischen Traditionen gilt die rechte Hand als die empfangende – dort ist die „reine“ Hand die rechte, und mit ihr nimmt man Gutes an. In weiten Teilen des deutschen Sprachraums dagegen ist die linke die empfangende und die rechte die ausgebende.
Es gibt also keine „richtige“ Version. Es gibt Regionen, Familien und Gewohnheiten. Wenn dir deine Großmutter die linke Hand als Geldhand beigebracht hat, dann ist das deine Überlieferung. Und wenn du beide Versionen kennst, darfst du dir die aussuchen, die sich für dich stimmiger anfühlt – mehr als ein Spiel mit Bedeutung ist es ohnehin nicht.
Einordnung: Dass die linke Hand in Oldenburg im 19. Jahrhundert als Geldhand galt, ist belegt (Strackerjan 1867). Dass eine juckende Hand tatsächlich Geld ankündigt, ist nicht belegt. Die Deutungen sind regional verschieden und widersprechen sich.
Das „itching palm“ bei Shakespeare
Wie alt das Motiv im europäischen Denken ist, zeigt ein berühmter Streit in Shakespeares Julius Caesar (um 1599). Brutus wirft seinem Mitverschwörer Cassius vor, er habe „an itching palm“ – eine juckende Handfläche. Gemeint ist: Er ist gierig, bestechlich, seine Hand kann es nicht erwarten, Geld zu greifen. Der Ausdruck lebt im Englischen bis heute als Wort für Geldgier.
Shakespeare kannte auch andere Juckzeichen. In Othello sagt Desdemona kurz vor ihrem Tod: „Mine eyes do itch; doth that bode weeping?“ – Meine Augen jucken, bedeutet das Tränen? Die Szene zeigt, wie selbstverständlich solche Körperzeichen im Alltag des 16. und 17. Jahrhunderts waren. Man fragte nicht, ob sie etwas bedeuteten, sondern nur, was.
Andere juckende Stellen und was sie bedeuten sollen
Die Hand ist nicht die einzige Stelle, der der Volksglaube eine Botschaft zuschreibt. Die folgenden Deutungen sind im deutschen Sprachraum verbreitet – regional mit Abweichungen, und ohne jeden Anspruch auf Wahrheit:
| Stelle | Verbreitete Deutung | Hinweis |
|---|---|---|
| Linke Hand | Geld kommt herein | englischsprachig oft umgekehrt |
| Rechte Hand | Geld geht hinaus · oder ein Händedruck, Besuch | „links nimmt, rechts gibt“ |
| Nase | Neuigkeiten, Besuch – oder Ärger | „Es juckt mich in der Nase“ |
| Ohr | Jemand spricht über dich | siehe Ohr klingelt |
| Fußsohle | Eine Reise steht bevor, du betrittst fremden Boden | eines der ältesten Motive |
| Augen | Tränen – der Freude oder der Trauer | schon bei Shakespeare |
Auffällig ist, dass fast alle diese Zeichen von Bewegung zwischen dir und der Welt handeln: Geld, das kommt oder geht, Menschen, die reden oder besuchen, Wege, die man betritt. Körperzeichen waren nie Aussagen über den Körper. Sie waren Aussagen über das, was auf einen zukommt.
Was man tun soll, wenn die Hand juckt
Zum Zeichen gehört fast immer ein Brauch, der das Glück festhalten oder das Pech abwenden soll. Für die linke Hand sind im deutschen Sprachraum vor allem diese überliefert:
- Nicht kratzen. Wer kratzt, „kratzt das Geld weg“. Das ist der häufigste Rat.
- Die Hand in die Tasche stecken. Die juckende Hand wird zur Faust geschlossen und in die Hosen- oder Manteltasche gesteckt – damit das Geld dort bleibt, wo es hinsoll.
- An Holz reiben. Im Englischen reimt man dazu: „Rub it on wood, sure to come good.“ Holz steht, wie beim Klopfen auf Holz, für Schutz und Beständigkeit.
- Die Hand küssen oder anpusten. Eine kleinere, regional belegte Variante: Man „besiegelt“ das Zeichen, bevor es verfliegt.
Für die rechte Hand geht der Rat in die Gegenrichtung: kratzen erlaubt, denn wer kratzt, wehrt die Ausgabe ab. Dass sich diese Regeln je nach Familie widersprechen, gehört zum Wesen solcher Bräuche.
Es juckt mir in den Fingern: das Jucken in der Sprache
Wie tief das Jucken als Bild in unserer Sprache sitzt, zeigen die Redewendungen. „Es juckt mir in den Fingern“ heißt: Ich will unbedingt etwas tun. „Das juckt mich nicht“ heißt: Es ist mir gleichgültig. „Wen’s juckt, der kratze sich“ sagt: Wer ein Problem hat, soll sich selbst darum kümmern. Und wer fragt, „Dich juckt wohl das Fell?“, meint: Du legst es auf Ärger an.
In allen diesen Wendungen ist Jucken ein Drang – etwas will nach außen, will gehandelt werden. Genau das schwingt auch im Volksglauben mit. Die juckende Hand will greifen. Die Frage ist nur, wonach.
Die spirituelle Lesart: empfangende und gebende Hand
In vielen heutigen Energie- und Ritualpraktiken gilt die linke Hand als empfangend und die rechte als gebend – bei Rechtshändern jedenfalls. Wer in dieser Tradition arbeitet, liest ein Kribbeln in der linken Handfläche als Zeichen, dass man gerade offen ist, etwas anzunehmen: Hilfe, Anerkennung, Geld, eine Einladung. Ein Kribbeln in der rechten gilt als Impuls, etwas zu geben oder in Gang zu setzen.
Diese Lesart ist jünger als der Volksglaube und beruht auf Praxis, nicht auf Nachweisen. Sie ist trotzdem nützlich, weil sie eine Frage stellt, die der alte Aberglaube nicht stellt: Bin ich überhaupt bereit, etwas anzunehmen? Viele Menschen, die sich Fülle wünschen, tun sich schwer damit, ein Kompliment, ein Geschenk oder Hilfe einfach anzunehmen. Wer mehr über die Hand als Spiegel lesen will, findet den Hintergrund im Artikel über das Handlesen.

Wenn die linke Hand juckt
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Wann Jucken nichts mit Glück zu tun hat
So schön das Spiel mit Zeichen ist: Die Haut juckt meistens aus ganz irdischen Gründen. Trockene Haut nach häufigem Händewaschen oder Desinfizieren ist im Herbst und Winter der häufigste Auslöser. Auch neue Seifen, Spülmittel, Handschuhe oder Pflanzen können die Haut reizen. Ein Mückenstich, eine Brennnessel oder Wolle tun ihr Übriges.
Harmlos ist ein kurzes Jucken, das nach Minuten wieder verschwindet. Ärztlich abklären lassen solltest du einen Juckreiz, der über Tage immer wiederkehrt, der mit Rötung, Schuppen, Rissen oder kleinen Bläschen einhergeht, der dich nachts weckt oder der nicht nur an der Hand, sondern an mehreren Körperstellen auftritt. Dann ist die richtige Adresse die Hausarzt- oder Hautarztpraxis – kein Artikel und kein Ritual.
Stimmen aus der Praxis
Aus dem Leserpostfach der Desire Diaries, gekürzt und ohne Namen – weil wir keine erfinden:
- Die meisten Zuschriften zur juckenden Hand erzählen dieselbe Geschichte: Oma hat es gesagt, und seitdem denkt man jedes Mal daran. Der Satz ist oft mehr Familienerinnerung als Glaube.
- Auffällig oft wird von Streit darüber berichtet, welche Hand nun die richtige sei – meist zwischen Menschen aus verschiedenen Regionen oder Familien.
- Eine Rückmeldung, die wir für die ehrlichste halten: „Das Geld kam nicht. Aber ich habe endlich die Rechnung geschrieben, die ich seit Wochen schreiben wollte. Irgendwie hat die Hand doch recht gehabt.“
Was wir nicht versprechen
- Kein Geld. Eine juckende Hand kündigt kein Geld an. Das ist Volksglaube und nicht belegt.
- Keine Verluste. Auch die rechte Hand sagt keine Ausgaben voraus. Wer sich deswegen Sorgen macht, darf sie beruhigt beiseitelegen.
- Keine Diagnose. Nichts hier ersetzt eine ärztliche Untersuchung. Anhaltender Juckreiz gehört in die Praxis.
- Keine Finanzberatung. Wenn Geld gerade wirklich knapp ist, hilft eine Schuldner- oder Verbraucherberatung mehr als jedes Zeichen.
Praktisch: so gehst du damit um
- Freu dich kurz. Ein Zeichen, das Gutes verheißt, darf ein Lächeln auslösen. Mehr muss es nicht.
- Mach den Brauch, wenn er dir gefällt. Hand in die Tasche, an Holz reiben – kleine Gesten, die nichts kosten.
- Stell die bessere Frage. Nicht „Kommt Geld?“, sondern „Was bin ich gerade bereit anzunehmen?“
- Tu einen echten Schritt. Die Rechnung schreiben, das Angebot rausschicken, um die Gehaltserhöhung bitten. Die Hand kann greifen – aber nur, wenn du sie ausstreckst.
- Hör auf deine Haut. Juckt es immer wieder, ist es kein Zeichen, sondern eine Bitte um Pflege oder ärztlichen Rat.
Häufige Fragen zur juckenden Hand
Was bedeutet es, wenn die linke Hand juckt?
Nach deutschem Volksglauben kommt Geld herein, wenn die linke Hand juckt. Die Deutung ist alt – Ludwig Strackerjan verzeichnete sie 1867 für Oldenburg – aber nicht belegt. Im englischsprachigen Raum gilt oft die rechte Hand als Geldhand.
Was bedeutet es, wenn die rechte Hand juckt?
Im deutschen Volksglauben steht die juckende rechte Hand für Geld, das hinausgeht, oder für einen baldigen Händedruck, Besuch oder ein Wiedersehen. Die Faustregel lautet: links nimmt, rechts gibt.
Warum sagen manche, die rechte Hand bringt Geld?
Weil die Deutung regional verschieden ist. Im englischsprachigen Raum und in manchen anderen Traditionen gilt die rechte Hand als empfangende. Es gibt keine „richtige“ Version – nur verschiedene Überlieferungen.
Soll man kratzen, wenn die linke Hand juckt?
Der Volksglaube rät ab: Wer kratzt, „kratzt das Geld weg“. Stattdessen wird die Hand zur Faust geschlossen und in die Tasche gesteckt oder an Holz gerieben. Das ist Brauch, keine Regel mit Wirkung.
Wann sollte ich mit juckenden Händen zum Arzt?
Wenn der Juckreiz über Tage wiederkehrt, mit Rötung, Schuppen, Rissen oder Bläschen einhergeht, dich nachts weckt oder an mehreren Körperstellen auftritt. Dann ist die Hausarzt- oder Hautarztpraxis die richtige Adresse.
Quellen & Weiterlesen
- Ludwig Strackerjan: Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg, Bd. 1, Oldenburg 1867 – Eintrag „Juckt einem die linke Hand, so nimmt man Geld ein …“ (digital bei zeno.org).
- William Shakespeare: Julius Caesar, Akt IV, Szene 3 („an itching palm“); Othello, Akt IV, Szene 3 („Mine eyes do itch; doth that bode weeping?“).
- Redewendungen: „Es juckt mir in den Fingern“, „Das juckt mich nicht“, „Wen’s juckt, der kratze sich“ – allgemeiner deutscher Sprachgebrauch.
- Medizinischer Hinweis: allgemeine Patienteninformationen zu Juckreiz (Pruritus) und Handekzem; bei Beschwerden ärztlichen Rat einholen.
- Weiterlesen bei uns: Ohr klingelt · Vogel fliegt gegen das Fenster · Spinne im Haus · Geldzauber
Die Deutungen in diesem Beitrag sind Volksglaube und nicht wissenschaftlich belegt. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung. Stand: 24.09.2026.
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