Lavanttal erinnert am 26. September an drei Frauen, die 1493 als Hexen verurteilt wurden
Am 26. September um 17 Uhr erinnert das Lavanttal an drei Frauen, die 1493 wegen Teufelspakts verurteilt wurden – an einem Denkmal aus Gras.
Stand: 24. September 2026, 09:00 Uhr
Inhalt
Am Samstag, 26. September 2026, um 17 Uhr wird in Bad St. Leonhard im Kärntner Lavanttal der drei Frauen gedacht, die 1493 wegen eines angeblichen Teufelspakts verurteilt wurden – nach Angaben der Veranstalter der erste Prozess dieser Art mit Hinrichtungen im Gebiet des heutigen Österreich. Ort ist das Graswort-Monument „UEBERAINS WERDEN“ der Künstlerin Adina Camhy, das durch Aussparen beim Mähen entsteht.
1493 verurteilte das Landgericht St. Leonhard drei Frauen – Cristina Trünkhlin, Barbara Ößlin und Wolfin – wegen angeblichen Schadenzaubers gegen den Burgherrn Wolfgang von Pain; die Aussagen wurden unter Folter erzwungen.
Quelle/Tradition: Der Standard, 22.09.2026; quellenwanderwege.at, 23.09.2025
Der Prozess gilt als erster im Gebiet des heutigen Österreich, in dem der Vorwurf des Teufelspakts zu Hinrichtungen führte; das Projekt Nullpunkte der Gewalt spricht vorsichtiger von einem vermutlich tödlichen Ausgang.
Quelle/Tradition: Der Standard, 22.09.2026; nullpunkte-lavanttal.at
Die Gedenkveranstaltung findet am 26. September 2026 um 17 Uhr am Quellenwanderweg Q3 in Bad St. Leonhard statt; das Graswort-Monument UEBERAINS WERDEN von Adina Camhy wurde am 18. Oktober 2025 eröffnet.
Quelle/Tradition: quellenwanderwege.at, 17.09.2026; Container 25
Erinnerung als wiederkehrende Handarbeit im Jahreskreis – vergleichbar mit Ritualen des Namen-Sprechens und Kerzen-Anzündens.
Quelle/Tradition: Deutung der Redaktion
Die modernen Hexenkulte setzen den Glauben der verfolgten Frauen fort.
Quelle/Tradition: Im Artikel ausdrücklich zurückgewiesen: Die Verurteilten wurden zu Hexen gemacht; über eigene Praktiken ist nichts überliefert.
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Im Kärntner Lavanttal wird am Samstag, 26. September, um 17 Uhr der drei Frauen gedacht, die 1493 wegen eines angeblichen Teufelspakts verurteilt wurden. Ihr Prozess gilt als der erste im Gebiet des heutigen Österreich, in dem dieser Vorwurf zu Hinrichtungen führte. Ort der Feier ist ein Denkmal, das nicht aus Stein besteht, sondern aus Gras.
Drei Namen aus dem Jahr 1493
Die Frauen hießen Cristina Trünkhlin, Barbara Ößlin und — nur mit diesem einen Namen überliefert — Wolfin. Das Landgericht St. Leonhard warf ihnen vor, schädliche Zauberkräfte gegen den Burgherrn Wolfgang von Pain eingesetzt zu haben. Ihre Aussagen wurden unter der Folter erzwungen. So berichtet es Der Standard am 22. September unter Berufung auf die Veranstalter.
Die Einordnung als „erster“ Fall stammt aus der regionalen Forschung. Das Projekt Nullpunkte der Gewalt formuliert vorsichtiger: Es spricht vom ersten dokumentierten Hexenprozess in Österreich mit vermutlich tödlichem Ausgang. Beide Angaben stehen hier nebeneinander, weil die Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert lückenhaft ist. Sicher ist der Abstand: Die großen Verfolgungswellen in Kärnten setzten nach Angaben des Projekts erst deutlich später ein, um die Mitte des 17. Jahrhunderts.
Ein Denkmal, das gemäht werden muss
Das Monument der Künstlerin Adina Camhy liegt auf einer Weide südlich von Bad St. Leonhard, nahe der historischen Richtstätte. Es besteht aus Buchstaben, die beim Heuschnitt ausgespart werden. Rundherum wird gemäht, die Schrift bleibt als höheres Gras stehen. Mit jedem Wachstum und jeder Mahd verändert sie sich. Ein Denkmal, das jemand pflegen muss, damit es bleibt.
Die Worte stammen aus der Urgicht, dem unter Folter erpressten „Geständnis“ von 1493. Dort steht der Satz: „da sind sie überains worden“. Gemeint war damals die Verschwörung mit dem Teufel, der Beweis für den Pakt. Camhy dreht die Bedeutung um. „UEBERAINS WERDEN“ lesen die Initiatoren heute als Zusammenkommen, als Solidarität gegen Ausgrenzung. Die Inschrift steht zusätzlich auf Slowenisch und Englisch.
Das Programm am Samstag
Die Gedenkveranstaltung beginnt um 17 Uhr bei der Gedenktafel am Quellenwanderweg Q3, zwischen Auenweg und Steinbruchweg. Veranstalter ist die Kulturinitiative Container 25, die das Projekt angestoßen hat. Gefördert wird es vom Land Kärnten und unterstützt von der Gemeinde Bad St. Leonhard. Eröffnet worden war das Monument am 18. Oktober 2025 mit einer ersten Gedenkfeier.
| Programmpunkt | Wer |
|---|---|
| Das Monument | Adina Camhy, Künstlerin |
| Buch „Nullpunkte der Gewalt“ | Daniel Gönitzer, Katharina Pressl |
| Lesung Originaltext | Verena Walzl |
| Die Quellenwanderwege | Werner M. Thelian |
| Musik | Renate Formayer, Querflöte |
Programm laut Ankündigung von quellenwanderwege.at vom 17. September 2026. Ort: Gedenktafel am Quellenwanderweg Q3, Bad St. Leonhard im Lavanttal.
Einordnung: Was das spirituell bedeutet
Wer sich heute Hexe nennt, trägt einen Namen, der Menschen das Leben gekostet hat. Die Frauen aus dem Lavanttal haben keine Rituale gefeiert, von denen wir wüssten. Sie wurden zu Hexen gemacht — durch einen Vorwurf, durch Folter, durch ein Gericht. Diese Unterscheidung ist wichtig. Die moderne Hexenkunst ist keine Fortsetzung ihres Glaubens, sondern eine späte Antwort auf ihr Schicksal.
Besonders stark ist die Form. Ein Denkmal aus Gras kennt den Jahreskreis: Es wächst im Frühjahr, wird im Sommer geschnitten, steht im Herbst, ruht im Winter. Erinnerung wird hier zur Handarbeit, die sich jedes Jahr wiederholen muss. Das ist nah an dem, was viele von uns in ihrer Praxis tun — Kreise ziehen, Namen sprechen, Kerzen anzünden. Nicht einmal, sondern immer wieder.
Und dann ist da der Satz selbst. Worte, die einmal als Beweis gegen drei Frauen dienten, werden zu einem Wort für Gemeinschaft. Wir kennzeichnen das klar: Die Fakten zum Prozess sind historisch belegt, soweit die Quellen reichen. Die Deutung von Erinnerung als Ritual ist unsere Sicht und gelebte Praxis, keine Tatsachenbehauptung.
Was du jetzt tun kannst
- Hinfahren, wenn du in der Nähe bist. Samstag, 26. September, 17 Uhr, Quellenwanderweg Q3 in Bad St. Leonhard. Die Veranstaltung ist öffentlich.
- Die drei Namen aussprechen. Cristina Trünkhlin, Barbara Ößlin, Wolfin. Am Samstag um 17 Uhr, wo immer du bist.
- Nach deinem eigenen Ort fragen. Viele Gemeinden haben Hexenprozesse in ihrer Geschichte. Stadtarchive und Heimatvereine wissen oft mehr, als auf Gedenktafeln steht.
- Mit Quellen lesen, nicht mit Mythen. Was an Hexenüberlieferung wirklich alt ist, zeigen etwa unsere Beiträge zur Flugsalbe und zu Johannes Praetorius.
- Eine Kerze am Samstagabend. Kein Zauber, ein Zeichen. Dafür braucht es nicht mehr als Stille und einen Moment.

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Quellen
- Der Standard, Kultur: „Monument in Erinnerung an Hexenprozesse im Lavanttal“, 22.09.2026. derstandard.at
- quellenwanderwege.at: „Gedenkveranstaltung 2026 am Quellenwanderweg Q3“, 17.09.2026. quellenwanderwege.at
- quellenwanderwege.at: „Monument für die Opfer der Hexenverfolgung im Lavanttal“, 23.09.2025. quellenwanderwege.at
- Container 25: Gedenkveranstaltung für die Opfer der Hexenverfolgung im Lavanttal (Eröffnung 18.10.2025). container25.at
- Adina Camhy: „UEBERAINS WERDEN“, Projektseite. adinacamhy.at
- Projekt „Nullpunkte der Gewalt: 1493 & 1934“, hg. von Daniel Gönitzer und Katharina Pressl. nullpunkte-lavanttal.at
Abgerufen am 24.09.2026 zwischen 06:56 und 07:02 UTC. Titelbild: KI-generierte Illustration (Higgsfield), zeigt nicht den Originalort.






