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Sonnensturm: Was ein geomagnetischer Sturm mit Technik, Polarlichtern und deinem Schlaf macht

Alle paar Wochen geht dieselbe Meldung durch die Feeds: Ein Sonnensturm trifft die Erde. Dieser Artikel trennt die drei Ebenen, die dabei ständig vermischt werden — was physikalisch ankommt, was das für Technik und Polarlichter bedeutet, und was die Forschung zu Schlaf, Melatonin und Herzrhythmus tatsächlich hergibt.

Junge Frau hält einen Messingkompass in der offenen Handfläche vor dunkelgrüner Wand

Alle paar Wochen geht dieselbe Meldung durch die Feeds: Ein Sonnensturm trifft die Erde. Danach kommt die zweite Welle — Kopfschmerzen, Herzklopfen, Nächte ohne Schlaf, alles dem Sturm zugeschrieben. Dieser Artikel erklärt, was tatsächlich auf die Erde trifft, warum der Herbst dafür eine besondere Jahreszeit ist, wann du Polarlichter sehen kannst — und was die Studienlage zum Körper wirklich hergibt.

Schnellantwort

Ein Sonnensturm besteht aus mehreren Vorgängen: Die Strahlung eines Flares erreicht die Erde in rund acht Minuten und stört den Kurzwellenfunk, der langsamere koronale Massenauswurf braucht ein bis drei Tage und löst beim Auftreffen den eigentlichen geomagnetischen Sturm aus. Wie stark dieser wird, hängt vor allem davon ab, ob das Magnetfeld in der Wolke nach Süden zeigt und damit effizient an das Erdmagnetfeld ankoppelt. Gemessen wird die Störung über den Kp-Index von 0 bis 9; Polarlichter werden in Norddeutschland ab etwa Kp 5 möglich, in Mitteldeutschland ab Kp 6 und im Süden ab Kp 7. Starke Stürme häufen sich um die Tagundnachtgleichen im März und September — dieser Russell-McPherron-Effekt ist seit 1856 bekannt. Belegt sind die Auswirkungen auf Technik: induzierte Ströme in Stromnetzen und Pipelines, ungenauere Satellitennavigation, gestörter Kurzwellenfunk. Die Grenze: Für Wirkungen auf Schlaf, Kopfschmerz oder Herzrhythmus existiert nur eine schwache und widersprüchliche Studienlage, aus der sich für den Einzelfall nichts ableiten lässt — anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

Einordnung
Belegt

Ein Sonnensturm umfasst mehrere Vorgänge: Die elektromagnetische Strahlung eines Flares erreicht die Erde in rund acht Minuten, der koronale Massenauswurf benötigt typischerweise ein bis drei Tage und löst beim Auftreffen den geomagnetischen Sturm aus.

Quelle/Tradition: Standardliteratur zum Weltraumwetter

Belegt

Die Stärke eines geomagnetischen Sturms hängt maßgeblich von der Orientierung des Magnetfelds in der ankommenden Wolke ab; eine südwärts gerichtete Komponente koppelt effizient an das Erdmagnetfeld an.

Quelle/Tradition: Magnetosphärenphysik; Kopplung des interplanetaren Magnetfelds

Belegt

Der Kp-Index reicht von 0 bis 9 und misst die Schwankung des Erdmagnetfelds im Dreistundenfenster; als Faustregel werden Polarlichter in Norddeutschland ab Kp 5, in Mitteldeutschland ab Kp 6 und in Süddeutschland ab Kp 7 möglich.

Quelle/Tradition: Definition des Kp-Index; verbreitete Sichtbarkeitsfaustregeln für Mitteleuropa

Belegt

Geomagnetische Aktivität ist nahe den Tagundnachtgleichen im März und September statistisch erhöht; erklärt wird das durch den Russell-McPherron-Effekt, und der halbjährliche Gang ist seit 1856 dokumentiert.

Quelle/Tradition: Russell und McPherron; historische Beobachtungsreihen der geomagnetischen Aktivität

Belegt

Sonnenzyklus 25 begann Ende 2019 und übertraf die Prognosen von NOAA und NASA deutlich: Statt einer erwarteten Höchstzahl von rund 115 Sonnenflecken lag das Monatsmittel im August 2024 bei 216; seit dem Frühjahr 2025 ist die Aktivität rückläufig.

Quelle/Tradition: Beobachtungsdaten und Prognosen zu Sonnenzyklus 25

Belegt

Geomagnetische Stürme induzieren Ströme in langen Leitern und können Stromnetze, Pipelines und Bahnanlagen belasten, Satellitennavigation verschlechtern und Kurzwellenfunk stören; der Netzzusammenbruch in Québec 1989 und das Carrington-Ereignis 1859 sind die Standardbeispiele.

Quelle/Tradition: Dokumentierte Netz- und Kommunikationsstörungen durch geomagnetisch induzierte Ströme

Gelebte Praxis

Das Beobachten von Kp-Werten und Sonnensturm-Meldungen als Deutungsrahmen für die eigene Tagesverfassung ist im deutschsprachigen Raum verbreitete gelebte Praxis in spirituellen und Aufstiegs-Communities.

Quelle/Tradition: Gelebte Praxis deutschsprachiger spiritueller Online-Communities

Überliefert

Die Vorstellung, kosmische Ereignisse an der Sonne kündigten einen Bewusstseinswandel an oder wirkten unmittelbar auf das Energiefeld des Menschen, gehört zum überlieferten Bestand der New-Age- und Aufstiegsliteratur.

Quelle/Tradition: New-Age- und Aufstiegsliteratur seit den 1980er Jahren

Nicht belegt

Dass ein Sonnensturm Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Herzstolpern oder Erschöpfung verursacht oder dass sich aus einem Kp-Wert die eigene Tagesverfassung ableiten lässt, ist nicht belegt; die vorliegenden Studien zu Melatonin und Herzratenvariabilität sind schwach, widersprüchlich und verlieren in Replikationen nach Korrektur für Autokorrelation weitgehend ihre Signifikanz.

Quelle/Tradition: Uneinheitliche Studienlage; anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt

Nicht belegt

Dass Räucherwerk, Steine oder Rituale geomagnetische Felder abschirmen oder deren Wirkung aufheben, ist nicht belegt.

Quelle/Tradition: Kein physikalischer Wirkmechanismus; keine Evidenz

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Was bei einem Sonnensturm wirklich passiert

Der Begriff Sonnensturm fasst mehrere Dinge zusammen, die sauber auseinandergehalten gehören, weil sie zu unterschiedlichen Zeiten ankommen.

Am Anfang steht ein Flare, eine Strahlungseruption an der Sonnenoberfläche. Sein Licht und seine Röntgenstrahlung brauchen wie jedes Licht rund acht Minuten bis zur Erde. Wenn ein Flare heftig genug ist, stört seine Röntgenstrahlung die Ionosphäre und damit den Kurzwellenfunk auf der Tagseite der Erde — sofort, ohne Vorwarnung.

Interessanter für alles Weitere ist der koronale Massenauswurf, in der Literatur meist CME abgekürzt. Dabei schleudert die Sonne eine Wolke aus geladenem Gas und mitgeführtem Magnetfeld ins All. Diese Wolke ist langsam — sie braucht typischerweise ein bis drei Tage bis zur Erde. Genau deshalb gibt es überhaupt so etwas wie Weltraumwetter-Vorhersage: Man sieht den Auswurf abfliegen und kann abschätzen, wann und wie hart er ankommt.

Trifft die Wolke auf das Erdmagnetfeld, wird es kurzzeitig zusammengedrückt und verformt. Diese Verformung ist der eigentliche geomagnetische Sturm. Entscheidend ist dabei ein Detail, das die Vorhersage bis heute schwer macht: Zeigt das Magnetfeld in der Wolke nach Süden, koppelt es effizient an das Erdfeld an und der Sturm wird stark. Zeigt es nach Norden, passiert vergleichsweise wenig — selbst bei einer großen, schnellen Wolke.

Warum ausgerechnet jetzt: Sonnenzyklus 25 und der Effekt der Tagundnachtgleiche

Zwei Dinge fallen im Herbst zusammen, und beide sind gut belegt.

Das erste ist der Sonnenzyklus. Die Sonne durchläuft eine rund elfjährige Schwankung ihrer Aktivität. Der aktuelle Zyklus 25 begann Ende 2019 und ist deutlich stärker ausgefallen als die offiziellen Prognosen von NOAA und NASA erwarten ließen: Statt der vorhergesagten Höchstzahl von etwa 115 Sonnenflecken erreichte das Monatsmittel im August 2024 einen Wert von 216. Seit dem Frühjahr 2025 hat sich die Aktivität wieder beruhigt. Das ist aber keine Entwarnung — die absteigende Phase eines Zyklus ist historisch dafür bekannt, einzelne besonders heftige Ausbrüche zu liefern.

Das zweite ist der Russell-McPherron-Effekt, und der ist der eigentliche Grund, warum dieser Artikel im September erscheint. Schon 1856 fiel auf, dass die geomagnetische Aktivität um die beiden Tagundnachtgleichen im März und September höher liegt als im Rest des Jahres. Die Erklärung liegt in der Geometrie: Um die Äquinoktien steht die Erdachse relativ zum Sonnenwind so, dass dessen Magnetfeld leichter an das Erdfeld ankoppeln kann. Derselbe Sonnenwind erzeugt im September also im Mittel stärkere Stürme als im Juni oder Dezember.

Wer also im Herbst den Eindruck hat, dass ständig etwas los ist am Himmel: Der Eindruck stimmt. Er hat nur eine geometrische und keine mystische Ursache.

Polarlichter über Deutschland: ab welchem Kp-Wert es realistisch wird

Der praktisch nützlichste Wert ist der Kp-Index. Er läuft von 0 bis 9 und misst, wie stark die Schwankungen des Erdmagnetfelds in einem Dreistundenfenster ausfallen. Er ist keine Vorhersage der Schönheit des Himmels, sondern ein Maß für die Störung — aber er korreliert gut genug mit der Polarlichtzone, um damit zu planen.

Als Faustregel gilt für Mitteleuropa:

  • Kp 5 — Polarlichter werden in Norddeutschland möglich, meist als schwacher Schimmer am Nordhorizont.
  • Kp 6 — die Chance reicht bis nach Mitteldeutschland.
  • Kp 7 und darüber — auch im Süden wird es realistisch.

Der jüngste Bezugspunkt ist der Sturm vom Mai 2024, ein Ereignis der höchsten Kategorie G5. Damals waren in weiten Teilen Deutschlands von München bis Hamburg rote und grüne Polarlichter zu sehen — die stärkste Erscheinung seit rund zwei Jahrzehnten. Wichtig für die eigene Erwartung: Das menschliche Auge sieht bei schwacher Aurora oft nur ein blasses Grau, während die Kamera mit längerer Belichtung kräftiges Rot und Grün zeigt. Das ist kein Betrug, sondern schlicht der Unterschied zwischen Netzhaut und Sensor.

Was du praktisch brauchst: einen freien Blick nach Norden, echte Dunkelheit fern von Straßenlaternen, klaren Himmel — und Geduld, weil die Aktivität in Schüben kommt.

Was ein Sturm mit Technik macht

Hier ist die Wirkung unstrittig, messbar und der Grund, warum Behörden und Netzbetreiber das Thema ernst nehmen.

Ein geomagnetischer Sturm induziert in langen Leitern auf der Erdoberfläche Ströme — in Hochspannungsnetzen, Bahnstrecken, Pipelines und Seekabeln. Das berühmteste Beispiel ist der Zusammenbruch des Stromnetzes von Québec im März 1989, der Millionen Menschen für Stunden ohne Strom ließ. Der historisch stärkste dokumentierte Sturm bleibt das Carrington-Ereignis von 1859, das Telegrafenleitungen überlastete und Polarlichter bis in die Tropen brachte.

Dazu kommen die Effekte, die heute im Alltag mehr wiegen: Satellitennavigation wird ungenauer, weil die gestörte Ionosphäre die Signale verzögert. Die aufgeheizte Hochatmosphäre dehnt sich aus und bremst Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen stärker ab. Der Funkverkehr auf Kurzwelle bricht auf der Tagseite ein. Und Besatzungen auf Polarrouten sowie in der Raumstation erhalten eine erhöhte Strahlendosis.

All das trifft Metall, Elektronik und Umlaufbahnen. Es trifft nicht deine Wohnung, deine Kopfschmerzen oder dein WLAN.

Und der Körper? Der ehrliche Forschungsstand

Das ist der Teil, für den die meisten Menschen den Artikel öffnen — und der Teil, in dem am meisten geschwindelt wird, in beide Richtungen.

Es gibt tatsächlich Forschung dazu, und sie ist nicht leer. Eine Arbeit zur Melatonin-Ausscheidung fand, dass Veränderungen des zeitlich variierenden Magnetfelds oberhalb von rund 80 Nanotesla über drei Stunden mit niedrigeren nächtlichen Melatonin-Werten einhergingen. Zur Herzratenvariabilität liegen mehrere Untersuchungen vor; in der Normative Aging Study wurde bei geomagnetischen Störungen eine verringerte Variabilität beobachtet. Und es gibt Übersichtsarbeiten, die Zusammenhänge mit psychologischen, neurologischen und kardiovaskulären Endpunkten diskutieren, wobei Melatonin als möglicher Vermittler genannt wird.

Jetzt die andere Hälfte, die selten mitzitiert wird. Die Befunde zur Herzratenvariabilität widersprechen einander. In einer Replikationsstudie verschwanden signifikante Korrelationen zwischen solarer beziehungsweise geomagnetischer Aktivität und Herzratenvariabilität weitgehend, sobald für Autokorrelation korrigiert wurde — übrig blieb im Wesentlichen eine Zunahme einer einzelnen sehr niederfrequenten Komponente. Das ist ein typisches Muster in diesem Feld: Wer zwei lange Zeitreihen ohne saubere statistische Korrektur nebeneinanderlegt, findet fast immer Zusammenhänge, die einer strengeren Prüfung nicht standhalten.

Ehrlich zusammengefasst heißt das: Es gibt eine reale, aber schwache und uneinheitliche Literatur zu geomagnetischer Aktivität und Physiologie. Es gibt keine belastbare Grundlage, aus einem Kp-Wert die eigene Kopfschmerzattacke, die schlaflose Nacht oder das Herzstolpern zu erklären. Und es gibt erst recht keine Grundlage, deswegen ärztliche Abklärung aufzuschieben.

Wer diese Struktur kennt, erkennt sie überall wieder — wir haben dasselbe Muster bei der Schumann-Resonanz auseinandergenommen, wo eine reale physikalische Größe zur Erklärung für alles Mögliche gemacht wird.

Quiz: Wie liest du deinen nächsten Sturmtag?

Vier Fragen zum Weltraumwetter

Kein Test, keine Diagnose — nur ein Anstoß, wo du zuerst hinschauen solltest.

Warum du trotzdem etwas spürst — und warum das kein Fehler ist

Es lohnt sich, ernst zu nehmen, was hier tatsächlich passiert, statt es wegzuwischen.

Meldungen über Sonnenstürme kommen fast immer vor dem Ereignis, weil die Wolke ein bis drei Tage unterwegs ist. Das heißt: Du weißt Bescheid, bevor du irgendetwas fühlen könntest. Von dem Moment an achtest du anders auf dich. Ein schlechter Schlaf, der sonst unter „war halt so eine Nacht“ verbucht worden wäre, bekommt eine Adresse. Diese Zuschreibung ist keine Einbildung im abwertenden Sinn — sie ist die normale Arbeitsweise eines Gehirns, das Muster sucht.

Dazu kommt, dass in der zweiten Septemberhälfte ohnehin viel gleichzeitig passiert: Die Tage werden spürbar kürzer, das Licht am Morgen fehlt, die Heizung geht an, der Rhythmus verschiebt sich. Wer in dieser Zeit schlecht schläft, hat eine ganze Reihe naheliegender Gründe zur Auswahl — der Sonnensturm ist nur der auffälligste.

Dieselbe Sortierarbeit haben wir für die Symptomlisten gemacht, die im Netz kursieren: Aufstiegssymptome und wie du sie einordnest.

Wenn du die Sturmnacht nutzen willst

Aus dem Tempel

Element Erde Räuchermischung — Erdung mit Patchouli & Vetiver

An einem Abend, an dem der Kopf oben im Weltraum unterwegs ist, hilft etwas, das nach unten zieht. Patchouli und Vetiver sind die schwersten, erdigsten Noten im Räucherregal — Wurzel und Waldboden statt Weihrauchhöhe. Ein halber Teelöffel auf die Kohle, Fenster auf Kipp, Licht klein, und der Abend bekommt einen Boden. Kein Schutzschild gegen irgendetwas, sondern ein bewusster Schlusspunkt für den Tag.

Zur Element Erde Mischung

Wer es an solchen Abenden lieber ruhig und klar mag als schwer, greift zur Center-Yourself-Mischung. Das übrige Sortiment findest du im Räucherwerk.

Stimmen aus der Praxis

„Ich fotografiere seit acht Jahren Polarlichter in Brandenburg. Das Wichtigste, was ich Anfängern sage: Fahr raus, bevor du im Feed liest, dass es losgeht. Und erwarte mit bloßem Auge kein Grün. Der Sensor sieht, was du nicht siehst — das ist normal und kein Filter.“
— Astrofotograf, 47, Raum Potsdam

„Ich habe zwei Jahre lang jeden Kp-Wert notiert und daneben meine Migränetage. Ich wollte den Zusammenhang unbedingt finden. Am Ende war der einzige klare Zusammenhang der mit meinem Schlaf und mit dem Wetterumschwung. Das war ernüchternd und irgendwie auch eine Erleichterung.“
— Physiotherapeutin, 38, Raum Kassel

„In meinem Kurs kommt jeden Herbst dieselbe Frage. Ich sage inzwischen: Nimm den Sturm als Einladung, früher Feierabend zu machen. Das hilft zuverlässig. Nur behaupte bitte nicht, die Sonne hätte dich krank gemacht.“
— Meditationslehrerin, 52, Raum Wien

Was wir nicht versprechen

Wir versprechen dir nicht, dass ein Sonnensturm deine Beschwerden erklärt. Die vorliegende Forschung zu geomagnetischer Aktivität und Melatonin oder Herzratenvariabilität ist schwach, uneinheitlich und teilweise widerlegt, sobald sauber für Autokorrelation korrigiert wird. Aus einem Kp-Wert lässt sich für dich persönlich nichts ableiten.

Wir versprechen dir keine Wirkung von Räucherwerk, Steinen oder Ritualen auf geomagnetische Felder. So etwas gibt es nicht. Was es gibt, ist der Effekt eines bewusst gestalteten Abends auf deine Verfassung — und der hat mit dem Weltraum nichts zu tun.

Wir versprechen dir keine gesundheitliche Wirkung, in keiner Richtung. Anhaltende Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzstolpern oder Erschöpfung gehören ärztlich abgeklärt. Ein kosmisches Ereignis ist ein schlechter Grund, damit zu warten.

Und wir versprechen dir keine Polarlichter. Ein hoher Kp-Wert erhöht die Chance, mehr nicht. Wolken, Mondlicht und die Launen des Sturms entscheiden am Ende.

Praktisch: so gehst du damit um

Trenne die drei Ebenen. Technik ist belegt und relevant. Polarlichter sind belegt und schön. Körperwirkungen sind schwach untersucht und für den Einzelfall nicht aussagekräftig. Wer das sortiert, verliert nichts und gewinnt Klarheit.

Schau selbst nach, statt Feeds zu glauben. Der Kp-Index ist öffentlich und in Minuten geprüft. Ein Blick darauf sagt dir mehr als zehn Beiträge mit dramatischen Grafiken.

Nutze die Jahreszeit. Die Wochen um die Tagundnachtgleiche sind statistisch die aktivsten. Wenn du einmal Polarlichter sehen willst, ist jetzt die Zeit, den Blick nach Norden freizuräumen.

Führe ein Protokoll, bevor du eine Ursache benennst. Zwei Wochen mit drei Zahlen am Morgen — Einschlafdauer, Aufwachphasen, Erholung — beantworten die Frage nach deinem Schlaf besser als jede kosmische Erklärung.

Und behalte das Ritual, wenn es dir guttut. Einen Sturmabend zum Anlass zu nehmen, das Licht kleiner zu machen und früher zur Ruhe zu kommen, ist eine gute Idee. Sie bleibt eine gute Idee, auch wenn der Grund ein anderer ist als angenommen.

Häufige Fragen

Kann ein Sonnensturm Kopfschmerzen oder Schlafstörungen auslösen?

Es gibt Untersuchungen, die Zusammenhänge zwischen geomagnetischer Aktivität und Melatonin-Ausscheidung oder Herzratenvariabilität berichten. Die Befunde sind allerdings schwach und uneinheitlich, und in Replikationen verschwanden sie weitgehend, sobald für Autokorrelation korrigiert wurde. Für den Einzelfall lässt sich daraus nichts ableiten. Anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

Ab welchem Kp-Wert sehe ich in Deutschland Polarlichter?

Als Faustregel gilt: ab Kp 5 in Norddeutschland, ab Kp 6 in Mitteldeutschland, ab Kp 7 auch im Süden. Dazu brauchst du klaren Himmel, echte Dunkelheit fern von Straßenbeleuchtung und freien Blick nach Norden. Mit bloßem Auge erscheint schwache Aurora oft nur blassgrau, während die Kamera bei längerer Belichtung deutlich mehr Farbe zeigt.

Warum häufen sich starke Stürme im September und März?

Das ist der Russell-McPherron-Effekt. Um die Tagundnachtgleichen steht die Erdachse relativ zum Sonnenwind so, dass dessen Magnetfeld leichter an das Erdmagnetfeld ankoppelt. Dadurch erzeugt derselbe Sonnenwind im Mittel stärkere geomagnetische Störungen als im Sommer oder Winter. Dass die Aktivität nahe der Äquinoktien höher liegt, ist bereits seit 1856 bekannt.

Ist der Sonnenzyklus 25 schon vorbei?

Der Zyklus begann Ende 2019 und fiel deutlich stärker aus als prognostiziert: Statt der erwarteten Höchstzahl von rund 115 Sonnenflecken erreichte das Monatsmittel im August 2024 einen Wert von 216. Seit dem Frühjahr 2025 hat sich die Aktivität beruhigt. In der absteigenden Phase eines Zyklus kommt es allerdings erfahrungsgemäß noch zu einzelnen kräftigen Ausbrüchen.

Kann ein Sonnensturm das Stromnetz lahmlegen?

Grundsätzlich ja, und das ist der einzige unstrittig belegte Risikobereich. Geomagnetische Stürme induzieren Ströme in langen Leitern wie Hochspannungsnetzen, Bahnstrecken und Pipelines. Der Netzzusammenbruch in Québec im März 1989 gilt als Standardbeispiel. Betroffen sind außerdem Satellitennavigation, Kurzwellenfunk und Satellitenbahnen — nicht dagegen Haushaltsgeräte oder das heimische WLAN.

Wie viel Vorwarnzeit gibt es überhaupt?

Das kommt darauf an, was ankommt. Die Strahlung eines Flares braucht wie jedes Licht rund acht Minuten und stört den Kurzwellenfunk ohne jede Vorwarnung. Der koronale Massenauswurf, der den eigentlichen geomagnetischen Sturm auslöst, ist deutlich langsamer und benötigt typischerweise ein bis drei Tage. Wie stark der Sturm ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, ob das Magnetfeld in der Wolke nach Süden zeigt — und das weiß man sicher erst kurz vor dem Eintreffen.

Quellen & Weiterlesen

  • Standardliteratur zum Weltraumwetter: Flares, koronale Massenauswürfe und die Kopplung des interplanetaren Magnetfelds an die Magnetosphäre.
  • Definition und Skalierung des geomagnetischen Kp-Index sowie die G-Skala für Sturmstärken; Faustregeln zur Polarlichtsichtbarkeit in Nord-, Mittel- und Süddeutschland.
  • Russell und McPherron zum halbjährlichen Gang der geomagnetischen Aktivität; die erhöhte Aktivität nahe den Äquinoktien ist seit 1856 dokumentiert.
  • Prognosen und Beobachtungsdaten von NOAA und NASA zum Sonnenzyklus 25 sowie die monatlich gemittelte Sonnenfleckenzahl von 216 im August 2024.
  • Dokumentation des G5-Sturms vom Mai 2024 mit Polarlichtsichtungen in weiten Teilen Deutschlands; Netzzusammenbruch in Québec 1989; Carrington-Ereignis 1859.
  • Untersuchungen zu geomagnetischer Aktivität und menschlicher Melatonin-Ausscheidung sowie zur Herzratenvariabilität, einschließlich der Normative Aging Study und der Replikationsarbeit mit Korrektur für Autokorrelation.
  • Weiterlesen im Magazin: Solarflash 2026 · Schumann-Resonanz: was 7,83 Hz wirklich sind · Aufstiegssymptome einordnen
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