Praktische Magie & Rituale

Daumen drücken: Bedeutung, Herkunft & warum der Daumen in der Faust Glück bringen soll

Vor der Prüfung, beim Elfmeter, im Wartezimmer: Wir drücken die Daumen, ohne nachzudenken. Woher die fast zweitausend Jahre alte Geste kommt und warum sie einmal ein Abwehrzauber war.

Zwei Hände drücken die Daumen: die Daumen sind in den Fäusten eingeschlossen, warmes Kerzenlicht vor dunkelgrünem Hintergrund
Schnellantwort

Wer die Daumen drückt, wünscht jemandem Glück und steht ihm in Gedanken bei. Der älteste Beleg stammt von Plinius dem Älteren (Naturalis historia 28,25, um 77 n. Chr.): Ein Sprichwort fordere dazu auf, die Daumen zu drücken, wenn man jemandem gewogen ist. Im deutschen Volksglauben galt der eingeschlossene Daumen außerdem als Schutz gegen Hexen, Dämonen und den Alp. Dass die Geste direkt aus der Gladiatorenarena stammt, ist eine verbreitete Erklärung, aber nicht belegt.

Einordnung
Belegt

Plinius der Ältere schreibt, ein Sprichwort fordere dazu auf, die Daumen zu drücken, wenn man jemandem gewogen ist.

Quelle/Tradition: Plinius, Naturalis historia 28,25, um 77 n. Chr.

Belegt

Juvenal beschreibt Zuschauer in der Arena, die mit gewendetem Daumen über Leben und Tod entscheiden.

Quelle/Tradition: Juvenal, Satiren 3,36

Belegt

Das Bild vom gesenkten Daumen als Todesurteil wurde durch Gérômes Gemälde Pollice Verso von 1872 populär.

Quelle/Tradition: Jean-Léon Gérôme, Pollice Verso, 1872

Überliefert

Der eingeschlossene Daumen schützt vor Hexen, Dämonen und dem nächtlichen Alp.

Quelle/Tradition: Grimm, Deutsche Mythologie, 1835; Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 1973

Gelebte Praxis

Wer die Daumen drückt, steht dem anderen in Gedanken bei und wünscht ihm Glück.

Quelle/Tradition: Heutiger Brauch im deutschsprachigen Raum

Nicht belegt

Das Daumendrücken stammt direkt aus dem römischen Amphitheater.

Quelle/Tradition: Kein Nachweis; Geste in der Arena umstritten

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Vor der Prüfung, beim Elfmeter, im Wartezimmer: Wir drücken die Daumen, ohne nachzudenken. Dabei ist die Geste fast zweitausend Jahre alt und war einmal ein Abwehrzauber. Woher das Daumendrücken kommt, was Plinius dazu schrieb und warum der Daumen in der Faust vor dem Alp schützen sollte.

Auf einen Blick

Bedeutung: Wer die Daumen drückt, wünscht jemandem Glück und steht ihm in Gedanken bei.

Ältester Beleg: Plinius der Ältere schrieb um 77 n. Chr., ein Sprichwort fordere dazu auf, die Daumen zu drücken, wenn man jemandem gewogen ist.

Volksglaube: Der eingeschlossene Daumen galt als Schutz gegen Hexen, Dämonen und den nächtlichen Alp.

Regional: In Österreich sagt man auch „die Daumen halten“; im Englischen kreuzt man stattdessen die Finger.

Daumen drücken: Bedeutung in Kürze

„Ich drück dir die Daumen“ heißt heute schlicht: Ich wünsche dir Glück und bin in Gedanken bei dir. Die Geste dazu kennt jedes Kind in Deutschland: Der Daumen wird in die Handfläche gelegt, die vier Finger schließen sich darüber, und man drückt fest zu, oft mit beiden Händen.

Hinter dieser Alltagsgeste stecken zwei alte Gedanken. Der eine ist Zuneigung: Wer drückt, zeigt, dass er auf der Seite des anderen steht. Der andere ist Abwehr: Der Daumen galt als besonderer, kraftvoller Finger, und wer ihn einschließt, hält nach altem Volksglauben das Böse fern. Beides schwingt mit, wenn du heute für jemanden die Daumen drückst.

Der älteste Beleg: Plinius der Ältere

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere hat in seiner „Naturalis historia“, abgeschlossen um 77 n. Chr., eine ganze Reihe von Gesten und Bräuchen gesammelt. Im 28. Buch, Abschnitt 25, steht der Satz: „pollices, cum faveamus, premere etiam proverbio iubemur.“ Übersetzt: Auch ein Sprichwort fordert uns auf, die Daumen zu drücken, wenn wir jemandem gewogen sind.

Bemerkenswert ist das Wort „etiam“, auch: Plinius nennt das Daumendrücken in einer Reihe mit anderen Gesten, die Menschen damals zur Beruhigung oder Abwehr nutzten. Unmittelbar davor beschreibt er, wie jemand Speichel mit dem Finger hinter das Ohr streicht, um seine Unruhe zu besänftigen. Das Daumendrücken war also schon vor fast zweitausend Jahren eine sprichwörtliche Geste, keine Erfindung der Neuzeit.

Daumen drücken Senkrechter Zeitstrahl: um 77 nach Christus Plinius der Ältere, Naturalis historia 28,25, Sprichwort vom Daumendrücken; um 100 nach Christus Juvenal schreibt in der dritten Satire von pollice verso; 1835 Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Daumeneinschlagen gegen Beschreien; 1872 Gérômes Gemälde Pollice Verso; 1973 Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten.Daumen drückenStationen einer alten Gesteum 77Plinius d. Ä.Naturalis historia 28,25um 100Juvenal„pollice verso“ in der Arena1835Jacob GrimmDaumen einschlagen als Abwehr1872GérômeGemälde „Pollice Verso“1973Lutz RöhrichLexikon der Redensarten
Von der römischen Naturkunde bis zum Redensarten-Lexikon: Die Geste ist seit fast zweitausend Jahren belegt.

Daumen in der Arena: was stimmt und was nicht

Oft wird erzählt, das Daumendrücken komme aus dem römischen Amphitheater: Die Zuschauer hätten mit gedrückten Daumen um Gnade für einen unterlegenen Gladiator gebeten. Diese Erklärung steht auch in Lutz Röhrichs „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“. Gesichert ist allerdings nur, dass Daumengesten in der Arena eine Rolle spielten. Der Dichter Juvenal schreibt in seiner dritten Satire von Zuschauern, die „verso pollice“, mit gewendetem Daumen, über Leben und Tod entscheiden.

Wie diese Geste genau aussah, ist unter Historikern umstritten. Das Bild vom gesenkten Daumen als Todesurteil prägte vor allem ein Gemälde: Jean-Léon Gérômes „Pollice Verso“ von 1872. Hollywood hat es später übernommen. Ob der Daumen in Rom nach unten, nach oben oder zur Seite zeigte, lässt sich aus den Quellen nicht sicher sagen. Dass das heutige Daumendrücken direkt aus der Arena stammt, ist deshalb eine schöne Geschichte, aber nicht belegt.

Der Daumen als Schutzzauber im Volksglauben

Im deutschen Volksglauben galt der Daumen als Glücksfinger mit besonderer Kraft. Wer ihn mit den übrigen Fingern umschloss, hielt nach dieser Vorstellung Dämonen und Hexen fern. Röhrich nennt Belege aus Schlesien und Tirol: Wer nachts den Daumen hält, dem kann der Alp nichts anhaben, jener Nachtgeist, der sich auf die Brust des Schlafenden setzen und ihn drücken sollte.

Schon Jacob Grimm verzeichnet in seiner „Deutschen Mythologie“ (1835) das Einschlagen des Daumens als Schutz, etwa gegen das „Beschreien“, also den neidischen Blick oder das böse Wort, und gegen den Biss eines tollwütigen Hundes. Aus dieser Abwehrgeste wurde mit der Zeit die freundliche Geste, die wir heute kennen: Wir schützen nicht mehr uns selbst, sondern wünschen dem anderen, dass ihm nichts dazwischenkommt.

Zwei Wurzeln einer Geste Gegenüberstellung: Als Glücksgeste bedeutet Daumendrücken, jemandem gewogen zu sein, belegt bei Plinius um 77 nach Christus, heute Prüfung, Spiel, Bewerbung. Als Schutzgeste bedeutet der eingeschlossene Daumen Abwehr von Hexen, Dämonen und Alp, verzeichnet bei Grimm 1835 und Röhrich, Belege aus Schlesien und Tirol.Zwei Wurzeln einer GesteWohlwollen und AbwehrGlücksgesteSchutzgesteSINNjemandem gewogensein, beistehenBöses abwehren,sich schützenBELEGPlinius,um 77 n. Chr.Grimm 1835,RöhrichANLASSPrüfung, Spiel,BewerbungNacht, Alp,Beschreien
Die freundliche Glücksgeste und der alte Abwehrzauber verwenden dieselbe Hand, aber mit verschiedener Absicht.

Warum ausgerechnet der Daumen?

Der Daumen ist der einzige Finger, der sich den anderen gegenüberstellen lässt. Ohne ihn könnten wir weder greifen noch festhalten, und genau das macht ihn zum Sinnbild für Kraft und Zugriff. Die Sprache bewahrt das bis heute: Wer „den Daumen auf etwas hält“, kontrolliert es; wer etwas „über den Daumen peilt“, schätzt es mit dem Körpermaß ab, das immer zur Hand ist.

Auch die Handlesekunst gibt dem Daumen eine Sonderrolle. In der Chiromantie gilt er als Finger des Willens; der Ballen an seiner Wurzel heißt Venusberg und wird mit Lebenskraft und Liebe verbunden. Wer den Daumen einschließt, nimmt in dieser Bildsprache seine eigene Kraft in die Hand und schenkt sie dem anderen. Mehr über die Deutung der Hand liest du in unserem Beitrag Handlesen lernen.

Daumen drücken oder Daumen halten?

In Deutschland sagt man meist „die Daumen drücken“. In Österreich und in Teilen Süddeutschlands hört man auch „die Daumen halten“, und Röhrich führt beide Wendungen. Die Geste ist dieselbe. Im Englischen gibt es sie in dieser Form nicht: Dort kreuzt man Zeige- und Mittelfinger, „fingers crossed“. Wer einer englischsprachigen Freundin die Daumen drückt, sollte also dazusagen, was er meint.

Verwandte Glücksbräuche haben eigene Geschichten. Lies auch, woher das Hufeisen als Glücksbringer kommt und warum man beim Wegpusten einer Wimper einen Wunsch frei hat.

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So drückst du die Daumen

Eine feste Regel gibt es nicht. Wer dem Brauch bewusst folgen möchte, kann sich an diesen vier Schritten orientieren:

So drückst du die Daumen Vier Stationen: 1 Daumen in die Handfläche legen; 2 die vier Finger darüber schließen; 3 fest drücken und dabei an die Person denken; 4 loslassen, wenn das Ereignis vorbei ist.So drückst du die DaumenBrauch, keine Regel1Daumen einlegenDen Daumen querin die Handfläche legen.2Finger schließenDie vier Fingerfest darüber legen.3Drücken und denkenFest drücken, dabeian die Person denken.4LoslassenWenn die Prüfungoder das Spiel vorbei ist.
So beschreibt der Volksbrauch die Geste: Der Daumen liegt eingeschlossen, die Gedanken sind bei dem, dem du Glück wünschst.

Dein Daumen-Deuter

Wofür drückst du heute die Daumen? Wähle Anlass und Person, und du bekommst einen Gedanken und eine kleine Geste, die du mit dem Daumendrücken verbinden kannst.

Daumen-Deuter

Wofür drückst du die Daumen?

Zwei Angaben, 30 Antworten.

Stimmen aus der Praxis

Keine Zitate, keine Namen, nur Lagen, in denen das Daumendrücken in Gesprächen typischerweise auftaucht:

  • Im Wartezimmer. Viele erzählen, dass sie während der Operation eines Angehörigen die ganze Zeit die Daumen gehalten haben, weil sie sonst nichts tun konnten.
  • Vor dem Fernseher. Beim Elfmeterschießen drücken ganze Wohnzimmer gleichzeitig, und manche schwören, dass sie nicht loslassen dürfen, bevor der Ball im Netz ist.
  • Am Prüfungsmorgen. Eltern berichten, dass sie die Uhrzeit der Prüfung kennen und genau dann die Daumen drücken.

Was wir nicht versprechen

Daumendrücken verändert nicht den Ausgang einer Prüfung, eines Spiels oder einer Operation. Es ist eine Geste der Zuneigung mit einer langen Geschichte, und genau darin liegt ihr Wert: Sie zeigt dir und anderen, dass jemand an sie denkt. Die Schutzwirkung gegen Alp und Dämonen ist Volksglaube und nicht belegt.

Praktisch: so gehst du damit um

  • Sag es laut: „Ich drück dir die Daumen“ wirkt oft mehr als die Geste allein, weil der andere es weiß.
  • Verbinde es mit einem Moment: Merk dir die Uhrzeit der Prüfung oder des Termins und drück genau dann.
  • Nutze die alte Bedeutung: Wenn du nachts unruhig bist, kannst du den Daumen in der Faust halten, als kleines Ritual der Geborgenheit.
  • Weitere Glücksbräuche: Der Schornsteinfeger, das vierblättrige Kleeblatt und der Aberglaube rund ums Unter-der-Leiter-Durchgehen.

Häufige Fragen zum Daumendrücken

Was bedeutet Daumen drücken?

Wer jemandem die Daumen drückt, wünscht ihm Glück und steht ihm in Gedanken bei. Dazu wird der Daumen in die Handfläche gelegt und von den vier Fingern umschlossen.

Woher kommt das Daumendrücken?

Der älteste Beleg stammt von Plinius dem Älteren um 77 n. Chr.: Ein Sprichwort fordere dazu auf, die Daumen zu drücken, wenn man jemandem gewogen ist. Im deutschen Volksglauben galt der eingeschlossene Daumen außerdem als Schutz gegen Hexen, Dämonen und den Alp.

Kommt Daumen drücken von den Gladiatoren?

Das wird oft erzählt, ist aber nicht belegt. Sicher ist nur, dass Daumengesten in der Arena eine Rolle spielten; wie sie genau aussahen, ist unter Historikern umstritten.

Sagt man Daumen drücken oder Daumen halten?

Beides ist richtig. In Deutschland ist „Daumen drücken“ üblich, in Österreich und Teilen Süddeutschlands sagt man auch „Daumen halten“.

Kann man für sich selbst die Daumen drücken?

Ja. Viele drücken sich vor einer Prüfung oder einem schwierigen Gespräch selbst die Daumen. Im alten Volksglauben war der eingeschlossene Daumen ohnehin zuerst eine Schutzgeste für die eigene Person, etwa nachts gegen den Alp.

Was ist das englische Gegenstück zum Daumendrücken?

Im Englischen kreuzt man Zeige- und Mittelfinger und sagt „fingers crossed“. Das deutsche Daumendrücken ist dort weitgehend unbekannt.

Quellen & Weiterlesen

  1. Plinius der Ältere: Naturalis historia, Buch 28, Abschnitt 25 (lateinischer Text bei LacusCurtius, University of Chicago).
  2. Juvenal: Satiren, 3. Satire, Vers 36.
  3. Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Göttingen 1835.
  4. Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Stichwort „Daumen“. Freiburg 1973.
  5. Jean-Léon Gérôme: Pollice Verso, Öl auf Leinwand, 1872.

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