Schornsteinfeger als Glücksbringer: Warum er Glück bringt & was du tun kannst
Kaum ein Aberglaube ist so freundlich wie dieser. Warum der Schornsteinfeger Glück bringt und was hinter Knopf, Ruß und Neujahrsgruß steckt.
Inhalt
Der Schornsteinfeger gilt als Glücksbringer, weil er seit dem Mittelalter Kaminbrände verhindert und so im wörtlichen Sinn Unglück vom Haus fernhält; ein sauberer Kamin bedeutete außerdem Wärme und warmes Essen. Der Brauch sagt: ihn berühren oder an einem goldenen Knopf seiner Jacke drehen und sich etwas wünschen. Zu Silvester gilt er als Neujahrsbote. Eine glücksbringende Wirkung ist nicht belegt, wohl aber, dass regelmäßig geprüfte Schornsteine Brände und Kohlenmonoxid-Vergiftungen verhindern.
Schornsteinfeger gelten als Glücksbringer, weil sie seit dem Mittelalter Kaminbrände in eng bebauten Städten verhinderten.
Quelle/Tradition: Landesinnungsverband Bayerisches Kaminkehrerhandwerk, epd 30.12.2025
Wer am goldenen Knopf eines Schornsteinfegers dreht, nimmt Glück mit.
Quelle/Tradition: Volksbrauch im deutschsprachigen Raum
Im italienischen Santa Maria Maggiore findet jährlich ein internationales Schornsteinfegertreffen statt.
Quelle/Tradition: epd / evangelisch.de, 30.12.2025
Ein Schornsteinfeger hat einst einem König das Leben gerettet und so den Glauben begründet.
Quelle/Tradition: Wanderlegende in mehreren Varianten
Regelmäßig geprüfte Schornsteine senken das Risiko von Kaminbränden und Kohlenmonoxid-Vergiftungen.
Quelle/Tradition: Gesetzlicher Prüfauftrag des Schornsteinfegerhandwerks
Die Begegnung mit einem Schornsteinfeger bringt nachweislich Glück.
Quelle/Tradition: Kein Nachweis
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Schwarze Kleidung, Zylinder, goldene Knöpfe: Wer einem Schornsteinfeger begegnet, lächelt fast immer. Warum gilt ausgerechnet der Mann oder die Frau mit dem Ruß als Glücksbringer? Woher der Brauch kommt, was es mit dem Knopf auf sich hat, warum er zu Silvester gehört und was du tun kannst, wenn dir einer über den Weg läuft.
Auf einen Blick
Warum Glück: Ein sauberer Kamin schützte vor Feuer und brachte Wärme ins Haus.
Der Brauch: Berühren, am goldenen Knopf drehen, sich etwas wünschen.
Zu Silvester: Schornsteinfeger brachten zum Jahreswechsel Neujahrswünsche; seitdem sind sie Neujahrsboten.
Die nüchterne Wahrheit: Belegt ist nicht Glück, sondern Sicherheit: weniger Brände, weniger Kohlenmonoxid.
Schornsteinfeger als Glücksbringer: die Bedeutung in Kürze
Der Schornsteinfeger ist einer der wenigen Glücksbringer, die auf eine sehr handfeste Leistung zurückgehen. Er hält das Unglück vom Haus fern, ganz wörtlich. Wo der Kamin sauber ist, brennt das Feuer dort, wo es hingehört: im Ofen. Wo er verrußt ist, kann der Ruß sich entzünden und das ganze Haus in Brand setzen. Wer diesen Menschen trifft, trifft also einen, der Gefahr abwendet. Daraus ist im Volksglauben ein Glücksbote geworden.
Bis heute hat sich daran wenig geändert. Wenn ich Menschen nach ihrer letzten Begegnung mit einem Schornsteinfeger frage, erzählen fast alle dasselbe: ein kurzer Moment, ein Lächeln, oft ein Griff an den Ärmel. Kaum ein anderer Aberglaube ist so freundlich. Er verlangt nichts, er droht mit nichts, er schenkt nur einen guten Moment. Vielleicht ist er gerade deshalb so lebendig geblieben, während viele Unglückszeichen langsam verblassen.
Woher der Glaube kommt: Feuer, Ruß und enge Städte
Die verbreitetste Erklärung führt ins Mittelalter. Häuser standen dicht an dicht, viele aus Holz, mit offenen Feuerstellen. Ein Kaminbrand konnte sich in kurzer Zeit über ganze Straßenzüge ausbreiten. Wer die Kamine fegte, schützte nicht nur ein Haus, sondern die Nachbarschaft. So erklärt es auch das bayerische Kaminkehrerhandwerk: Weil die Kaminkehrer Brände fernhielten, wurden sie als Glücksbringer gesehen.
Dazu kommt ein zweiter Gedanke: Nur mit einem freien Kamin ließ sich heizen und kochen. Der Schornsteinfeger war also auch der, der Wärme und warmes Essen möglich machte. Für einen Haushalt im Winter war das kein Detail, sondern Überleben.
Daneben kursieren Legenden, etwa von einem Schornsteinfeger, der einen König oder einen gestürzten Menschen gerettet haben soll. Sie sind nicht belegt und tauchen in vielen Varianten auf. Wer sie erzählt, erzählt eine schöne Geschichte, keine Geschichte im Sinne der Geschichtswissenschaft.
Der Knopf, die Schulter, der Ruß: die Bräuche
Rund um die Begegnung haben sich einige Bräuche gehalten:
| Brauch | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Am goldenen Knopf drehen | Die Knöpfe an der Arbeitsjacke, dem sogenannten Koller, gelten als Glücksträger |
| Schulter oder Ärmel berühren | Das Glück soll durch die Berührung überspringen |
| Ruß an die Nase | Ein Hauch Ruß gilt als besonders kräftiger Glücksbringer, vor allem für Kinder |
| Sich etwas wünschen | Wie bei der Sternschnuppe: ein stiller Wunsch im Moment der Begegnung |
| Durch den Kamin schauen | Kinder dürfen mit einem Spiegel von unten nach oben sehen; ist oben Licht, ist der Kamin sauber |
| Der Schornsteinfeger auf der Hochzeit | In Großbritannien ein bekanntes Glückszeichen für die Ehe |
Eine feste Regel, welche Hand oder welcher Knopf, gibt es nicht. Wichtiger als die Technik ist der Anstand: Schornsteinfeger sind bei der Arbeit. Ein kurzes „Darf ich?“ gehört dazu, und die allermeisten sagen gern Ja.
Warum der Schornsteinfeger zu Silvester gehört
Zum Jahreswechsel taucht er überall auf: als Figur aus Marzipan, auf Glückwunschkarten, neben Kleeblatt, Glücksschwein, Hufeisen und Fliegenpilz. Eine verbreitete Erklärung lautet, dass Schornsteinfeger früher zum Jahreswechsel von Haus zu Haus gingen, um ihren Lohn zu kassieren, und dabei als Erste ein gutes neues Jahr wünschten. So wurden sie zum Neujahrsboten. Wie alt dieser Brauch genau ist, lässt sich nicht sicher sagen; auf Neujahrskarten ist der Schornsteinfeger jedenfalls seit dem späten 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil.
Mehr über die anderen Neujahrs-Glücksbringer findest du in unserem Beitrag zum Hufeisen und zum vierblättrigen Kleeblatt.

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Schornsteinfeger in anderen Ländern
Der Glaube ist nicht auf Deutschland beschränkt. In Österreich und Bayern heißt der Beruf Rauchfangkehrer beziehungsweise Kaminkehrer, das Glück bleibt dasselbe. In Großbritannien bringt der chimney sweep vor allem Brautpaaren Glück. In Tschechien, Polen und Skandinavien gilt die Begegnung ebenfalls als gutes Omen; in Polen greift man dabei traditionell an einen Knopf der eigenen Kleidung. Im italienischen Santa Maria Maggiore im Vigezzo-Tal findet jedes Jahr ein internationales Schornsteinfegertreffen mit großem Umzug statt, zu dem Tausende anreisen.
Die nüchterne Seite: Was ein Schornsteinfeger wirklich bringt
Ob die Begegnung Glück bringt, lässt sich nicht messen. Was sich messen lässt: Ein regelmäßig gereinigter und geprüfter Schornstein senkt das Risiko von Kaminbränden und von Kohlenmonoxid, einem geruchlosen Gas, das bei schlechtem Abzug ins Haus gelangen kann. Schornsteinfeger sind deshalb in Deutschland bis heute gesetzlich mit der Prüfung von Feuerstätten betraut, und der Beruf umfasst längst auch Heiztechnik und Energieberatung. In diesem Sinn ist der alte Glaube erstaunlich nah an der Wahrheit: Sein Besuch bringt Sicherheit ins Haus.
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Stimmen aus der Praxis
Keine Zitate, keine Namen – nur die Lagen, in denen Schornsteinfeger-Begegnungen typischerweise erzählt werden:
- Der Prüfungsmorgen. Viele erinnern sich an einen Schornsteinfeger auf dem Weg zu einer Prüfung oder einem Vorstellungsgespräch, und daran, dass sie sich danach mutiger gefühlt haben.
- Die Kinderfrage. Häufig erzählen Eltern, dass der Schornsteinfeger beim Termin im Haus geduldig erklärt, warum Ruß Glück bringt, und dem Kind einen Strich auf die Nase malt.
- Der Hochzeitstag. Wer zufällig einem Schornsteinfeger vor dem Standesamt begegnet, hält das oft als Geschichte für das ganze Leben fest.
Was wir nicht versprechen
- Kein garantiertes Glück. Eine Begegnung ist ein schöner Brauch, keine Wirkung, auf die man sich verlassen kann.
- Kein Ersatz für die Prüfung. Gegen Kaminbrand und Kohlenmonoxid hilft nur die regelmäßige Kontrolle, nicht der Knopf.
- Keine gesicherte Herkunft. Die Erklärungen sind plausibel, aber nicht alle durch Quellen gedeckt. Legenden kennzeichnen wir als Legenden.
- Kein Recht auf Berührung. Schornsteinfeger sind bei der Arbeit. Erst fragen, dann wünschen.
Praktisch: so gehst du damit um
- Freundlich fragen. „Darf ich mir ein bisschen Glück mitnehmen?“ Die meisten freuen sich darüber.
- Einen Wunsch formulieren. Ein klarer Satz im Kopf, während du den Ärmel oder den Knopf berührst.
- Den Moment festhalten. Schreib die Begegnung abends auf: Wo, wann, was hast du dir gewünscht? So wird der Brauch zu einem kleinen Ritual.
- Das Zuhause schützen. Nimm die Begegnung als Erinnerung, Rauchmelder und Kohlenmonoxidmelder zu prüfen. Ganz praktischer Hausschutz, und genau das, wofür der Schornsteinfeger seit Jahrhunderten steht.
- Weiterlesen. Andere Glücks- und Unglückszeichen findest du bei auf Holz klopfen, Spiegel zerbrochen und Amulett, Talisman, Glücksbringer.
Häufige Fragen zum Schornsteinfeger als Glücksbringer
Warum bringt ein Schornsteinfeger Glück?
Die gängigste Erklärung reicht ins Mittelalter zurück: In eng bebauten Städten konnte ein verrußter Kamin ganze Viertel in Brand setzen. Wer den Ruß entfernte, hielt das Unglück vom Haus fern. Dazu kommt, dass ein sauberer Kamin Wärme und warmes Essen bedeutete.
Was muss man machen, wenn man einen Schornsteinfeger sieht?
Der Brauch sagt: ihn berühren, am besten an der Schulter oder am Ärmel, oder einen der goldenen Knöpfe an seiner Jacke drehen und sich dabei etwas wünschen. Manche reiben sich auch ein wenig Ruß an die Nase. Fragen gehört zum Anstand.
Warum dreht man am Knopf des Schornsteinfegers?
Die goldenen Knöpfe an der Arbeitsjacke gelten als Glücksträger. Wer daran dreht, nimmt nach dem Volksglauben ein Stück Glück mit. Eine schriftliche Regel dafür gibt es nicht; es ist gelebter Brauch.
Warum ist der Schornsteinfeger ein Silvester-Glücksbringer?
Eine verbreitete Erklärung: Schornsteinfeger gingen früher zum Jahreswechsel von Haus zu Haus, um ihren Lohn zu kassieren, und wünschten dabei ein gutes neues Jahr. So wurden sie zum Neujahrsboten, gemeinsam mit Kleeblatt, Glücksschwein und Hufeisen.
Bringt es Glück, einen Schornsteinfeger bei der Hochzeit zu sehen?
In Großbritannien gilt das als besonders gutes Zeichen, und es gibt dort Schornsteinfeger, die sich für Hochzeiten buchen lassen. Auch im deutschsprachigen Raum wird der Brauch gepflegt.
Bringt ein Schornsteinfeger wirklich Glück?
Einen Beleg für eine glücksbringende Wirkung gibt es nicht. Belegt ist, dass ein regelmäßig geprüfter Schornstein Brände und Kohlenmonoxid-Vergiftungen verhindert. In diesem Sinn bringt er tatsächlich Sicherheit ins Haus.
Quellen & Weiterlesen
- Herkunft und Bräuche: evangelisch.de / epd: „Kaminkehrerin klärt auf: Warum Schornsteinfeger als Glücksbringer gelten“ (30.12.2025), mit Laura Katharina Anneser, Landesinnungsverband für das Bayerische Kaminkehrerhandwerk.
- Silvesterbräuche: Planet Wissen (WDR): Silvester und Neujahr – Bräuche und Glücksbringer.
- Weiterlesen bei uns: Hufeisen aufhängen · Vierblättriges Kleeblatt · Amulett, Talisman, Glücksbringer
Volksglaube in diesem Beitrag ist Brauchtum und Überlieferung, keine Wirkungsaussage. Stand: 16.10.2026.
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