Praktische Magie & Rituale

Erdstrahlen abschirmen: Matten, Entstörgeräte — und was am Schlafplatz wirklich hilft

Du schläfst schlecht, jemand hat Erdstrahlen ins Spiel gebracht — und jetzt stehst du vor Matten, Entstörgeräten und Abschirmfarbe. Dieser Artikel erklärt, was diese Produkte versprechen, was unabhängige Prüfungen dazu gefunden haben, wie der Trick im Verkaufsgespräch funktioniert — und welche Maßnahmen an einem Schlafplatz tatsächlich etwas verändern.

Frau hält eine aufgerollte Korkmatte im Arm, gedeckt grüne Wand, direktes Blitzlicht

Du schläfst schlecht, jemand hat Erdstrahlen ins Spiel gebracht — und jetzt stehst du vor Matten, Entstörgeräten und Abschirmfarbe. Dieser Artikel erklärt, was diese Produkte versprechen, was unabhängige Prüfungen dazu gefunden haben, wie der Trick im Verkaufsgespräch funktioniert — und welche Maßnahmen an einem Schlafplatz tatsächlich etwas verändern.

Schnellantwort

Erdstrahlen lassen sich nicht abschirmen, weil es keine messtechnische Definition davon gibt — ohne prüfbare Zielgröße ist auch keine Abschirmung prüfbar. Für ungeerdete Matten, Folien und Entstörgeräte liegt kein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis vor; für geerdete Abschirmmatten gegen niederfrequente elektrische Felder ergaben Untersuchungen an realen Schlafplätzen sogar höhere statt niedrigere Feldstärken, besonders im Kopfbereich, was eine Arbeit der TU Graz (Leitgeb und Cech 2005) über Modellrechnungen erklärt. Der Grund für die überzeugende Vorführung im Verkaufsgespräch ist eine Verwechslung: Gemessen wird die Körperspannung in Volt gegen Erde, die bei geerdeter Matte zwangsläufig gegen null geht, und nicht die allein relevante Feldstärke in Volt pro Meter. Was am Schlafplatz tatsächlich etwas ändert, kostet meist nichts: das Bett einen Meter verschieben, das Kopfende von Steckdosenleisten und Ladekabeln freiräumen, zweimal vierzehn Tage protokollieren — und bei bleibender Sorge eine potentialfreie Messung durch eine Stelle, die die empfohlenen Produkte nicht selbst verkauft. Die Grenze ist klar: Weder Erdstrahlen noch ihre Abschirmung sind als Ursache oder Behandlung von Beschwerden belegt, und anhaltende Schlafstörungen gehören in ärztliche Abklärung.

Einordnung
Belegt

Eine Arbeit der TU Graz (Leitgeb N., Cech R., 2005, Biomedizinische Technik 50, 181-187) weist die Unwirksamkeit von Elektrosmog-Abschirmmatten im Niederfrequenzbereich über Modellrechnungen nach.

Quelle/Tradition: Leitgeb N., Cech R. (2005), Biomedizinische Technik 50, S. 181-187

Belegt

Bei Feldstärkevergleichen an realen Schlafplätzen lag die niederfrequente elektrische Feldstärke mit geerdeter Abschirmmatte in nahezu allen Fällen höher als ohne, besonders ausgeprägt im Kopfbereich; eine relevante Senkung wurde in keinem Fall festgestellt.

Quelle/Tradition: Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO), Informationsblatt zu Abschirmmatten im Schlafbereich

Belegt

Die elektrische Feldstärke entsteht aus dem Potentialunterschied zwischen Liegefläche und Umgebung; eine geerdete Fläche mit Nullpotential vergrößert diesen Unterschied zu Wand, Leitung und Lampe und erhöht damit das Feld.

Quelle/Tradition: Grundlagen der Feldmesstechnik; Schauer M., Virnich M. H. (2005)

Belegt

Bei der üblichen Vorführung wird die Körperspannung gegen Erde in Volt gemessen, nicht die Feldstärke in Volt pro Meter; da Matte und Handelektrode über die Erdung leitend verbunden sind, geht die Anzeige zwangsläufig gegen null.

Quelle/Tradition: IBO / Innenraum Mess- und Beratungsservice; Hinweise zur 26. BImSchV zur potentialfreien Messung

Überliefert

Der Begriff Erdstrahlen stammt aus der radiästhetischen Literatur des 20. Jahrhunderts, maßgeblich aus Gustav von Pohls Vilsbiburger Untersuchung von 1932; Zonen werden ausgemutet, nicht gemessen.

Quelle/Tradition: Gustav Freiherr von Pohl, Erdstrahlen als Krankheitserreger (1932); Radiästhesie-Literatur

Gelebte Praxis

Das Bett um etwa einen Meter zu verschieben und den Schlaf zweimal vierzehn Tage zu protokollieren, ist eine gängige, kostenfreie Vorgehensweise in der Beratungspraxis, bevor Produkte angeschafft werden.

Quelle/Tradition: Gelebte Praxis in Schlafhygiene-, Baubiologie- und Rutengeher-Beratung

Belegt

Ein Netzfreischalter kann niederfrequente elektrische Felder im Schlafbereich wirksam senken, führt jedoch je nach Installation in einzelnen Stromkreisen auch zu höheren Feldern; eine fachgerechte Messung gehört davor.

Quelle/Tradition: Baubiologische Feldmesstechnik; IBO-Beratungspraxis

Nicht belegt

Dass ungeerdete Matten, Folien oder Entstörgeräte auf radiästhetische Phänomene wirken, ist nicht belegt; unabhängige, fachgerecht erstellte Wirksamkeitsnachweise liegen nicht vor.

Quelle/Tradition: Keine unabhängig reproduzierte Grundlage

Nicht belegt

Dass Abschirmprodukte, Entstörgeräte oder Rituale Schlafstörungen, Erschöpfung oder andere Beschwerden lindern oder heilen, ist nicht belegt.

Quelle/Tradition: Kein Wirksamkeitsnachweis; anhaltende Beschwerden gehören in ärztliche Abklärung

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Warum das Wort „abschirmen“ in die Irre führt

Wer im Netz nach Erdstrahlen abschirmen sucht, landet fast ausschließlich bei Firmen, die genau das verkaufen: Korkmatten, Vliesmatten, Folien, Kupfergeflechte, Konverter, Entstörgeräte in Zigarettenschachtelgröße, Abschirmfarbe für die Wand. Die Seiten sehen sich ähnlich, sie argumentieren ähnlich, und sie schweigen an derselben Stelle.

Das Wort „abschirmen“ setzt nämlich zwei Dinge voraus, die keineswegs geklärt sind. Erstens, dass da etwas ist, das man abschirmen könnte. Zweitens, dass man weiß, welche physikalische Größe man abschirmt. Bei elektromagnetischen Feldern lässt sich beides beantworten — man kann sie messen, und man kann sagen, welches Material bei welcher Frequenz wie viel dämpft. Bei Erdstrahlen kann man das nicht, weil es keine messtechnische Definition davon gibt.

Das ist keine Kleinigkeit, sondern der Kern des ganzen Themas. Eine Abschirmung ohne definierte Größe lässt sich nicht prüfen — und was sich nicht prüfen lässt, lässt sich auch nicht widerlegen. Genau darin liegt der kommerzielle Reiz.

Wenn du an dieser Stelle einsteigst und die Grundlagen noch nicht kennst, lies zuerst unseren Überblick zur Geomantie — er ordnet ein, woher die Vorstellung von Erdenergien überhaupt kommt.

Die drei Produktgruppen — und was sie jeweils behaupten

Der Markt lässt sich sauber in drei Gruppen zerlegen, und diese Unterscheidung ist wichtiger als jeder Produktvergleich.

Geerdete, elektrisch leitfähige Matten. Sie werden unter oder auf die Matratze gelegt und über einen Schutzkontakt geerdet. Beworben werden sie meist gegen „Elektrosmog“ — gemeint sind niederfrequente elektrische Felder aus der Hausinstallation. Diese Gruppe ist die einzige, die eine physikalisch überprüfbare Behauptung aufstellt.

Ungeerdete Matten, Folien und Auflagen. Kork, Filz, beschichtete Vliese, Bänder mit eingewebten Metallfäden. Sie versprechen Wirkung auf radiästhetische Phänomene: Wasseradern, Gitternetze, „negative Energien“. Hier gibt es keine messbare Zielgröße — die Wirkung wird ausgemutet, nicht gemessen.

Entstörgeräte, Konverter, Neutralisierer. Kleine Objekte, die eine Störzone „umpolen“, „harmonisieren“ oder „transformieren“ sollen, oft mit Begriffen aus der Quantenphysik erklärt. Sie brauchen keinen Strom, keine Verbindung, keine Ausrichtung. Was sie tun, ist definitionsgemäß nicht überprüfbar.

Die Preise reichen von zweistellig bis in den vierstelligen Bereich. Für ein Schlafzimmer-Komplettset sind vier- bis fünftausend Euro keine Seltenheit.

Was unabhängige Prüfungen gefunden haben

Für die erste Gruppe — die geerdeten Matten — existiert ein ungewöhnlich klares Bild, weil sich hier tatsächlich messen lässt.

Das Österreichische Institut für Baubiologie und -ökologie hat an realen Schlafplätzen in Wohnungen die elektrische Feldstärke bei 50 Hz mit und ohne geerdete Abschirmmatte verglichen. Das Ergebnis fiel eindeutig aus, allerdings in die andere Richtung als erwartet: In nahezu allen Fällen lag die Feldstärke mit Matte deutlich über der ohne Matte, besonders ausgeprägt im Kopfbereich. Eine relevante Senkung wurde in keinem einzigen Fall festgestellt. In drei Fällen erreichte die Feldstärke mit Matte ein Vielfaches des Ausgangswerts.

Der theoretische Unterbau dazu stammt von der TU Graz. Norbert Leitgeb und Rudolf Cech veröffentlichten 2005 in der Biomedizinischen Technik eine Arbeit mit dem Titel „Unwirksamkeit von Elektrosmog-Abschirmmatten, Teil 1: Niederfrequenzbereich“ und belegten den Zusammenhang über Modellrechnungen.

Warum das so ist, lässt sich in einem Satz sagen. Die elektrische Feldstärke entsteht aus dem Potentialunterschied zwischen der Liegefläche und ihrer Umgebung. Legst du eine geerdete Matte mit Nullpotential ins Bett, während Wand, Leitung und Nachttischlampe ihr Potential behalten, wird dieser Unterschied größer — nicht kleiner. Das Feld steigt.

Für ungeerdete Matten und für Entstörgeräte gibt es diese Klarheit nicht, weil es die Prüfungen nicht gibt. Dem IBO ist kein Fall bekannt, in dem eine Wirkung auf radiästhetische Phänomene durch ein unabhängiges, fachgerecht erstelltes Gutachten belegt worden wäre.

Der Trick im Verkaufsgespräch: Volt ist nicht Volt pro Meter

Diese Stelle ist der wichtigste Absatz des ganzen Artikels, und sie ist auch der Grund, warum so viele Menschen nach der Vorführung überzeugt sind.

Beim Heimbesuch wird gemessen — aber nicht die Feldstärke. Gemessen wird die Körperspannung: Die Person liegt im Bett und hält eine Handelektrode, das Gerät zeigt eine Spannung gegen Erde an. Dann kommt die geerdete Matte ins Bett, und die Anzeige fällt gegen null. Beeindruckend.

Nur misst dieser Aufbau nichts über das Feld. Matte und Hand sind über die Erdung leitend verbunden — die Potentialdifferenz zwischen beiden muss null werden, das ist keine Wirkung, sondern eine Zwangsläufigkeit. Denselben Effekt erzielst du, wenn du der Person einen geerdeten Draht in die Hand drückst.

Verwechselbar ist das, weil die Einheiten sich ähneln: Spannung wird in Volt gemessen, Feldstärke in Volt pro Meter. Viele der handelsüblichen erdpotentialgebundenen Geräte zeigen sogar V/m im Display an, obwohl sie faktisch die Körperspannung erfassen. Für die von kritischen Fachleuten diskutierten gesundheitlichen Fragen wäre allerdings ausschließlich die Feldstärke relevant.

Wenn dir jemand eine Messung anbietet, kannst du das mit einer einzigen Frage prüfen: Messen Sie potentialfrei oder erdpotentialgebunden? Wer darauf ausweicht, hat die Antwort schon gegeben.

Warum die Abschirmlogik auch bei Erdstrahlen nicht aufgeht

Hier wird es interessant, denn die Anbieter widersprechen sich untereinander.

Ein Teil der radiästhetischen Literatur beschreibt Erdstrahlen als extrem durchdringend — sie sollen Beton, Erdreich und ganze Geschosse durchqueren, weshalb ein Schlafplatz im dritten Stock genauso betroffen sein könne wie einer im Keller. Ein anderer Teil verkauft Matten von wenigen Millimetern Dicke, die genau diese Strahlung zu 96 Prozent zurückhalten sollen.

Beides zusammen ergibt keinen Sinn. Was durch acht Meter Stahlbeton geht, wird nicht von fünf Millimetern Kork gestoppt. Diese Spannung wird in den Verkaufsunterlagen nie aufgelöst, weil sie sich nicht auflösen lässt.

Dazu kommt der Nachweisweg. Die 96-Prozent-Angabe stammt in einem prominenten Fall aus einer Untersuchung, die die Leitwerte von Akupunkturpunkten vor und nach dem Auflegen der Matte verglich. Solche Verfahren sind nicht verblindet, stark untersucherabhängig und liefern in wiederholten Prüfungen keine stabilen Werte. Als Wirksamkeitsnachweis taugen sie nicht.

Wer verstehen will, warum das Muten selbst so verlässlich wirkt und trotzdem keine Außenwelt abbildet, findet die ausführliche Einordnung bei den Gitternetzen nach Hartmann und Curry und in unserem Text zu Wasseradern im Schlafzimmer.

Was an einem Schlafplatz tatsächlich etwas verändert

Und jetzt der konstruktive Teil, denn das Anliegen dahinter ist ja berechtigt: Du schläfst schlecht und willst, dass sich etwas ändert.

Das Bett umstellen. Die wirksamste Maßnahme kostet nichts. Einen Meter Versatz, andere Kopfrichtung, weg von der Außenwand oder von der Zimmertür. Wenn der Schlaf sich ändert, hast du deine Antwort — unabhängig davon, welche Erklärung dir am besten gefällt.

Steckdosen und Kabel am Kopfende räumen. Verlängerungsleisten, Ladegeräte und Nachttischlampen sammeln sich genau dort, wo dein Kopf liegt. Sie herauszunehmen ist gratis und senkt niederfrequente elektrische Felder tatsächlich.

Einen Netzfreischalter prüfen lassen. Er trennt den Schlafzimmerstromkreis, solange kein Verbraucher läuft. Das ist eine erprobte Maßnahme — allerdings mit einem Vorbehalt: In manchen Installationen führt sie in einzelnen Stromkreisen zu höheren Feldern. Deshalb gehört eine Messung davor, keine pauschale Bestellung.

Fachgerecht messen lassen, wenn die Sorge bleibt. Entscheidend ist, dass potentialfrei gemessen wird, wie es die einschlägigen Vorgaben zu elektromagnetischen Feldern vorsehen, und dass die Beratung unabhängig vom Verkauf der empfohlenen Produkte ist. Wer misst und im selben Termin verkauft, hat ein Interesse am Ergebnis.

Die banalen Sachen zuerst. Raumtemperatur, Verdunkelung, Lärm von der Straße, Koffein am Nachmittag, das Telefon auf dem Nachttisch. Diese Liste ist unspektakulär und erklärt mehr schlechte Nächte als jede Störzone.

Der ehrliche Selbstversuch: zweimal vierzehn Tage

Wenn du wissen willst, ob an deinem Platz etwas ist, brauchst du kein Gerät. Du brauchst ein Heft und einen Monat.

  1. Vierzehn Tage protokollieren, ohne etwas zu ändern. Jeden Morgen drei Zahlen von eins bis zehn: Einschlafen, Durchschlafen, Zustand beim Aufwachen. Dazu ein Stichwort, wenn etwas Besonderes war.
  2. Dann das Bett verschieben. Mindestens einen Meter, gern auch die Kopfrichtung ändern. Sonst nichts verändern — nicht gleichzeitig das Kissen tauschen und das Koffein streichen.
  3. Vierzehn weitere Tage protokollieren. Dieselben drei Zahlen, dieselbe Uhrzeit.
  4. Vergleichen. Bilde den Durchschnitt beider Zeiträume. Ein Unterschied von einem halben Punkt ist Rauschen. Zwei Punkte sind ein Signal.
  5. Erst danach entscheiden. Wenn der neue Platz besser ist, bleib dort. Wenn nicht, war es nicht der Platz — und dann bringt auch keine Matte etwas.

Dieser Versuch hat einen unschlagbaren Vorteil gegenüber jedem gekauften Produkt: Er kostet nichts, und du kannst ihn nicht so beantworten, wie du ihn dir wünschst, weil die Zahlen vor der Veränderung entstanden sind.

Quiz: Wie steht es um deinen Schlafplatz?

Vier Fragen, bevor du etwas kaufst

Kein Gutachten — nur ein Anstoß, wo du zuerst hinschauen solltest.

Wenn du deinen Schlafraum bewusst neu anfangen willst

Aus dem Tempel

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Stimmen aus der Praxis

„Wir hatten die Matte gekauft, viertausend Euro, im Wohnzimmer vorgeführt bekommen. Nach acht Monaten habe ich das Bett aus Trotz einen Meter verschoben, weil ein neuer Schrank kam. Seitdem schlafe ich durch. Ich weiß bis heute nicht, ob es die Ecke war oder der Zufall — aber die Matte war es nicht.“
— Physiotherapeutin, 51, Raum Würzburg

„Ich mute seit zwanzig Jahren und verkaufe grundsätzlich nichts, was ich nicht selbst erklären kann. Bei Entstörgeräten steige ich aus. Ich sage den Leuten: Stellt das Bett um, das ist meine erste Empfehlung und die kostet euch nichts. Danach reden wir weiter, wenn ihr wollt.“
— Rutengeher, 63, Raum Allgäu

„Der Verkäufer wollte partout keine Vergleichsmessung mit einem unabhängigen Gerät zulassen. Das war für mich der Moment, in dem ich die Tür aufgemacht habe.“
— Bauingenieur, 44, Raum Linz

Was wir nicht versprechen

Wir versprechen dir nicht, dass es Erdstrahlen nicht gibt. Wir sagen etwas Genaueres: Es gibt keine messtechnische Definition davon, keine unabhängig reproduzierten Nachweise ihrer Existenz — und damit auch keine Grundlage, auf der sich eine Abschirmung prüfen ließe. Das ist ein Unterschied, und er ist wichtig.

Wir versprechen dir nicht, dass ein umgestelltes Bett deinen Schlaf repariert. Es ist der erste, günstigste und ehrlichste Test, mehr nicht.

Wir versprechen keine gesundheitliche Wirkung — weder von Abschirmprodukten noch von Ritualen, Räucherwerk oder Steinen. Anhaltende Schlafstörungen, Erschöpfung oder Beschwerden, die dich im Alltag einschränken, gehören ärztlich abgeklärt. Nichts in diesem Artikel ersetzt das, und ein Produkt, das dir das verspricht, sagt dir bereits etwas über sich selbst.

Was wir dir sagen können: Der Wunsch, den Ort zu verändern, an dem du acht Stunden deines Tages verbringst, ist kein Aberglaube. Nur führt der Weg dorthin über das Umräumen und nicht über den Kauf.

Praktisch: so gehst du damit um

Kauf nichts im Haustürtermin. Wer im Wohnzimmer misst und im selben Termin verkauft, arbeitet nicht ergebnisoffen. Nimm dir grundsätzlich eine Nacht, bevor du unterschreibst — und prüfe die Widerrufsfrist, bevor du das Gerät auspackst.

Stell die eine Frage. „Messen Sie potentialfrei?“ Wenn die Antwort ausweicht, unklar bleibt oder auf ein Gutachten verweist, das du nicht einsehen darfst, ist der Termin beendet.

Verlange die Rohdaten. Seriöse Messberichte nennen Gerät, Verfahren, Messpunkte und Werte in nachvollziehbaren Einheiten. Ein Blatt mit Ampelfarben ist kein Messbericht.

Ändere immer nur eine Sache. Wer gleichzeitig das Bett verschiebt, die Matratze tauscht und das Handy verbannt, weiß hinterher nichts. Eine Änderung, vierzehn Tage, dann die nächste.

Nimm dein Unbehagen ernst, aber wörtlich. Wenn ein Raum sich falsch anfühlt, ist das eine echte Information über deine Wahrnehmung. Sie sagt nur nichts über den Untergrund — sondern über Licht, Geräusch, Blickachse, Enge und Erinnerung. Diese Dinge lassen sich verändern.

Häufige Fragen zum Abschirmen von Erdstrahlen

Kann man Erdstrahlen wirklich abschirmen?

Es gibt keine messtechnische Definition von Erdstrahlen und damit keine prüfbare Zielgröße für eine Abschirmung. Für ungeerdete Matten, Folien und Entstörgeräte liegt kein unabhängiger, fachgerecht erstellter Wirksamkeitsnachweis vor. Die Behauptung, ein wenige Millimeter dickes Material halte eine Strahlung zurück, die angeblich ganze Geschosse durchdringt, widerspricht sich zudem selbst.

Bringen geerdete Abschirmmatten gegen Elektrosmog etwas?

Untersuchungen an realen Schlafplätzen kamen zum gegenteiligen Ergebnis: Die niederfrequente elektrische Feldstärke lag mit geerdeter Matte in nahezu allen Fällen höher als ohne, besonders im Kopfbereich. Eine Arbeit der TU Graz von Leitgeb und Cech (2005) belegt das über Modellrechnungen. Der Grund ist einfach: Eine geerdete Fläche mit Nullpotential vergrößert den Potentialunterschied zur Umgebung — und damit das Feld.

Warum fällt die Anzeige bei der Vorführung dann auf null?

Weil nicht die Feldstärke gemessen wird, sondern die Körperspannung gegen Erde. Sobald die geerdete Matte im Bett liegt und die Person eine Handelektrode hält, sind beide leitend verbunden — die Spannungsdifferenz muss zwangsläufig gegen null gehen. Denselben Effekt erzeugt ein geerdeter Draht in der Hand. Für gesundheitliche Fragen wäre allein die Feldstärke in Volt pro Meter relevant.

Was hilft stattdessen am Schlafplatz?

Zuerst das Kostenlose: das Bett einen Meter verschieben, das Kopfende von Steckdosenleisten, Ladekabeln und Lampen freiräumen, die Grundlagen der Schlafhygiene prüfen. Bleibt die Sorge, kommt eine fachgerechte, potentialfreie Messung durch eine Stelle, die die empfohlenen Produkte nicht selbst vertreibt. Ein Netzfreischalter ist eine erprobte Maßnahme, kann aber je nach Installation einzelne Felder erhöhen — deshalb erst messen, dann entscheiden.

Woran erkenne ich ein unseriöses Angebot?

An fünf Signalen: Es wird zuerst Angst aufgebaut, dann gemessen. Die Messung findet erdpotentialgebunden statt. Gutachten werden erwähnt, aber nicht zur Einsicht gegeben. Eine unabhängige Vergleichsmessung wird abgelehnt. Und der Abschluss soll noch im selben Termin erfolgen. Trifft eines davon zu, lohnt es sich, den Termin zu beenden und in Ruhe weiterzudenken.

Ich habe schon gekauft — was jetzt?

Prüfe zuerst, ob eine Widerrufs- oder Rückgabefrist läuft; bei Haustürgeschäften gelten in Deutschland und Österreich besondere Schutzregeln. Viele Anbieter nehmen Ware auf Nachfrage zurück. Hilft das nicht, sind Verbraucherzentralen beziehungsweise Arbeiterkammer und Konsumentenberatung die richtigen Anlaufstellen. Eine unabhängige Feldstärkemessung kann als Beleg dienen.

Quellen & Weiterlesen

  • Leitgeb N., Cech R. (2005): „Unwirksamkeit von Elektrosmog-Abschirmmatten, Teil 1: Niederfrequenzbereich“, Biomedizinische Technik 50, S. 181–187 (Technische Universität Graz).
  • Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO) / Innenraum Mess- und Beratungsservice: Informationsblatt zu Abschirmmatten im Schlafbereich — Feldstärkevergleiche an realen Schlafplätzen, Verkaufspraktiken und die Verwechslung von Körperspannung und Feldstärke.
  • Schauer M., Virnich M. H. (2005): Baubiologische Elektrotechnik — Grundlagen, Feldmesstechnik und Praxis der Feldreduzierung.
  • Hinweise zur Durchführung der Verordnung über elektromagnetische Felder (26. BImSchV) zur potentialfreien Messung elektrischer Feldstärken.
  • Zur Herkunft des Erdstrahlen-Begriffs: Gustav Freiherr von Pohl, „Erdstrahlen als Krankheitserreger“ (1932), sowie die spätere methodische Kritik an der Vilsbiburger Untersuchung.
  • Weiterlesen im Magazin: Geomantie: Erdenergien, Ley-Linien & Kraftplätze verstehen · Wasseradern & Erdstrahlen im Schlafzimmer erkennen · Hartmann-Gitter und Curry-Netz · Katze schläft immer an derselben Stelle
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