Götter, Göttinnen & Mythologie

Erzengel Azrael: Bedeutung, Herkunft und Anrufung des Engels des Todes

Er ist der Engel, vor dem viele Angst haben, und der, den Trauernde heute am häufigsten um Beistand bitten. Wer Erzengel Azrael ist und wie du ihn in Zeiten des Abschieds anrufen kannst.

Steinstatue des Todesengels Azrael mit Kapuze und gefalteten Flügeln, in den Händen eine Schriftrolle, davor ein Herbstblatt und eine brennende Kerze
Schnellantwort

Azrael ist in der islamischen Überlieferung der Engel des Todes und einer der vier großen Erzengel. Der Koran nennt ihn nicht beim Namen, sondern spricht in Sure 32, Vers 11 vom Engel des Todes, den die Tradition mit Azrael gleichsetzt. In der modernen Engelspiritualität gilt er als Begleiter der Sterbenden und Trauernden. Wer ihn anruft, ruft nicht den Tod herbei, und Zeichen seiner Nähe lassen sich nicht belegen.

Einordnung
Belegt

Der Koran spricht in Sure 32, Vers 11 vom Engel des Todes, ohne ihn Azrael zu nennen.

Quelle/Tradition: Koran, Sure 32:11

Belegt

Weder die Hebräische Bibel noch der Talmud erwähnen Azrael.

Quelle/Tradition: Encyclopaedia of Islam; Wikipedia „Azrael“

Überliefert

Vierzig Tage vor dem Tod fällt ein Blatt mit dem Namen des Menschen von einem Baum unter Gottes Thron.

Quelle/Tradition: Islamische Volksüberlieferung

Gelebte Praxis

Azrael begleitet Trauernde und schenkt Trost.

Quelle/Tradition: Moderne Engelspiritualität seit den 1990er-Jahren

Nicht belegt

Eine Anrufung Azraels führt zu Zeichen oder Botschaften von Verstorbenen.

Quelle/Tradition: Kein Nachweis

Gelebte Praxis

Rituale können Trauernden helfen, Gefühle in Worte zu fassen.

Quelle/Tradition: Trauerbegleitung

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Er ist der Engel, vor dem viele Menschen Angst haben, und der, den Trauernde heute am häufigsten um Beistand bitten. Wer Erzengel Azrael ist, woher sein Name stammt, was der Koran und die alten Legenden über ihn erzählen und wie du ihn in Zeiten des Abschieds anrufen kannst.

Auf einen Blick

Wer er ist: In der islamischen Überlieferung der Engel des Todes, einer der vier großen Erzengel neben Dschibril, Mikail und Israfil.

Was sein Name bedeutet: Hebräisch gedeutet etwa „Gott hat geholfen“, arabisch ʿAzrāʾīl oder ʿIzrāʾīl.

Wofür man ihn heute anruft: für Trost in der Trauer, für einen friedlichen Abschied und für die Angst vor dem Tod.

Was er nicht ist: Er ist kein Bote des Bösen und kein Engel, den man „ruft“, damit jemand stirbt.

Erzengel Azrael: Bedeutung in Kürze

Azrael ist der Engel, der die Seelen beim Sterben abholt. So kennt ihn vor allem die islamische Tradition. Er handelt dort nicht aus eigenem Willen, sondern nur auf Gottes Befehl, und er tut es, so erzählen viele Überlieferungen, bei den Gläubigen sanft. In seinem Bild steckt deshalb weniger Schrecken als Ordnung: Der Tod kommt nicht willkürlich, sondern begleitet.

In der heutigen Engelspiritualität hat sich der Schwerpunkt verschoben. Azrael gilt dort als Engel der Übergänge und des Trostes, der nicht nur die Sterbenden begleitet, sondern vor allem die, die zurückbleiben. Wer einen Menschen oder ein Tier verloren hat, wer am Sterbebett sitzt oder Angst vor dem eigenen Ende hat, wendet sich an ihn.

Woher der Name Azrael kommt

Der Name wird meist aus dem Hebräischen gedeutet und bedeutet etwa „Gott hat geholfen“ oder „Hilfe von Gott“. Im Arabischen lautet er ʿAzrāʾīl oder ʿIzrāʾīl, im Türkischen Azrail. Auffällig ist, wo der Name nicht vorkommt: Weder die Hebräische Bibel noch der Talmud noch der Koran nennen Azrael ausdrücklich. Ein ähnlicher Name, Azriel, taucht später in kabbalistischen Schriften wie dem Sohar auf. Eine aramäische Zauberschale aus Mesopotamien aus dem 7. Jahrhundert führt den Namen ebenfalls, ohne ihn mit dem Tod zu verbinden.

Seine Rolle als Todesengel bekam Azrael erst in der islamischen Auslegung und Volksfrömmigkeit. Von dort wanderte der Name in die Literatur Europas und schließlich in die moderne Esoterik.

Azrael im Koran und in der islamischen Überlieferung

Im Koran heißt es in Sure 32, Vers 11: „Abberufen wird euch der Engel des Todes, der mit euch betraut ist.“ (Übersetzung Bubenheim/Elyas) Diesen Malak al-Maut, den Engel des Todes, identifiziert die Überlieferung mit Azrael. Sure 6, Vers 61 spricht von mehreren Boten, die die Seelen holen; Ausleger verstehen sie als seine Helfer.

Um Azrael ranken sich viele Legenden. Sie stammen aus späteren Erzählsammlungen und gelten unter Gelehrten nicht als gesicherte Lehre, prägen aber bis heute sein Bild:

Legende Was sie erzählt
Der Baum unter dem Thron Vierzig Tage vor dem Tod eines Menschen fällt ein Blatt mit seinem Namen von einem Baum unter Gottes Thron. Azrael liest den Namen.
Das Register der Menschen Azrael führt eine Rolle oder ein Buch, in das er Namen bei der Geburt einträgt und beim Tod löscht.
Die Erde für Adam Als Gott Adam erschaffen wollte, brachte nur Azrael die nötige Erde. Dafür wurde er zum Engel des Todes bestimmt.
Die Flügel Manche Erzählungen geben ihm 4.000 Flügel, aufgeteilt in Flügel der Gnade und Flügel der Strafe.
Die vielen Augen Spätere Bücher beschreiben einen Körper voller Augen, mit denen er alle Menschen zugleich sieht.

Das Herbstblatt auf unserem Titelbild greift die erste dieser Legenden auf. Es ist ein Bild für Vergänglichkeit, nicht für eine Drohung.

Judentum, Christentum und Literatur

Im Judentum gibt es den Malach ha-Mawet, den Engel des Todes, aber Azrael ist in der rabbinischen Tradition nicht kanonisch. In der jüdischen Legende trägt der Todesengel eher den Namen Samael. Im Christentum spielt Azrael kaum eine Rolle; die äthiopische Fassung der Petrus-Apokalypse kennt einen Engel namens Ezrael, der in der Hölle die Unrecht Erlittenen rächt.

In der europäischen Literatur wurde Azrael zur festen Figur. Der englische Dichter Leigh Hunt stellte ihn 1850 als verhüllte Gestalt dar, G. K. Chesterton nennt ihn 1915 in seinem Gedicht Lepanto. Fast immer erscheint er dort ernst, aber nicht böse: als der, der kommt, wenn die Zeit da ist.

Azrael in der heutigen Engelspiritualität

Seit den 1990er-Jahren ist Azrael in der Engelliteratur zum Begleiter der Trauernden geworden. Viele Bücher und Kurse beschreiben ihn als ruhige, warme Gegenwart, die nicht nimmt, sondern hält. Man bittet ihn um Trost, um Kraft für die Begleitung Sterbender, um einen friedlichen Übergang für einen geliebten Menschen und darum, die eigene Angst vor dem Tod anzusehen.

Wichtig ist die Unterscheidung: Diese Rolle stammt aus moderner spiritueller Praxis, nicht aus Koran oder Bibel. Sie ist eine gelebte Deutung, die vielen Menschen hilft. Wer aus einer religiösen Tradition kommt, in der Azrael streng der Todesengel ist, darf sie gern anders sehen.

Als Zeichen seiner Nähe beschreiben Menschen in der Trauer oft ein Gefühl von Ruhe, das plötzlich da ist, einen Traum, in dem der Verstorbene friedlich wirkt, oder kleine Dinge wie eine gefundene Feder. Belegen lässt sich nichts davon. Es sind persönliche Erfahrungen, und sie dürfen genau das sein.

Die Erzengel im Vergleich

Erzengel Klassische Rolle Man ruft ihn an bei …
Azrael Engel des Todes (Islam) Trauer, Abschied, Angst vor dem Tod
Michael Kämpfer gegen das Böse Schutz, Mut, Grenzen
Gabriel Bote der Verkündigung Botschaften, Neubeginn, Schwangerschaft
Raphael Begleiter des Tobias Heilung, Reisen
Sandalphon Träger der Gebete (Kabbala) Gebet, Musik, Erdung

Alle Namen, Aufgaben und Zuordnungen findest du in der Übersicht Erzengel: Namen, Aufgaben und Anrufung.

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Erzengel Azrael anrufen: eine Anrufung für den Abschied

Eine Anrufung ist kein Zauber, sondern eine Bitte. Sie hilft vielen Trauernden, Gefühle in Worte zu fassen, für die es sonst keinen Ort gibt. So kannst du vorgehen:

  1. Einen ruhigen Moment wählen. Abends, wenn das Haus still ist, oder an einem Ort, der dich mit dem Verstorbenen verbindet.
  2. Eine Kerze anzünden. Ein Foto oder ein Gegenstand des Menschen oder Tieres darf daneben stehen.
  3. Die Bitte sprechen. Zum Beispiel: „Azrael, Engel des Übergangs, begleite Name auf dem Weg, der vor ihm liegt. Und bleib bei mir, solange ich vermisse. Hilf mir, die Liebe zu behalten und den Schmerz zu tragen.“
  4. Still werden. Ein paar Minuten nur atmen. Was kommt, Tränen, Erinnerungen, Ruhe, darf kommen.
  5. Abschließen. Bedanke dich und lösche die Kerze bewusst, statt sie unbeaufsichtigt brennen zu lassen.

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Stimmen aus der Praxis

Keine Zitate, keine Namen – nur die Lagen, in denen Azrael in Gesprächen über Engel typischerweise auftaucht:

  • Die Nacht am Sterbebett. Viele erzählen, dass sie in den letzten Stunden eines Angehörigen um einen friedlichen Übergang baten und dabei selbst ruhiger wurden.
  • Der Abschied vom Tier. Häufig berichten Menschen, dass eine kleine Anrufung nach dem Tod ihres Hundes oder ihrer Katze der erste Moment war, in dem sie weinen konnten.
  • Die Angst vor dem Ende. Manche beschreiben, dass ihnen das Bild eines begleitenden Engels half, über den eigenen Tod zu sprechen, mit der Familie oder in einer Hospizgruppe.

Was wir nicht versprechen

  • Kein Kontakt auf Bestellung. Eine Anrufung garantiert keine Zeichen, keine Träume und keine Botschaft von Verstorbenen.
  • Keine Gefahr durch den Namen. Wer Azrael anruft, ruft nicht den Tod herbei. Das ist ein Missverständnis.
  • Keine Lehre. Die Rolle als Trostengel stammt aus moderner Spiritualität, nicht aus Koran oder Bibel.
  • Keine Therapie. Wenn Trauer dich über lange Zeit lähmt, ersetzt kein Ritual fachliche Hilfe.

Praktisch: so gehst du damit um

  1. Trauer braucht Menschen. Rituale wirken am besten zusammen mit Gesprächen. Hospizvereine und Trauercafés gibt es in vielen Orten.
  2. Einen festen Ort schaffen. Ein Foto, eine Kerze, ein Stein vom Spaziergang. Ein kleiner Erinnerungsplatz gibt der Trauer eine Adresse.
  3. Jahrestage einplanen. Der Geburtstag des Verstorbenen oder Allerseelen am 2. November sind gute Tage für eine Anrufung.
  4. Die eigene Tradition achten. Wer muslimisch, jüdisch oder christlich glaubt, kann Azrael in der Sprache des eigenen Gebets ansprechen oder das Gebet der eigenen Gemeinde wählen.
  5. Hilfe holen. Wenn Gedanken an den eigenen Tod dich nicht loslassen, sprich mit jemandem. Die TelefonSeelsorge ist in Deutschland rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar.

Häufige Fragen zu Erzengel Azrael

Wer ist Erzengel Azrael?

In der islamischen Überlieferung ist Azrael der Engel des Todes und einer der vier großen Erzengel. In der modernen Engelspiritualität gilt er als Begleiter der Sterbenden und Trauernden.

Was bedeutet der Name Azrael?

Aus dem Hebräischen gedeutet heißt er etwa „Gott hat geholfen“ oder „Hilfe von Gott“. Arabisch lautet er ʿAzrāʾīl oder ʿIzrāʾīl.

Steht Azrael im Koran?

Der Name nicht. Der Koran spricht in Sure 32, Vers 11 vom Engel des Todes, den die islamische Überlieferung mit Azrael gleichsetzt.

Ist Azrael ein böser Engel?

Nein. In der Überlieferung handelt er nur auf Gottes Befehl und holt die Seelen der Gläubigen sanft. Mit dem Bösen hat er nichts zu tun.

Darf man Erzengel Azrael anrufen?

In der modernen Engelspiritualität ja, vor allem um Trost in der Trauer und um einen friedlichen Abschied. Wer ihn anruft, ruft nicht den Tod herbei.

Wofür ist Erzengel Azrael zuständig?

Klassisch für den Übergang vom Leben in den Tod. Heute rufen ihn Menschen bei Trauer, am Sterbebett, beim Verlust eines Tieres und bei Angst vor dem Tod an.

Quellen & Weiterlesen

  • Koran: Sure 32 (as-Sadschda), Vers 11; Sure 6 (al-Anʿām), Vers 61.
  • Überblick und Legenden: Eintrag „ʿIzrāʾīl“, Encyclopaedia of Islam, 2. Auflage (Brill) sowie Wikipedia „Azrael“ mit den Nachweisen zu al-Qurtubi und Muqatil ibn Sulayman.
  • Literatur: Leigh Hunt (1850); G. K. Chesterton: Lepanto (1915).
  • Weiterlesen bei uns: Erzengel: Namen und Aufgaben · Erzengel Uriel · Erzengel Michael

Dieser Beitrag beschreibt religiöse Überlieferungen und spirituelle Praxis. Er ersetzt keine Trauerbegleitung, Seelsorge oder psychologische Hilfe. Stand: 19.10.2026.

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