Kunzit und Hiddenit: Die zwei Gesichter des Spodumens — Wirkung, Herkunft, warum der Stein in der Sonne verblasst und wie du Echtes erkennst
Es gibt Steine, die man in die Vitrine stellt, und Steine, die man vor dem Fenster versteckt. Kunzit gehört zu den zweiten. Ich habe meinen ersten, ein fingerlanges blassrosa Stäbchen aus Afghanistan, ein Jahr lang auf dem Fensterbrett liegen lassen — und dann gemerkt, dass er fast farblos geworden war. Das war die erste Lektion über Spodumen, und es folgten noch einige: dass er beim Schleifen zerspringt, dass er im Drehen drei Farben zeigt, dass sein grüner Bruder Hiddenit so selten ist, dass das meiste, was so heißt, keiner ist, und dass dasselbe Mineral, gemahlen und ohne jede Farbe, in dem Akku steckt, mit dem du das hier liest. Ich zeige dir beide Steine, wie ich sie kenne: mit den Händen, mit der Lupe und mit dem, was die Steinheilkunde in ihnen sieht.
Es gibt Steine, die man in die Vitrine stellt, und Steine, die man vor dem Fenster versteckt. Kunzit gehört zu den zweiten. Ich habe meinen ersten, ein fingerlanges blassrosa Stäbchen aus Afghanistan, ein Jahr lang auf dem Fensterbrett liegen lassen — und dann gemerkt, dass er fast farblos geworden war. Das war die erste Lektion über Spodumen, und es folgten noch einige: dass er beim Schleifen zerspringt, dass er im Drehen drei Farben zeigt, dass sein grüner Bruder Hiddenit so selten ist, dass das meiste, was so heißt, keiner ist, und dass dasselbe Mineral, gemahlen und ohne jede Farbe, in dem Akku steckt, mit dem du das hier liest. Ich zeige dir beide Steine, wie ich sie kenne: mit den Händen, mit der Lupe und mit dem, was die Steinheilkunde in ihnen sieht.
Inhalt
Kunzit (rosa bis violett, gefärbt durch Mangan) und Hiddenit (grün, gefärbt durch Chrom) sind Farbvarietäten des Minerals Spodumen, eines Lithium-Aluminium-Silikats aus der Pyroxengruppe mit Mohshärte 6,5–7. Kunzit wurde 1902 in Pala, Kalifornien, entdeckt und nach dem Tiffany-Gemmologen George F. Kunz benannt; Hiddenit 1879 in North Carolina nach William E. Hidden. Beide zeigen einen starken Pleochroismus (rosa, violett und fast farblos je nach Blickrichtung), feine Längsstreifen und eine vollkommene Spaltbarkeit, die das Schleifen schwierig und Ringe riskant macht. Kunzit verblasst in Sonne und Hitze — daher „Abendstein“. In der Steinheilkunde gilt Kunzit als Stein des Herzens und der bedingungslosen Liebe, Hiddenit als Stein der Dankbarkeit und des Neubeginns; belegt sind diese Wirkungen nicht. Echt erkennst du ihn an Streifen, Pleochroismus und Spaltbarkeit; Rosenquarz, Glas und Morganit zeigen das nicht.
Kunzit und Hiddenit sind Varietäten des Spodumens (LiAlSi2O6), eines Kettensilikats der Pyroxengruppe; Kunzit verdankt seine Farbe Mangan, echter Hiddenit Chrom. Mohshärte 6,5–7, Dichte 3,1–3,2, vollkommene prismatische Spaltbarkeit.
Quelle/Tradition: Mineralogische Standardwerke (Okrusch/Matthes; Schumann, Edelsteine und Schmucksteine); Handbook of Mineralogy
Kunzit wurde 1902 in Pala, San Diego County, gefunden und von Charles Baskerville nach George Frederick Kunz benannt; Hiddenit wurde 1879 bei Stony Point, Alexander County, North Carolina gefunden und nach William Earl Hidden benannt — der Ort heißt heute Hiddenite.
Quelle/Tradition: Baskerville, Science 16 (1903); J. Lawrence Smith, American Journal of Science 21 (1881); Mindat
Spodumen zeigt starken Pleochroismus, feine Längsstreifen auf den Prismenflächen und verliert bei Sonnenlicht und Hitze an Farbe; bestrahlte, tief violette Kunzite verblassen besonders schnell.
Quelle/Tradition: GIA Gem Reference Guide; Nassau, Gemstone Enhancement
Spodumen ist heute das wichtigste Lithium-Erz der Welt; die größte Lagerstätte ist Greenbushes in Westaustralien.
Quelle/Tradition: USGS Mineral Commodity Summaries, Lithium
John F. Kennedy kaufte 1963 einen Kunzitring für Jacqueline Kennedy als Weihnachtsgeschenk, den er nicht mehr überreichen konnte; der Ring wurde 1996 bei Sotheby’s versteigert.
Quelle/Tradition: Sotheby’s, Estate of Jacqueline Kennedy Onassis (April 1996), Auktionskatalog; Pressedarstellungen
In der Steinheilkunde gilt Kunzit als Stein des Herzens, der bedingungslosen Liebe und der Hingabe, Hiddenit als Stein der Dankbarkeit, des Neubeginns und der Selbstachtung; beide werden am Herzchakra getragen oder in die Hand genommen.
Quelle/Tradition: Steinheilkunde-Literatur (Gienger; Hall); Praxis der Anwender
Kunzit oder Hiddenit lindern Angst, heilen Herzschmerz, senken Blutdruck oder helfen bei Depressionen.
Quelle/Tradition: Keine kontrollierte Studie; Lithium im Kristallgitter ist nicht bioverfügbar — kein Zusammenhang mit medizinischem Lithium
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Ein Mineral, drei Namen: Spodumen, Kunzit, Hiddenit
Spodumen ist ein Lithium-Aluminium-Silikat, chemisch LiAlSi₂O₆, und gehört zur Pyroxengruppe — den Kettensilikaten, die auch Diopsid und Jadeit umfassen. Der Name kommt vom griechischen spodoumenos, „zu Asche verbrannt“, weil das Mineral an der Oberfläche grau und aschig verwittert und beim Erhitzen vor dem Lötrohr ein aschfarbenes Bläschen bildet; so beschrieb es 1800 der portugiesische Mineraloge José Bonifácio de Andrada an Kristallen aus Schweden. Reiner Spodumen ist farblos bis gelblich — diese Varietät heißt Triphan. Interessant wird er erst durch Spuren fremder Elemente im Gitter.
Kunzit ist Spodumen mit Mangan: blassrosa, rosa, lila bis violett. Hiddenit ist Spodumen mit Chrom: smaragdgrün bis gelbgrün. Beides sind Farbnamen, keine eigenen Minerale — so wie Amethyst und Citrin beide Quarz sind. Und hier beginnt die erste Falle: Streng genommen ist nur der chromgefärbte Spodumen Hiddenit. Das blassgrüne und gelbgrüne Material aus Afghanistan und Brasilien, das der Handel als Hiddenit verkauft, verdankt seine Farbe meist Eisen und ist mineralogisch „grüner Spodumen“. Echter Hiddenit aus North Carolina ist einer der seltensten Schmucksteine überhaupt.
1879 und 1902: Zwei Fundorte, zwei Männer, zwei Namen
Der grüne Stein kam zuerst. 1879 suchte der Mineraliensucher William Earl Hidden im Auftrag von Thomas Edison in Alexander County, North Carolina, nach Platin für Glühfäden — und fand stattdessen bei Stony Point grüne Kristalle, die neben Smaragden in den Spalten lagen. Der Chemiker J. Lawrence Smith beschrieb sie 1881 als chromhaltigen Spodumen und nannte sie nach dem Finder. Der Ort heißt heute Hiddenite, und die Grube fördert bis heute — vor allem Smaragde, hin und wieder einen Hiddenit, der dann Sammlerpreise erzielt.
Der rosa Stein kam 1902. In Pala, San Diego County, Kalifornien, wo man Turmalin und Lepidolith grub, tauchten blasslila Kristalle auf, die niemand einordnen konnte. Sie gingen an George Frederick Kunz, den Chef-Gemmologen von Tiffany & Co. in New York, der die amerikanische Schmuckwelt damals so geprägt hat wie kein Zweiter. Kunz erkannte den Spodumen, der Chemiker Charles Baskerville taufte die Varietät 1903 nach ihm, und Tiffany brachte den Stein in Mode. Die Grube Pala Chief lieferte die ersten Kristalle; heute kommt der meiste Kunzit aus Afghanistan (Nuristan, Kunar), Pakistan, Brasilien (Minas Gerais) und Madagaskar, in Kristallen, die gelegentlich armlang werden. Das Smithsonian besitzt einen geschliffenen Kunzit von 880 Karat.
| Kunzit | Hiddenit | Triphan | |
|---|---|---|---|
| Farbe | rosa, lila, violett | smaragd- bis gelbgrün | farblos, gelb |
| Farbgeber | Mangan | Chrom (echt); Eisen (Handelsware) | keiner / Eisen |
| Entdeckt | 1902, Pala, Kalifornien | 1879, Stony Point, North Carolina | 1800, Schweden |
| Hauptfundorte heute | Afghanistan, Pakistan, Brasilien, Madagaskar | North Carolina (echt); Afghanistan, Brasilien (grüner Spodumen) | Brasilien, Afghanistan |
| Seltenheit | häufig, große Kristalle | sehr selten (echt) | häufig |
| Lichtempfindlich | ja, verblasst | ja, weniger stark | gering |
| Steinheilkunde | Herz, bedingungslose Liebe, Hingabe | Dankbarkeit, Neubeginn, Selbstachtung | kaum Zuschreibungen |
Drei Farben in einem Stein: Der Pleochroismus
Nimm einen Kunzit-Kristall und dreh ihn langsam gegen das Licht. Von der Seite ist er blassrosa. Von der Stirnfläche, entlang der Längsachse, ist er plötzlich kräftig violett. Und in einer dritten Richtung fast farblos. Das ist Pleochroismus, Mehrfarbigkeit: Das Kristallgitter lässt Licht je nach Schwingungsrichtung anders durch, und Spodumen tut das so stark wie kaum ein anderer Schmuckstein. Beim Schleifen muss der Schneider die Tafel so legen, dass die tiefste Farbe — die entlang der c-Achse — von oben zu sehen ist; sonst wird aus einem violetten Rohstein ein blasser Cabochon. Das ist auch der Grund, warum große Kunzite oft länglich geschliffen sind und warum kleine oft enttäuschen: Bei wenig Weg durch den Stein bleibt wenig Farbe.
Für dich als Käuferin ist der Pleochroismus das beste Werkzeug, das du hast. Rosenquarz zeigt ihn nicht. Rosa Glas zeigt ihn nicht. Bestrahlter Topas zeigt ihn nicht in dieser Stärke. Ein Stein, der beim Drehen von rosa nach violett nach fast-weiss wechselt, ist mit großer Wahrscheinlichkeit Spodumen.
Warum Kunzit in der Sonne verblasst — und was „Abendstein“ bedeutet
Die Farbe des Kunzits sitzt nicht fest. Sie entsteht durch Mangan-Ionen im Gitter, die ihre Ladung unter Einfluss von Strahlung ändern — und Sonnenlicht, besonders sein UV-Anteil, dreht diesen Vorgang zurück. Ein Kunzit, der monatelang im Schaufenster liegt, wird blasser; einer, der in der Sonne auf dem Fensterbrett liegt, kann in einem Sommer den größten Teil seiner Farbe verlieren. Hitze beschleunigt das. Deshalb heißt er im Handel Abendstein: ein Stein für Kerzenlicht und Abendgesellschaften, nicht für den Strand.
Es gibt eine zweite Seite dieser Empfindlichkeit, und sie betrifft dein Geld. Weil Strahlung die Farbe verändert, wird blasser Kunzit im Labor bestrahlt, um ihn tief violett zu machen. Das ist legal und verbreitet, muss aber deklariert werden — und die so erzeugte Farbe ist noch instabiler als die natürliche. Ein auffallend satter, „lavendelfarbener“ Kunzit zum günstigen Preis ist mit hoher Wahrscheinlichkeit behandelt und wird in ein, zwei Jahren Tageslicht deutlich heller. Was Sonne mit Heilsteinen generell macht, steht in Heilsteine in der Sonne; Kunzit steht dort ganz oben auf der Liste derer, die du nie im Licht auflädst.
Der Albtraum des Schleifers: Spaltbarkeit
Spodumen hat eine vollkommene Spaltbarkeit in zwei Richtungen, die sich unter fast 90 Grad schneiden. Das heißt: Ein Schlag in der richtigen Richtung, und der Kristall teilt sich entlang einer spiegelglatten Fläche — wie Glimmer, nur dicker. Dazu kommt, dass er beim Schleifen leicht „zieht“ und Risse bildet. Schleifer nennen ihn mit einigem Recht den Albtraum unter den Schmucksteinen, und die Verlustrate vom Rohstein zum geschliffenen Stein ist hoch. Das erklärt zwei Dinge: warum geschliffener Kunzit trotz häufiger Rohkristalle nicht billig ist, und warum du ihn nicht in einen Ring fassen solltest, den du täglich trägst. Mit Mohshärte 6,5–7 wäre er hart genug; die Spaltbarkeit ist das Problem — Härte ist nicht Zähigkeit. Anhänger, Ohrringe, Trommelsteine in der Hand: ja. Ring an der Hand, die Türen öffnet: nein.
Der Stein in deinem Akku: Spodumen als Lithium-Erz
Dies ist die Stelle, an der der Heilstein und die Weltwirtschaft sich berühren. Spodumen ist heute das wichtigste Lithium-Erz der Erde. In Greenbushes in Westaustralien, der größten Lithium-Hartgesteinsmine der Welt, wird er zu Millionen Tonnen abgebaut, gemahlen, geröstet und zu Lithiumcarbonat verarbeitet — dem Stoff in den Akkus von Handys, Laptops und Elektroautos. Der Kristall, den du als Kunzit in der Hand hältst, ist chemisch dasselbe wie das Konzentrat, das per Schiff nach China geht; nur ist deiner schön gewachsen und hat ein wenig Mangan abbekommen.
Ich schreibe das nicht als Kuriosum, sondern weil es die Zuschreibungen der Steinheilkunde in ein interessantes Licht rückt. Kunzit wird gern als Stein für das Gemüt, gegen Unruhe und für das Herz beschrieben — und Lithium ist in der Medizin ein Stimmungsstabilisator. Das klingt nach Zusammenhang und ist keiner: Das Lithium im Spodumen sitzt fest im Kristallgitter und ist für den Körper nicht verfügbar; ein Stein auf der Brust gibt nichts davon ab, und das ist gut so, denn Lithium ist in der Dosis ein Medikament mit engem therapeutischem Fenster. Wer den Stein wegen des Lithiums trägt, trägt ihn wegen eines Wortes.
Was die Steinheilkunde in Kunzit und Hiddenit sieht
In der Steinheilkunde ist Kunzit seit den Achtzigern der Stein des Herzens: bedingungslose Liebe, Hingabe, Zugänglichkeit für die eigenen Gefühle, Trost für Menschen, die sich zu sehr verschließen. Man legt ihn auf das Herzchakra, trägt ihn als Anhänger auf Brusthöhe, gibt ihn Kindern, die schlecht schlafen, und Menschen in Trauer. Seine Blassheit ist Programm: kein Stein, der etwas erzwingt, sondern einer, der weich macht. Hiddenit bekommt in derselben Tradition die grünen Themen: Dankbarkeit, Neubeginn, Selbstachtung in der Hingabe — lieben, ohne sich aufzugeben. Beides sind Zuschreibungen einer gelebten Praxis, keine Befunde; sie stehen in den Steinheilkunde-Büchern, nicht in der Mineralogie, und wir behandeln sie als das, was sie sind.
Ich halte diese Zuordnung für eine der stimmigsten im ganzen Kanon, aus einem einfachen Grund: Der Stein verhält sich so, wie er beschrieben wird. Er ist empfindlich, er will kein grelles Licht, er zeigt seine Farbe nur, wenn man ihn richtig hält, und er zerbricht, wenn man grob wird. Wer ihn wegen der Herzthemen trägt, lernt durch die Pflege genau das, was er sich vom Stein erhofft. Wer den Weg übers Herz sucht, findet die Brücke im Text zum Herzchakra und beim Rosenquarz, dem viel robusteren Bruder in derselben Rolle.
Echt erkennen: Kunzit gegen Rosenquarz, Glas, Morganit und bestrahlten Topas
Kunzit wird nicht oft gefälscht — er ist zu häufig, um sich das zu lohnen —, aber er wird verwechselt und verkauft, wie es gerade passt. Vier Prüfungen, die du ohne Labor machen kannst:
Vier Prüfungen mit Lupe und Licht
Morganit, der rosa Beryll, ist die edelste Verwechslung: härter (7,5–8), ohne Spaltbarkeit, mit schwachem Pleochroismus und deutlich teurer. Wer einen „Morganit“ mit Streifen und Spaltflächen kauft, hat einen Kunzit gekauft — was kein Unglück ist, aber nicht der Preis. Beim grünen Spodumen ist die Frage einfacher und schwieriger zugleich: Ob deine Farbe von Chrom kommt (echter Hiddenit) oder von Eisen (grüner Spodumen), sieht kein Auge; das klärt nur ein Labor. Ein günstiger „Hiddenit“ aus Afghanistan ist mit Sicherheit der zweite Fall. Wie andere Steine gefärbt oder vertauscht werden, steht bei Magnesit, Howlith, Türkis und beim Spinell.
Pflege: So behält dein Kunzit seine Farbe
Die Regeln folgen aus allem, was oben steht. Kein Sonnenlicht, auch nicht zum „Aufladen“ — der Stein lädt sich nicht auf, er entlädt sich. Kein Ultraschallbad, kein Dampf, keine Hitze; die Spaltbarkeit und die Farbe vertragen beides nicht. Reinigen mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch, trocknen, fertig. Aufbewahren dunkel und weich, getrennt von härteren Steinen, die ihn zerkratzen, und von Kanten, an denen er spalten kann. Wer ihn energetisch reinigen will, nimmt Rauch, Klang oder eine Nacht im Mondlicht — nicht Salz, das die Oberfläche angreift, und nicht die Mittagssonne. Trommelsteine in der Hosentasche halten ein paar Jahre, wenn du sie nicht mit den Schlüsseln zusammenlegst.
Test: Welcher Spodumen passt zu dir?
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Zur KetteStimmen aus der Praxis
Ein Edelsteinschleifer, dem ich einen Kunzit-Rohkristall zum Facettieren gebracht habe, hat ihn mir nach einer Woche zurückgegeben — in zwei Teilen und mit einer Entschuldigung, die keine war: „Ich habe Ihnen gesagt, dass das passiert. Spodumen entscheidet selbst, wo er aufhört. Ich schleife lieber drei Saphire als einen Kunzit.“ Der größere Teil ist heute ein Anhänger. Der kleinere liegt im Dunkeln und hat noch alle Farbe.
Eine Mineralienhändlerin, die seit den Neunzigern auf Messen steht, sagte mir, das Wort Hiddenit sei das meistmissbrauchte in ihrer Branche: „Ich habe in dreißig Jahren vielleicht fünf echte gesehen. Alles andere ist grüner Spodumen, und die meisten Käufer wollen das gar nicht wissen. Ich sage es trotzdem. Die Steine sind schön genug, um ohne den Namen auszukommen.“
Was wir nicht versprechen
Wir behaupten nicht, dass Kunzit oder Hiddenit Angst nehmen, Herzschmerz heilen, den Blutdruck senken oder bei Depressionen helfen. Die Steinheilkunde schreibt ihnen das zu, belegt ist es nicht, und der Lithiumgehalt des Minerals hat mit medizinischem Lithium nichts zu tun — er ist im Gitter gebunden und für den Körper unerreichbar. Wir behaupten auch nicht, dass ein Stein seine Farbe behält, wenn du ihn ins Licht legst: Er tut es nicht. Was wir sagen: Kunzit und Hiddenit sind zwei der lehrreichsten Steine, die du in die Hand nehmen kannst — weil sie dich zwingen, vorsichtig zu sein, genau hinzusehen und den Unterschied zwischen einem Namen und einem Mineral zu kennen.
Praktisch: so gehst du damit um
- Kauf mit Lupe: Streifen, Pleochroismus, Spaltflächen. Fehlt alles drei, ist es kein Spodumen. Das Handwerkszeug dafür steht in der Mohshärte-Tabelle.
- Frag nach Bestrahlung. Sattes Violett zum kleinen Preis ist behandelt und verblasst schneller. Ein seriöser Händler sagt es dir.
- Nie in die Sonne, nie in den Ring. Anhänger, Ohrring, Handstein. Dunkel lagern, getrennt von harten Steinen. Unsere Kristall-Kollektion nennt bei jedem Stein die Lichtempfindlichkeit.
- Nimm den Namen Hiddenit nicht für bare Münze. Ohne Laborbefund ist grüner Spodumen aus Afghanistan oder Brasilien kein Hiddenit — und trotzdem ein schöner Stein.
- Trägst du ihn fürs Herz, dann so, wie der Stein es verlangt: vorsichtig, im weichen Licht, ohne Druck. Die Pflege ist die Übung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kunzit und Hiddenit?
Beide sind Spodumen, ein Lithium-Aluminium-Silikat. Kunzit ist die rosa bis violette Varietät (Farbe durch Mangan), Hiddenit die grüne (Farbe durch Chrom). Echter, chromgefärbter Hiddenit stammt fast nur aus North Carolina und ist sehr selten; grüner Spodumen aus Afghanistan oder Brasilien ist meist eisengefärbt und streng genommen kein Hiddenit.
Welche Wirkung hat Kunzit?
In der Steinheilkunde gilt Kunzit als Stein des Herzens: bedingungslose Liebe, Hingabe, Trost, Zugang zu den eigenen Gefühlen. Er wird auf dem Herzchakra getragen. Belegt sind diese Wirkungen nicht; das Lithium im Stein ist gebunden und hat mit medizinischem Lithium nichts zu tun.
Warum verblasst Kunzit?
Seine Farbe entsteht durch Mangan-Ionen, deren Zustand UV-Licht und Hitze verändern. Sonnenlicht macht ihn blasser, bestrahlte (künstlich vertiefte) Farbe verschwindet besonders schnell. Deshalb heißt er „Abendstein“: dunkel lagern, nie in der Sonne aufladen.
Wie erkenne ich echten Kunzit?
An drei Merkmalen: feine Längsstreifen, starker Pleochroismus (rosa, violett, fast farblos beim Drehen) und spiegelglatte Spaltflächen an Kanten. Rosenquarz, rosa Glas und Morganit zeigen diese Kombination nicht.
Kann man Kunzit als Ring tragen?
Besser nicht. Trotz Mohshärte 6,5–7 spaltet Spodumen bei Stoß entlang glatter Flächen. Anhänger, Ohrringe und Handsteine sind sicherer. Wer einen Ring will, trägt ihn nur zu besonderen Anlässen.
Wo kommt Kunzit her?
Entdeckt 1902 in Pala, Kalifornien; heute stammt der meiste Kunzit aus Afghanistan (Nuristan, Kunar), Pakistan, Brasilien (Minas Gerais) und Madagaskar. Spodumen ist zugleich das wichtigste Lithium-Erz der Welt, vor allem aus Greenbushes in Westaustralien.
Quellen & Weiterlesen
- Charles Baskerville, „Kunzite, a new gem“, Science 16 (1903); George F. Kunz, Gems and Precious Stones of North America (1890/1892).
- J. Lawrence Smith, „Hiddenite, an emerald-green variety of spodumene“, American Journal of Science 21 (1881).
- Walter Schumann, Edelsteine und Schmucksteine (aktuelle Auflage); Okrusch/Matthes, Mineralogie.
- Kurt Nassau, Gemstone Enhancement (1994) — Bestrahlung und Farbstabilität von Spodumen.
- USGS, Mineral Commodity Summaries: Lithium (jährlich) — Spodumen als Lithium-Erz.
- Michael Gienger, Lexikon der Heilsteine; Judy Hall, Die Kristall-Bibel — Zuschreibungen der Steinheilkunde.
- Im Magazin: Heilsteine in der Sonne · Mohshärte-Skala · Rosenquarz · Turmalin-Farben · Giftige Mineralien
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