Prasiolith: Der „grüne Amethyst“ — wie aus violettem Quarz ein lauchgrüner Stein wird, Bedeutung, Echtheit, Verwechslungen und Pflege
Lauchgrün, klar wie Wasser, im Kerzenlicht fast golden: Prasiolith ist einer der schönsten hellen Steine im Schmuckkasten — und einer der am häufigsten falsch benannten. Wer „grüner Amethyst“ kauft, kauft einen gebrannten Quarz. Das ist kein Makel, aber man sollte es wissen.
Der erste Prasiolith, den ich in der Hand hatte, lag auf einem Markttisch zwischen Peridot und grünem Glas, und ich hätte ihn für eines von beidem gehalten. Erst die Händlerin sagte: „Das war mal ein Amethyst.“ Seitdem mag ich diesen Stein besonders, weil er eine Verwandlung in sich trägt. In diesem Guide erzähle ich dir, was Prasiolith wirklich ist, wie er grün wird, woran du ihn erkennst und wie du mit ihm umgehst.
Inhalt
Prasiolith ist durchsichtiger, hell- bis lauchgrüner Quarz. Fast alle Steine im Handel sind Amethyste, die durch Erhitzen auf einige hundert Grad grün geworden sind; natürlich grüner Quarz ist sehr selten. Der Name stammt aus dem Griechischen (prason = Lauch, lithos = Stein); die Handelsbezeichnung „grüner Amethyst“ ist irreführend, weil Amethyst per Definition violett ist. Prasiolith hat Härte 7 und ist alltagstauglich, sollte aber vor Hitze und langer starker Sonne geschützt werden. Im Steinbrauch gilt er als Stein des Herzens und des Neubeginns; eine Heilwirkung ist nicht belegt.
Prasiolith ist Quarz (Siliciumdioxid) mit Mohshärte 7; die grüne Farbe geht auf Eisen im Kristallgitter zurück.
Quelle/Tradition: Mineralogische Fachliteratur (z. B. Rykart, Quarz-Monographie)
Der weitaus größte Teil des gehandelten Prasioliths entsteht durch Erhitzen bestimmter Amethyste, vor allem aus Brasilien.
Quelle/Tradition: Gemmologische Literatur; Edelstein-Behandlungsangaben (CIBJO)
Die Bezeichnung „grüner Amethyst“ gilt in der Edelsteinnomenklatur als irreführend; korrekt sind Prasiolith oder grüner Quarz.
Quelle/Tradition: CIBJO Gemstone Book; RAL 560 A5
Prasem ist ein anderer Stein: undurchsichtiger Quarz, der durch eingewachsene Aktinolith-Nadeln grün erscheint.
Quelle/Tradition: Mineralogische Fachliteratur
Natürlich entstandener Prasiolith wurde unter anderem in Niederschlesien (Polen) und in Kanada gefunden.
Quelle/Tradition: Fundortangaben in Sammler- und Fachliteratur, Mengen und Belege uneinheitlich
Prasiolith wird als Herzstein für Neubeginn, Mitgefühl und Selbstannahme getragen und aufgelegt.
Quelle/Tradition: Heutige Steinheilkunde und Kristallpraxis
Prasiolith heilt Herz-, Verdauungs- oder Stoffwechselbeschwerden.
Quelle/Tradition: Keine Belege
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Steckbrief
- Mineral: Quarz, Siliciumdioxid (SiO2)
- Farbe: blass mint- bis lauchgrün, manchmal mit leichtem Gelbstich
- Transparenz: durchsichtig
- Härte: 7 nach Mohs
- Dichte: um 2,65 g/cm³
- Lichtbrechung: 1,544–1,553, doppelbrechend
- Entstehung im Handel: fast immer erhitzter Amethyst
- Name: griechisch prason (Lauch) und lithos (Stein)
Prasiolith gehört zur großen Quarzfamilie, wie Bergkristall, Rauchquarz, Citrin und Amethyst. Chemisch unterscheiden sich diese Steine kaum. Was ihre Farbe macht, sind winzige Mengen Eisen im Kristallgitter und die Frage, in welchem Zustand dieses Eisen vorliegt. Darin liegt das ganze Geheimnis des grünen Quarzes.
Wie ein Amethyst grün wird
Amethyst verdankt sein Violett Eisen-Ionen, die durch natürliche Strahlung im Gestein in einen besonderen Zustand gebracht wurden. Erhitzt man einen Amethyst, kippt dieser Zustand. Bei den meisten Amethysten wird der Stein dann gelb bis orange — so entsteht der größte Teil des Citrins im Handel. Bei Amethysten aus wenigen Lagerstätten passiert etwas anderes: Sie werden grün.
Der Grund liegt in der Zusammensetzung. Diese Amethyste enthalten Eisen auch in einer anderen Form, die beim Erhitzen eine grüne statt einer gelben Färbung hervorbringt. Die Temperaturen liegen je nach Material grob zwischen 400 und 550 °C. Welche Druse grün wird und welche gelb, lässt sich vorher kaum sagen; die Brenner kennen ihre Fundstellen.
Berühmt wurde das Verfahren in Brasilien. Aus der Montezuma-Mine in Minas Gerais kam ab der Mitte des 20. Jahrhunderts Amethyst, der sich beim Brennen grün färbte; später kamen Lagerstätten in Rio Grande do Sul hinzu. In den USA lieferten die Four Peaks in Arizona brennbares Material. Wer die Schwester-Verwandlung zu Gelb verstehen will, findet sie in unserem Guide zum Citrin; die natürliche Mischung aus Violett und Gelb in einem Kristall ist der Ametrin.
Ein Quarz, drei Farben — was Hitze mit Amethyst macht
Ausgangsstein
bei den meisten Lagerstätten
bei wenigen Lagerstätten
Natürlicher Prasiolith: selten und schwer zu belegen
Es gibt grünen Quarz, den die Natur ohne Ofen gemacht hat. Als Fundorte werden immer wieder Niederschlesien in Polen und das Gebiet um Thunder Bay in Kanada genannt, dazu einzelne Funde anderswo. Vermutlich hat dort Hitze aus dem Gestein, etwa durch vulkanische Vorgänge, dieselbe Arbeit getan wie später der Brennofen. Solche Steine sind Sammlerstücke und kommen im normalen Schmuckhandel praktisch nicht vor.
Für dich heißt das: Ein Prasiolith im Schmuck oder als Trommelstein ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gebrannt. Das ist eine anerkannte, dauerhafte Behandlung und kein Betrug — wenn sie offen gesagt wird. Seriöse Händler schreiben „erhitzt“ oder „gebrannt“ dazu.
„Grüner Amethyst“: warum der Name nicht stimmt
Amethyst ist per Definition violetter Quarz. Ein grüner Amethyst ist deshalb ein Widerspruch in sich, so wie ein „blauer Rubin“. Die Regeln des internationalen Schmuckverbands CIBJO und in Deutschland die RAL-Bestimmungen für Edelsteinbezeichnungen sehen deshalb Prasiolith oder grüner Quarz als korrekte Namen vor. Im Handel hält sich „grüner Amethyst“ trotzdem hartnäckig, weil das Wort Amethyst sich besser verkauft. Daneben gibt es Fantasienamen wie „Vermarine“ oder „Amegreen“, die ebenfalls nichts anderes bezeichnen.
Ich nenne ihn Prasiolith und erzähle gern dazu, dass er einmal ein Amethyst war. Das ist ehrlicher und auch die schönere Geschichte.
Verwechslungen: Prasem, Peridot, Glas und Co.
Hellgrüne, durchsichtige Steine gibt es viele. Die wichtigsten Kandidaten im Vergleich:
| Stein | Was er ist | Woran du ihn erkennst |
|---|---|---|
| Prasiolith | grüner Quarz, meist gebrannter Amethyst | blass lauchgrün, sehr klar, kaum Feuer, Härte 7 |
| Prasem | Quarz mit eingewachsenen Aktinolith-Nadeln | undurchsichtig bis durchscheinend, lauchgrün und körnig — sieht aus wie Jade, nicht wie Glas |
| Peridot (Olivin) | eigenes Mineral | kräftigeres Gelbgrün, starke Doppelbrechung: Kanten wirken durch den Stein verdoppelt |
| Grüngold-Quarz | bestrahlter und erhitzter Quarz | gelbgrün bis zitronig, oft als „Green Gold“ verkauft |
| Synthetischer grüner Quarz | im Labor gezüchtet | makellos, gleichmäßig gefärbt, auffällig günstig in großen Größen |
| Glas | Schmelze | Luftbläschen, weichere Kanten mit Abrieb, fühlt sich wärmer an |
Am wichtigsten ist die Verwechslung mit Prasem, weil die Namen so ähnlich klingen. Beide kommen vom griechischen Wort für Lauch, aber Prasem ist undurchsichtig und verdankt seine Farbe fremden Mineralnadeln. Prasiolith ist klar wie ein Fenster.
Mohshärte im Vergleich
Echt oder nicht? Was du selbst prüfen kannst
Ganz sicher wird es nur im gemmologischen Labor, aber ein paar Hinweise bekommst du auch zu Hause:
- Kälte: Quarz fühlt sich an der Lippe oder Wange kühl an und bleibt es eine Weile. Glas wird schneller warm.
- Lupe: Runde Luftbläschen sprechen für Glas. Natürliche und gebrannte Quarze zeigen eher feine Schleier, Federn oder Farbzonen.
- Kanten: Mit Härte 7 behält Quarz scharfe Facettenkanten. Abgerundete, verkratzte Kanten an einem neuen Stein sind ein Warnzeichen.
- Preis und Größe: Große, makellose Steine zum Spottpreis sind fast immer synthetisch oder Glas.
- Angaben des Händlers: Frag nach „erhitzt“ oder „natürlich“. Wer „natürlicher grüner Amethyst“ ohne Beleg verspricht, ist unseriös.
Was man Prasiolith nachsagt
In der heutigen Steinpraxis wird Prasiolith fast immer dem Herzen zugeordnet. Man trägt ihn, wenn man sich selbst freundlicher begegnen will, legt ihn beim Meditieren auf die Brust oder schenkt ihn zu einem Neuanfang. Seine Herkunftsgeschichte passt dazu: ein Stein, der durch Feuer gegangen ist und eine neue Farbe bekommen hat. Manche verbinden ihn mit dem Amethyst als Paar — violett für den Kopf, grün für das Herz.
Ich mag diese Bilder, und ich nutze sie selbst. Sie sind Deutung, keine Wirkung, die man messen könnte. Wer mehr über den Ausgangsstein und seine Überlieferung lesen will, findet sie in unserem Porträt zur Wirkung des Amethysts.
Pflege und Aufbewahrung
- Keine Hitze: Kein Saunagang mit Prasiolithschmuck, keine Heizung als Ablage, kein Löten am Schmuck ohne Schutz. Hitze kann die Farbe verändern.
- Wenig Sonne: Lange, starke Sonneneinstrahlung kann manche Steine blasser machen. Zum Aufladen im Brauch lieber Mondlicht oder eine Bergkristallgruppe nehmen.
- Reinigen: Lauwarmes Wasser, etwas Seife, weiche Bürste. Ultraschallbäder und Dampfreiniger lieber meiden, vor allem bei Steinen mit Einschlüssen.
- Aufbewahren: Getrennt von härteren Steinen wie Saphir oder Diamant, sonst verkratzt er. Ein Stoffbeutel reicht.
Test: Welcher grüne Stein ist deiner?
Was zieht dich an einem grünen Stein am meisten an?

Der Stein, aus dem Prasiolith wird
Amethyst-Pendel (facettiert)
Prasiolith führen wir derzeit nicht. Sein Ausgangsstein liegt aber in unserer eigenen Schmuckwerkstatt: ein facettiertes Amethyst-Pendel, das du zum Pendeln, als Anhänger oder einfach als Handstein nutzen kannst. So hast du den violetten Anfang der Geschichte in der Hand.
8,90 € · Temple of Desire, eigene Auswahl
Stimmen aus der Praxis
In Mineralienforen ist Prasiolith ein Dauerthema, meist mit derselben Frage: „Ist das echt oder Glas?“ Erfahrene Sammlerinnen und Sammler raten fast immer zu Lupe und Kältetest und dazu, beim Händler nach der Behandlung zu fragen. Viele berichten, sie hätten „grünen Amethyst“ gekauft und erst später erfahren, dass es sich um gebrannten Quarz handelt — die meisten nehmen es gelassen, ärgern sich aber über die fehlende Angabe.
In der Kristallpraxis beschreiben Menschen den Stein oft als „sanft“ und „hell“. Mehrere schreiben, sie hätten ihn in einer Zeit der Trennung oder des Neubeginns getragen; andere finden ihn schlicht zu blass und greifen lieber zum kräftigeren Peridot.
Was wir nicht versprechen
Wir versprechen dir nicht, dass Prasiolith das Herz heilt, Verdauung oder Stoffwechsel verbessert, Stress löst oder Liebe anzieht. Das sind Zuschreibungen der Steinheilkunde, keine belegten Wirkungen. Bei Beschwerden gehört der Weg zu Ärztin oder Arzt an erste Stelle.
Wir versprechen dir auch nicht, dass jeder Stein mit dem Etikett „Prasiolith“ echter Quarz ist. Ohne Laborgutachten bleibt die Echtheitsprüfung zu Hause eine Annäherung.
Praktisch: so gehst du damit um
- Kauf mit Angabe. Achte auf „Prasiolith, erhitzt“ oder „grüner Quarz“. Bei „natürlicher grüner Amethyst“ ohne Beleg: nachfragen.
- Prüf mit Lupe und Kälte, bevor du viel Geld ausgibst.
- Trag ihn als Ring oder Anhänger, aber nimm ihn vor Sauna, Backofen und Sonnenbad ab.
- Leg ihn zum Amethyst, wenn du die Verwandlung sichtbar machen willst — ein schönes Paar für den Altar oder die Fensterbank (ohne pralle Sonne).
- Reinige ihn mild mit lauwarmem Wasser und bewahre ihn getrennt von härteren Steinen auf.
Häufige Fragen
Was ist Prasiolith?
Durchsichtiger, hell- bis lauchgrüner Quarz. Fast alle Steine im Handel sind Amethyste, die durch Erhitzen grün geworden sind. Natürlich grüner Quarz ist sehr selten.
Ist grüner Amethyst dasselbe wie Prasiolith?
Ja, gemeint ist derselbe Stein. „Grüner Amethyst“ ist aber eine irreführende Handelsbezeichnung, weil Amethyst per Definition violett ist. Korrekt sind Prasiolith oder grüner Quarz.
Ist Prasiolith gebrannt?
In aller Regel ja. Bestimmte Amethyste, vor allem aus Brasilien, werden bei einigen hundert Grad erhitzt und färben sich dabei grün. Die Behandlung ist dauerhaft und anerkannt, sollte aber angegeben werden.
Was ist der Unterschied zwischen Prasiolith und Prasem?
Prasiolith ist durchsichtiger grüner Quarz. Prasem ist undurchsichtiger Quarz, der durch eingewachsene Aktinolith-Nadeln grün erscheint. Die Namen stammen beide vom griechischen Wort für Lauch.
Verblasst Prasiolith in der Sonne?
Lange, starke Sonneneinstrahlung und vor allem Hitze können die Farbe mancher Steine abschwächen. Im Alltag getragen ist er unproblematisch, als Dauerdeko ins pralle Sonnenfenster sollte er nicht.
Welche Bedeutung hat Prasiolith?
In der Kristallpraxis gilt er als Herzstein für Neubeginn, Mitgefühl und Selbstannahme. Das ist gelebte Deutung; eine Heilwirkung ist nicht belegt.
Quellen & Weiterlesen
- Rudolf Rykart: Quarz-Monographie, 2. Aufl. 1995 (Farbursachen und Behandlung von Quarz).
- Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine, aktuelle Auflage (Steckbrief Quarz, Prasiolith, Prasem).
- CIBJO: The Gemstone Book (Nomenklatur und Behandlungsangaben).
- RAL 560 A5: Begriffsbestimmungen und Bezeichnungsvorschriften für Edelsteine.
- Im Magazin: Amethyst · Citrin · Ametrin







