Huna: Max Freedom Long, die drei Selbste und die Frage nach Hawaii
Drei Selbste, Mana, unsichtbare Fäden: Huna ist eine der prägenden Lehren des New Age. Ihr Name ist hawaiianisch, ihr Erfinder kam aus Colorado. Wer Huna verstehen will, muss beides kennen, die Lehre und ihre Herkunft.
1917 kommt ein junger Lehrer aus Kalifornien nach Hawaii und hört von den Kahuna, den alten Fachleuten für Heilung und Ritual. Fast zwanzig Jahre später veröffentlicht Max Freedom Long ein Buch, das ihr „verlorenes Geheimwissen“ entschlüsselt haben will, und gibt ihm einen Namen: Huna. Daraus wurde eine der einflussreichsten Lehren des New Age, mit drei Selbsten, Mana und unsichtbaren Fäden. Dieser Guide erklärt, was Huna lehrt, woher es wirklich kommt und warum hawaiianische Stimmen sagen: Das ist nicht unseres.
Inhalt
Huna ist eine Lehre des 20. Jahrhunderts, die der Amerikaner Max Freedom Long ab 1936 in Büchern verbreitete. Sie beschreibt den Menschen aus drei Selbsten, Unihipili (niederes Selbst), Uhane (mittleres Selbst) und Aumakua (Hohes Selbst), die über Lebenskraft (Mana) und das Ha-Gebet zusammenarbeiten sollen. Long gab ihr den Namen nach dem hawaiianischen Wort für geheim. Hawaiianische Gelehrte wie Charles Kenn und Pali Jae Lee erklären, Huna sei keine hawaiianische Überlieferung; die Lehre wurzelt in Neugeist und Theosophie.
Max Freedom Long kam 1917 als Grundschullehrer nach Hawaii und veröffentlichte 1936 sein erstes Buch über Huna.
Quelle/Tradition: Long, Recovering the Ancient Magic, 1936; Chai, Hawaiian Journal of History 2011
Long gründete 1945 die Huna Fellowship; Serge King gründete 1973 Huna International.
Quelle/Tradition: Organisationsgeschichte Huna Research; King, Urban Shaman 1990
Im Hawaiian Dictionary bedeutet unihipili den Geist eines Verstorbenen und aumakua einen Familien- oder Schutzgott.
Quelle/Tradition: Pukui/Elbert, Hawaiian Dictionary, 1986
Der Mensch besteht aus drei Selbsten, und nur das niedere Selbst kann ein Gebet mit Mana zum Hohen Selbst tragen.
Quelle/Tradition: Lehre nach Max Freedom Long, The Secret Science Behind Miracles, 1948
Huna-Praktizierende atmen vor einer Bitte mehrmals tief, um Mana zu sammeln, und formulieren den Wunsch als inneres Bild.
Quelle/Tradition: Heutige Huna-Praxis nach Long (Ha-Gebet)
Huna ist eine uralte Geheimlehre der hawaiianischen Kahuna.
Quelle/Tradition: Keine hawaiianische Quelle (Malo, Kamakau) beschreibt sie; Kenn, Lee, Hall widersprechen
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Was Huna ist
Auf einen Blick
Huna ist eine Lehre des 20. Jahrhunderts, begründet von dem Amerikaner Max Freedom Long (1890–1971). Sein erstes Buch dazu erschien 1936. Long nannte sein System nach dem hawaiianischen Wort huna, „verborgen, geheim“.
Im Kern steht ein Bild des Menschen aus drei Selbsten, die über Lebenskraft (Mana) und Gebet zusammenarbeiten. Hawaiianische Gelehrte und Praktizierende betonen seit Jahrzehnten: Huna ist keine traditionelle hawaiianische Religion, sondern eine westliche Neuschöpfung mit Wurzeln in Neugeist und Theosophie.
Wer heute nach Huna sucht, findet Seminare, Bücher und Coachings, die „das alte Wissen der Kahuna“ versprechen. Hinter fast allem steht ein einziger Mensch: Max Freedom Long. Er hat Begriffe aus der hawaiianischen Sprache genommen und mit einer Psychologie verbunden, die eher aus dem Kalifornien der 1930er-Jahre stammt als aus dem alten Hawaii.
Das macht Huna nicht wertlos. Viele Menschen erleben die Übungen als hilfreich, das Bild der drei Selbste als einleuchtend. Es heißt nur, dass man zwei Fragen trennen sollte: Was Huna lehrt, und woher es kommt.
Max Freedom Long und die Entstehung
Max Freedom Long wurde 1890 in Sterling, Colorado, geboren. Nach einer Ausbildung an der Lehrerschule in Los Angeles ging er 1917 nach Hawaii und unterrichtete an Grundschulen auf der Großen Insel. Ab 1920 lebte er in Honolulu, arbeitete in einem Fotogeschäft und besaß später selbst eins. In dieser Zeit beschäftigte ihn die Frage, was die Kahuna wirklich gewusst hatten.
Long erzählte später, der Kurator William Tufts Brigham vom Bishop Museum habe ihm Fälle von Feuerläufen und Heilungen geschildert. Die Historikerin Makana Risser Chai fand 2011 im Hawaiian Journal of History keinen glaubwürdigen Beleg, dass die beiden sich überhaupt begegnet sind. Brigham hat die Vorfälle, die Long ihm zuschrieb, nirgends festgehalten.
Nach seiner Rückkehr aufs Festland hatte Long nach eigener Aussage eine Eingebung: Das Wissen der Kahuna sei in den Wortwurzeln der hawaiianischen Sprache verschlüsselt. 1936 erschien sein erstes Buch dazu, 1945 gründete er die Huna Fellowship, 1948 folgte sein bekanntestes Werk, The Secret Science Behind Miracles.
Die drei Selbste
Das Herzstück von Huna ist ein Modell des Menschen aus drei Teilen. Long gab ihnen hawaiianische Namen:
unten
Unihipili · niederes Selbst
Mitte
Uhane · mittleres Selbst
oben
Aumakua · Hohes Selbst
Das Entscheidende an Longs Modell ist die Rangordnung der Verbindungen. Das mittlere Selbst kann das Hohe Selbst nicht direkt erreichen. Es muss den Wunsch dem niederen Selbst übergeben, und nur dieses kann ihn weitertragen. Deshalb, so Long, scheitern viele Gebete: Das niedere Selbst hält Schuldgefühle und alte Eindrücke fest und „blockiert die Leitung“.
Wer hier an Freud und Jung denkt, liegt nicht falsch. Das Modell ähnelt dem Dreiklang aus Unbewusstem, Ich und Höherem Selbst, den auch andere Lehren dieser Zeit kennen. Wie verbreitet der Begriff ist, zeigt unser Beitrag zum Höheren Selbst.
Mana, Aka und das Ha-Gebet
Für Long ist Mana eine Lebenskraft, die jeder Mensch erzeugt und speichern kann. Im traditionellen hawaiianischen Verständnis bezeichnet Mana dagegen eine göttliche, übernatürliche Macht, die Menschen, Orten oder Dingen innewohnt. Long hat den Begriff also umgedeutet, hin zu etwas, das man trainieren und für Heilung oder persönliche Ziele einsetzen kann.
Dazu kommen die Aka-Fäden: unsichtbare Verbindungen aus feinstofflicher Substanz, die nach Long zwischen Menschen und Dingen entstehen, wenn sie in Kontakt kommen. Über sie sollen Gedanken und Mana fließen.
Die bekannteste Übung ist das Ha-Gebet. Wer betet, atmet zuerst mehrmals tief und bewusst, um Mana zu sammeln. Dann formuliert er seinen Wunsch als klares inneres Bild, übergibt ihn dem niederen Selbst und bittet es, Bild und Mana zum Hohen Selbst zu tragen. Ha ist das hawaiianische Wort für Atem.
Selbsttest
Was zieht dich zu Huna?
Huna wird aus sehr verschiedenen Gründen gelesen. Wähle, was dich am meisten anspricht.
Was reizt dich an Huna am meisten?
Was die hawaiianischen Wörter bedeuten
Long behauptete, er habe die verborgenen Bedeutungen der Wörter aus ihren Wurzeln erschlossen. Das maßgebliche Hawaiian Dictionary von Mary Kawena Pukui und Samuel Elbert gibt den drei Begriffen andere Bedeutungen.
Ein ʻaumakua ist in der hawaiianischen Religion ein Familien- oder Schutzgott, oft ein vergöttlichter Ahne, der sich etwa als Hai oder Eule zeigen kann. Long hat daraus ein abstraktes Hohes Selbst gemacht. Für viele Hawaiianerinnen und Hawaiianer ist das keine Übersetzung, sondern eine Verschiebung von etwas sehr Persönlichem.
Hawaiianische Stimmen
Seit Longs erstem Buch melden sich Menschen aus Hawaii zu Wort. Der Übersetzer Theodore Kelsey schrieb ihm schon 1936 einen Brief, der heute im Staatsarchiv von Hawaii liegt, und kritisierte seinen Gebrauch von unihipili und aumakua. Später folgten andere:
„It is not, and never was Hawaiian.“ Huna sei nicht hawaiianisch und sei es nie gewesen.
Huna ist nicht hawaiianisch.
Huna habe mit keiner hawaiianischen Weltsicht Ähnlichkeit und gehöre zur spirituellen Industrie des New Age.
Wichtig ist, was diese Kritik meint und was nicht. Sie sagt nichts darüber, ob Menschen mit Huna-Übungen gute Erfahrungen machen. Sie sagt, dass das Etikett „altes hawaiianisches Geheimwissen“ nicht stimmt. Die anerkannten hawaiianischen Quellen des 19. Jahrhunderts, etwa David Malo oder Samuel Kamakau, beschreiben keine geheime Lehre namens Huna.
Serge King und die sieben Prinzipien
Nach Longs Tod 1971 übernahm E. Otha Wingo die Huna Research und verlegte den Sitz nach Missouri. Fast gleichzeitig, 1973, gründete der Amerikaner Serge Kahili King Huna International. King rückte Huna noch deutlicher ins New Age; in einem Buch von 1985 führte er es auf Wesen von den Plejaden und die versunkenen Kontinente Mu und Lemuria zurück.
Am bekanntesten sind Kings sieben Prinzipien aus Urban Shaman (1990). Jedes trägt ein hawaiianisches Wort, das er mit einem modernen Lehrsatz verbindet:
Viele dieser Sätze kennt man aus der Neugeist-Bewegung und dem Gesetz der Anziehung. Long selbst lobte die Christian Science für ihr positives Denken und empfahl das Andachtsheft der Unity Church. Huna ist damit ein Kind der amerikanischen New-Age-Geschichte.
Huna und Hoʻoponopono
Oft werden Huna und Hoʻoponopono in einem Atemzug genannt. Das ist irreführend. Hoʻoponopono ist eine überlieferte hawaiianische Praxis, Streit in der Familie durch Gespräch, Gebet und gegenseitige Vergebung zu bereinigen. Die heute verbreitete Form mit vier Sätzen geht auf Morrnah Simeona im 20. Jahrhundert zurück.
Huna dagegen ist Longs Gedankengebäude. Manche Huna-Lehrer haben Elemente des Hoʻoponopono übernommen, aber das eine ist nicht die Quelle des anderen.
Stimmen aus der Praxis
Wer mit Huna-Übungen arbeitet, beschreibt oft dasselbe: Das Bild vom niederen Selbst hilft, mit Gefühlen freundlicher umzugehen, statt sie zu bekämpfen. Das tiefe Atmen vor einer Bitte wird als sammelnd erlebt. Und viele, die irgendwann von der hawaiianischen Kritik erfahren, sprechen seitdem lieber von „Longs Modell“ als von „Kahuna-Wissen“.
Was wir nicht versprechen
Was wir nicht behaupten
Wir stellen Huna nicht als hawaiianische Überlieferung dar, weil sie es nicht ist. Wir versprechen keine Heilung, kein Geld und keine Wunscherfüllung durch das Ha-Gebet. Mana als messbare Lebenskraft und Aka-Fäden sind Lehrinhalte, keine nachgewiesenen Tatsachen. Wer gesundheitliche oder seelische Not hat, gehört in ärztliche oder therapeutische Begleitung.
Praktisch: so gehst du damit um
1
Richtig benennen
2
Hawaiianische Quellen lesen
3
Das Modell prüfen
4
Atem vor dem Wunsch
Häufige Fragen zu Huna
Weiterlesen
Quellen
- Max Freedom Long: Recovering the Ancient Magic. London 1936.
- Max Freedom Long: The Secret Science Behind Miracles. Los Angeles 1948.
- Mary Kawena Pukui, Samuel H. Elbert: Hawaiian Dictionary. University of Hawaiʻi Press 1986.
- Makana Risser Chai: Huna, Max Freedom Long, and the Idealization of William Brigham. Hawaiian Journal of History 45 (2011).
- Pali Jae Lee, Koko Willis: Tales From the Night Rainbow. Night Rainbow Publishing, Honolulu.
- Serge Kahili King: Urban Shaman. New York 1990.









