Hexenleiter: Bedeutung, Herkunft & Anleitung für den Knotenzauber mit Federn
Eine Schnur, neun Knoten, eine Feder in jedem Knoten. Wie du eine Hexenleiter bindest und warum ihre Geschichte mit einem Dachbodenfund beginnt, den bis heute niemand sicher deuten kann.
Inhalt
Eine Hexenleiter ist eine geknotete Schnur, meist mit neun Knoten, in die Federn, Perlen oder Kräuter eingebunden werden, während eine Absicht wie Schutz, Liebe oder Fülle ausgesprochen wird. Der Name geht auf ein einziges gefiedertes Seil zurück, das um 1878 in Wellington, Somerset, gefunden, 1887 beschrieben und 1911 dem Pitt Rivers Museum in Oxford geschenkt wurde. Ob es wirklich ein Zauber war, ist bis heute ungeklärt. Knotenmagie selbst ist alt und vielfach bezeugt, die Neun-Knoten-Form mit Spruch stammt aus dem 20. Jahrhundert. Eine Wirkung kann niemand garantieren.
Ein gefiedertes Seil wurde um 1878 in Wellington, Somerset, gefunden, 1887 im Folk-Lore Journal als Witches' Ladder beschrieben und 1911 dem Pitt Rivers Museum geschenkt.
Quelle/Tradition: Pitt Rivers Museum Oxford; Colles, Folk-Lore Journal 5 (1887)
Das Wellington-Seil ist das einzige alte Exemplar dieser Art, eine Nutzung für Zauberei wurde nie unabhängig bestätigt.
Quelle/Tradition: Pitt Rivers Museum; Wingfield, Journal of Material Culture 2010
Hexenleitern waren im alten England ein verbreiteter Zauber.
Quelle/Tradition: Kein Nachweis
Knotenzauber war auf der arabischen Halbinsel und im hohen Norden bekannt.
Quelle/Tradition: Koran, Sure 113; Olaus Magnus 1555
Eine Hexenleiter mit neun Knoten bindet eine Absicht, die mit jedem Knoten ausgesprochen wird.
Quelle/Tradition: Moderne Hexen- und Wicca-Praxis
Eine Hexenleiter schützt verlässlich vor Unheil.
Quelle/Tradition: Kein Nachweis
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Eine Schnur, neun Knoten, eine Feder in jedem Knoten: Die Hexenleiter gehört heute zu den beliebtesten Schutz- und Wunschzaubern zum Selbermachen. Ihre Geschichte ist überraschender, als die meisten Anleitungen erzählen. Sie beginnt 1878 auf einem Dachboden in Somerset und endet in einem Museum, das bis heute nicht sicher weiß, was es da ausstellt.
Auf einen Blick
Was sie ist: Eine geknotete Schnur, meist mit Federn, Perlen oder Kräutern, in die eine Absicht „eingebunden“ wird.
Woher sie kommt: Der Name geht auf ein einziges altes Fundstück zurück, das 1887 beschrieben wurde. Ob es wirklich ein Zauber war, ist bis heute ungeklärt.
Wie sie heute benutzt wird: Als Knotenzauber mit neun Knoten für Schutz, Liebe, Fülle oder Loslassen.
Der Kern: Knotenmagie ist sehr alt. Die Hexenleiter in ihrer heutigen Form ist modern.
Was ist eine Hexenleiter?
Eine Hexenleiter, englisch witch's ladder, ist eine Schnur oder Kordel, in die nacheinander Knoten gebunden werden. In jeden Knoten kommt etwas hinein: eine Feder, eine Perle, ein Zweig, ein Band. Beim Binden wird eine Absicht ausgesprochen, Knoten für Knoten, bis die Schnur fertig ist. Danach hängt sie an einem Ort, an dem sie wirken soll, oder wird an einem sicheren Platz aufbewahrt.
Der Gedanke dahinter ist einfach: Was gebunden ist, bleibt. Eine Absicht, die du in einen Knoten legst, ist festgehalten, so wie ein Knoten im Taschentuch dich an etwas erinnern soll. Darum heißt die Hexenleiter in vielen Anleitungen auch Wunschschnur oder Zauberschnur. Mit dem Hexenknoten, einem gezeichneten Schutzsymbol aus verschlungenen Bögen, hat sie trotz des ähnlichen Namens nichts zu tun.
Der Fund von Wellington: woher der Name kommt
Die ganze Geschichte des Namens hängt an einem einzigen Gegenstand. Um 1878 wurde in Wellington in der englischen Grafschaft Somerset ein altes Haus abgerissen. Im Dachraum fanden Arbeiter laut dem späteren Bericht sechs Besen, einen alten Stuhl und ein rund anderthalb Meter langes Seil mit einer Schlaufe am Ende, in das Federn eingesteckt waren.
Die Arbeiter hatten eine schnelle Erklärung: Der Stuhl sei zum Ausruhen für Hexen, die Besen zum Reiten und das Seil eine Leiter, um über das Dach zu steigen. Der Arzt Abraham Colles beschrieb den Fund 1887 im Folk-Lore Journal unter dem Titel „A Witches' Ladder“. Der Anthropologe Edward Burnett Tylor stellte das Stück im selben Jahr in Manchester vor, seine Frau Anna Tylor schenkte es 1911 dem Pitt Rivers Museum in Oxford, wo es bis heute liegt.
Schon damals gingen die Meinungen auseinander. Der Religionsforscher James Frazer brachte das Seil mit Milchzauber in Verbindung, mit dem Hexen angeblich den Kühen der Nachbarn die Milch stahlen. Charles Leland berichtete von einer gefiederten ghirlanda aus der Toskana, die Unheil bringen sollte. Zwei Zuhörer in Manchester hielten das Seil für einen sewel, eine Federleine, mit der Jäger Wild zurücktrieben. Und eine alte Frau aus der Gegend, selbst als Hexe verschrien, meinte, es sei wohl nur eine Vogelscheuche-Schnur für das Erbsenbeet.
Was wirklich belegt ist und was nicht
Das Pitt Rivers Museum ist bei seinem eigenen Ausstellungsstück erstaunlich offen. Tylor fand nach eigener Aussage nie eine unabhängige Bestätigung, dass das Seil für Zauberei benutzt wurde. Es ist das einzige alte Stück dieser Art, das je verzeichnet wurde. Der Kulturwissenschaftler Chris Wingfield hat 2010 im Journal of Material Culture nachgezeichnet, wie aus einer offenen Frage im Lauf der Jahrzehnte eine scheinbar feste Tatsache im Museum wurde.
| Aussage | Stand |
|---|---|
| Ein gefiedertes Seil wurde um 1878 in Wellington gefunden und 1887 beschrieben | belegt |
| Das Seil liegt seit 1911 im Pitt Rivers Museum | belegt |
| Es wurde von einer Hexe für einen Zauber gebunden | ungeklärt |
| Hexenleitern waren im alten England verbreitet | nicht belegt |
| Knotenzauber gibt es seit der Antike in vielen Kulturen | belegt |
| Die Neun-Knoten-Hexenleiter mit Spruch ist eine Form des 20. Jahrhunderts | wahrscheinlich |
Knotenmagie: die ältere Tradition dahinter
Auch wenn der Wellington-Fund rätselhaft bleibt, ist die Idee, mit Knoten zu zaubern, gut bezeugt. Im Koran bittet die Sure 113 um Schutz „vor dem Übel derer, die auf die Knoten blasen“, ein Hinweis darauf, dass Knotenzauber auf der arabischen Halbinsel bekannt und gefürchtet war. Der schwedische Gelehrte Olaus Magnus beschrieb 1555, wie im hohen Norden Wind in drei Knoten gebunden und an Seeleute verkauft wurde: Wer einen Knoten löste, bekam eine sanfte Brise, beim dritten einen Sturm.
Auch im deutschen Volksglauben hielten Knoten fest oder hielten fern. Hebammen lösten früher alle Knoten im Haus einer Gebärenden, damit nichts „gebunden“ bliebe. Aus diesem alten Wissen um das Binden und Lösen schöpfen moderne Hexen, wenn sie eine Hexenleiter knüpfen. Die Form mit neun Knoten und einem gereimten Spruch verbreitete sich vor allem mit dem Neuheidentum und der Wicca-Bewegung im 20. Jahrhundert.
Anleitung: eine Hexenleiter selber machen
Du brauchst eine Schnur von etwa 50 bis 90 Zentimetern, am besten aus Naturfaser, und neun kleine Dinge zum Einbinden: Federn, Perlen, getrocknete Kräuter, Bänder oder kleine Steine. Nimm dir eine ruhige halbe Stunde.
- Die Absicht klären. Schreib in einem Satz auf, wofür die Leiter sein soll, so konkret wie möglich. „Schutz für unsere Wohnung“ ist besser als „Schutz“.
- Die Schnur vorbereiten. Halte sie kurz in beiden Händen und sprich deine Absicht laut. Manche räuchern die Schnur vorher, wer mag, findet das im Handbuch unten.
- Neun Knoten binden. Binde in gleichmäßigen Abständen neun Knoten und lege in jeden ein Teil. Die übliche Reihenfolge ist: erst die Enden (1 und 2), dann die Mitte (3), dann die Zwischenräume (4 bis 9). So bleibt die Leiter im Gleichgewicht.
- Den Spruch sprechen. Zu jedem Knoten ein Satz. Ein einfacher Spruch: „Mit dem ersten beginnt es, mit dem zweiten wird es wahr, mit dem dritten wächst es, mit dem vierten steht es fest, mit dem fünften lebt es, mit dem sechsten bleibt es, mit dem siebten wirkt es, mit dem achten ist es mein, mit dem neunten soll es sein.“ Eigene Worte sind genauso gut.
- Aufhängen oder bewahren. Hänge die Leiter dort auf, wo sie wirken soll, oder bewahre sie an einem ruhigen Ort. Ist die Absicht erfüllt oder vorbei, löse die Knoten bewusst und danke.

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Farben und Materialien: was du einbinden kannst
Für Farben und Dinge gibt es keine verbindliche alte Regel. Die folgenden Zuordnungen stammen aus der heutigen Praxis und sind Anregungen, keine Vorschrift:
| Absicht | Schnur | Einbinden |
|---|---|---|
| Schutz | schwarz oder rot | dunkle Federn, Rosmarin, Eisenring, Wacholderzweig |
| Liebe | rot oder rosa | Rosenblätter, rote Perlen, helle Federn |
| Fülle | grün oder gold | Lorbeer, Zimtstange, goldene Perlen |
| Loslassen | weiß oder grau | Salbei, graue Federn, ein Knoten, der später gelöst wird |
| Ruhe und Schlaf | blau oder violett | Lavendel, Hopfen, blaue Perlen |
| Klarheit | weiß oder gelb | Bergkristall-Splitter, Pfefferminze, weiße Federn |
Federn, die du findest, bringen in der Deutung ihre eigene Farbe mit. Was die einzelnen Federfarben bedeuten, steht bei Feder finden. Eine Bitte: Nimm nur Federn, die von selbst gefallen sind, und keine von geschützten Arten.
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Wähle deine Absicht und den Ort, an dem die Leiter hängen soll. Du bekommst einen Vorschlag für Schnur, Einbindung und den Satz, den du beim letzten Knoten sprichst.
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Stimmen aus der Praxis
Keine Zitate, keine Namen – nur die Lagen, in denen Hexenleitern in Gesprächen über Rituale typischerweise beschrieben werden:
- Die erste eigene Magie. Viele erzählen, dass die Hexenleiter ihr erstes selbst gemachtes Ritual war, weil sie ohne teures Werkzeug auskommt und das Binden beruhigt.
- Die neue Wohnung. Häufig wird eine Schutzleiter an der Tür einer frisch bezogenen Wohnung beschrieben, als Zeichen, dass man den Raum jetzt zu seinem macht.
- Das bewusste Lösen. Manche berichten, dass das Aufknoten nach einer Trennung oder einem Abschied mehr bewegt hat als das Binden.
Was wir nicht versprechen
- Keine Wirkungsgarantie. Eine Hexenleiter hält deine Absicht fest. Ob und wie sie sich erfüllt, kann niemand zusagen.
- Keine erfundene Geschichte. Die Hexenleiter ist nicht als uralter Brauch belegt. Wir erzählen sie so, wie die Quellen sie hergeben.
- Kein Schadenszauber. Eine Leiter gegen andere Menschen zu binden, beschreiben wir nicht. Schutz ja, Schaden nein.
- Keine Sicherheit statt Vorsicht. Getrocknete Kräuter und Federn brennen leicht. Häng die Leiter nie über Kerzen oder Heizstrahler.
Praktisch: so gehst du damit um
- Klein anfangen. Eine kurze Leiter mit neun Knoten aus Garn und Kräutern aus der Küche genügt für den Anfang.
- Eine Absicht pro Leiter. Wer Schutz, Liebe und Geld in eine Schnur bindet, verwässert alles. Lieber drei kleine Leitern.
- Erneuern. Viele lösen ihre Leiter nach einem Jahr oder zum Jahreswechsel und binden eine neue. Alte Kräuter gehören in den Kompost.
- Kombinieren. Die Hexenleiter passt gut zu anderen Schutzformen, etwa der Hexenflasche oder einem selbst gemachten Schutzamulett.
- Weiterlesen. Mehr Schutzbrauchtum findest du beim Cornicello gegen den bösen Blick und beim Hufeisen aufhängen.
Häufige Fragen zur Hexenleiter
Was ist eine Hexenleiter?
Eine geknotete Schnur, meist mit neun Knoten, in die Federn, Perlen oder Kräuter eingebunden werden. Beim Binden wird eine Absicht ausgesprochen, etwa Schutz, Liebe oder Fülle.
Woher kommt die Hexenleiter?
Der Name geht auf ein gefiedertes Seil zurück, das um 1878 in einem Dachboden in Wellington, Somerset, gefunden und 1887 im Folk-Lore Journal beschrieben wurde. Es liegt heute im Pitt Rivers Museum in Oxford. Ob es wirklich ein Zauber war, ist ungeklärt.
Wie viele Knoten hat eine Hexenleiter?
In der heutigen Praxis meist neun, oft in der Reihenfolge Enden, Mitte, Zwischenräume gebunden. Eine verbindliche alte Regel dafür gibt es nicht.
Wo hängt man eine Hexenleiter auf?
Dort, wo sie wirken soll: Schutzleitern oft an der Haustür, Ruheleitern im Schlafzimmer, Fülle-Leitern am Arbeitsplatz. Nie über Kerzen oder Wärmequellen, weil getrocknete Kräuter und Federn leicht brennen.
Was macht man mit einer alten Hexenleiter?
Viele lösen die Knoten bewusst, wenn die Absicht erfüllt oder vorbei ist, bedanken sich und geben Kräuter und Naturmaterialien in die Erde oder den Kompost.
Ist eine Hexenleiter dasselbe wie ein Hexenknoten?
Nein. Der Hexenknoten ist ein gezeichnetes Schutzsymbol aus verschlungenen Bögen. Die Hexenleiter ist eine echte Schnur mit gebundenen Knoten.
Quellen & Weiterlesen
- Fund und Deutungen: Pitt Rivers Museum Oxford, The Englishness of English Things: Witch's Ladder (Objekt 1911.32.7), mit den Belegen aus dem Folk-Lore Journal 5 (1887): A. Colles, A Witches' Ladder, S. 1–5, sowie Briefe von J. G. Frazer, W. H. Ashby und C. G. Leland.
- Forschung: Chris Wingfield: A case re-opened: the science and folklore of a „Witch's Ladder“. Journal of Material Culture 15 (2010), S. 302–322.
- Knotenmagie: Koran, Sure 113 (al-Falaq) · Olaus Magnus, Historia de gentibus septentrionalibus (1555), Buch III, zum Windkauf in Knoten.
- Weiterlesen bei uns: Hexenknoten: Bedeutung & Ursprung · Schutzzauber gegen negative Menschen · Amulett, Talisman, Glücksbringer
Rituale in diesem Beitrag sind spirituelle Praxis und Brauchtum, keine Garantie für eine Wirkung. Stand: 16.10.2026.
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