Aztec 1948: Jesse Michels und der vergessene UFO-Absturz
Wikipedia nennt ihn einen Schwindel, Jesse Michels nennt ihn den bestvertuschten Absturz der UFO-Geschichte. Wir haben die zweistündige Dokumentation über Aztec 1948 ausgewertet und jede zentrale Behauptung gegen die Quellen gelegt.
Am 25. März 1948 soll auf einer Mesa nördlich von Aztec, New Mexico, eine dreißig Meter große Scheibe mit sechzehn toten Insassen gelegen haben. Wikipedia nennt die Geschichte seit Jahrzehnten einen „Hoax“, einen Schwindel zweier verurteilter Betrüger. Jesse Michels hat ihr in seiner Sendung American Alchemy nun eine knapp zweistündige Dokumentation gewidmet – zusammen mit Scott und Suzanne Ramsey, die seit über dreißig Jahren an dem Fall forschen, und dem Youtuber Chris Ramsay. Die Folge ist in einer Woche über 1,7 Millionen Mal angesehen worden. Wir haben sie vollständig ausgewertet, jede zentrale Behauptung gegen die Quellenlage gelegt und gesammelt, was die Zuschauer dazu sagen. Für dich, wenn du wissen willst, was an Aztec dran ist – und was nicht.
Inhalt
Die Folge von American Alchemy vom 29. September 2026 vertritt mit Scott und Suzanne Ramsey die These, 1948 sei bei Aztec, New Mexico, eine Scheibe mit 16 Insassen geborgen und der Fall danach als Schwindel diskreditiert worden. Belegt ist: Frank Scully machte die Geschichte 1950 bekannt, seine Quellen Newton und GeBauer wurden 1953 wegen Betrugs verurteilt, und das FBI nennt das oft zitierte Hottel-Memo eine ungeprüfte Behauptung. Die Zeugenaussagen wurden Jahrzehnte später gesammelt; zeitgenössische Belege fehlen. Ein Labortest in der Folge fand in einem Fundstück vom Absturzort kein Iridium.
Frank Scully veröffentlichte die Geschichte einer 1948 bei Aztec gelandeten Scheibe mit 16 Insassen 1949 in Variety-Kolumnen und 1950 im Buch Behind the Flying Saucers.
Quelle/Tradition: Scully, Behind the Flying Saucers (Henry Holt, 1950)
J. P. Cahn ließ eine Metallprobe von Silas Newton und Leo GeBauer prüfen; es war Aluminium. 1953 wurden beide wegen Betrugs verurteilt.
Quelle/Tradition: Cahn, True, September 1952 und August 1956
Das FBI bezeichnet das Hottel-Memo vom 22. März 1950 als ungeprüfte Behauptung aus zweiter oder dritter Hand; es nennt Aztec nicht.
Quelle/Tradition: FBI, UFOs and the Guy Hottel Memo (2013)
Der in der Folge gezeigte Labortest fand in der Kugel vom Absturzort kein Iridium, sondern u. a. Titan, Kalzium, Zink, Eisen und Blei.
Quelle/Tradition: American Alchemy, Folge vom 29.09.2026, ab 1:40:35
Am 25. März 1948 sahen 16 bis 18 Menschen eine rund 30 Meter große Scheibe mit 14 bis 16 toten Insassen auf der Mesa im Hart Canyon.
Quelle/Tradition: Zeugenbefragungen von Scott und Suzanne Ramsey ab ca. 1988; keine zeitgenössischen Berichte bekannt
Der Betrugsprozess von 1953 war eine gezielte Kampagne, um den Aztec-Fall zu begraben.
Quelle/Tradition: These der Ramseys; Kritik bei Jerome Clark (2012)
Der Physiker John Torrence Tate gehörte zu neun Wissenschaftlern, die die Scheibe untersuchten.
Quelle/Tradition: Auswertung der Ramseys; keine Dokumente öffentlich vorgelegt
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Die Folge auf einen Blick
| Show | American Alchemy (YouTube, rund 739.000 Abonnenten) |
|---|---|
| Host | Jesse Michels |
| Gäste | Scott und Suzanne Ramsey, Forscherpaar aus North Carolina, Autoren von drei Büchern zum Fall (zuerst „The Aztec UFO Incident“, 2012, mit Frank Thayer); als Mitermittler Chris Ramsay vom Youtube-Kanal Area 52 |
| Veröffentlicht | 29. September 2026 |
| Dauer | 1 Stunde 51 Minuten |
| Link | „16 Alien Bodies Crashed HERE… And We Just Found PROOF“ |
| Drei Kernaussagen | 1. Mehrere Zeugen hätten 1948 unabhängig voneinander eine intakte Scheibe auf der Mesa im Hart Canyon gesehen. 2. Das Hoax-Etikett sei eine gezielte Diskreditierung gewesen, nicht das Ergebnis einer Untersuchung. 3. Ein angeblich außerirdisches Fundstück vom Absturzort – eine polierte Kugel – hält dem Labortest nicht stand. |
Die Folge ansehen
Offizielles Video des Kanals Jesse Michels. Die Folge ist englischsprachig; YouTube bietet automatische Untertitel an.
Kapitelführer: was wann besprochen wird
- 0:00 – Einführung: Aztec als „jüngere, seltsamere Schwester“ von Roswell
- 5:30 – Wer die Ramseys sind und wie Scott 1988 durch ein belauschtes Gespräch auf den Fall stieß
- 8:38 – Ankunft in Aztec: warum die Stadt aus ihrer Geschichte nichts gemacht hat
- 12:19 – Die Nacht des 24. März 1948: Lichter über Cuba, New Mexico, und Rancher Valentine Archuleta
- 15:49 – Doug Noland und die Scheibe auf der Mesa, weitere Zeugen treffen ein
- 22:59 – Die Insassen und der Baptistenprediger Solon Brown
- 26:12 – Das Militär übernimmt, Wissenschaftler untersuchen das Objekt, der Abtransport
- 35:03 – Die „verschwundenen“ Bergungstrupps und die Umgestaltung des Geländes
- 41:02 – Teil zwei: Frank Scully, J. P. Cahn, Silas Newton und Leo GeBauer
- 49:10 – Der Betrugsprozess von 1953 und die These einer Inszenierung
- 53:14 – Der Vortrag des „Scientist X“ in Denver und die Luftwaffen-Ermittler
- 1:02:32 – John Torrence Tate und die neun mutmaßlichen Wissenschaftler hinter „Dr. Gee“
- 1:10:29 – Die 4602. Staffel, Wright Field und der Bericht eines Technikers
- 1:16:36 – Radar als Absturzursache? Das Hottel-Memo des FBI
- 1:25:01 – Bill Steinman, Chris Evans, Alice Scully – und die Tode im Umfeld des Falls
- 1:33:50 – Ein Besucher am Absturzort, Lichter über dem Canyon, Viehverstümmelungen
- 1:40:35 – Der Labortest der Kugel und der Vorwurf eines Einbruchs
Deep Dive: die sieben zentralen Behauptungen – und was wir dazu finden
Die Folge ist gebaut wie ein Krimi: erst der Tatort, dann die Verdächtigen, dann die Indizien. Wir gehen die tragenden Behauptungen einzeln durch. Was gesagt wird, steht zuerst. Darunter steht, was sich unabhängig davon prüfen lässt.
1. „Mehrere Zeugen haben die Scheibe gesehen“
Was gesagt wird: Laut Scott Ramsey sahen am Morgen des 25. März 1948 rund 16 bis 18 Menschen die gelandete Scheibe auf der Mesa im Hart Canyon, etwa zwanzig Kilometer nordöstlich von Aztec: der Ölfeldarbeiter Doug Noland und sein Vorarbeiter, ein Hilfspolizist aus Cuba, ein Rancherpaar, der junge Ken Farley, der Baptistenprediger Solon Brown. Ramsey sagt, er habe mit vier direkten Zeugen gesprochen und mit vielen Angehörigen. Die Beschreibungen stimmten in Details überein: rund dreißig Meter Durchmesser, kaum beschädigt, ein münzgroßes Loch in einem Bullauge, kleine Insassen in blauen Overalls.
Einordnung: Die Zeugen-Interviews führten die Ramseys erst ab den späten 1980er-Jahren, also vierzig bis sechzig Jahre nach dem Datum. Zeitgenössische Zeitungsberichte über eine Bergung in Aztec sind nicht bekannt; darauf weisen der UFO-Historiker Jerome Clark und die Darstellung bei Wikipedia hin. Clark schrieb 2012 in einer Rezension des ersten Ramsey-Buchs, Einwohner von Aztec hätten „mit nahezu einer Stimme“ bestritten, dass dort je eine Bergung stattfand – darunter der damalige Sheriff und die Familie, der das Land gehörte. Wichtig: Die Grundzüge – 99 Fuß Durchmesser, 16 Insassen, kontrollierte Landung im Hart Canyon – standen bereits 1950 in Frank Scullys Bestseller. Späte Erinnerungen, die einem gedruckten Bestseller gleichen, können unabhängig sein. Sie können aber auch von ihm geprägt sein. Die Folge erwähnt diese Möglichkeit nicht.
2. „Das Militär hat die Bergung perfekt organisiert und die Spuren beseitigt“
Was gesagt wird: Nach Roswell habe das Militär dazugelernt. Truppen ohne Abzeichen hätten die Mesa abgeriegelt, eine Straße planiert, eine Betonplatte für Kräne gegossen und die Scheibe in Teilen abtransportiert. Ein Luftwaffen-Sergeant habe den Ramseys erzählt, er habe die Personalakten von rund 200 Beteiligten so geführt, dass niemand offiziell in Aztec war. Ein weiterer Mann namens Fred Reed habe 1999 brieflich bestätigt, dass er das Gelände später „neu bepflanzt“ habe.
Einordnung: Die Betonplatte und die umgeknickten Bäume existieren, man sieht sie im Video. Was sie belegen, ist offen: Skeptiker deuten die Platte als Teil der Gas- und Ölinfrastruktur, die es in der Gegend reichlich gibt. Michels hält dagegen, ein benachbarter Bohrlochdeckel sei deutlich größer. Die Aussagen des Sergeants und von Reed liegen nur über die Ramseys vor; die Folge zeigt einen Brief, aber keine Dienstakten. Belegbar ist dagegen der allgemeine Rahmen: Das von der CIA einberufene Robertson-Panel empfahl 1953, das öffentliche Interesse an UFO-Berichten zu dämpfen. Das macht eine Vertuschung in Aztec nicht wahrscheinlicher. Es erklärt aber, warum viele Zuschauer sie für plausibel halten.
3. „Der Hoax war in Wahrheit eine Kampagne gegen Scullys Quellen“
Was gesagt wird: Das ist der Kern der Folge. Der Journalist J. P. Cahn vom San Francisco Chronicle habe Scully vergeblich die Rechte an der Geschichte abkaufen wollen und danach dessen Quellen zerstört: den Ölmann Silas Newton und den Funktechniker Leo GeBauer. Beide hätten umfangreiche FBI-Akten gehabt, GeBauers sei bis heute stark geschwärzt. Der Betrugsprozess von 1953 sei ein „Känguru-Gericht“ gewesen.
Einordnung: Gut belegt ist die Gegenseite. Cahn veröffentlichte im September 1952 im Magazin True den Artikel „The Flying Saucers and the Mysterious Little Men“. Er hatte sich von Newton und GeBauer eine Probe des angeblich außerirdischen Metalls geben lassen; sie erwies sich als gewöhnliches Aluminium. Einer der Geldgeber der beiden, der Millionär Herman Flader, erstattete Anzeige; 1953 wurden Newton und GeBauer wegen Betrugs verurteilt. Ihr Geschäft waren sogenannte Doodlebugs, Geräte, die angeblich Öl und Gas aufspüren und auf außerirdischer Technik beruhen sollten. Laut Jerome Clark liefen gegen Newton bei seinem Tod 1972 rund vierzig Verfahren wegen Öl- und Gasgeschäften. Clark wirft Scott Ramsey zudem vor, Newton ohne Grundlage zum „Mann der Wissenschaft“ zu erklären und Gegenbelege zu übergehen. Dass das FBI früh Akten über Newton und GeBauer anlegte, ist plausibel. Ein Beweis für eine Absturzbergung ist es nicht – auch Betrüger werden überprüft.
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Zum Praxisbuch4. „Neun Spitzenwissenschaftler standen hinter dem geheimnisvollen ‚Dr. Gee'“
Was gesagt wird: In Scullys Buch erzählt ein anonymer „Dr. Gee“ von der Untersuchung der Scheibe. Die Ramseys glauben, dahinter stünden neun reale Forscher aus dem Kriegsforschungsnetz von Vannevar Bush, sechs davon mit Verbindung zur Gründung von Texas Instruments. Im Zentrum stehe der Physiker John Torrence Tate aus Minnesota. Er sei im März 1948 im Südwesten gewesen und habe danach öffentlich von einer Technik gesprochen, die Energie- und Ernährungsprobleme lösen werde.
Einordnung: John Torrence Tate (1889–1950) ist eine reale, bedeutende Figur: Physikprofessor an der University of Minnesota, über zwei Jahrzehnte Herausgeber der Physical Review, mit Unterbrechungen in kriegswichtiger Forschung tätig. Er starb am 27. Mai 1950 an einer Hirnblutung. Dass er mit Aztec zu tun hatte, beruht allein auf der Auswertung der Ramseys – auf Reisedaten, einem Wandel in seinem Lebensstil, Indizien aus versiegelten Archivkisten. Die Folge zeigt keines dieser Dokumente im Wortlaut. Die Zuordnung der übrigen acht Namen haben die Ramseys aus Scullys Beschreibungen erschlossen. Der Abgleich ist eine Hypothese, kein Fund. Michels bittet die Nachkommen öffentlich um Kontakt. Das ist ein redlicher Weg, die These zu prüfen.
5. „Radar könnte die Scheibe zum Absturz gebracht haben“
Was gesagt wird: Scott Ramsey hat auf einem Gipfel bei Alvarado eine alte Radarstation gefunden, die nach seiner Recherche zum Schutz von Los Alamos betrieben wurde. Starke Mikrowellenimpulse könnten die Steuerung eines fremden Flugobjekts gestört haben. Michels verweist auf das Hottel-Memo des FBI von 1950, in dem genau dieser Mechanismus genannt wird, und auf heutige Berichte über Hochleistungs-Mikrowellenwaffen.
Einordnung: Das Memo existiert. Guy Hottel, Leiter der FBI-Außenstelle Washington, gab am 22. März 1950 einen Bericht aus dritter Hand weiter: Drei Scheiben mit je drei kleinen Körpern seien in New Mexico geborgen worden, wegen eines Hochleistungsradars in der Gegend. Das FBI schrieb 2013 selbst, das Memo beweise nichts; es sei eine Behauptung aus zweiter oder dritter Hand, der man nie nachgegangen sei. Seit 2022 ist der Name des Informanten bekannt, ein Polizeiermittler aus Washington; woher er die Geschichte hatte, ist offen. Mehrere Forscher, auch die Ramseys selbst, sehen Ähnlichkeiten zu Newtons Erzählungen. Das Memo spricht von drei Scheiben mit fünfzehn Metern Durchmesser, nicht von einer mit dreißig. Belegt ist außerdem: Das Radarnetz „Lashup“ entstand um 1950. Ob 1948 schon eine leistungsfähige Station in der Nähe arbeitete, bleibt Ramseys Rekonstruktion.
6. „Die Scheibe landete bei Wright Field und wurde unter Hochspannung getestet“
Was gesagt wird: Ein Messtechniker, der für eine Firma aus dem Umfeld von Eastman Kodak bei Wright Field in Dayton gearbeitet habe, habe den Ramseys erzählt, er habe an einer Scheibe von etwa dreißig Metern gearbeitet. Unter Hochspannung sei sie durchscheinend geworden, eine Krankenschwester habe die Aufenthaltszeit darin auf rund zwanzig Minuten begrenzt.
Einordnung: Der Zeuge bleibt in der Folge anonym. Die Ramseys sagen, sie hätten ihn und seine Familie überprüft. Unabhängig nachvollziehen lässt sich das nicht. Michels zieht selbst die Parallele zu Bob Lazar, der Jahrzehnte später Ähnliches über durchscheinende Wände berichtete. Diese Übereinstimmung kann man als Bestätigung lesen oder als Hinweis, wie stark sich UFO-Erzählungen gegenseitig formen. Die Legende von außerirdischen Körpern in Wright-Patterson ist ihrerseits alt: Schon 1974 behauptete der Autor Robert Spencer Carr, Körper aus Aztec lägen dort in einem „Hangar 18“. Die Luftwaffe dementierte, es gebe dort keinen Hangar 18.
7. „Die Kugel vom Absturzort enthält Iridium“
Was gesagt wird: 1999 fanden die Ramseys etwa fünfzehn Zentimeter tief im Boden eine kleine polierte Kugel. Eine Röntgenfluoreszenz-Messung bei einem Juwelier ergab angeblich fast 40 Prozent Iridium – das hätte auf einen Ursprung aus dem All gedeutet.
Einordnung: Hier liefert die Folge ihren ehrlichsten Moment. Michels lässt die Kugel in einem befreundeten Materialforschungslabor nachmessen. Ab Minute 1:41 sieht man das Ergebnis: Die Kugel wiegt 20,5 Gramm, ihre Dichte ist viel zu gering für einen nennenswerten Iridiumanteil. Die Röntgenfluoreszenz zeigt Titan, Kalzium, Zink, Eisen, Blei, etwas Gold – aber kein Iridium. Die Neutronenaktivierungsanalyse läuft noch, der Laborleiter nennt die Aussichten „nicht gut“. Viele Zuschauer haben das Objekt in den Kommentaren als Kugellager-Kugel eingeordnet. Dass die Folge dieses Ergebnis zeigt, statt es wegzulassen, spricht für sie.
Was neu ist – und was widersprüchlich bleibt
Neu gegenüber den früheren Büchern der Ramseys sind vor allem drei Dinge. Erstens nennen sie den Luftwaffen-Sergeant, der Personalakten umgeschrieben haben soll, erstmals mit Klarnamen. Zweitens ist die Liste der neun Wissenschaftler um John Torrence Tate in dieser Form zum ersten Mal einem Millionenpublikum präsentiert worden. Drittens gibt es mit dem Labortest der Kugel einen nachprüfbaren Befund – er spricht gegen das Iridium. Neu ist auch der Ton: Michels erzählt die Geschichte als Rehabilitierung von Menschen, nicht nur als Absturzbericht.
Widersprüchlich bleiben die Zahlen. Scully schrieb von 16 Insassen, die Zeugen der Ramseys von „14 bis 16“, das Hottel-Memo von dreimal drei. Die Folge beschreibt die Scheibe als nahtlos, ohne Nieten – die KI-Nachstellungen im Video zeigen Nähte und Nieten, was viele Zuschauer bemerkt haben. Und der schwerste Vorwurf der Folge – ein angeblicher Einbruch des bekanntesten Aztec-Skeptikers in ein Abgeordnetenbüro – stützt sich auf eine anonyme Quelle. Michels sagt selbst, er habe keinen eindeutigen Beweis und spekuliere. Wir geben den Vorwurf deshalb nicht weiter aus. Der Betroffene ist 2006 gestorben und kann nicht antworten.
Stimmen aus der Community
Wir haben die meistgelikten Kommentare unter dem Video und Reaktionen auf anderen Plattformen gelesen. Das Meinungsbild ist begeistert – aber nicht unkritisch.
- Begeisterung über die Machart (YouTube, @Stoitism, über 120 Likes): Kaum zu glauben, dass man so etwas kostenlos sehen könne – das sei Dokumentarfilm-Qualität.
- Eine Stimme aus Aztec (YouTube, @carljacques1253): Er sei in Aztec geboren, die Meinungen in der Stadt seien gespalten. Er selbst halte die Geschichte für wahr und habe dort Ungewöhnliches gesehen.
- Kritik an den Nachstellungen (YouTube, @tammygucci, knapp 300 Likes, und mehrere andere): Der Sprecher sage „keine Nieten, keine Nähte“, während die KI-Animation genau das zeige.
- Kritik am Vorschaubild (YouTube, @Scott-j6s): Das Objekt aus dem Thumbnail komme im Video nicht vor; besprochen werde nur „diese Edelstahl-Kugellagerkugel“.
- Die Sorge vor „Ancient Aliens“ (YouTube, @rageagainstthealgorithm): Der Kanal solle nicht zur YouTube-Version reißerischer TV-Serien werden.
- Skepsis gegenüber dem Einbruchsvorwurf (UFO Feed, Nachrichtenseite der Szene): Das Portal fragte in einer Überschrift sinngemäß, warum der angebliche Einbruch nicht leicht zu beweisen sei, wenn er doch auf Kamera sein soll.
Auffällig: Selbst begeisterte Zuschauer fordern mehr Genauigkeit bei Bildern und Titeln. Das Publikum dieser Sendung ist anspruchsvoller, als die Vorschaubilder vermuten lassen.
Warum das für die „neue Welt“ zählt
Aztec ist kein Fall, den man mit Ja oder Nein beantwortet. Er ist ein Lehrstück darüber, wie Wissen entsteht und wie es verschwindet. Ein einziges Wort – „Hoax“ – hat 75 Jahre lang entschieden, wer sich ernsthaft mit einer Geschichte befassen darf. Michels' Schlussgedanke trifft etwas Richtiges: Man muss nicht jeden Zeugen widerlegen, wenn man ein Thema peinlich genug macht. Das gilt in beide Richtungen. Auch das Gegenteil eines Etiketts ist ein Etikett.
Für uns bei Temple of Desire ist das der Punkt. Die Welt, die gerade entsteht – mit offenen Anhörungen im Kongress, mit den seit Mai 2026 veröffentlichten UAP-Akten des Pentagons, mit Menschen, die Kontakterfahrungen nicht mehr verschweigen –, braucht beides: Offenheit für das Unerklärte und die Bereitschaft, eine Kugel ins Labor zu geben und das Ergebnis zu zeigen. Die Ramseys sagen in der Folge, sie seien angetreten, um den Fall zu beweisen oder zu widerlegen. Suzanne Ramsey formuliert es so:
„He started out to prove it or disprove it. And that's always been our philosophy.“
– Er hat angefangen, um es zu beweisen oder zu widerlegen. Das war immer unsere Haltung. (Suzanne Ramsey, 5:55)
Diese Haltung ist mehr wert als jede Antwort auf die Frage, ob in Aztec wirklich etwas lag. Für deine eigene Praxis heißt das: Neugier ist kein Gegensatz zu Nüchternheit. Du darfst fasziniert sein und trotzdem fragen, woher eine Geschichte stammt.
Fünf Fragen, die die Folge offenlässt
- Warum gibt es aus dem Frühjahr 1948 keinen einzigen Zeitungsbericht, keine Polizeinotiz, keinen Brief, der eine Militäraktion bei Aztec erwähnt?
- Wie unabhängig sind Zeugenaussagen, die vierzig Jahre nach einem Bestseller aufgenommen wurden, der die gleichen Details enthält?
- Welche Dokumente belegen, dass John Torrence Tate im März 1948 in New Mexico war – und kann man sie einsehen?
- Wenn Newton und GeBauer Opfer einer Kampagne waren: Wie erklären die Ramseys das Aluminium und die vielen weiteren Betrugsvorwürfe gegen Newton bis 1972?
- Wird das Ergebnis der Neutronenaktivierungsanalyse der Kugel veröffentlicht?
Glossar
- Mesa
- Tafelberg mit flacher Oberfläche, typisch für den Südwesten der USA.
- Hart Canyon
- Schlucht nordöstlich von Aztec, New Mexico; laut Scully und den Ramseys der Ort der Landung.
- Hoax
- Englisch für Schwindel oder Falschmeldung.
- Doodlebug
- Umgangssprachlich für angebliche Suchgeräte nach Öl oder Wasser, oft ohne nachgewiesene Funktion.
- Dr. Gee
- Anonymer Wissenschaftler in Frank Scullys Buch „Behind the Flying Saucers“ (1950).
- Hottel-Memo
- FBI-Vermerk vom 22. März 1950 über angeblich geborgene Scheiben in New Mexico; laut FBI eine ungeprüfte Behauptung aus dritter Hand.
- Lashup
- Provisorisches Frühwarn-Radarnetz der USA um 1950.
- Röntgenfluoreszenz
- Messverfahren, das die chemischen Elemente an der Oberfläche einer Probe bestimmt.
- Neutronenaktivierungsanalyse
- Verfahren, bei dem eine Probe leicht radioaktiv gemacht wird, um Elemente und Isotope genauer zu bestimmen.
Weiterlesen in den Desire Diaries
- Element 115: Was Bob Lazar 1989 über den UFO-Treibstoff sagte – und was seither gemessen wurde
- Remote Viewing und Projekt Stargate: 23 Jahre Hellsehen im Auftrag der CIA
- 3I/ATLAS: Komet oder Raumschiff? Was die Messungen zeigen
Häufige Fragen
Was soll 1948 in Aztec passiert sein?
Laut Frank Scully (1950) und den Forschern Scott und Suzanne Ramsey landete am 25. März 1948 eine rund dreißig Meter große Scheibe mit 14 bis 16 toten Insassen auf einer Mesa im Hart Canyon bei Aztec, New Mexico, und wurde vom Militär geborgen. Zeitgenössische Belege dafür gibt es nicht.
Warum gilt Aztec als Schwindel?
Scullys Quellen, Silas Newton und Leo GeBauer, wurden 1952 vom Journalisten J. P. Cahn bloßgestellt: Ihr angeblich außerirdisches Metall war Aluminium. 1953 wurden beide wegen Betrugs verurteilt.
Beweist das Hottel-Memo des FBI den Absturz?
Nein. Das FBI bezeichnet den Vermerk von 1950 selbst als ungeprüfte Behauptung aus zweiter oder dritter Hand. Er nennt Aztec nicht und beschreibt drei kleinere Scheiben.
Was hat der Labortest der Kugel ergeben?
Die in der Folge gezeigte Messung fand kein Iridium, sondern unter anderem Titan, Kalzium, Zink, Eisen und Blei. Die Dichte passt nicht zu einem hohen Iridiumanteil. Eine weitere Analyse stand bei Veröffentlichung noch aus.
Wer sind Scott und Suzanne Ramsey?
Ein Forscherpaar aus North Carolina, das seit den späten 1980er-Jahren zum Aztec-Fall recherchiert, Zeugen befragt und drei Bücher veröffentlicht hat. Nach eigener Aussage haben sie über eine halbe Million Dollar eigenes Geld investiert.
Kann man den Absturzort besuchen?
Laut den Ramseys ja; sie haben 2007 eine Gedenktafel auf der Mesa angebracht. Das Gelände liegt abgelegen im Hart Canyon nordöstlich von Aztec.
Quellen
- American Alchemy: 16 Alien Bodies Crashed HERE… And We Just Found PROOF (29.09.2026), inkl. Kapitelmarken und Beschreibung
- J. P. Cahn: „The Flying Saucers and the Mysterious Little Men“, True, September 1952 (Archivkopie)
- FBI: UFOs and the Guy Hottel Memo (2013); FBI Vault: Guy Hottel
- The Black Vault: Ungeschwärztes Hottel-Memo (2022)
- Jerome Clark: Rezension „The Aztec Incident“ (2012)
- Wikipedia: Aztec crashed saucer hoax
- Wikipedia: John Torrence Tate Sr.; Nier/Van Vleck, Biographical Memoirs of the National Academy of Sciences, Band 47 (1975)
- US-Kriegsministerium: PURSUE – veröffentlichte UAP-Akten (seit 8. Mai 2026)
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