Chalice Well: Was die „Rote Quelle“ von Glastonbury wirklich ist

Gral, Blutquelle, Vesica Piscis: Am Chalice Well lässt sich fast jede Schicht datieren. Die Urkunden kennen eine Kalkquelle, die Grabung fand zwanzig Feuersteine, das Labor ein Milligramm Eisen – und 1751 kamen 10.000 Menschen wegen eines Traums.

Steinbrunnen mit Eichendeckel und schmiedeeiserner Vesica Piscis, davor eine vom Eisen rostrot gefärbte Wasserrinne

Rotes Wasser, ein Brunnendeckel mit zwei verschlungenen Kreisen, darunter angeblich der Heilige Gral: Der Chalice Well am Fuß des Glastonbury Tor gilt als eine der heiligsten Quellen Europas. Was dort gegraben, gemessen und in alten Urkunden gefunden wurde, ist weniger bekannt als die Legende – und an mehreren Stellen überraschender.

Schnellantwort

Der Chalice Well ist eine Quelle am Fuß des Glastonbury Tor in Somerset, England. Ihr Wasser enthält rund 1 mg Eisen pro Liter, das an der Luft rostrot ausfällt. Der gemauerte Schacht stammt aus dem späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert und versorgte die Abtei. In Urkunden heißt die Quelle „Chalcwelle“ (Kalkquelle); „Chalice Well“ ist erst 1751 gedruckt belegt. Die Grabung von 1961 fand keine Spuren eines frühen Heiligtums. Eine Heilwirkung ist nicht belegt.

Einordnung
Belegt

Urkunden der Abtei Glastonbury nennen die Quelle zwischen etwa 1210 und 1306 „Chalcwelle“, „Chalcwell“, „Chalwelle“, „Chakwelle“ und „Chalkwell“.

Quelle/Tradition: Watkin 1952 nach Mather 2009; Rahtz 1964

Belegt

Der früheste bekannte Druckbeleg für den Namen „Chalice Well“ stammt von 1751.

Quelle/Tradition: Stout 2008 nach Mather 2009; Rahtz 1964 (kein mittelalterlicher Beleg)

Belegt

Der Brunnenschacht aus Lias-Kalksteinblöcken ist 2,74 m tief und wird ins späte 12. oder frühe 13. Jahrhundert datiert.

Quelle/Tradition: Rahtz 1964; Mather 2009

Belegt

Die Grabung von 1961 fand zwanzig Feuersteine, eine eisenzeitliche, eine römische und vier mittelalterliche Scherben, aber keine Siedlungs- oder Kultspuren.

Quelle/Tradition: Rahtz 1964

Belegt

Das Wasser enthält rund 1 mg Eisen pro Liter; Tunbridge Wells führt 27 mg/l.

Quelle/Tradition: Mather 2009 (Analysen Universität Exeter, Januar und März 2009)

Belegt

Chalice Well und White Spring entspringen demselben Grundwasserleiter, dem Pennard Sand.

Quelle/Tradition: Mather 2009; Kartierung Bristow 2008

Belegt

Am 5. Mai 1751 kamen laut Gentleman's Magazine mehr als 10.000 Menschen nach Glastonbury, um das Wasser zu trinken.

Quelle/Tradition: Mather 2009; Rahtz 1964

Belegt

Das schmiedeeiserne Zeichen auf dem Brunnendeckel schenkte Frederick Bligh Bond 1919.

Quelle/Tradition: Mather 2009; Historic England, Listeneintrag 1167594

Überliefert

Joseph von Arimathäa vergrub den Gral oder zwei Kännchen mit dem Blut Christi an der Quelle; seither fließt das Wasser rot.

Quelle/Tradition: Glastonbury-Legende; Joseph erscheint in der Klostergeschichte erst im 13. Jahrhundert (Mather 2009)

Überliefert

Matthew Chancellor wurde 1750 nach sieben Sonntagen des Wassertrinkens von seinem Asthma geheilt.

Quelle/Tradition: Eigene eidliche Aussage Chancellors, Gentleman's Magazine 1751

Gelebte Praxis

Besucher trinken das Wasser, füllen Flaschen und nutzen den Garten für Stille und Jahreskreisfeiern.

Quelle/Tradition: Chalice Well Trust nach Mather 2009

Nicht belegt

Der Chalice Well war ein vorchristliches oder druidisches Quellheiligtum.

Quelle/Tradition: Kein Befund bei Rahtz 1964; die Formulierung „pre-Christian well“ der Denkmalliste ist älter als die Grabung

Nicht belegt

Das Wasser ist „primary water“ aus dem Erdinneren oder kommt aus den Mendip Hills.

Quelle/Tradition: Mather 2009: kein Hinweis, alle Quellen geochemisch verwandt

Nicht belegt

Das Wasser des Chalice Well hat eine Heilwirkung.

Quelle/Tradition: Mather 2009; Linden 1752, Russell 1760

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Was dich in diesem Artikel erwartet

  • Kurz gesagt
  • Der Name: Aus der Kalkquelle wurde die Kelchquelle
  • Was die Grabung von 1961 fand
  • 1751: Ein Traum, 10.000 Menschen und „Hocus Pocus“
  • Wie viel Eisen ist drin? Die Messwerte
  • Rote Quelle, Weiße Quelle: derselbe Hügel, derselbe Sand
  • Buckton, Bligh Bond, Tudor Pole: Wie der Garten entstand
  • Vor Ort: Was du wissen solltest
  • Häufige Fragen

Kurz gesagt

Der Chalice Well ist eine Quelle im Tal zwischen Glastonbury Tor und Chalice Hill in Somerset, Südwestengland. Ihr Wasser enthält etwas gelöstes Eisen, das an der Luft oxidiert und die Rinnen rostrot färbt – daher die Beinamen „Rote Quelle“ und „Blutquelle“. Der gemauerte Schacht stammt aus dem Mittelalter und diente der Abtei als Wasserfassung. Seit 1959 pflegt der Chalice Well Trust Quelle und Garten.

Drei Dinge stehen in fast keinem Reiseführer. Die Quelle hieß im Mittelalter „Chalcwelle“ – Kalkquelle, nicht Kelchquelle. Der Eisengehalt liegt bei rund einem Milligramm pro Liter, einem Bruchteil dessen, was klassische Eisenquellen führen. Und die „Weiße Quelle“ gegenüber kommt aus derselben Gesteinsschicht.

Der Name: Aus der Kalkquelle wurde die Kelchquelle

In den Urkunden der Abtei Glastonbury taucht die Quelle fünfmal auf: um 1210 als „Chalcwelle“, 1256 als „Chalcwell“, 1305 als „Chalwelle“ und „Chakwelle“, 1306 als „Chalkwell“. Die Straße daneben hieß 1265 „Chalcwellestrete“ und heißt bis heute Chilkwell Street. Der Hydrogeologe John Mather, der die Belege 2009 zusammentrug, liest die Namen als Hinweis auf das kalkreiche Wasser. Der Archäologe Philip Rahtz hatte schon 1964 trocken festgehalten: „There is no evidence for a medieval or earlier origin for the name of ‚Chalice Well‘.“

Gedruckt erscheint der Name nach heutigem Kenntnisstand zum ersten Mal 1751, in einer anonymen Stadtgeschichte, die von der „Blood or Chalice Well“ spricht. Mather nennt ihn deshalb „only in use for around 250 years“. Dass aus „Chalk“ irgendwann „Chalice“ wurde, liegt in einer Stadt mit Gralslegende nahe; belegt ist der Übergang nicht.

Auch die Legende selbst lässt sich datieren. Das Grab von König Artus „fanden“ die Mönche 1191, sieben Jahre nach dem Brand, der die Abtei 1184 zerstört hatte. Joseph von Arimathäa kam nach der Textforschung, auf die Mather sich stützt, erst rund fünfzig Jahre später in die Klostergeschichte; im 14. Jahrhundert wurden aus dem Gral zwei silberne Kännchen. Dass Joseph sie ausgerechnet an der Quelle vergraben habe und das Wasser seither vom Blut Christi gefärbt sei, ist die jüngste Schicht. Wie diese Schichten am Hügel selbst übereinanderliegen, steht in unserem Artikel über Glastonbury Tor und Avalon.

Was die Grabung von 1961 fand

Von Mai bis Juli 1961 ließ der Chalice Well Trust selbst graben. Rahtz sollte prüfen, ob sich die Überlieferung stützen lässt, die Quelle sei ein Kern frühchristlicher Besiedlung gewesen. Vier Arbeiter, sechs Wochen, mehrere Schnitte im Obstgarten.

Die Funde passen in eine Hand: zwanzig Feuersteine, nach ihrer Größe wohl mittelsteinzeitlich, eine eisenzeitliche Scherbe, eine römische, vier mittelalterliche. In 3,58 Metern Tiefe stand der Stumpf einer Eibe, noch mit Wurzeln. Ein Biophysiker der Universität Leeds schätzte ihn anhand des Wassergehalts im Holz auf etwa 300 n. Chr. – mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass das Holz seither ununterbrochen im Nassen lag. Weihegaben, Mauern, Gräber: nichts. Mather fasst zusammen, die Funde bedeuteten „no more than a few casual visits to the site“.

Spannender ist der Schacht selbst. Er besteht aus großen, behauenen Blöcken von blauem Lias-Kalkstein, ist 2,74 Meter tief und misst außen 1,83 Meter im Quadrat – und auch die Außenseiten der Steine sind geglättet. Bei einem in die Erde gesetzten Brunnen sähe sie niemand. Rahtz schloss daraus, der „Schacht“ könne ursprünglich ein kleines, frei stehendes Brunnenhaus gewesen sein, das der vom Hang gespülte Schlamm über Jahrhunderte begrub. Er datierte den Bau ins späte 12. oder frühe 13. Jahrhundert, in die Zeit nach dem Brand, als die Abtei eine neue Wasserleitung brauchte; sie liegt gut dreißig Meter tiefer, das Wasser lief von selbst. Sein Kollege Ralegh Radford hielt ein frei stehendes Haus für unwahrscheinlich, und Rahtz nannte seine Schlüsse selbst „tentative“.

Die amtliche Denkmalliste ist weniger vorsichtig. Historic England führt den Chalice Well seit dem 21. Juni 1950 als Baudenkmal ersten Grades und nennt ihn „a pre-Christian well“. Einen Befund dafür hat die Grabung elf Jahre später nicht geliefert.

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1751: Ein Traum, 10.000 Menschen und „Hocus Pocus“

Bis 1750 war die Quelle schlicht Wasserversorgung. Die Reisende Celia Fiennes, die kaum ein Mineralwasser ausließ, bestieg 1698 den Tor und erwähnt die Quelle mit keinem Wort. Dann träumte Matthew Chancellor aus North Wootton, seit dreißig Jahren asthmakrank, er solle an sieben Sonntagen nüchtern und ungesehen ein Glas Wasser in Glastonbury trinken. Er tat es, erklärte sich unter Eid für geheilt – und am Sonntag, dem 5. Mai 1751, standen laut Gentleman's Magazine mehr als 10.000 Menschen in der Stadt.

Sie tranken allerdings nicht an der Quelle, sondern an einem Auslauf beim Chaingate am Abteigelände, wo das Wasser längst mit anderen Bächen vermischt war. Man glaubte, es gewinne seine Kraft, weil es über die Gräber von Heiligen fließe. Der Romanautor Henry Fielding und sein Bruder ließen Flaschen in London verkaufen, die Unternehmerin Anne Galloway eröffnete am 12. August 1753 eine Trinkhalle.

Die Chemiker waren schneller ernüchtert als das Publikum. D. W. Linden, Autor einer Abhandlung über Eisenwässer, fand 1752 in einer Flasche keinerlei Mineralgehalt. Der Arzt John Rutty dampfte im Juli 1751 in Dublin Proben ein und kam auf umgerechnet 343 bis 515 Milligramm gelöste Stoffe pro Liter – gewöhnliches Quellwasser. Richard Russell schrieb 1760, es gelte als „no better than any other common water“. 1779 hatte das Wasser seinen Ruf „entirely lost“, die Trinkhalle war ein Laden. Der Dichter Samuel Bowden hatte es schon im Juni 1751 gereimt: Echte Wirkung brauche weder Traum noch Geist – „But all the rest is Hocus Pocus.“

Deutschen Lesern kommt das bekannt vor. Im Sommer 1556 suchten nach Angaben der Stadt Bad Pyrmont bis zu 10.000 Menschen gleichzeitig Genesung am „Hylligen Born“ – das „Wundergeläuf“. Der Unterschied: Als man den Pyrmonter Brodelbrunnen 1863 neu fasste, lagen darin bronzene Fibeln zu Dutzenden, römische Münzen und eine emaillierte Schöpfkelle. Dort liegen Gaben aus der Zeit um Christi Geburt tatsächlich im Boden. In Glastonbury nicht.

Wie viel Eisen ist drin? Die Messwerte

Mather ließ im Januar und März 2009 Proben an der Universität Exeter analysieren. Ergebnis für den Chalice Well: rund 1 Milligramm Eisen pro Liter. Zum Vergleich nennt er Tunbridge Wells mit 27 und die Brightoner Eisenquelle mit bis zu 76 Milligramm. Geprägt ist das Wasser von Calcium und Hydrogencarbonat – der mittelalterliche Name Kalkquelle war chemisch der genauere.

Zwei deutsche Maßstäbe helfen beim Einordnen. Die Trinkwasserverordnung setzt für Eisen einen Wert von 0,2 Milligramm pro Liter, nicht aus Gesundheitsgründen, sondern wegen Färbung, Geschmack und Ablagerungen; ein Wasserwerk würde dieses Wasser also enteisenen. Als „eisenhaltig“ gilt ein Heilwasser hierzulande dagegen erst ab 20 Milligramm zweiwertigem Eisen pro Liter. Die Rote Quelle hat fünfmal zu viel Eisen für die Leitung und ein Zwanzigstel dessen, was die Kur verlangt. Für eine rostrote Rinne reicht es trotzdem: Schon wenig Eisen fällt an der Luft sichtbar aus.

Belegt ist dagegen die Beständigkeit. Die Schüttung schwankt nach den Messungen, die Mather zitiert, zwischen etwa 82 Kubikmetern am Tag in trockenen Sommern und 114 Kubikmetern in nassen Zeiten – rund ein Liter pro Sekunde. Die Nachbarquellen schwanken um das Zehnfache; 1898 und 1948 kaufte die Stadt im Sommer Wasser vom Chalice Well zu. Zur Heilkraft genügt ihm ein Satz: Etwaige heilende Eigenschaften „will rely on faith rather than hydrochemistry“.

Rote Quelle, Weiße Quelle: derselbe Hügel, derselbe Sand

Keine hundert Meter entfernt, auf der anderen Seite der Wellhouse Lane, tritt die White Spring aus. Die Erzählung dazu ist schön: rot und weiß, Eisen und Kalk, zwei Wasser aus zwei Welten. Ein Heft des Trusts aus der Zeit um 2000 sprach von „primary water“ aus dem Erdinneren, das nie Teil des Regenkreislaufs gewesen sei; 1998 verfolgte ein Rutengänger die Ader bis unter die Mendip Hills.

Die geologische Neukartierung und Mathers Analysen sagen etwas anderes. Beide Quellen entspringen demselben Grundwasserleiter, dem Pennard Sand, einer 20 bis 25 Meter mächtigen Feinsandschicht aus dem Jura im Sockel des Tor. Das Wasser der White Spring ist jung und folgt dem Regen, entsprechend stark schwankt sie. Das Wasser des Chalice Well war länger und tiefer im Gestein, hat dort seinen Sauerstoff verbraucht, Eisen gelöst und steigt an einer Verwerfung auf. „All the waters come from the same aquifer“, schreibt Mather. Auch einer der Zuflüsse der Weißen Quelle führt Eisen.

Die White Spring ist zudem keine einzelne Quelle, sondern vier gefasste Austritte, die in ein Reservoir münden; die Steintafel daran trägt die Jahreszahl 1872. Vorher, um 1850, beschrieb der Lokalhistoriker George Wright die Gasse als Reihe von „fairy dropping wells“ – moosige Nischen, in denen kalkhaltiges Wasser Blätter und Zweige überkrustete. Daher der Name. 1898 war das Reservoir die Hauptwasserversorgung Glastonburys, 1948 lieferte es nur noch einen Rest.

Selbst die älteste mögliche Erwähnung passt ins Bild. In einem nachträglich eingefügten Artus-Abschnitt bei Wilhelm von Malmesbury ist von einer Quelle die Rede, deren Wasser ständig Geschmack und Farbe wechsle. Mather hält das für plausibel: Im Winter überwog im Tal das junge, klare Wasser, im Sommer das eisenhaltige aus der Tiefe. Wer wissen will, was von „informiertem Wasser“ zu halten ist, findet die Prüfung in unserem Artikel über Masaru Emoto, zum Rutengehen in dem über Wasseradern.

Buckton, Bligh Bond, Tudor Pole: Wie der Garten entstand

1886 verkaufte George Wright Quelle und Tor House an einen katholischen Orden, der dort ein Missionsseminar einrichtete; Besucher wurden oft abgewiesen, der Brunnen lag unter einem losen Holzbrett. 1912 erwarb die Fröbel-Pädagogin Alice Buckton das Gelände, zog im Jahr darauf ein, gab ihm den Namen Chalice Well und veranstaltete Sommerschulen für Theater und Handwerk. Um den Brunnen legte sie einen Garten der Stille an.

1919 schenkte ihr der Architekt Frederick Bligh Bond, Ausgräber der Abtei, das schmiedeeiserne Zeichen, das seither auf dem Deckel sitzt: zwei sich überschneidende Kreise, von einer Lanze durchstoßen. Die Mandelform in der Mitte heißt Vesica Piscis; was es mit ihr auf sich hat, erklärt unser Überblick zur Heiligen Geometrie, und warum Bond wenig später seine Stelle verlor, sein Porträt. Das bekannteste Symbol der Quelle ist also 107 Jahre alt.

Buckton starb 1944. Das Seminargebäude ging 1949 an eine Jungenschule, mit der Auflage, den Brunnen zugänglich zu halten. 1959 gründete Wellesley Tudor Pole einen neuen Trust und kaufte das Gelände zurück. Es spricht für diesen Trust, dass er zwei Jahre später einen Archäologen holte, um die eigene Überlieferung prüfen zu lassen, und dass das magere Ergebnis veröffentlicht wurde.

Die White Spring ging in den 1980er-Jahren in Privatbesitz. Heute führen Freiwillige, die „Companions of the White Spring“, das alte Reservoir als Wassertempel mit Becken und Schreinen – nach eigener Darstellung seit 2005.

Vor Ort: Was du wissen solltest

Der Chalice Well liegt an der Ecke Chilkwell Street und Wellhouse Lane, wenige Gehminuten unter dem Tor. Der Garten gehört dem Trust; Öffnungszeiten und Eintritt stehen auf dessen Website. Zu sehen sind der Brunnenkopf mit Bonds Deckel und weiter unten ein gepflasterter Hof aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit steinernem Badebecken, ein Rest der Kurzeit. Die White Spring gegenüber kostet nach Angaben der Betreiber nichts, wird ehrenamtlich geöffnet, und Fotografieren ist dort untersagt.

Zum Trinken: Besucher füllen an beiden Quellen seit Generationen Flaschen. Quellwasser ist aber kein überwachtes Leitungswasser, und der metallische Geschmack ist nicht jedermanns Sache. Wer gesundheitlich vorbelastet ist, lässt es beim Ansehen. Kein Wasser ersetzt eine ärztliche Behandlung.

Was bleibt, wenn man die Legende abzieht, ist nicht wenig: ein rund 800 Jahre alter Brunnenbau, ein Garten, den drei Generationen von Suchenden angelegt haben, und eine Quelle, die auch im trockensten Sommer läuft. Wie aus einer Quelle ein Massenwallfahrtsort wird, zeigt der Blick nach Lourdes.

Was wir nicht behaupten

Wir behaupten nicht, dass das Wasser des Chalice Well heilt, und auch nicht, dass der Ort „nur“ eine Wasserleitung sei. Menschen erleben dort Ruhe und Bedeutung; das ist gelebte Praxis und braucht keinen Laborwert. Belegt sind Bauzeit, Namen, Messwerte und die Geschichte des Gartens. Nicht belegt sind Gral, Druiden und eine Heilwirkung.

Häufige Fragen

Was ist der Chalice Well?

Eine Quelle mit mittelalterlichem Brunnenschacht am Fuß des Glastonbury Tor in Somerset, England. Sie liegt in einem Garten, den der Chalice Well Trust seit 1959 pflegt, und gilt vielen Besuchern als heiliger Ort.

Warum ist das Wasser des Chalice Well rot?

Das Wasser selbst ist klar. Es enthält rund 1 Milligramm gelöstes Eisen pro Liter, das an der Luft oxidiert und sich als rostroter Belag in Rinnen und Becken absetzt.

Liegt der Heilige Gral im Chalice Well?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die Verbindung Glastonburys mit Joseph von Arimathäa entstand im 13. Jahrhundert, der Name „Chalice Well“ ist erst 1751 gedruckt nachweisbar. In mittelalterlichen Urkunden heißt die Quelle „Chalcwelle“, Kalkquelle.

Ist das Wasser des Chalice Well heilkräftig?

Eine Heilwirkung ist nicht belegt. Der Hydrogeologe John Mather kam 2009 zu dem Schluss, das Wasser sei nur schwach eisenhaltig und heilende Eigenschaften beruhten auf Glauben, nicht auf der Wasserchemie.

Wie alt ist der Chalice Well?

Der gemauerte Schacht wird ins späte 12. oder frühe 13. Jahrhundert datiert. Die Grabung von 1961 fand einige Feuersteine und einzelne Scherben, aber keine Spuren eines vorchristlichen oder frühchristlichen Heiligtums.

Was ist der Unterschied zwischen Chalice Well und White Spring?

Beide Quellen kommen aus derselben Sandsteinschicht unter dem Tor. Das Wasser des Chalice Well war länger im Gestein und führt deshalb Eisen; die White Spring führt jüngeres, kalkreiches Wasser und schwankt stark mit dem Regen.

Quellen: J. D. Mather, „‚Wonder-working water‘: the history and hydrogeology of the Chalice Well and other Glastonbury springs“, Geoscience in South-West England 12 (2009), S. 115–124 (frei abrufbar, Ussher Society) · Philip Rahtz, „Excavations at Chalice Well, Glastonbury“, Proceedings of the Somersetshire Archaeological and Natural History Society 108 (1964), S. 145–163 (frei abrufbar, SANHS) · Historic England, Listeneintrag 1167594 „The Chalice Well“ · whitespring.org.uk (Eigendarstellung) · Stadt Bad Pyrmont, „Geschichte & Bevölkerung“ · Trinkwasserverordnung, Indikatorparameter Eisen · B. Cremers, „Heilwasser zum Baden und Trinken“, Deutsches Ärzteblatt 3/2001. Titelbild: eigene Illustration, keine Fotografie des Ortes.

Weiterlesen: Glastonbury Tor und Avalon · Frederick Bligh Bond · Alfred Watkins und die Ley-Linien · Heilige Geometrie

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