Frederick Bligh Bond: Der Architekt, der Glastonbury nach Geisterdiktat ausgrub

Kirchenarchitekt, Fachautor – und dreizehn Jahre Grabungsleiter in Glastonbury, geführt von Botschaften toter Mönche. Was in seinem eigenen Buch wirklich steht, warum die berühmteste Bestätigung vor dem Fund gedruckt war, und was die Archäologie hundert Jahre später daraus machte.

Behauenes Kalksteinfragment aus einem Abteigewölbe auf dunkler Erde im warmen Kerzenlicht
Schnellantwort

Frederick Bligh Bond (1864–1945) war ein englischer Kirchenarchitekt, der von 1908 bis 1921 die Ausgrabung der Abtei von Glastonbury leitete und 1918 offenlegte, dass ein großer Teil der Arbeit durch automatisches Schreiben gesteuert worden war – gemeinsam mit dem pensionierten Marinekapitän John Allan Bartlett. 1921 wurde er deshalb entlassen. Sein eigenes Buch widerspricht allerdings der spiritistischen Deutung ausdrücklich und schlägt eine psychologische vor: In rund 45.000 Wörtern kommt das Wort ghost kein einziges Mal vor, supernatural einmal – in einem Satz, der davor warnt –, während subconscious fünfzehnmal steht. Sein berühmtestes Ergebnis, die vieleckige Apsis der Edgar-Kapelle, hat Bond nach eigener Darstellung 1908 in gestrichelten Linien veröffentlicht, bevor dort etwas gefunden war, weil zwei Quellen des 17. Jahrhunderts der Abtei eine Gesamtlänge von 580 Fuß gaben. Die Neuauswertung des Grabungsarchivs durch Roberta Gilchrist (University of Reading) hat festgestellt: Der apsidiale Abschluss wurde durch die Grabung nie bestätigt – Bond zeichnete ihn trotzdem in seine Pläne und legte ihn im Gelände der Ruine aus, wo er bis heute liegt.

Einordnung
Belegt

Frederick Bligh Bond wurde am 30. Juni 1864 in Marlborough, Wiltshire, geboren und starb am 8. März 1945 in Dolgellau, Wales.

Quelle/Tradition: Coates, University of the West of England 2015; Psi Encyclopedia (SPR) 2023

Belegt

Er arbeitete ab 1888 als Architekt in Bristol und verfasste 1909 mit Dom Bede Camm das zweibändige Werk Roodscreens and Roodlofts.

Quelle/Tradition: Bond & Camm 1909; Coates 2015

Belegt

Die Church of England ernannte ihn 1908 zum Grabungsleiter in Glastonbury; die Stelle war unbezahlt, er hatte sie bis 1921 inne.

Quelle/Tradition: Gilchrist, Current Archaeology 320 (2016); Psi Encyclopedia 2023

Belegt

Sein Mitarbeiter beim automatischen Schreiben war John Allan Bartlett, pensionierter Marinekapitän, der als John Alleyne auftrat; die erste Sitzung fand am 7. November 1907 statt.

Quelle/Tradition: Bond, The Gate of Remembrance (1918)

Belegt

Bond lehnte die spiritistische Hypothese ausdrücklich ab: Weder er noch Bartlett begünstigten die Vorstellung entkörperter Intelligenzen, die von außen auf die Sitzenden einwirken.

Quelle/Tradition: Bond 1918, Teil I – im Wortlaut im Gutenberg-Volltext, E-Book 48568

Belegt

In rund 45.000 Wörtern kommt ghost kein einziges Mal vor und supernatural genau einmal – in einem Satz gegen dessen Heranziehung –, während subconscious fünfzehnmal, automatism neunmal und telepathy achtmal vorkommen.

Quelle/Tradition: Wortzählung im Volltext von Project Gutenberg, E-Book 48568, für diesen Artikel durchgeführt

Belegt

Bond zeichnete die vieleckige Apsis der Edgar-Kapelle in gestrichelten Linien und veröffentlichte sie 1908 in den Proceedings der Somerset Archaeological Society, bevor dort eine Spur davon gefunden war.

Quelle/Tradition: Bond 1918, eigene Darstellung in Teil I

Belegt

Sein Grund war dokumentarisch, nicht medial: Hollar und Hearne gaben der Abteikirche eine Gesamtlänge von 580 Fuß, die das ausgegrabene Rechteck nicht erreichte.

Quelle/Tradition: Bond 1918, Teil I

Belegt

In Bonds Ergebnistabelle steht unter Punkt VII, es habe keine vorhandenen Daten gegeben, aus denen sich ein vieleckiges Ostende hätte ableiten lassen.

Quelle/Tradition: Bond 1918, Ergebnisübersicht, Punkt VII

Belegt

Zwei Punkte später und erneut im Eingangskapitel führt Bond selbst Phelps' gedruckten Plan an, der an dieser Stelle ein halbrundes oder apsidiales Ende zeigt – im Widerspruch zu Punkt VII.

Quelle/Tradition: Bond 1918, Punkte VII und IX sowie historisches Eingangskapitel

Belegt

Der durch das automatische Schreiben nahegelegte apsidiale Abschluss wurde durch Bonds Grabungen nicht bestätigt.

Quelle/Tradition: Gilchrist, Current Archaeology 320 (2016); Glastonbury Abbey Archaeological Archive Project

Belegt

Trotz fehlenden Befunds zeichnete Bond die apsidiale Kapelle in seine veröffentlichten Pläne und rekonstruierte sie im Grundriss der Ruine vor Ort.

Quelle/Tradition: Gilchrist, Current Archaeology 320 (2016)

Belegt

Bonds Grabungen haben Lage und Maße verschollener Bauten tatsächlich geklärt, darunter die Loretto-Kapelle.

Quelle/Tradition: Psi Encyclopedia 2023; Glastonbury Abbey Archaeological Archive Project

Belegt

Joseph McCabe schrieb 1920, Bond und Bartlett hätten sich das ganze Jahr 1907 hindurch in die einschlägige Literatur vertieft.

Quelle/Tradition: McCabe, Is Spiritualism Based On Fraud? (1920), S. 141

Belegt

H. J. Wilkins kam zu dem Schluss, im gesamten Skript sei nichts Überweltliches enthalten.

Quelle/Tradition: Wilkins, False Psychical Claims... (Bristol 1923); Zusammenfassung im Spectator, 10. Juni 1922

Belegt

Bond wurde 1921 von Joseph Armitage Robinson, Dekan von Wells, entlassen, der Medialität als Grabungsmethode ablehnte; der Streit um die Edgar-Kapelle erreichte das Parlament.

Quelle/Tradition: Psi Encyclopedia 2023; Current Archaeology 320 (2016)

Belegt

In Cummins v Bond [1927] 1 Ch 167 sprach der High Court das Urheberrecht an automatischen Skripten dem Medium zu, das sie körperlich geschrieben hatte – nicht Bond und nicht dem behaupteten Geist-Autor.

Quelle/Tradition: Cummins v Bond [1927] 1 Ch 167; CIPIL, University of Cambridge

Belegt

Nach deutschem Recht ist Urheber, wer das Werk geschaffen hat; das setzt eine natürliche Person voraus.

Quelle/Tradition: § 7 Urheberrechtsgesetz (UrhG) – allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung

Nicht belegt

Dass automatisches Schreiben Informationen von Verstorbenen überträgt.

Quelle/Tradition: Kein kontrollierter Nachweis; Feder 2010 verweist auf das vollständige Fehlen wissenschaftlicher Kontrollen in Glastonbury

Nicht belegt

Dass der ideomotorische Effekt die Glastonbury-Skripte erklärt.

Quelle/Tradition: Vorschlag von Chris French, The Skeptic (2022) – ein gut belegter Mechanismus, für diesen Einzelfall aber nicht nachgewiesen

Überliefert

Die von Bond genannten Mönche, darunter Johannes Bryant und die Company of Avalon, werden in den Skripten als historische Personen behandelt.

Quelle/Tradition: Bond 1918 und The Company of Avalon (1924); keine unabhängige urkundliche Bestätigung der Einzelpersonen

Gelebte Praxis

Automatisches Schreiben wird heute als Schreibmeditation und Divinationspraxis gehalten, üblicherweise mit gesetzter Absicht und anschließendem Prüfschritt.

Quelle/Tradition: Zeitgenössische Praxis; hier als Praxis beschrieben, nicht als Beleg

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Von 1908 bis 1921 leitete ein englischer Kirchenarchitekt die Ausgrabung der Abtei von Glastonbury. Zehn Jahre nach Beginn veröffentlichte er ein Buch, in dem er offenlegte, dass ein guter Teil der Grabung durch automatisches Schreiben gesteuert worden war – durch Botschaften von Mönchen, die seit vierhundert Jahren tot waren. Er wurde entlassen. Was fast niemand tut: dieses Buch lesen. Es ist frei zugänglich, und es sagt etwas anderes, als seine Anhänger und seine Gegner gleichermaßen berichten.

In diesem Artikel

  • Wer Frederick Bligh Bond war
  • Wie die Sitzungen abliefen
  • Was Bond über seine Methode sagte – und was nicht
  • Die Edgar-Kapelle: 580 Fuß und eine gestrichelte Linie
  • Der Widerspruch im eigenen Buch
  • Was das Archiv hundert Jahre später zeigte
  • Warum der Fall im deutschen Sprachraum zweimal anschlussfähig ist
  • Was davon bleibt

Wer Frederick Bligh Bond war

Frederick Bligh Bond wurde am 30. Juni 1864 in Marlborough in Wiltshire geboren, als Sohn eines Geistlichen, der zugleich sein Lehrer war. Ab 1888 arbeitete er als Architekt in Bristol. Die Bauten sind real und stehen teilweise noch: mehrere Schulen, das Cossham Memorial Hospital, die medizinische und die ingenieurwissenschaftliche Fakultät der Universität Bristol.

Sein Ruf beruhte aber auf etwas anderem. 1909 erschien sein zweibändiges Werk Roodscreens and Roodlofts, gemeinsam mit Dom Bede Camm, und machte ihn zu einer anerkannten Autorität für die Innenausstattung englischer Kirchen. Das ist für alles Weitere entscheidend: Wenn Bond auf ein gebrochenes Mauerfundament blickte, las er es mit mehr Vorwissen als fast irgendjemand sonst im Land.

Er war außerdem früh ein Mann der Gesellschaften: Freimaurer ab 1889, Theosophische Gesellschaft ab 1895, Society for Psychical Research ab 1902, Societas Rosicruciana in Anglia ab 1909. Schon 1899 hatte er gedruckt behauptet, die Maße der Bauten von Glastonbury verschlüsselten Gematrie.

1908 ernannte ihn die Church of England zum Grabungsleiter in Glastonbury. Die Stelle war unbezahlt. Er hatte sie dreizehn Jahre inne.

Wie die Sitzungen abliefen

Bond arbeitete nicht allein. Sein Mitarbeiter war John Allan Bartlett, pensionierter Marinekapitän und wie Bond Sohn eines Geistlichen, der unter dem Namen „John Alleyne" auftrat. Bartlett hielt den Stift. Bond saß daneben, hielt Kontakt zu dessen Hand und stellte die Fragen. Heraus kam eine Mischung aus Latein, Mittelenglisch und modernem Englisch, oft bruchstückhaft, manchmal unleserlich.

Die erste Sitzung fand am 7. November 1907 statt, noch vor Bonds offizieller Berufung. Die Hauptstimme nannte sich Johannes – ein Mönch namens Johannes Bryant –, weitere folgten. Bond gab der ganzen Gruppe später einen Namen, die Company of Avalon, und widmete ihr 1924 einen eigenen Band.

Die Skripte waren keine sauberen Offenbarungen. Sie enthielten Wegangaben, Maße, Baugeschichten – und Klagen über die Schwierigkeit der Verständigung. In einer frühen Sitzung unterbricht eine Stimme sich selbst: „Ich glaube, in manchen Dingen irre ich mich. Andere Einflüsse kreuzen meinen."

Was Bond über seine Methode sagte – und was nicht

Hier tut der Primärtext etwas Unerwartetes. The Gate of Remembrance umfasst rund 45.000 Wörter und ist frei lesbar. Wer ihn nach dem Vokabular durchsucht, das alle darin vermuten, findet es größtenteils nicht. Das Wort ghost kommt kein einziges Mal vor. Occult kommt genau einmal vor – und zwar innerhalb einer lateinischen Wendung im Skript selbst, nicht in Bonds eigener Prosa. Supernatural kommt einmal vor, in einem Satz, der davor warnt, es heranzuziehen.

Stattdessen steht dort das Vokabular der Psychologie: subconscious fünfzehnmal, automatism neunmal, telepathy achtmal. Und Bond bezieht Position, ohne sich zu verstecken. Über sich und Bartlett schreibt er in der dritten Person, keiner von beiden habe „die gewöhnliche spiritistische Hypothese" begünstigt, nach der entkörperte Intelligenzen von außen auf die Sitzenden einwirken. Eine solche Sicht, fügt er hinzu, sei ungefähr die Wahrheit von innen nach außen gestülpt.

Sein eigener Vorschlag: Jedes Einzelbewusstsein sei Bruchstück eines größeren Ganzen, und das Skript greife auf etwas zu, das er „ein kosmisches Gedächtnis, bewusst oder unbewusst, tätig oder ruhend" nennt. Was immer man davon hält – es ist keine Behauptung über Gespräche mit Toten. Er benennt sogar selbst den Fehlerfall und fragt, warum eine automatisch geschriebene Geschichte, die sich als Erfindung herausstellt, ihrem Ursprung nach schlechter sein solle als die Erfindungen, die Schriftsteller bewusst hervorbringen.

Und dann, im selben Abschnitt, der Satz, der am besten zitierbar und am seltensten zitiert ist: „Vor allem lasst uns nicht abergläubisch sein. Es besteht keine Notwendigkeit, bösartige übernatürliche Mächte zu bemühen, um das Ergebnis unserer eigenen Fehlbarkeit zu erklären."

Die Edgar-Kapelle: 580 Fuß und eine gestrichelte Linie

Das Herzstück der Legende ist die Edgar-Kapelle, um 1500 am Ostende der großen Kirche errichtet und vollständig verschollen. Das Skript gab ihre Lage an, ihre Länge – und vor allem die Form ihres Ostabschlusses: nicht die gerade Wand, die eine englische Kapelle dieser Zeit normalerweise hat, sondern eine vieleckige Apsis mit abgeschrägten Ecken. „Das Ende der Kapelle lief in einem Winkel aus, die Seiten bildeten gleichsam eine Bucht in der Ostwand."

Wie diese Apsis in den Druck kam, hat Bond selbst aufgeschrieben, und es ist der wichtigste Absatz des Buches. Die Grabung hatte das rechteckige Ende der Kapelle freigelegt und stieß dahinter auf eine glatte Lehmwand, hinter der nichts war. Von „Mauern im Winkel" keine Spur. Gleichzeitig war ein Bericht für die Proceedings der Somerset Archaeological Society fällig, und zwei Quellen des 17. Jahrhunderts, Hollar und Hearne, gaben der Abteikirche eine Gesamtlänge von 580 Fuß – ein Maß, das das ausgegrabene Rechteck nicht erreichte.

Also, in Bonds Worten: Er war „vollständig überzeugt, dass Hearne und Hollar uns Tatsachen geben", und zeichnete daher „kühn einen Plan der ausgegrabenen Kapelle mit einem Zusatz in gestrichelten Linien, der das erforderliche Maß herstellte und einen vieleckigen Anbau oder eine Apsis zeigte". Diesen Plan ließ er 1908 in den Proceedings drucken; eine Nachbildung erschien Weihnachten 1908 in der Zeitschrift The Treasury.

Erst danach, in den Weihnachtstagen, entdeckte er „einen kleinen viereckigen Fleck blassbrauner Verfärbung im Lehm" und verfolgte einen Mauerstumpf, der schräg wegführte. In seiner eigenen Ergebnistabelle steht das Resultat in Großbuchstaben als bewiesen durch die Entdeckung im Januar 1909 – nachdem der Plan bereits im Druck war. Wohlwollend gelesen ist das eine bestätigte Vorhersage. Nüchtern gelesen ist es ein Architekt, der eine dokumentarische Lücke mit der Form füllt, die seine Lektüre nahelegt, das veröffentlicht und anschließend etwas findet, das dazu passt.

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Der Widerspruch im eigenen Buch

Im hinteren Teil von The Gate of Remembrance legt Bond eine Art Zeugnis an: jede Behauptung aus dem Skript, darunter eine Zeile „EXISTING DATA" mit dem, was ohnehin schon bekannt war, darunter das Ergebnis. Unter Punkt VII, „Zum vieleckigen Ostende", lautet diese Zeile vollständig: „Keine vorhandenen Daten, aus denen sich dies hätte ableiten lassen." Das ist der Beweiskern des ganzen Buches.

Zwei Punkte weiter schreibt Bond etwas, das daneben nicht bestehen kann. Zu einer älteren Kapelle auf derselben Achse merkt er an, der Altertumsforscher Phelps habe „eine Erinnerung an diese Kapelle bewahrt, und er schlägt ein halbrundes Ende vor, was ein Vieleck bedeuten könnte". Und in seinem historischen Eingangskapitel hatte er Phelps' gedruckten Plan bereits beschrieben – einen Plan, der genau an dieser Stelle einen kurzen Vorsprung in gestrichelten Linien zeigt, versehen mit „einem halbrunden oder apsidialen Ende".

Ein gedruckter Plan mit rundem oder abgeschrägtem Ostabschluss an dieser Stelle existierte also, Bond hatte ihn gelesen, und er bespricht ihn zweimal in demselben Band, in dem er bescheinigt, dass es keine solchen Daten gab. Das ist keine Rekonstruktion eines Kritikers. Es ist ein innerer Widerspruch in seinem eigenen Buch, auffindbar für jeden, der es ganz liest.

Bei den Maßen wiederholt sich das Muster. Das Skript nannte als Länge „30 virgas" – neunzig Fuß –, und Bond räumt im Vorwort ein, dass es an einer Stelle auch fünfzig sagte; er zählt das zu „einigen sehr offensichtlichen Falschangaben". Neunzig Fuß standen bereits in den Quellen, die er und Bartlett gelesen hatten.

Was das Archiv hundert Jahre später zeigte

Zwischen 1904 und 1979 wurde in Glastonbury in sechsunddreißig Kampagnen unter acht Grabungsleitern gegraben, und fast keiner von ihnen hat ordentlich publiziert. Ab 2007 arbeitete ein Projekt unter Leitung von Professorin Roberta Gilchrist an der University of Reading das gesamte erhaltene Archiv auf, ergänzte es um eine neue geophysikalische Messung und veröffentlichte das Ergebnis über die Society of Antiquaries; die Daten liegen offen.

Zur Apsis der Edgar-Kapelle ist der Befund unmissverständlich: Der durch das automatische Schreiben nahegelegte apsidiale Abschluss wurde durch Bonds Grabungen nicht bestätigt. Und Gilchrist hält fest, was er trotzdem tat – er zeichnete die apsidiale Kapelle in seine veröffentlichten Pläne und rekonstruierte sie im Grundriss der Ruine vor Ort.

Dieser letzte Halbsatz verdient einen Moment. Wer heute über das Abteigelände geht, läuft am Ostende über einen Grundriss, der ein Bauteil enthält, das aus einer Sitzung mit einem Bleistift stammt und nicht aus einem Grabungsschnitt. Es wurde in den Rasen gelegt, und es ist dort geblieben.

Das entwertet die dreizehn Jahre nicht. Bonds Grabungen haben Lage und Maße verschollener Bauten tatsächlich geklärt, darunter die Loretto-Kapelle. Der Vorwurf der Neuauswertung trifft ihn wie fast alle Grabungsleiter des Ortes: nicht ausgewertet, nicht publiziert – und deshalb Jahrzehnte später aus Papieren zu rekonstruieren.

Vier Aussagen aus dem Skript und ihr heutiger Stand
Was das Skript sagte Bonds Urteil 1918 Heutiger Stand
Die Kapelle endet „im Winkel" – eine vieleckige Apsis Bewiesen durch Entdeckung, Januar 1909 Durch die Grabung nicht bestätigt; trotzdem in die Pläne gezeichnet und im Gelände ausgelegt (Gilchrist 2015)
Länge „30 virgas" (90 Fuß) Zutreffend, nachdem eine widersprüchliche „50" verworfen war Neunzig Fuß standen bereits in Quellen, die beide Männer gelesen hatten (Wilkins 1923)
„Dünne Mauern und schlechte Fundamente im neuen Werk" Bewiesen durch Ausgrabung Deckt sich mit dem Befund – und mit dem, was ein Architekt bei einem späten, eilig gebauten Anbau erwartet
Die Loretto-Kapelle, mit neun Blättern Bauzeichnung Im Umriss bestätigt Der Bau wurde tatsächlich lokalisiert; die Schmuckdetails des Skripts waren nie unabhängig prüfbar

Warum der Fall im deutschen Sprachraum zweimal anschlussfähig ist

Zum einen ist Bond das englische Gegenstück zu Wilhelm Teudt und den Externsteinen – und zwar der interessantere Fall. Beide gruben mit einem Ergebnis im Kopf, das feststand, bevor der Spaten ansetzte. Aber Teudt verfolgte ein weltanschauliches Programm, Bond nicht: Er wollte eine Kirche vermessen, er hat seine Methode selbst psychologisch erklärt, und er hat ausdrücklich vor Aberglauben gewarnt. Genau das macht ihn zum besseren Lehrstück. Die Falle ist nicht die Ideologie. Die Falle ist, dass ein Fachmann seine eigene Erwartung nicht mehr von seinem Befund unterscheiden kann.

Zum anderen hat Bond einen Satz Rechtsgeschichte hinterlassen, der jede Diskussion über gechannelte Texte betrifft. Mit dem Medium Geraldine Cummins arbeitete er an automatischen Skripten, die einem Schreiber des ersten Jahrhunderts namens Cleophas zugeschrieben wurden. Bond beanspruchte daran das Urheberrecht, weil die Texte an ihn gerichtet gewesen seien und er sie abgetippt habe.

Der Fall kam als Cummins v Bond [1927] 1 Ch 167 vor den High Court. Richter Eve lehnte es ab, über die Existenz eines Autors aus dem ersten Jahrhundert zu befinden, stellte fest, ein solcher Autor sei jedenfalls nicht in der Lage, Ansprüche geltend zu machen, und sprach das Urheberrecht der Frau zu, die die Wörter körperlich geschrieben hatte. Deutsches Recht käme zum selben Ergebnis, nur direkter: Nach § 7 UrhG ist Urheber, wer das Werk geschaffen hat – eine natürliche Person. Ein Geist ist keine. Der Text gehört, wer immer ihn diktiert haben mag, dem Menschen mit dem Stift.

Was davon bleibt

Nimmt man ein Jahrhundert Nacherzählung weg, bleiben drei Dinge. Bond hat dreizehn Jahre lang tatsächlich gegraben und verschollene Bauten tatsächlich gefunden. Er hat dabei tatsächlich automatisches Schreiben eingesetzt und das gedruckt gesagt – deshalb verlor er die Stelle. Und die berühmteste Bestätigung, die vieleckige Apsis, wurde als gestrichelte Linie veröffentlicht, bevor dort gegraben wurde, nie archäologisch bestätigt und trotzdem in der Ruine ausgelegt.

Was nicht bleibt, ist die Fassung, in der ein skeptischer Wissenschaftler Informationen erhielt, die er unmöglich haben konnte. Bond war nicht skeptisch; er war vor der ersten Sitzung fünf Jahre in der SPR und zwölf Jahre in der Theosophischen Gesellschaft. Er hatte auch keinen Mangel an Informationen; er war einer der belesensten Menschen Englands zu genau dieser Art von Bauwerk. Und die Behauptung seiner eigenen Tabelle, es habe keine Daten gegeben, aus denen sich eine Apsis ableiten ließe, widerlegt Bond zwei Seiten später selbst.

Die wirkliche Figur ist interessanter als die Legende. Bond lehnte die spiritistische Deutung seiner eigenen Phänomene ab, schlug eine psychologische vor, benannte das Risiko, dass automatisches Schreiben schlicht Erfindungen hervorbringt, und warnte seine Leser vor Aberglauben. Danach veröffentlichte er ein Bauwerk, das er nicht gefunden hatte. Beide Hälften stehen in demselben Buch.

Was wir nicht behaupten

Auf dieser Seite steht nicht, dass automatisches Schreiben Informationen von Verstorbenen überträgt – und auch nicht, dass es das nicht tut. Diese Frage entscheidet keine einzelne Ausgrabung, und wir entscheiden sie hier nicht. Nichts hier ist ein Heilversprechen oder eine Zusage, dass eine Praxis zu Ergebnissen führt. Belegt ist das Engere und Nützlichere: was Bond geschrieben, was er gegraben, was er vor dem Graben veröffentlicht hat – und was eine moderne Aufarbeitung des Archivs gefunden hat.

Häufige Fragen

Hat Bligh Bond die Edgar-Kapelle wirklich durch automatisches Schreiben gefunden?

Er hat die Kapelle gefunden, und das Skript enthielt Wegangaben. Das meistzitierte Detail aber – das vieleckige Ostende – wurde 1908 in gestrichelten Linien veröffentlicht, bevor dort irgendetwas gefunden war, und zwar weil zwei Quellen des 17. Jahrhunderts der Abtei eine Gesamtlänge gaben, die das ausgegrabene Rechteck nicht erreichte. Bond beschreibt das in The Gate of Remembrance selbst. Die Apsis ist durch die Grabung nie bestätigt worden.

Hat Bond behauptet, mit Geistern zu sprechen?

Nein, und er sagt es ausdrücklich. Er hält fest, dass weder er noch sein Mitarbeiter „die gewöhnliche spiritistische Hypothese" entkörperter Intelligenzen teilten, und schlägt stattdessen ein gemeinsames „kosmisches Gedächtnis" vor, erreichbar über das Unbewusste. In rund 45.000 Wörtern kommt ghost kein einziges Mal vor und supernatural einmal – in einem Satz, der davor warnt.

Warum wurde er entlassen?

Weil er seine Methode veröffentlichte. The Gate of Remembrance erschien 1918 und machte den Einsatz des automatischen Schreibens öffentlich; der Streit um die Edgar-Kapelle erreichte das Parlament; 1921 entfernte ihn Joseph Armitage Robinson, Dekan von Wells, aus dem Amt. Der Einwand richtete sich gegen Medialität als Grabungsmethode, nicht gegen seine Fähigkeiten als Architekt.

Wem gehört ein Text, den angeblich ein Geist diktiert hat?

Dem Menschen, der ihn geschrieben hat. Genau das entschied der englische High Court 1927 in Cummins v Bond zugunsten des Mediums Geraldine Cummins. Im deutschen Urheberrecht ist die Lage noch klarer: Nach § 7 UrhG ist Urheber, wer das Werk geschaffen hat, und das setzt eine natürliche Person voraus. Das ist eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Was ist der ideomotorische Effekt?

Die gut belegte Erzeugung von Bewegung durch Erwartung statt durch Absicht: kleine Muskelbewegungen, die die ausführende Person tatsächlich nicht als willentlich erlebt. Er ist die Standarderklärung für Planchette-Schrift, den Ausschlag der Wünschelrute und Ouija-Bretter; Psychologen wie Chris French haben ihn auf die Glastonbury-Skripte angewandt. Er setzt niemanden voraus, der lügt.

Quellen

  • Frederick Bligh Bond, The Gate of Remembrance (Oxford: Blackwell, 1918) – Volltext bei Project Gutenberg, E-Book 48568. Alle Zitate aus Skript, Vorwort und Ergebnistabellen stammen aus diesem Text; die Übersetzungen ins Deutsche sind unsere eigenen.
  • Roberta Gilchrist, „Glastonbury Abbey: the archaeological story", Current Archaeology 320 (2016), sowie das Glastonbury Abbey Archaeological Archive Project, Archiv und Berichte beim Archaeology Data Service.
  • Joseph McCabe, Is Spiritualism Based On Fraud? (London: Watts & Co., 1920), S. 141.
  • H. J. Wilkins, False Psychical Claims in „The Gate of Remembrance" Concerning Glastonbury Abbey (Bristol: Arrowsmith, 1923); Zusammenfassung im Spectator, 10. Juni 1922.
  • Richard Coates, Frederick Bligh Bond (1864–1945): A Bibliography of his Writings and a List of his Buildings (University of the West of England, 2015).
  • Melvyn Willin, „Frederick Bligh Bond", Psi Encyclopedia (Society for Psychical Research, 2023).
  • Kenneth Feder, Encyclopedia of Dubious Archaeology (Greenwood, 2010), S. 43–44.
  • Cummins v Bond [1927] 1 Ch 167; § 7 Urheberrechtsgesetz.

Wenn dich dieser Typ Fall interessiert: Wir haben aufgeschrieben, was die Archäologie am Glastonbury Tor wirklich gefunden hat, und wer Dion Fortune war, die am Fuß desselben Hügels lebte.

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