Mano fico (Feigenhand): Bedeutung, Herkunft & Schutz gegen den bösen Blick
Eine Faust, aus der der Daumen zwischen den Fingern hervorschaut: In Italien, Portugal und Brasilien schützt sie vor dem bösen Blick. Woher die Mano fico kommt und wo sie eine Beleidigung ist.
Inhalt
Die Mano fico, auf Deutsch Feigenhand, ist eine Faust, bei der die Daumenspitze zwischen Zeige- und Mittelfinger hervorschaut. Als Amulett soll sie den bösen Blick ablenken, vor allem in Süditalien, Portugal, Spanien und Brasilien. Schon die Römer kannten die Geste als manus fica. Als Handzeichen gegenüber anderen ist sie in der Türkei, in Osteuropa und im deutschen Sprachraum eine Beleidigung oder anzüglich. Eine Schutzwirkung ist nicht belegt.
Ein Knochenamulett mit Feigengeste aus Rom, datiert 1870 bis 1920, wurde zur Abwehr des bösen Blicks um den Hals getragen.
Quelle/Tradition: Science Museum Group, Objekt co103142
Dante lässt im Inferno, Canto XXV, Vanni Fucci die Feige gegen Gott zeigen.
Quelle/Tradition: Dante, Divina Commedia
Die Mano fico lenkt den bösen Blick durch ihr anstößiges Bild ab.
Quelle/Tradition: Mediterraner Volksglaube
Die Mano fico hat ihren Ursprung im antiken Karthago.
Quelle/Tradition: These, genannt vom Museum of Witchcraft and Magic
Ein Amulett schützt nachweislich vor Neid, Unheil oder Krankheit.
Quelle/Tradition: Kein Nachweis
Ein geschenktes Amulett wird vor dem ersten Tragen geräuchert oder im Mondlicht aufgeladen.
Quelle/Tradition: Volksmagische Praxis
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Eine kleine geballte Faust, der Daumen schiebt sich zwischen Zeige- und Mittelfinger hindurch: die Mano fico, die Feigenhand. In Italien hängt sie an Halsketten und Schlüsselbunden, in Portugal und Brasilien als Figa an Kinderwagen. Sie soll den bösen Blick ablenken. Woher das Zeichen kommt, warum es zugleich ein Schutzamulett und eine derbe Geste ist und wie du es mit Respekt verwendest.
Auf einen Blick
Was sie ist: eine Handgeste und ein Amulett, das gegen den bösen Blick, also Neid und Missgunst, schützen soll.
Woher sie kommt: schon die Römer kannten die manus fica, später verbreitete sie sich in Italien, Spanien, Portugal und Brasilien.
Vorsicht: Als Geste ist sie in der Türkei, in Osteuropa und auch im deutschen Sprachraum eine Beleidigung oder anzüglich.
Wie man sie trägt: am besten geschenkt, nah am Körper, oft aus Gagat, Koralle oder Silber.
Was ist die Mano fico?
Mano fico heißt wörtlich „Feigenhand“. Gemeint ist eine Faust, bei der die Daumenspitze zwischen Zeige- und Mittelfinger herausragt. Im Italienischen spricht man auch von mano in fica oder far le fiche, im Portugiesischen von Figa, im Spanischen von Higa. Das Museum of Witchcraft and Magic in Cornwall unterscheidet sinnvoll: mano in fica meint eher die Geste, mano fico die Geste und das Amulett.
Als Amulett ist sie meist ein kleiner Unterarm mit Faust, aus Gagat, Koralle, Knochen, Silber oder Gold, oft mit einer Öse am Handgelenk. Das Science Museum in London bewahrt zum Beispiel ein Knochenamulett aus Rom auf, datiert zwischen 1870 und 1920, das genau so um den Hals getragen wurde, um den bösen Blick abzuwehren.
Herkunft: von den Römern bis Brasilien
- Rom. Die Römer kannten die Geste als manus fica. Bei den Lemuria, einem Fest zur Abwehr umherirrender Totengeister im Mai, machte der Hausvater nach Überlieferung ein Zeichen mit dem Daumen zwischen den Fingern, das häufig als Feigenhand gedeutet wird. Frühe Christen nannten sie manus obscena, die unanständige Hand.
- Mittelalterliches Italien. Dante lässt im Inferno, 25. Gesang, den Dieb Vanni Fucci beide Hände zur Feige erheben und sie gegen Gott richten. Die Szene zeigt, wie geläufig und wie provozierend die Geste im 14. Jahrhundert war.
- Iberische Halbinsel. In Portugal, Galicien und Asturien gilt die Figa bis heute als Glückszeichen gegen den bösen Blick. In Asturien schenkt man kleinen Kindern traditionell eine Figa aus Gagat, spanisch azabache.
- Brasilien. Mit portugiesischen Siedlern kam die Figa nach Brasilien und wurde dort zu einem der bekanntesten Glücksbringer überhaupt, oft aus Holz, Stein oder Metall.
- Nordafrika. Manche Forscher vermuten Wurzeln im antiken Karthago. Das Museum of Witchcraft verweist bei einem seiner Stücke auf diese These, belegt ist sie nicht.
Warum soll eine Faust vor dem bösen Blick schützen?
Der böse Blick ist eine der ältesten Vorstellungen der Mittelmeerwelt: Ein neidischer oder bewundernder Blick kann Unglück, Krankheit oder Pech bringen, oft ohne böse Absicht. Wer schützen will, muss diesen Blick ablenken.
Genau hier wirkt die Feigenhand. Die Feige war im Mittelmeerraum ein Fruchtbarkeitssymbol, und die Geste ist eine kaum verhüllte Anspielung auf die Sexualität. Antike Schutzzeichen setzten gern auf das Anstößige: Ein derbes Bild zieht den Blick auf sich, bringt zum Lachen oder erschüttert ihn und bricht so seine Kraft. Dieselbe Logik steckt im römischen Phallusamulett und im neapolitanischen Cornicello. Zugleich ist die Faust ein Bild der Abwehr: Hier kommt nichts durch.
Achtung: wo die Feigenhand eine Beleidigung ist
Die Geste ist doppeldeutig, und das sollte man kennen, bevor man sie macht:
| Region | Bedeutung der Geste |
|---|---|
| Italien (Süden), Portugal, Brasilien, Galicien, Asturien | Schutz- und Glückszeichen, als Amulett weit verbreitet |
| Türkei | Derbe Abweisung, etwa wie der Mittelfinger (nah çekmek) |
| Russland, Ukraine, Belarus | Verweigerung mit Nachdruck (kukisch, dulja): „Du kriegst nichts“ |
| Deutschland, Dänemark, Belgien | Anzügliche Anspielung, im älteren Deutsch auch Spott: „jemandem die Feige zeigen“ |
| Mittelalterliches Italien | Schwere Beleidigung, siehe Dante |
Für die Praxis heißt das: Als Amulett ist die Mano fico unbedenklich, als Geste gegenüber anderen nicht. Wer sie zum Schutz formen will, tut das am besten unauffällig, in der Jackentasche oder hinter dem Rücken, so wie es in Italien bis heute üblich ist.
Mano fico, Cornicello, Hamsa, Nazar: der Unterschied
| Amulett | Herkunft | Wie es wirkt |
|---|---|---|
| Mano fico | Rom, Italien, Iberien, Brasilien | Lenkt den Blick ab, wehrt mit derber Geste ab |
| Cornicello | Neapel, Süditalien | Horn als Fruchtbarkeits- und Kraftsymbol |
| Hamsa | Nordafrika, Naher Osten | Offene Hand, die Unheil stoppt |
| Nazar | Türkei, Griechenland | Blaues Auge, das den Blick zurückwirft |
In Süditalien werden Mano fico und Cornicello oft zusammen an einer Kette getragen. Beide gehören zur selben Familie der Schutzzeichen gegen den malocchio.

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Materialien und ihre Bedeutung
| Material | Überlieferte Bedeutung |
|---|---|
| Gagat (Jett, azabache) | Klassisch in Spanien und Portugal, besonders für Kinder. Schwarz gilt als Farbe, die Unheil schluckt. |
| Rote Koralle | In Süditalien beliebt, Rot steht für Lebenskraft und Schutz. |
| Silber | Gilt als reinigend und spiegelnd, häufig in der Volksmagie. |
| Gold | Wohlstand und Dauer, oft als Schmuckanhänger. |
| Holz | Typisch für Brasilien, bodenständig und warm. |
| Knochen | Historisch im 19. Jahrhundert in Rom belegt. |
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Stimmen aus der Praxis
Keine Zitate, keine Namen – nur die Lagen, in denen die Mano fico in Gesprächen über Schutzzeichen typischerweise auftaucht:
- Das Erbstück. Viele mit italienischen oder portugiesischen Wurzeln erzählen von einer kleinen Feigenhand, die von der Großmutter kam und nie verkauft, nur weitergegeben wird.
- Das Geschenk zur Geburt. Häufig berichten Familien aus Spanien und Brasilien, dass eine Figa am Kinderwagen oder an der Babykette selbstverständlich dazugehört.
- Das Missverständnis. Manche beschreiben, wie sie die Geste im Urlaub harmlos gemeint haben und erst durch die Reaktion lernten, dass sie dort eine Beleidigung ist.
Was wir nicht versprechen
- Keine garantierte Schutzwirkung. Dass ein Amulett Neid oder Unheil abhält, ist nicht belegt. Es ist Volksglaube und persönliche Praxis.
- Kein Ersatz für Hilfe. Wer gemobbt, bedroht oder krank ist, braucht echte Unterstützung: Gespräche, Beratung, ärztliche Hilfe.
- Keine Angst. Der böse Blick ist eine Deutung, kein Urteil über dich. Ein Amulett soll beruhigen, nicht ängstlich machen.
Praktisch: so verwendest du die Mano fico
- Geschenkt ist besser. In Süditalien heißt es, ein Schutzamulett wirke am besten, wenn man es geschenkt bekommt. Wer sich selbst eines kauft, lässt es oft von einem lieben Menschen überreichen.
- Reinigen und aufladen. Vor dem ersten Tragen kannst du es kurz räuchern oder über Nacht ins Mondlicht legen und dabei sagen, wovor es dich schützen soll.
- Nah am Körper tragen. An der Halskette, am Armband oder im Portemonnaie. Für das Zuhause am Schlüsselbund oder neben der Eingangstür.
- Zerbricht es, hat es gearbeitet. So sagt die Überlieferung. Bedanke dich, begrabe die Reste in Erde und wähle ein neues.
- Selbst machen. Wie du ein eigenes Schutzamulett herstellst, steht in Schutzamulett selbst herstellen. Weitere Schutzzeichen findest du bei Hexenleiter und Hexenknoten.
Häufige Fragen zur Mano fico
Was bedeutet die Mano fico?
Die Mano fico, die Feigenhand, ist eine Faust mit dem Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger. Als Amulett soll sie den bösen Blick ablenken und vor Neid und Missgunst schützen, vor allem in Italien, Portugal, Spanien und Brasilien.
Ist die Feigenhand eine Beleidigung?
Als Geste je nach Land ja: In der Türkei, in Russland und der Ukraine ist sie eine derbe Abweisung, im deutschen Sprachraum anzüglich. Als Amulett getragen gilt sie dagegen als Schutzzeichen.
Woher kommt die Mano fico?
Schon die Römer kannten die Geste als manus fica. Im Mittelalter war sie in Italien verbreitet, Dante erwähnt sie im Inferno. Über Portugal kam die Figa später nach Brasilien.
Was ist der Unterschied zwischen Mano fico und Cornicello?
Beide sind süditalienische Amulette gegen den bösen Blick. Die Mano fico ist eine Faust mit Daumen zwischen den Fingern, der Cornicello ein kleines gedrehtes Horn. Oft werden beide zusammen getragen.
Darf ich mir eine Mano fico selbst kaufen?
Ja. Die Überlieferung sagt zwar, geschenkte Amulette wirkten stärker. Viele lassen sich ein gekauftes Amulett deshalb von einem lieben Menschen überreichen.
Was bedeutet es, wenn ein Amulett zerbricht?
Im Volksglauben heißt es, das Amulett habe Unheil abgefangen und seine Arbeit getan. Man bedankt sich, gibt die Reste der Erde zurück und wählt ein neues.
Quellen & Weiterlesen
- Objekte: Science Museum Group, London: Knochenamulett in Form von Hand und Arm mit Feigengeste, Rom, 1870–1920 (Objekt co103142); Museum of Witchcraft and Magic, Boscastle: Holzhand mit Mano-fico-Geste (Objekt 1312).
- Literatur: Dante Alighieri: Divina Commedia, Inferno, Canto XXV, Verse 1–3 (Vanni Fucci).
- Antike: Ovid: Fasti, Buch V (Lemuria); zur Geste manus fica und zur Verbreitung in Iberien und Brasilien: Übersichtsartikel „Fig sign“, englischsprachige Wikipedia.
- Weiterlesen bei uns: Amulett, Talisman, Glücksbringer: der Unterschied · Schutzzauber gegen Neider · Schwarze Magie abwehren
Amulette und Schutzzeichen in diesem Beitrag sind Volksglaube und spirituelle Praxis, keine Garantie. Stand: 19.10.2026.
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