Herrington bei American Alchemy: UFOs und Geheimhaltung
Ein Ex-Energieminister sagt: Marine-Videos echt, Rückbergungen nein — und eine Alien-Geschichte über ihn sei erfunden. Wir ordnen sieben Thesen ein.
Ein ehemaliger US-Energieminister, der zum ersten Mal ausführlich über UFOs spricht — und zugleich eine Geschichte bestreitet, die seit Monaten durch die Szene wandert: Das ist die Folge „Secretary Of Energy Breaks Silence on UFOs“ von American Alchemy, veröffentlicht am 07.10.2026 und bis heute über 1,1 Millionen Mal angesehen. Gastgeber Jesse Michels interviewt John S. Herrington, der unter Ronald Reagan von 1985 bis 1989 das Energieministerium und damit das Atomwaffenprogramm der USA leitete. Herrington sagt: Die Marine-Videos von unidentifizierten Flugobjekten seien echt, aber er wisse nicht, was sie zeigen — und eine Geschichte, nach der er in den 1980ern von Außerirdischen erzählt habe, sei erfunden. Wer verstehen will, wie sich Zeugenaussage, Dementi und Beweislage in der UAP-Debatte zueinander verhalten, findet hier ein selten klares Lehrstück.
Inhalt
In der Folge „Secretary Of Energy Breaks Silence on UFOs“ von American Alchemy (07.10.2026, rund 109 Minuten) sagt der frühere US-Energieminister John Herrington (1985–1989): Die Marine-Videos seien echt, ihre Herkunft kenne er nicht; Rückbergungen schließt er mit hoher Sicherheit aus, und die Geschichte des Autors Brent Friedman, er habe 1981 von Außerirdischen erzählt, nennt er erfunden. Belegt sind Herringtons Amtszeiten, die Echtheit der Marine-Videos (Pentagon 2020), der Greenbrier-Bunker (1992 öffentlich) und die Palomar-Studie als statistische Korrelation (Scientific Reports 2025). Nicht belegt sind Friedmans Bericht, ein Roswell-Hazing im Energieministerium und die Deutung der Transienten als UFOs. Aussage steht gegen Aussage.
Das Pentagon bestätigte im April 2020 die Echtheit der drei bekannten Marine-Videos und stufte sie als unidentifizierte Phänomene ein.
Quelle/Tradition: Pentagon-Mitteilung vom April 2020
Herrington habe als Energieminister nichts zu UFOs in Haushalten oder Programmen gesehen.
Quelle/Tradition: Selbstaussage Herringtons in der Folge (ca. 18:47–19:31); keine unabhängige Prüfung
Herrington war vom 7. Februar 1985 bis 20. Januar 1989 US-Energieminister (zuvor Assistant Secretary of the Navy ab Oktober 1981).
Quelle/Tradition: Wikipedia „John S. Herrington“; Miller Center, University of Virginia
Herrington habe Brent Friedman 1981 privat gesagt, Außerirdische seien real, und von monatelangen Briefings in West Virginia berichtet.
Quelle/Tradition: Aussage Friedmans (Podcast Sound, Light & Frequency); keine Dokumente oder Zeugen; Herrington bestreitet; Bericht in Unknown Country, Juli 2026
Herringtons Dementi: Er habe Friedman kaum gekannt, 1981 weder Koffer noch Personenschutz gehabt und nie von Außerirdischen erzählt.
Quelle/Tradition: Selbstaussage Herringtons (ca. 21:28–24:05); Aussage gegen Aussage, keine unabhängige Prüfung
Der Greenbrier-Bunker wurde ab 1958 gebaut und 1992 durch die Washington Post (Ted Gup) öffentlich bekannt.
Quelle/Tradition: Washington Post 1992; Greenbrier-Dokumentation
Rund 170 Militärangehörige hätten UFOs an Atomwaffenstandorten gemeldet.
Quelle/Tradition: Robert Hastings, UFOs and Nukes (2008), Zeugenaussagen; keine offizielle Bestätigung; Angabe von Jesse Michels
UFO-Material falle als „Restricted Data“ unter die Geheimhaltung des Atomic Energy Act.
Quelle/Tradition: Das Konzept „born classified“ existiert im Atomic Energy Act; die Anwendung auf UAP-Material ist nur Behauptung (Grusch)
Eine von zwei Ubatuba-Magnesiumproben zeige ungewöhnliche Isotopenverhältnisse (rund 30 Prozent daneben).
Quelle/Tradition: Garry Nolan in einem Interview (IFLScience); begutachtete Veröffentlichung nicht gefunden
Palomar-Transienten waren an Tagen nahe oberirdischer Atomtests rund 45 Prozent wahrscheinlicher, am Tag danach etwa 68 Prozent.
Quelle/Tradition: Bruehl & Villarroel, Scientific Reports 15, 34125 (2025)
Die Palomar-Transienten seien UFOs oder hätten mit Atomtests ursächlich zu tun.
Quelle/Tradition: Autoren betonen: keine Aussage zur Ursache; Bedeutung offen
Im Energieministerium habe es ein „Roswell-Hazing“-Ritual mit inszenierten Alien-Briefings für neue Spitzenbeamte gegeben.
Quelle/Tradition: Mündliche Schilderung eines früheren Gasts in der Folge (ca. 1:44:18); keine Dokumente
US-Stellen verbreiteten in den 1980ern gezielt UFO-Desinformation (Fall Paul Bennewitz, Richard Doty).
Quelle/Tradition: Berichte u. a. Greg Bishop, Project Beta (2005); Mark Pilkington, Mirage Men (2010)
Das US-Programm Aircraft Nuclear Propulsion (1946–1961) existierte; ein Flugzeug mit Atomantrieb ist nie geflogen.
Quelle/Tradition: Historische Darstellungen des ANP-Programms; Idaho National Laboratory
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Die Folge auf einen Blick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Show | American Alchemy (YouTube-Kanal von Jesse Michels) |
| Host | Jesse Michels |
| Gast | John S. Herrington — Jahrgang 1939, laut Wikipedia von 1981 bis 1983 Assistant Secretary of the Navy für Personal und Reserve, danach im Personalbüro des Weißen Hauses und vom 7. Februar 1985 bis 20. Januar 1989 Energieminister; laut Folgenbeschreibung Gründungsmitglied im Vorstand der Reagan-Präsidentenbibliothek. Per Zuschaltung im Gespräch: der Drehbuchautor und Produzent Brent Friedman (Podcast „Sound, Light & Frequency“), ein früherer Gast der Show. |
| Datum / Dauer | 07.10.2026 · rund 109 Minuten (über 1,1 Mio. Aufrufe nach neun Tagen) |
| Link | youtube.com/watch?v=1F7DHbSbgbQ |
| Drei Kernaussagen | 1) Herrington hält die Navy-Aufnahmen für echt, kennt aber ihre Herkunft nicht und sah in seiner Amtszeit nichts zu UFOs in Budgets oder Programmen. 2) Er nennt Friedmans Erzählung (Aktenkoffer, Geheimbunker, Aussage über reale Außerirdische) „total BS“ und bestreitet auch Roswell-Rückbergungen. 3) Jesse hält mit Zeugen, Dokumenten und Studien dagegen und lässt Friedman zu Wort kommen — Beweise für die UFO-These liefert die Folge nicht, wohl aber eine offene Auseinandersetzung. |
Die Folge ansehen
Kapitelführer mit Minutenangaben
- 0:00 — Einführung und Friedmans Geschichte über „den Nachbarn“ (1:28)
- 8:14 — Erste Begegnung mit Reagan; seine Tagebücher und selbst geschriebene Reden
- 13:02 — Die Strategic Defense Initiative („Star Wars“) und Edward Teller
- 17:33 — Das Green-Fireball-Dokument von 1949 und Herringtons Haltung zur UFO-Frage (18:47)
- 21:28 — Herrington bestreitet Friedmans Geschichte
- 24:49 — Der Greenbrier-Bunker in West Virginia
- 27:26 — Friedman antwortet; das Gespräch auf der Veranda 1981 (29:43)
- 39:01 — David Grusch und der Politico-Journalist (41:36)
- 44:32 — UFOs an Atomwaffenstandorten; Harold Malmgrens Trümmerstücke (46:09)
- 50:59 — F-117, Skunk Works und das geheime Budget
- 53:53 — Garry Nolans Ubatuba-Probe; Reagans Sichtung von 1974 (56:57)
- 1:06:06 — Meeresboden, NURO und der CIA-Verbindungsmann zu Hollywood (1:07:26)
- 1:11:28 — Atomflugzeug, Projekt Orion und Atomtests
- 1:13:37 — „Zeigt mir Beweise“; Palomar-Transienten (1:15:37); Präkognition (1:17:13)
- 1:31:01 — Marco Rubio, Atomic Energy Act und Rickover (1:32:54)
- 1:40:17 — Abschied, Reagan-Souvenirs; danach Friedman zur „Hazing“-Theorie (1:42:45)
Hinweis: Die Werbeblöcke (Arzttermin-App, Kreatin-Präparat) bei 6:06–7:35 und 49:23–50:59 gehören nicht zum Inhalt.
Deep Dive: sieben Thesen der Folge und was davon trägt
1. Die Navy-Videos sind echt — nur weiß der Gast nicht, was sie sind
Herrington sagt, in seiner Zeit als Minister sei ihm nichts zu UFOs in den Haushalten oder Programmen begegnet; Gerüchte über Area 51 habe es gegeben, aber nichts zu Außerirdischen (18:47–19:31). Die Aufnahmen der Marine dagegen hält er für authentisch: „I frankly, Jesse, I don’t know what they are“ (ca. 19:50). Die Leistung, die man für solche Flugbahnen bräuchte, übersteige seiner Einschätzung nach, was irgendein Land beherrsche. U-Boot-Begegnungen hält er eher für Wale. Zugleich lehnt er die Rückschlüsse seines Gastgebers ab: Dass es Dinge gibt, die über Militärbasen fliegen, nimmt er an — „was“ sie sind, „keine Ahnung“.
Einordnung: Dass die drei bekannten Marine-Videos echt sind, hat das Pentagon im April 2020 selbst bestätigt und sie als „unidentified aerial phenomena“ eingestuft. Echt heißt dabei nur: nicht gefälscht. Was sie zeigen, ist offen; die Pentagon-Behörde AARO kam in ihrem historischen Bericht von 2024 zu dem Schluss, dass sie keinen Beleg für außerirdische Technik oder Rückbergungsprogramme fand. Herringtons Position — echt, aber unbekannt — liegt damit nah an der offiziellen. Seine Aussage, er habe zu seiner Zeit nichts gesehen, ist Zeugenaussage eines Ministers; sie ist wertvoll, widerlegt aber nicht Programme, die an seinem Büro vorbeiliefen. Das räumt er selbst ein (51:06).
2. Friedmans Geschichte sei erfunden — Aussage gegen Aussage
Den Anlass der Folge fasst Jesse am Anfang zusammen (1:28–4:26): Friedman erzählt in „Sound, Light & Frequency“, Herrington, einst sein Nachbar, habe ihn 1981 gebeten, Autos quer durch die USA nach Washington zu fahren. Am Abend der Ankunft sei Herrington mit Personenschützern und einem an das Handgelenk gekettetem Koffer erschienen, habe von monatelangen Briefings in einer Anlage in West Virginia gesprochen und gesagt, Außerirdische seien real; er habe nachts geweint. Herrington weist das zurück (21:28–24:05): Er habe im Sommer 1981 noch eine untergeordnete Stelle im politischen Büro des Weißen Hauses gehabt, ohne Limousine, Personenschutz oder Koffer; ein Geheimort sei nie Teil seiner Arbeit gewesen. Friedman habe bei der Autoüberführung geholfen, sonst habe er den Mann kaum gekannt. Die Geschichte nennt er „total BS“ (ca. 22:30).
Friedman hält in seiner Zuschaltung dagegen (27:26–33:04): Er habe von seinem sechsten bis zwölften Lebensjahr neben den Herringtons gelebt; Herrington habe ihm Football beigebracht. Herrington habe damals gesagt, wenn er seinen Namen nenne, werde er alles abstreiten. Er habe den Namen erst 2019/2020 genannt; kurz vor dem Start seiner Show habe er eine handschriftliche Gratulationskarte von Herrington erhalten, die er suchen müsse (37:36). Er sei bereit, einen Polygrafentest zu machen (35:13).
Einordnung: Unabhängig prüfbar ist wenig. Die Ämter, die Herrington nennt, passen zu den bekannten Daten: Assistant Secretary of the Navy ab Oktober 1981, Personalbüro des Weißen Hauses 1983–1985, Energieminister ab Februar 1985. Ein Ministeramt hatte er 1981 nicht; die Behauptung, er habe damals mehr Freigaben gehabt als der Präsident, wäre schwer mit seinem damaligen Rang vereinbar. Gegen Friedman spricht außerdem, dass es keine Dokumente, Zeugen oder Notizen aus dem Jahr 1981 gibt; das stellt auch die Berichterstattung des Magazins Unknown Country vom Juli 2026 fest, in der Journalist Ross Coulthart zitiert wird, Herrington habe die Geschichte auf Nachfrage zurückgewiesen. Für Friedman spricht, dass ein Gespräch unter vier Augen nie Spuren hinterlässt und dass er sich öffentlich einem Lügentest angeboten hat. Auffällig an Herringtons Darstellung: Er räumt ein, Friedman für die Autoüberführung gebeten zu haben (22:35), erklärt aber zugleich, ihn nur als Baby gekannt zu haben (21:04) — das schließt sich nicht zwangsläufig aus, wirft aber Fragen auf. Wir behandeln beide Darstellungen als nicht belegte Aussagen; ein Urteil darüber, wer sich irrt, steht uns nicht zu.
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3. Der Bunker in West Virginia: Was Friedman meinte, was Herrington kennt
Herrington räumt ein, den Regierungsbunker unter einem Hotel in West Virginia zu kennen: Er habe ihn als Minister bei einem Golfausflug besichtigt (24:49–25:35), nicht vorher. Friedman wendet ein, das Wissen über solche Anlagen sei 1981 öffentlich gar nicht verfügbar gewesen (33:04) — wer damals davon erzählt habe, habe etwas gewusst, was nicht in der Zeitung stand.
Einordnung: Gemeint ist der Greenbrier-Bunker bei White Sulphur Springs. Er wurde ab 1958 gebaut und war als Ausweichort für den Kongress im Atomkrieg gedacht; öffentlich bekannt wurde er erst 1992 durch einen Bericht der Washington Post (Ted Gup). Friedmans Beobachtung, 1981 habe man kaum davon gewusst, trifft zu. Sie beweist aber nichts: Dass jemand 1981 von „einer Anlage in West Virginia“ sprach, kann auf vieles zurückgehen — auf Gerüchte, auf Dienstwissen aus anderen Quellen oder darauf, dass sich Erinnerung später an spätere Informationen angleicht. So etwas muss jede Erinnerung nach 45 Jahren in Betracht ziehen.
4. UFOs über Atomwaffenstandorten
Jesse verweist auf rund 170 Militärangehörige, die UFO-Sichtungen an Basen mit Kernwaffen berichtet hätten, darunter Malmstrom in Montana, Ellsworth und F. E. Warren, außerdem Savannah River und Pantex (44:32–45:03; 1:03:08). Herrington hat dazu nach eigener Aussage keine Informationen (45:03). Auch zur Frage, ob Roswell etwas Außerirdisches war, sagt er klar: „Absolutely were no retrieved UFOs“ (ca. 1:28:40), mit hoher Sicherheit. Zur Frage, ob UFO-Geheimhaltung unter das Atomgesetz falle — Gruschs These, strahlendes Material sei „von Geburt an geheim“ —, erklärt er den Gedanken für Unsinn: Die Atomenergiekommission sei eigenständig gewesen und habe Informationen veröffentlicht (1:32:54–1:34:35).
Einordnung: Die Zeugenberichte stammen im Kern aus dem Buch UFOs and Nukes von Robert Hastings (2008), der Interviews mit ehemaligen Wach- und Raketenpersonal gesammelt hat; sie sind Zeugenaussagen, offiziell bestätigt wurde kein einziger Fall. Das Konzept „born secret“ gibt es tatsächlich: Der Atomic Energy Act von 1946 bzw. 1954 definiert „Restricted Data“ als von Natur aus geheim. Ob dieses Recht je auf unbekanntes Material angewendet wurde, ist Behauptung; Belege dafür fehlen. Herringtons Hinweis auf die Geschichte der Behörden stimmt in einem Punkt nicht ganz: Die Atomenergiekommission wurde 1974/75 aufgelöst, das Energieministerium 1977 gegründet — er nennt „76“. Ein Detailfehler, der die Kernaussage nicht ändert.
5. Material in Stanford: Ubatuba und die Magnesiumproben
Jesse sagt, Beweise lägen vor: Ein Dokument aus Oak Ridge aus den 1950ern beschreibe Magnesium-Wismut-Legierungen mit auffälligen Isotopenverhältnissen; der Stanford-Professor Garry Nolan habe Material vom Strand von Ubatuba in Brasilien analysiert, bei dem die Magnesium-Verhältnisse „völlig daneben“ lägen (53:53–55:30). Herrington fragt nach Herkunft und Kette der Besitzer und ob man es nicht datiert habe; wer ein Trümmerstück habe, müsse erklären, wo der Rest sei und was versagt habe (55:30–56:57). Eine Einladung nach Stanford schlägt er nicht aus, zeigt sich aber unbeeindruckt.
Einordnung: Die Ubatuba-Fragmente gehen auf einen angeblichen Absturz 1957 zurück. Laut einem Interview, über das IFLScience berichtete, hat Nolan zwei Magnesiumproben aus Ubatuba untersucht: Eine habe völlig normale Isotopenverhältnisse gezeigt, die andere sei um etwa 30 Prozent „daneben“ gewesen. Magnesium-Isotopenverhältnisse könnten verändert werden, wenn auch aufwendig; unklar sei, wer eine 70 Jahre alte Probe so manipulieren sollte. Eine begutachtete Veröffentlichung dazu konnten wir nicht finden. Der Stand ist also: ein Messwert, eine zweite normale Probe, offene Herkunftsfrage. Herringtons Frage nach der Probenkette ist die Standardfrage der Forensik.
6. Die Palomar-Transienten: Lichtpunkte auf Platten aus der Zeit vor den Satelliten
Jesse beschreibt Untersuchungen der Astrophysikerin Beatriz Villarroel (Stockholm), die auf Palomar-Fotoplatten der 1950er Lichtpunkte fand, die flach und spiegelnd wirkten; ein Folgeprojekt an der Vanderbilt-Universität zeige, dass sie rund um Atomtests häufiger seien — „70 Prozent“ (1:15:37–1:16:32). Herrington reagiert freundlich: Jesse solle dranbleiben, er wolle die Antwort hören.
Einordnung: Die Arbeit ist veröffentlicht: Bruehl & Villarroel, Scientific Reports 15, 34125 (2025). Danach waren Transienten an Tagen nahe oberirdischer Atomtests rund 45 Prozent wahrscheinlicher, am Tag nach einem Test um etwa 68 Prozent. Jesses „70 Prozent“ ist also eine Aufrundung der stärksten Teilzahl. Die Autoren betonen, dass dies kein Beweis für eine Ursache ist und nicht klärt, was die Transienten sind; sie halten die Bedeutung der Zusammenhänge für noch nicht bestimmt. Belegt ist die Korrelation, nicht die Deutung als UFOs.
7. Die „Hazing“-Theorie: Waren die Aliens ein Einweihungstest?
Nach dem Interview diskutieren Jesse und Friedman, ob Herrington Friedman womöglich „getestet“ habe (1:42:45–1:48:08). Jesse verweist auf einen früheren Gast, einen ehemaligen Geheimdienstchef des Energieministeriums, der berichtet habe, neue hochrangige Mitarbeiter seien in einem Ritual mit einem inszenierten Alien-Briefing „hereingelegt“ worden, bis jemand lachte (1:44:18). Friedman findet das passend zu dem, was er über „Prüfungen“ und Initiationen gelernt hat; er sei bereit, es als Möglichkeit zu sehen.
Einordnung: Das ist die spekulativste Passage und zugleich die interessanteste Brücke: Dokumentiert ist, dass US-Militärgeheimdienste in den 1980ern gezielt falsche UFO-Informationen verbreitet haben — am bekanntesten ist der Fall des Paul Bennewitz, dem ein Mitarbeiter der Luftwaffen-Abwehr (Richard Doty) Desinformation zuspielte. Dass daraus Rituale und Legenden entstanden, ist denkbar; für das konkrete „Roswell-Hazing“ im Energieministerium gibt es nur die mündliche Aussage in der Folge. Als Erklärung für Friedmans Erlebnis bleibt die Theorie unprüfbar. Sie zeigt aber, wie schwer Zeugenaussagen in diesem Feld einzuordnen sind: Auch ein „Dementi“ und ein „Geständnis“ können Teil eines Spiels sein — oder schlicht ein Missverständnis.
Abseits der UFOs: Reagan, SDI und Golden Dome
Ein großer Teil der Folge (8:14–17:33) gehört Reagan. Zur Strategic Defense Initiative erzählt er von Edward Tellers nuklear gepumpten Röntgenlaser („Excalibur“), der angeblich eine Silbermünze auf 500 Meilen treffen sollte. Das Programm hat es gegeben; zum Einsatz kam es nicht. Den heutigen „Golden Dome“ sieht Herrington als späte Bestätigung. Erwähnenswert auch die Randbemerkung, die USA hätten ein nuklear angetriebenes Flugzeug in einem Hangar in Idaho Falls (1:10:31–1:12:03): Das Programm „Aircraft Nuclear Propulsion“ (1946–1961) existierte tatsächlich; geflogen ist nie ein Flugzeug mit Atomantrieb, ausgestellt sind Testtriebwerke in Idaho. Die Zuschreibung an Howard Hughes bleibt unbelegt.
Was neu ist — und was widersprüchlich bleibt
Neu ist erstens, dass sich ein ehemaliger Kabinettsminister ausführlich zur UAP-Frage äußert, mit einem klaren Nein zu Rückbergungen, einem Ja zu den Marine-Videos und der Bereitschaft, vor dem Kongress auszusagen (1:31:31–1:33:02). Neu ist zweitens die Form: American Alchemy bringt die Gegenseite gleich in dieselbe Folge — ein Format, das wir in Podcast-Kreisen selten sehen. Widersprüchlich bleibt, dass Herrington die Erzählung eines früheren Nachbarn bestreitet, ihn aber als Fahrer beauftragt hat; dass er geheime Parallelprogramme einräumt (F-117, Atomflugzeug, NURO — das National Underwater Reconnaissance Office), aber jede Kenntnis zu UFOs verneint; und dass er einerseits Skepsis predigt, andererseits aber ausdrücklich glaubt, dass manche Menschen die Zukunft sehen können (1:17:13). Für die Szene bedeutet das: Dieses Gespräch ist kein Beweis für oder gegen das UFO-Thema, sondern ein Zeitdokument über die Grenzen von Insiderwissen.
Stimmen aus der Community
Stand 16.10.2026 haben wir die obersten YouTube-Kommentare gelesen. Auf Reddit fanden wir keinen belastbaren Faden zu dieser Folge; deshalb stützt sich das Bild nur auf YouTube. Es ist deutlich: Die meisten Kommentare sind Herrington gegenüber kritisch, Zustimmung für ihn fanden wir in den Spitzenkommentaren nicht. Paraphrasiert:
- YouTube, @johndant… (rund 1.200 Likes): scherzt, Herrington habe am Ende des Interviews bestritten, überhaupt von Jesse interviewt worden zu sein.
- YouTube, @jasonvib… (rund 1.600 Likes): empfindet das Gespräch wie „gegen eine Wand reden“ und unterstellt Herrington, auch im Ruhestand loyal zum Apparat zu stehen — eine Meinung, kein Beleg.
- YouTube, @betsyd… (rund 1.400 Likes): glaubt, Herrington müsse Friedmans Geschichte bestreiten, weil er sonst einräumen würde, seinen Geheimhaltungseid gebrochen zu haben.
- YouTube, @RyanKidd… und @bjornneuh…: loben Jesse dafür, dem Gast zu widersprechen, Grusch zu verteidigen und Friedmans Seite zu zeigen.
- YouTube, @Tbone19… (21 Likes): steigt bei Minute 21 aus: Wer „nichts weiß“ und U-Boot-Sichtungen für Wale hält, habe wenig zu sagen.
- YouTube, @kaelsur… (rund 450 Likes): fasst zusammen, der Gast sei gekommen, um zu sagen, dass er „nichts weiß“.
Das Meinungsbild ist also eher skeptisch gegenüber dem Gast als gegenüber der UFO-Frage. Offen bleibt in den Kommentaren, ob ein Nichtwissen eines Ministers überhaupt etwas aussagt — und genau das fragen wir unten.
Warum das für die „neue Welt“ zählt
Eine neue Welt braucht Wege, mit Unsicherheit zu leben. Diese Folge zeigt, wie das aussehen kann — und wie nicht. Auf der einen Seite steht ein Mann, der 87 Jahre alt ist, ein Weltbild aus einer Zeit hat, in der Geheimhaltung als Normalität galt, und trotzdem sagt: Ich bin nicht blind für das, was ich im Fernsehen sehe. Auf der anderen Seite steht eine Szene, die Vermutungen schnell zu Gewissheit verdichtet. Zwischen beiden liegt der Raum, den wir bei Temple of Desire pflegen wollen: neugierig, wohlwollend, nüchtern. Dazu gehört, Zeugen ernst zu nehmen und trotzdem nach Unterlagen zu fragen; zuzuhören, wenn Herrington von intuitivem „Wissen ohne Erklärung“ erzählt (1:17:13–1:18:00), und zu bemerken, dass im Schlussgespräch von einem Zusammenfluss von Wissenschaft und Spiritualität die Rede ist. Praktisch heißt das für dich: Prüfe, ob eine Geschichte auf Dokumenten, auf Messdaten oder nur auf einer Stimme beruht — und halte aus, dass manche Fragen offen bleiben. Wir fördern die Debatte; wir verkaufen keine Gewissheiten.
Kritische Fragen, die die Folge offenlässt
- Was sagt das Nichtwissen eines Ministers über Programme aus, die laut dem Gast so geheim waren, dass selbst er sie nicht sehen sollte (51:06)?
- Wie lässt sich ein Gespräch unter vier Augen von 1981 überprüfen, wenn beide Seiten bei ihrer Version bleiben — und welche Beweise würden beide Seiten akzeptieren?
- Wenn der Gast Rückbergungen „mit hoher Sicherheit“ ausschließt, worauf stützt sich diese Sicherheit — auf eigene Akteneinsicht oder auf das Fehlen von Gerüchten in seinem Umfeld?
- Welche der „materiellen Beweise“ (Ubatuba, Oak Ridge) wurden unabhängig und begutachtet wiederholt?
- Kann die Hazing-Theorie als Erklärung dienen, ohne dass sie jede Gegenbeobachtung in sich aufnimmt?
Glossar
- UAP
- „Unidentified Anomalous Phenomena“: der heutige US-Amtsbegriff für nicht identifizierte Phänomene in Luft, Raum und Wasser; ersetzt „UFO“.
- Strategic Defense Initiative (SDI)
- Reagans Raketenabwehrprogramm der 1980er, im Volksmund „Star Wars“.
- Restricted Data
- Im Atomic Energy Act definierte Kategorie von Informationen zu Kernwaffen und Spaltmaterial, die automatisch geheim sind.
- Greenbrier-Bunker
- Geheimer Atomschutzbunker unter einem Hotel in West Virginia für den US-Kongress; 1992 öffentlich gemacht.
- Transienten
- Kurzzeitige Lichtpunkte auf historischen Himmelsaufnahmen, die sich keinem bekannten Objekt zuordnen lassen.
- Isotopenverhältnis
- Verhältnis der Atomvarianten eines Elements; auf der Erde meist sehr stabil, daher als „Fingerabdruck“ von Material genutzt.
- Hazing
- Englisch für Initiationsstreich: ein Einweihungstest, bei dem Neulinge absichtlich getäuscht werden.
Weiterlesen
- Aztec 1948: Jesse Michels und der vergessene UFO-Absturz
- Deep Prasad bei American Alchemy: Ist KI Alien-Technik?
- Element 115: Was Bob Lazar 1989 über den UFO-Treibstoff sagte
- Remote Viewing und Projekt Stargate: 23 Jahre Hellsehen im Auftrag der CIA
- Hessdalen-Lichter: das Tal mit der einzigen UFO-Messstation der Welt
Häufige Fragen
Worum geht es in der American-Alchemy-Folge mit John Herrington?
Der frühere US-Energieminister John Herrington spricht über Reagan, die Raketenabwehr und UFOs; er hält die Marine-Videos für echt, bestreitet aber Rückbergungen und eine Geschichte, nach der er von Außerirdischen erzählt habe (07.10.2026, rund 109 Minuten).
Wer ist John Herrington?
Er war unter Ronald Reagan von Februar 1985 bis Januar 1989 US-Energieminister und davor unter anderem Assistant Secretary of the Navy und im Personalbüro des Weißen Hauses; Jahrgang 1939.
Was behauptet Brent Friedman?
Der Drehbuchautor sagt, Herrington habe ihm 1981 privat erzählt, Außerirdische seien real. Herrington bestreitet das; unabhängige Belege gibt es für keine der beiden Darstellungen.
Bestätigt Herrington UFOs?
Nein. Er hält die Marine-Aufnahmen für authentisch und ihre Herkunft für unbekannt, schließt aber Rückbergungen mit „hoher Sicherheit“ aus.
Was ist von den Palomar-Transienten zu halten?
Eine 2025 in Scientific Reports veröffentlichte Studie fand eine statistische Häufung rund um Atomtests der 1950er; ob sie etwas Besonderes bedeutet, lassen die Autoren offen.
Wurde in der Folge etwas bewiesen?
Nein. Die Folge liefert Aussagen, Gegenaussagen und Verweise auf Studien und Proben, aber keinen unabhängig geprüften Beleg für nichtmenschliche Technik.
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