Okkultes & verborgenes Wissen

Erik Jan Hanussen: Der Hellseher von Berlin, der Reichstagsbrand und was wirklich belegt ist

Ein Wiener Varietékünstler gibt sich als dänischer Graf aus, deutet den Nationalsozialisten die Zukunft und wird von ihnen ermordet. Was über Erik Jan Hanussen belegt ist – und warum seine berühmteste Vorhersage in keiner Mitschrift steht.

Runder Séance-Tisch mit von unten leuchtender Milchglasplatte, dahinter leere grüne Samtsessel und ein dunkler Vorhang

Am Abend des 27. Februar 1933 brannte in Berlin der Reichstag. Bis heute heißt es, ein Hellseher habe das Feuer am Vorabend in seinem neuen „Palast des Okkultismus“ vorausgesagt. Vier Wochen später war dieser Hellseher tot, ermordet von der SA, deren Führer er mit Geld und Horoskopen unterstützt hatte. Er hieß Hermann Steinschneider, stammte aus einer jüdischen Familie in Wien und nannte sich Erik Jan Hanussen. Sein Leben ist gut dokumentiert. Die Vorhersage, für die man ihn kennt, ist es nicht.

Schnellantwort

Erik Jan Hanussen (1889–1933), geboren als Hermann Steinschneider in Wien, war ein Gedankenleser und Hypnotiseur, der um 1932 als „Hellseher“ in Berlin berühmt wurde. Er gab eine okkulte Zeitung mit bis zu 140.000 Exemplaren heraus, unterstützte die Berliner SA mit Geld und warb mit Horoskopen für die NSDAP. Ihm wird nachgesagt, den Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 vorausgesagt zu haben – die Überlieferung dazu ist widersprüchlich. Im März 1933 verhaftete ihn die SA und ermordete ihn. Hellseherische Fähigkeiten sind nicht belegt.

Einordnung
Belegt

Erik Jan Hanussen wurde am 2. Juni 1889 in Wien-Ottakring als Hermann Steinschneider geboren.

Quelle/Tradition: Österreichisches Biographisches Lexikon, Bd. 13 (2010); Leo Baeck Institute

Belegt

Ab 1918 trat er in Wien als „Telepath“ auf, später als Gedankenleser und Hypnotiseur auf Varietébühnen.

Quelle/Tradition: Österreichisches Biographisches Lexikon; Leo Baeck Institute

Belegt

Sein Lehrbuch „Das Gedankenlesen / Telepathie“ (1920) erklärt Muskellesen, Fragelogik und Handkontakt-Experimente.

Quelle/Tradition: Hanussen 1920, engl. Ausgabe „Mind Reading and Telepathy“ (Inhaltsverzeichnis, Lektionen 2–8); ÖBL (Werkliste)

Belegt

Im Leitmeritzer Hellseherprozess wurde er wegen Betrugs angeklagt und 1930 freigesprochen.

Quelle/Tradition: Österreichisches Biographisches Lexikon; Forward, Rezension 2011

Belegt

Seine Zeitung „Berliner Wochenschau“ erreichte bis zu 140.000 Exemplare und warb im Oktober 1932 mit Horoskopen für die NSDAP.

Quelle/Tradition: Leo Baeck Institute, Sammlungsbeschreibung und Digitalisat

Belegt

Er unterstützte die Berliner SA unter Graf Helldorff finanziell.

Quelle/Tradition: Österreichisches Biographisches Lexikon; Leo Baeck Institute

Belegt

Im März 1933 wurde er von der SA verhaftet und ermordet.

Quelle/Tradition: Österreichisches Biographisches Lexikon; Leo Baeck Institute; JTA 2011

Überliefert

Das Gericht begründete den Freispruch damit, dass ein nicht leichtgläubiger Kunde mit Irrtümern eines Hellsehers rechnen müsse.

Quelle/Tradition: Darstellung nach Kugel 1998 (über Wikipedia-Register); Urteilstext nicht eingesehen

Überliefert

Am Vorabend des Reichstagsbrands wurde in seinem Palast des Okkultismus ein brennendes Haus „gesehen“.

Quelle/Tradition: ÖBL; Leo Baeck Institute; Datum und Ablauf in den Quellen widersprüchlich, keine zeitgenössische Mitschrift

Gelebte Praxis

Bühnen-Mentalisten arbeiten bis heute mit Muskellesen; sein Lehrbuch wurde für diese Szene neu übersetzt.

Quelle/Tradition: Engl. Ausgabe „Mind Reading and Telepathy“ (übers. Bill Palmer, Einführung Banachek)

Nicht belegt

Hanussen konnte hellsehen.

Quelle/Tradition: Keine überprüfbare Leistung dokumentiert; ÖBL: „seine Leistungen stets umstritten“

Nicht belegt

Hanussen hat Hitler Unterricht im öffentlichen Reden gegeben.

Quelle/Tradition: Behauptung im OSS-Gutachten Langer 1943; Magida (JTA 2011): kein Beleg; LBI: Gerücht

Nicht belegt

Hanussen hat Marinus van der Lubbe hypnotisiert.

Quelle/Tradition: Kein Beleg; als unbelegte Behauptung geführt (Wikipedia-Register)

BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Was dieser Artikel klärt

  • Die kurze Antwort
  • Von Ottakring auf die Varietébühne
  • Was in seinem Lehrbuch von 1920 steht
  • Der Leitmeritzer Hellseherprozess
  • Die Hellseher-Zeitung und die SA
  • Der Palast des Okkultismus und der Reichstagsbrand
  • Verhaftung und Mord
  • Hat Hanussen Hitler das Reden beigebracht?
  • Häufige Fragen

Die kurze Antwort

Erik Jan Hanussen (2. Juni 1889 – vermutlich 25. März 1933) war ein österreichischer Varietékünstler, Gedankenleser und Hypnotiseur, der um 1932 als „Hellseher“ in Berlin zum Star wurde. Er gab eine okkulte Wochenzeitung heraus, lieh SA-Führern Geld und warb mit astrologischen Prognosen für Hitler. Im Februar 1933 eröffnete er seinen „Palast des Okkultismus“. Im März 1933 verhaftete ihn die SA, kurz darauf wurde er ermordet.

Belegt sind sein Werdegang, der Betrugsprozess mit Freispruch, seine Zeitung und seine Nähe zur Berliner SA. Nicht belegt ist, dass er hellsehen konnte. Und die berühmte Vorhersage des Reichstagsbrands ist in so vielen Fassungen überliefert, dass schon Datum und Ablauf strittig sind.

Von Ottakring auf die Varietébühne

Hermann Steinschneider wurde am 2. Juni 1889 im Wiener Vorort Ottakring geboren, als Sohn eines Schauspielers und Kaufmanns. So steht es im Österreichischen Biographischen Lexikon, dem verlässlichsten Kurzporträt, das es zu ihm gibt. Die Familie zog mit Theatertruppen durch Österreich und Italien; den Jungen nahmen die Eltern mit. Früh verließ er Schule und Elternhaus und arbeitete als Reporter, Schauspieler, Zirkusartist und Zauberkünstler.

Im Ersten Weltkrieg soll er als Wünschelrutengänger gedient haben – das Lexikon schreibt ausdrücklich „angeblich“. Ab 1918 trat er in Wien als „Telepath“ auf. Den Namen Erik Jan Hanussen legte er sich gegen Ende des Krieges zu, dazu die Legende, ein dänischer Adliger zu sein. Diese Selbsterfindung ist der rote Faden seines Lebens: Fast alles, was er später über seine Herkunft erzählte, stammt aus seiner eigenen Feder, und das Lexikon nennt seine Autobiografie Meine Lebenslinie (1930) schlicht „völlig unzuverlässig“.

Sein Durchbruch kam auf der Bühne. Hanussen zeigte Gedankenlesen und Hypnose als Abendprogramm, tourte durch Mitteleuropa und trat auch in Amerika auf. Im April 1932 brachte seine Show in der Berliner Scala einen Besucherrekord. Daneben verdiente er an Privatsitzungen, Heftchen und einer Hormoncreme – ein Geschäftsmann des Übersinnlichen, wie es im Berlin jener Jahre viele gab. Das Leo Baeck Institute schätzt die Szene der Stadt auf rund 20.000 Wahrsager, Astrologen und Hypnotiseure.

Was in seinem Lehrbuch von 1920 steht

Der aufschlussreichste Text über Hanussen ist von ihm selbst. 1920 veröffentlichte er Das Gedankenlesen / Telepathie, ein Lehrbuch in Lektionen. Wer es heute liest – es ist für die Zauberkunstszene ins Englische übersetzt worden –, findet keine Geisterlehre, sondern Technik: Lektion 2 heißt „Muskellesen“, es folgen „Fragelogik“, das Nadelexperiment und „Handlungsexperimente durch Handkontakt“. Hanussen erklärt, wie man einen Zuschauer an der Hand hält und aus winzigen, unbewussten Bewegungen abliest, wohin er denkt.

Das Prinzip ist dasselbe, das heute als ideomotorischer Effekt beschrieben wird: Wer an ein Ziel denkt, bewegt sich minimal darauf zu, ohne es zu merken. Hanussen stellt sich ausdrücklich in die Tradition der Bühnen-Gedankenleser des 19. Jahrhunderts, etwa des Engländers Stuart Cumberland, und beschreibt sie als Könner des Muskellesens.

Bemerkenswert ist der Schluss. Hanussen schreibt dort sinngemäß, er habe alles Mystische und Übernatürliche abgestreift und zeige das Gedankenlesen als das, was es immer gewesen sei: Menschenkenntnis plus genaue Beobachtung der ideomotorischen Vorgänge. Im selben Atemzug behauptet er, aus dieser Übung wachse von selbst eine „echte telepathische Empfindsamkeit“. Er liefert also die vollständige natürliche Erklärung seiner Kunststücke – und hält sich zugleich die Tür zum Wunder offen. Genau in diesem Spalt hat er später seine Karriere gebaut.

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Der Leitmeritzer Hellseherprozess

Ende der 1920er-Jahre stand Hanussen im böhmischen Leitmeritz (heute Litoměřice) wegen Betrugs vor Gericht. Der Vorwurf: Er habe gutgläubigen Kunden für Geld Auskünfte erteilt, die er nicht liefern konnte. Das Verfahren zog sich über rund zwei Jahre und wurde bis in die USA verfolgt. Hanussen machte daraus eine Bühne und führte seine Fähigkeiten im Gerichtssaal vor.

Im Mai 1930 sprach ihn das Gericht frei. Überliefert ist die Begründung, wer nicht leichtgläubig sei, müsse damit rechnen, dass ein Hellseher sich auch irren könne. Ein Freispruch ist also kein Echtheitszeugnis – er besagt nur, dass sich kein strafbarer Betrug nachweisen ließ. Hanussen selbst vermarktete ihn trotzdem als Beweis und brachte noch 1930 gemeinsam mit Heinrich Wissiak ein Buch über den Prozess heraus.

Die Hellseher-Zeitung und die SA

Im eigenen Verlag gab Hanussen ab 1931 erst das Magazin Die andere Welt, dann die Berliner Wochenschau heraus, später auch Bunte Wochenschau – Die Hellseher-Zeitung. Laut Leo Baeck Institute stieg die Auflage von 8.000 auf 38.000 und schließlich 140.000 Exemplare. Anfangs mischte das Blatt Okkultes, Unterhaltung und Erotik. Nach Hanussens Begegnung mit Hitler im Sommer 1932 wechselte es in Fraktur und auf „astropolitische“ Prognosen: Die Ausgabe vom 8. Oktober 1932 warb mit Horoskopen für NSDAP, SA und Hitler.

Zugleich band sich Hanussen an die Berliner SA unter Wolf-Heinrich Graf von Helldorff. Er bezahlte im Mai 1932 Schulden von Helldorff und Wilhelm Ohst und kaufte 400 Paar Stiefel für die SA. Seine jüdische Herkunft war ein offenes Geheimnis; linke wie rechte Zeitungen schrieben darüber, und Joseph Goebbels nannte ihn 1931 einen „tschechischen Juden“, musste das aber dementieren. Für die Partei wurde er damit zum Risiko.

Hanussens Weg in Zahlen und Daten (nach ÖBL und Leo Baeck Institute)
Jahr Ereignis
1889 Geburt als Hermann Steinschneider in Wien-Ottakring
1918 erste Auftritte als „Telepath“ in Wien
1920 Lehrbuch Das Gedankenlesen / Telepathie
1930 Freispruch im Leitmeritzer Hellseherprozess · Autobiografie Meine Lebenslinie
1932 Rekord in der Berliner Scala · Zeitung bis 140.000 Auflage · Prognosen für die NSDAP
Feb. 1933 Eröffnung des „Palasts des Okkultismus“
März 1933 Verhaftung durch die SA und Ermordung

Der Palast des Okkultismus und der Reichstagsbrand

Anfang 1933, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, ließ Hanussen in der Lietzenburger Straße in Charlottenburg seinen „Palast des Okkultismus“ einrichten. Die Gäste saßen an einem runden Tisch, die Handflächen auf einer von unten beleuchteten Glasplatte; das Licht wurde gedämpft, dann sprach der Hausherr. Ein Salon, der Séance und Varieté verband – das Muster kennt man aus dem Spiritismus des 19. Jahrhunderts.

Was dort am Vorabend des Brandes geschah, erzählen die Quellen verschieden. Das ÖBL spricht von einer Séance, in der ein „hypnotisches Medium“ ein großes brennendes Haus gesehen habe; Hanussens Zeitung habe zuvor Andeutungen über eine bevorstehende Verzweiflungstat der KPD gemacht. Das Leo Baeck Institute datiert eine Séance auf den 26. Februar. Andere Darstellungen sprechen von der Eröffnungsfeier am 26., bei der die Schauspielerin Maria Paudler Verse vortrug, die man später als Prophezeiung las. Wieder andere verlegen die Szene in die Brandnacht selbst.

Eine zeitgenössische, wörtliche Mitschrift ist nicht greifbar. Die vom Leo Baeck Institute digitalisierten Ausgaben seiner Zeitung stammen alle aus dem Jahr 1932 (April bis Oktober); die Hefte vom Februar 1933 sind nicht darunter. Wer also liest, Hanussen habe den Reichstagsbrand „vorhergesagt“, liest eine Erzählung, deren Wortlaut niemand mehr vorlegen kann.

Unsere Einschätzung: Wenn es eine Andeutung gab, ist die naheliegende Erklärung nicht Hellsicht, sondern Nähe. Hanussen verkehrte mit führenden Berliner SA-Leuten, und eine „Verzweiflungstat der Kommunisten“ war genau die Deutung, die die NS-Führung nach dem Brand verbreitete. Dass er konkretes Insiderwissen hatte, wird oft behauptet – belegt ist auch das nicht. Die Behauptung, er habe den Brandstifter Marinus van der Lubbe hypnotisiert, ist ohne jeden Beleg.

Verhaftung und Mord

Am 23. März 1933, knapp vier Wochen nach dem Brand, holte ihn ein SA-Kommando aus seinem Haus in der Lietzenburger Straße. Nach der Rekonstruktion seines Biografen Wilfried Kugel wurde er in der Nacht darauf erschossen, vermutlich im frühen SA-Gefängnis in der Papestraße in Tempelhof – dort, wo heute der Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße an die Gefangenen von 1933 erinnert. Das ÖBL nennt den 25. März als wahrscheinliches Todesdatum. Erst Wochen später wurde seine Leiche in einem Waldstück südlich von Berlin gefunden. Begraben liegt er auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Warum er sterben musste, ist bis heute nicht geklärt. Das ÖBL schreibt, er sei „auf Befehl höchster nationalsozialistischer Kreise“ festgenommen und liquidiert worden. Genannt werden drei Motive, keines bewiesen: Er wusste zu viel; er hatte Schuldscheine hoher SA-Leute in der Hand, darunter Helldorffs; und seine jüdische Herkunft war für die Partei nach der Machtübernahme untragbar geworden.

Hat Hanussen Hitler das Reden beigebracht?

Diese Geschichte hält sich hartnäckig. Ihre Quelle ist ein Gutachten des amerikanischen Psychoanalytikers Walter C. Langer für den Geheimdienst OSS von 1943, das behauptet, Hitler habe in den frühen 1920er-Jahren bei Hanussen Unterricht in Bühnenwirkung genommen.

Der Journalist Arthur J. Magida, der Hanussen 2011 ein ganzes Buch gewidmet hat (The Nazi Séance), hält dagegen: Die beiden hätten sich allenfalls flüchtig gekannt, für Redeunterricht gebe es keinen Beleg. Das Leo Baeck Institute führt die Beratung Hitlers ebenfalls nur als Gerücht. Belegt ist, was Hanussen öffentlich tat: Er druckte günstige Horoskope für die NSDAP. Das genügt, um ihn als Profiteur und Propagandisten einzuordnen – eines Regimes, das ihn dann selbst ermordete.

Warum Hanussen bis heute fasziniert

Kaum ein Okkultist ist so oft verfilmt worden: 1955 mit O. W. Fischer, 1988 von István Szabó mit Klaus Maria Brandauer, 2001 bei Werner Herzog in Invincible. Die Faszination liegt in der Fallhöhe – ein jüdischer Wiener, der sich als dänischer Graf ausgibt, den Nationalsozialisten die Zukunft deutet und von ihnen umgebracht wird.

Für die Esoterik-Geschichte ist er aus einem anderen Grund wichtig. An ihm sieht man, wie eng Bühnentechnik, Okkultismus und politische Stimmungsmache im Berlin der Weimarer Republik verflochten waren. Und sein eigenes Lehrbuch zeigt, dass der berühmteste „Hellseher“ der Zeit sehr genau wusste, wie man die Wirkung von Telepathie erzeugt, ohne Telepathie zu brauchen.

Stimmen zu Erik Jan Hanussen

  • Österreichisches Biographisches Lexikon (Peter Mulacz, 2010): Hanussens Autobiografie sei „völlig unzuverlässig“, um ihn herum herrsche eine „fast undurchschaubare Legendenbildung“.
  • Arthur J. Magida, Autor von The Nazi Séance (2011): „It was all smoke and mirrors“ – alles Rauch und Spiegel.
  • Eddy Portnoy in seiner Rezension für Forward (2011): Die Gründe für den Mord seien bis heute ein Rätsel.
  • Hanussen selbst (1920), sinngemäß: Er zeige das Gedankenlesen ohne alles Mystische, als Menschenkenntnis und Beobachtung.

Was wir nicht behaupten

Wir behaupten weder, dass Hanussen hellsehen konnte, noch dass er Hitler beraten oder vom Reichstagsbrand vorab gewusst hat. Wir berichten, was über sein Leben belegt ist, und trennen das von der Legende. Dieser Artikel macht keine Vorhersagen und verspricht keine Fähigkeiten.

Häufige Fragen

Wer war Erik Jan Hanussen?

Ein österreichischer Varietékünstler, Gedankenleser und Hypnotiseur (1889–1933), geboren als Hermann Steinschneider in Wien. Um 1932 war er der bekannteste „Hellseher“ Berlins.

Hat Hanussen den Reichstagsbrand vorhergesagt?

Das wird seit 1933 erzählt, aber in widersprüchlichen Fassungen. Eine wörtliche zeitgenössische Mitschrift liegt nicht vor. Belegt ist nur, dass ihm eine solche Voraussage zugeschrieben wurde.

Warum wurde Hanussen ermordet?

Das ist ungeklärt. Diskutiert werden sein mögliches Wissen über die SA, Schuldscheine von SA-Führern und seine jüdische Herkunft. Er wurde im März 1933 von der SA verhaftet und getötet.

War Hanussen Jude?

Ja, er stammte aus einer jüdischen Familie mährischer Herkunft und trat 1933 zum Protestantismus über. Seine Herkunft war in Berlin ein offenes Geheimnis.

Wurde Hanussen als Betrüger verurteilt?

Nein. Im Leitmeritzer Hellseherprozess wurde er im Mai 1930 vom Betrugsvorwurf freigesprochen. Ein Nachweis hellseherischer Fähigkeiten war das nicht.

Welche Filme gibt es über Hanussen?

Unter anderem „Hanussen“ (1955) mit O. W. Fischer, „Hanussen“ (1988) von István Szabó mit Klaus Maria Brandauer und Werner Herzogs „Invincible“ (2001).

Quellen: Peter Mulacz, „Steinschneider, Hermann; Ps. Erik Jan Hanussen“, Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Bd. 13 (2010), S. 198 · Leo Baeck Institute, „Erik Jan Hanussen's Berliner Wochenschau“ (Sammlungsbeschreibung; Digitalisat Internet Archive, Nr. 12, 18, 25, 32 von 1932) · Erik Jan Hanussen, Das Gedankenlesen / Telepathie (1920; engl. Ausgabe Mind Reading and Telepathy, übers. Bill Palmer) · Wilfried Kugel, Hanussen. Die wahre Geschichte des Hermann Steinschneider, Düsseldorf 1998 · Mel Gordon, Erik Jan Hanussen: Hitler's Jewish Clairvoyant, 2001 · Arthur J. Magida, The Nazi Séance, 2011, und Interview in JTA, 20.12.2011 · Eddy Portnoy, Rezension in Forward, 2011 · Walter C. Langer, OSS-Gutachten 1943 (veröff. als The Mind of Adolf Hitler, 1972) · Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße, Berlin · Wikipedia „Erik Jan Hanussen“ de/en (nur als Quellenregister).

Weiterlesen: Nostradamus · Baba Wanga · Edgar Cayce · Mesmerismus und Hypnose · Okkultismus

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