Hexentanzplatz Thale: Was an der Kultstätte wirklich alt ist
Eine Mauer aus der Eisenzeit, ein Teufels-Tanzplatz von 1800, eine Goethe-Ballade und eine völkische Bühne von 1903: wie der Hexentanzplatz zu seiner Geschichte kam.
Inhalt
Am Hexentanzplatz bei Thale ist nur eines nachweislich alt: der Sachsenwall, eine eisenzeitliche Trockenmauer (etwa 750–450 v. Chr.). Der älteste gedruckte Name von 1800 lautet „Teufels-Tanzplatz“; die Sage vom sächsischen Hexenkult folgt Goethes Ballade von 1799, und das germanische Gepräge entstand 1901–1913.
Der Hexentanzplatz ist ein Plateau auf 454 m über dem Bodetal bei Thale, gegenüber der Roßtrappe (403 m).
Das Bodetal ist seit der Verordnung vom 5. März 1937 Naturschutzgebiet; bei Thale liegen fast 250 m zwischen Felskante und Talsohle, im Ramberg-Granit.
Der Sachsenwall ist eine Trockenmauer aus Granitblöcken, rund 150 m lang und einst etwa 2 m hoch.
Die Nachschlagewerke datieren den Sachsenwall auf etwa 750–450 v. Chr.; einen Grabungsbericht konnten wir nicht einsehen.
Die Sachsen lebten in der Antike im Raum Schleswig und breiteten sich erst im 5. Jahrhundert n. Chr. durch Norddeutschland aus, lange nach dem Bau der Mauer.
Der älteste gedruckte Name, den wir fanden, lautet „Teufels-Tanzplatz“: Otmar, Volcks-Sagen, Bremen 1800, S. 181–186.
Praetorius' Blockes-Berges Verrichtung (1668) nennt den Harz 41-mal und den Blocksberg rund 89-mal, Roßtrappe, Thale oder einen Tanzplatz nie (eigene Volltextsuche).
Goethe schrieb Die erste Walpurgisnacht im Mai 1799 und erläuterte die Idee am 3. Dezember 1812 in einem Brief an Zelter.
Die Walpurgishalle entstand 1901 nach Plänen von Bernhard Sehring auf Anregung Hermann Hendrichs und ist seit dem 9. Oktober 2015 wieder Museum.
Ernst Wachler gründete das Bergtheater am 8. Juli 1903; im August 1913 wurde dort die Germanische Glaubens-Gemeinschaft gegründet.
Das umgebaute Plateau mit Hexendorf wurde 2024 wiedereröffnet; der Umbau von Plateau und Bergtheater kostete 27 Millionen Euro.
Die Roßtrappen-Sage: Emmas Pferd springt über die Schlucht und hinterlässt den Hufabdruck im Granit.
Die heute vor Ort erzählte Geschichte von Sachsen, die als Hexen verkleidet fränkische Wachen vertrieben.
Die Walpurgisnacht wird jedes Jahr am 30. April auf dem Plateau gefeiert.
Dass der Hexentanzplatz eine vorchristliche Kultstätte war. Weder die Mauer noch ein dokumentierter Fund beweist es.
Dass hier Göttinnen namens Hagedisen verehrt wurden; für Name und Kult fanden wir keine frühe Quelle.
Dass der Opferstein in der Walpurgishalle für Opfer genutzt wurde; ein veröffentlichter Fundbericht war nicht auffindbar.
Dass ein Besuch des Ortes eine körperliche, medizinische oder spirituelle Wirkung hat.
BELEGT = wissenschaftlich oder amtlich nachprüfbar · ÜBERLIEFERT = historisch/traditionell dokumentiert · GELEBTE PRAXIS = verbreitete Anwendung, Erfahrungswerte · NICHT BELEGT = spirituelle Deutung, wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Der Hexentanzplatz über dem Bodetal gilt als altsächsische Kultstätte, an der schon vor der Christianisierung die Walpurgisnacht gefeiert wurde. Wir haben die ältesten gedruckten Quellen gelesen, die sich zu dem Ort finden lassen, und sie nach Jahreszahlen sortiert. Ergebnis: Der Name, die Hexen und die heidnische Vorgeschichte kamen jeweils zu einer anderen Zeit auf den Berg — und keiner davon ist so alt wie die Mauer, die dort tatsächlich steht.
Was dieser Artikel behandelt
- Was auf dem Plateau wirklich steht
- Warum der Sachsenwall älter ist als die Sachsen
- „Des Teufels Tanzplatz": der älteste gedruckte Name
- Was Praetorius 1668 über Thale schreibt: nichts
- Goethes Ballade als Vorlage der Hagedisen-Sage
- Die Germanen von 1901: Walpurgishalle und Bergtheater
- Der Hexentanzplatz heute
Die kurze Antwort
Der Hexentanzplatz ist ein Plateau auf 454 Metern über dem Bodetal bei Thale im Landkreis Harz, gegenüber der Roßtrappe. Über einen Teil des Geländes zieht sich der Sachsenwall, eine rund 150 Meter lange Trockenmauer aus Granitblöcken, die nach den gängigen Nachschlagewerken etwa 750 bis 450 v. Chr. entstand. Sie ist das Einzige auf dem Plateau, das nachweislich alt ist.
Der Name ist jünger. Die älteste gedruckte Quelle, die wir finden konnten, eine Sagensammlung von 1800, spricht vom „Teufels-Tanzplatz". Die bekannte Geschichte von Sachsen, die als Hexen verkleidet fränkische Wachen vertrieben, hat keine frühe Quelle — ihr Handlungsgerüst ist dasselbe wie in Goethes Ballade Die erste Walpurgisnacht von 1799. Und das germanische Gepräge, das Besucher heute sehen, entstand zwischen 1901 und 1913, zum guten Teil in völkischer Absicht.
Was auf dem Plateau wirklich steht
Die Bode hat sich in den Ramberg-Granit eingeschnitten; bei Thale liegen zwischen Felskante und Talsohle fast 250 Meter. Das Bodetal ist seit einer Verordnung vom 5. März 1937 Naturschutzgebiet, rund 474 Hektar groß und zugleich FFH-Gebiet der EU. Nördlich der Schlucht liegt der Hexentanzplatz, südlich die Roßtrappe mit 403 Metern. Wer an der Kante steht, versteht sofort, warum diese Landschaft Geschichten angezogen hat.
Der Sachsenwall quert den nordöstlichen Teil des Plateaus. Er ist ohne Mörtel aus Granitblöcken gesetzt, war einst etwa zwei Meter hoch und am Fuß rund vier Meter breit, und er riegelte einen Teil der Hochfläche ab. Gelesen wird er als Fliehburg, als Rückzugsort in Gefahr. Einen veröffentlichten Grabungsbericht konnten wir nicht einsehen; die Datierung folgt deshalb den Nachschlagewerken und ist im Einordnungskasten entsprechend gekennzeichnet.
Das ist in beide Richtungen wichtig. Hier steht wirklich etwas, das rund 2.500 Jahre alt ist. Aber gebaut wurde es zum Schutz, und nichts an der Mauer verrät, dass hinter ihr getanzt, gebetet oder geopfert wurde. Eine kultische Nutzung ist möglich. Belegt ist sie nicht.
Warum der Sachsenwall älter ist als die Sachsen
Mehrere Harz-Portale schreiben, der germanische Stamm der Sachsen habe die Mauer zwischen 750 und 450 v. Chr. errichtet. Beides zugleich kann nicht stimmen. Die Sachsen lebten in der Antike im Raum des heutigen Schleswig und an der Ostseeküste; ihre Ausbreitung durch Norddeutschland setzt die Encyclopaedia Britannica ins 5. Jahrhundert n. Chr. Zwischen dem Bau der Mauer und der Ankunft der Sachsen in der Gegend liegen mehr als tausend Jahre.
Die naheliegende Erklärung ist unspektakulär: Spätere Bewohner gaben einem alten Bauwerk, das sie nicht einordnen konnten, den Namen der berühmtesten „alten Heiden", die sie kannten. Dieselbe Mauer hieß auch Heidenwall und Teufelsmauer. Das ist ein kleines Detail, aber es zeigt ein Muster, das sich durch den ganzen Ort zieht: Namen, die mehr über die Namensgeber verraten als über das Benannte.
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1800 erschienen bei Wilmans in Bremen die Volcks-Sagen von Johann Karl Christoph Nachtigal, veröffentlicht unter dem Namen Otmar. Darin steht die älteste schriftliche Fassung der Roßtrappen-Sage: Der Riese Bohdo jagt Emma, die Königstochter vom Riesengebirge, durch Thüringen bis in den Harz. Dort hält ihr Pferd — im Original:
„Jetzt stand ihr Roß sich verschnaufend auf dem furchtbaren Fels, der, von dem Jubeltanz des Bösen, der Teufels-Tanzplatz heißt."
Emma ruft die Geister ihrer Väter an, das Pferd springt über die Schlucht und schlägt den Huf „vier Fuß tief in das harte Gestein". Bohdo stürzt in den Fluss, gibt ihm seinen Namen und bewacht als schwarzer Hund die verlorene Krone im „Kreetpfuhl". Der Text endet mit der Erklärung des Namens: Der Fels, „wo Emma, die Königstochter, die Hülfe der Geister der Hölle erflehte", heiße „des Teufels Tanzplatz".
Zwei Befunde. Erstens: 1800 ist vom Teufel die Rede, nicht von Hexen; die Form Teufelstanzplatz hielt sich bis ins 19. Jahrhundert. Zweitens erklärt schon die älteste Quelle den Namen aus einer Sage, nicht aus einer Erinnerung an einen Kult. Und der Hufabdruck selbst? Geologisch eine Granit-Verwitterungsschüssel, eine natürlich entstandene Mulde, die später von Hand nachgearbeitet wurde. Otmar war da vorsichtig: Er sprach nur von „einiger Aehnlichkeit" mit einem Pferdehuf.
Was Praetorius 1668 über Thale schreibt: nichts
Wäre der Platz schon zur Zeit der Hexenprozesse als Versammlungsort bekannt gewesen, müsste ihn ein Buch erwähnen: Johannes Praetorius' Blockes-Berges Verrichtung von 1668, die umfangreichste Sammlung dessen, was man sich damals über die Harzhexen erzählte. Das Deutsche Textarchiv hat den vollständigen Text digitalisiert. Wir haben alle 131.347 Wörter durchsucht. Der „Hartz" kommt 41-mal vor, der Blocksberg in seinen Schreibweisen rund 89-mal. Roßtrappe, Thale und ein Tanzplatz kommen kein einziges Mal vor.
Das beweist nicht, dass niemand je Hexengeschichten über das Plateau erzählte. Es zeigt aber, dass der Harz im 17. Jahrhundert genau einen Hexenberg hatte: den Brocken, rund 30 Kilometer westlich. Mehr zu dem Buch steht in unserem Porträt über Johannes Praetorius.
Dazu gehört, was „Hexentanzplatz" ursprünglich bedeutete. In den Prozessen verlangten die Richter von Angeklagten, die Tanzplätze aufzuzählen, an denen sie mit dem Teufel gewesen sein sollten — und die Namen der anderen, die sie dort gesehen hätten. Diese Besagungen lösten Kettenprozesse aus. Hunderte solcher Orte sind überliefert; der Trierer Richter Dietrich Flade gestand 1589 unter der Folter, auf dem Tanzplatz bei Hetzerath gewesen zu sein. Die wirklichen Harzer Prozesse fanden in Städten wie Quedlinburg statt, keine zehn Kilometer von Thale entfernt, wo der Stadtsyndikus Gottfried Christian Voigt 1784 die Akten auszählte. Ein Hexentanzplatz war historisch ein Ort, den die Folter erfand. Das ist die eigentliche Geschichte des Wortes, und sie ist finsterer als jede Sage über Thale.
Goethes Ballade als Vorlage der Hagedisen-Sage
Heute erzählt man in Thale eine andere Herkunft: Das Plateau sei ein altsächsischer Kultort gewesen, an dem in der Nacht zum 1. Mai die Hagedisen, Wald- und Berggöttinnen, verehrt wurden. Als die christlichen Franken den Kult verboten und Wachen aufstellten, hätten die Sachsen sich als Hexen verkleidet, seien auf Besen angeritten und hätten die Soldaten verjagt.
Eine frühe Quelle dafür fanden wir nicht. Wohl aber das Handlungsgerüst. Im Mai 1799 schrieb Goethe die Ballade Die erste Walpurgisnacht: Druiden steigen in der Mainacht auf den Harz, um „Allvater" zu loben; ihre Wächter vermummen sich als Teufel und schlagen die christlichen Wachen in die Flucht. Die Schlüsselverse:
„Diese dumpfen Pfaffenchristen, / laßt uns keck sie überlisten! / Mit dem Teufel, den sie fabeln, / wollen wir sie selbst erschrecken."
Woher die Idee stammte, schrieb Goethe am 3. Dezember 1812 an Carl Friedrich Zelter: Einer der deutschen Altertumsforscher habe „die Hexen- und Teufelsfahrt des Brockengebirges" durch einen historischen Ursprung „retten und begründen" wollen — vertriebene Heidenpriester, die „eine Anzahl der ihrigen" vermummten, um die Bekehrer fernzuhalten. Legt man Thaler Sage und Goethe-Ballade nebeneinander, stimmen alle Bausteine überein: verbotener Kult, Mainacht, Berg, Verkleidung, fliehende christliche Wachen. Unsere Einschätzung: Die Thaler Fassung ist eine spätere Übertragung dieser Gelehrtenthese auf einen neuen Ort. Auch das Wort „Hagedisen" klingt eher gelehrt als überliefert; es erinnert an althochdeutsch hagazussa, das gewöhnlich als Wurzel von „Hexe" genannt wird.
Die Germanen von 1901: Walpurgishalle und Bergtheater
Um 1900 wurde das Plateau gezielt zu einer germanischen Weihestätte umgebaut. Der Maler Hermann Hendrich wollte eigentlich eine Walpurgishalle auf dem Brockengipfel; nach einem Architektenwettbewerb fiel die Wahl auf den Hexentanzplatz. Der Berliner Theaterarchitekt Bernhard Sehring errichtete 1901 die Halle nach dem Vorbild altnordischer Holzbauten, mit einem monumentalen Wotanskopf unter Flügelhelm am Giebel und den Raben Hugin und Munin im Relief. Innen zeigen fünf Großgemälde Hendrichs Szenen aus der Walpurgisnacht in Goethes Faust. Seit 2014 saniert, ist die Halle seit dem 9. Oktober 2015 wieder Museum. Im Eingang steht ein Granitblock, der als Opferstein mit „germanischen Schriftzeichen" gezeigt wird. Einen veröffentlichten Fundbericht, der ihn datiert oder eine Opfernutzung belegt, fanden wir nicht.
Am 8. Juli 1903 eröffnete Ernst Wachler auf dem Plateau die „Grüne Bühne", das heutige Harzer Bergtheater. Der Historiker Uwe Puschner zählt Wachler zu den Gründervätern der völkisch-religiösen Bewegung im Kaiserreich, einer nationalistischen und antisemitischen Strömung, die das Christentum durch einen neu erfundenen Germanenglauben ersetzen wollte. Eröffnet wurde mit Wachlers Stück Walpurgis; in die Eingangstür war ein Hakenkreuz geschnitzt, am Fuß der Treppe stand ein Steinaltar. Im August 1913 wurde hier die Germanische Glaubens-Gemeinschaft gegründet, 1914 folgte ein „Allthing germanischer Gemeinschaften". Wachler, dessen Mutter jüdischer Herkunft war, starb 1945 im Ghetto Theresienstadt — die Bewegung, die er mitbegründet hatte, verfolgte am Ende ihn selbst.
Diese Schicht bekommen die wenigsten Besucher erzählt, dabei erklärt sie den Rest. Die „uralte germanische Kultstätte" wurde zu einem guten Teil zwischen 1901 und 1913 bewusst gebaut, von Menschen, die wollten, dass es sie gibt. Denselben Antrieb zeigen die Externsteine, für die Wilhelm Teudt 1929 eine germanische Sternwarte behauptete — siehe unser Porträt Wilhelm Teudt und die Germanischen Heiligtümer.
| Zeit | Schicht | Stand |
|---|---|---|
| ca. 750–450 v. Chr. | Sachsenwall, Trockenmauer einer Fliehburg | Bauwerk vorhanden; Datierung nach Nachschlagewerken |
| 1668 | Praetorius' Hexenbuch: Thale kommt nicht vor | Volltext geprüft |
| 1799 / 1812 | Goethe: vermummte Heiden erschrecken christliche Wachen | Literarische Vorlage der späteren Sage |
| 1800 | „Teufels-Tanzplatz" in Otmars Roßtrappen-Sage | Ältester gedruckter Name, den wir fanden |
| 1901–1913 | Walpurgishalle, völkisches Bergtheater, Germanische Glaubens-Gemeinschaft | Belegte moderne Inszenierung |
Der Hexentanzplatz heute
Von Thale fährt eine Kabinenseilbahn auf das Plateau, ein Sessellift auf die Roßtrappe gegenüber. Seit 2024 bildet ein Hexendorf aus windschiefen Häuschen mit 17 Händlern den Eingang; Plateau und Bergtheater wurden für 27 Millionen Euro aus Mitteln von EU, Bund, Land und Stadt umgebaut. Dazu kommen der Tierpark (seit 1973), die Sommerrodelbahn und die Figurengruppe mit Teufel, Homunkulus und Hexengroßmutter Wadelinde von Jochen Müller, enthüllt am 21. April 1996. Am 30. April findet hier eine der größten Walpurgisfeiern im Harz statt.
Wer die älteren Schichten sucht, geht zum nordöstlichen Rand, wo die Reste des Sachsenwalls liegen, und schaut hinüber zur Roßtrappe. Bitte auf den Wegen bleiben, das Bodetal ist Naturschutzgebiet, und keine Steine mitnehmen. Ob man wegen der Hexen, der Eisenzeit oder der Aussicht kommt: Das Älteste hier ist die Schlucht selbst, und sie lohnt den Weg. Eine besondere Wirkung verspricht der Ort nicht, und wir tun es auch nicht. Einen Überblick über weitere Orte gibt unser Beitrag Kraftorte in Deutschland.
Häufige Fragen
Ist der Hexentanzplatz eine alte heidnische Kultstätte?
Belegt ist das nicht. Der Sachsenwall stammt aus der Zeit um 750 bis 450 v. Chr. und gilt als Fliehburg. Eine kultische Nutzung ist möglich, aber nicht nachgewiesen; die Geschichte vom sächsischen Maikult hat keine frühe Quelle.
Warum heißt der Ort Hexentanzplatz?
Die älteste gedruckte Quelle, die wir fanden, nennt ihn 1800 „Teufels-Tanzplatz". Die Hexen kamen im 19. Jahrhundert hinzu, zusammen mit dem Fremdenverkehr und dem Ruhm von Goethes Walpurgisnacht.
Haben die Sachsen den Sachsenwall gebaut?
Nein. Die Mauer wird in die Eisenzeit datiert, mehr als tausend Jahre bevor sich die Sachsen im 5. Jahrhundert n. Chr. in Norddeutschland ausbreiteten. Der Name wurde ihr später gegeben.
Gab es in Thale Hexenprozesse?
Uns ist keine Prozessakte bekannt, die das Plateau nennt, und Praetorius' Hexenbuch von 1668 erwähnt es nicht. Die Prozesse der Region fanden in Städten wie Quedlinburg statt.
Was ist der Hufabdruck auf der Roßtrappe?
Der Sage nach der Abdruck von Emmas Pferd beim Sprung über die Schlucht. Geologisch ist es eine Granit-Verwitterungsschüssel, eine natürlich entstandene Mulde, die später von Hand nachgearbeitet wurde.
Wann ist Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz?
Jedes Jahr in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, mit einer der größten Feiern im Harz.
Quellen
Otmar [J. K. C. Nachtigal], „Die Roßtrappe", Volcks-Sagen, Wilmans, Bremen 1800, S. 181–186 (Transkription Wikisource) · Johannes Praetorius, Blockes-Berges Verrichtung, Leipzig 1668 (Volltext Deutsches Textarchiv, eigene Wortsuche) · Goethe, Die erste Walpurgisnacht (1799) und Brief an Zelter vom 3.12.1812 · Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, NSG „Bodetal" (VO vom 5.3.1937) · Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Denkmal des Monats Juni 2023: Walpurgishalle (Pregla/Steinecke) · Uwe Puschner, Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich (2001) · Encyclopaedia Britannica, „Saxon" · G. C. Voigt, Berlinische Monatsschrift 3 (1784), S. 297–311 · Wikipedia-Artikel „Hexentanzplatz (Harz)", „Hexentanzplatz", „Roßtrappe", „Walpurgishalle", „Harzer Bergtheater Thale" (als Quellenregister) · MDR, „Hexentanzplatz im Harz wiedereröffnet", 26.9.2024 · Fuhrmann/Vogt, Die Steine am Hexentanzplatz, 2. Aufl. 2007.
Weiterlesen bei uns: Der Hexenbesen: Herkunft und Bedeutung · Die Externsteine eingeordnet






